Foto: Jan Tinneberg

Acht Fragen für den Start – Wissenschaftskommunikation als Job

Warum Wissenschaftskommunikation? Was liegt mir? Und was macht am meisten Spaß? Wir haben acht Fragen für diejenigen gesammelt, die darüber nachdenken, Wissenschaftskommunikation zum Hauptberuf zu machen. Dazu gibt es Beispiele, wie das konkret aussehen kann.

Es gibt viele Wege, um als Kommunikator*in in der Wissenschafts- und Forschungslandschaft Fuß zu fassen. Allerdings gibt es auch genauso viele Stellenprofile mit unterschiedlichsten Anforderungen. Wir haben einige Fragen gesammelt, die bei der Suche nach dem passenden „Wisskomm-Job“ helfen können – und es gibt natürlich noch viele mehr. Die Links im Text führen weiter zu Interviews und Jobprofilen von Kommunikator*innen, die uns aus ihrem Arbeitsleben berichtet haben und wie sie dorthin gekommen sind.

Was ist das Spannende an Wissenschaftskommunikation als Arbeitsfeld?

Sätze feilen, bis die Pressemitteilung oder der Text der Instagram-Story sitzt? Den Überblick behalten, wenn in den Ferien Kinder die Hörsäle belegen? Politischen Entscheidungsträger*innen Informationen für ihre Debatten liefern? Oder nach einer Zeit als Wissenschaftler*in die eigene Expertise nutzen, um einen komplexen Fachbereich über verschiedene Kanäle zugänglich zu machen? Die Arbeitsfelder in der Wissenschaftskommunikation sind sehr vielfältig. Genauso wie die Motivation der Macher*innen und so kann es auch vor der Jobsuche helfen, sich zu überlegen, was einen selbst antreiben. 

Was möchte ich erreichen?

Die Ziele von Wissenschaftskommunikation können sehr unterschiedlich sein. Dazu gehört, Scientific Literacy zu fördern, also Wissen zu einem Forschungsthema oder wissenschaftlichen Methode zu vermitteln. Vielleicht auch viel debattierte Methoden wie Tierversuche erklären. Emotionen zu wecken, also Begeisterung und Faszination für wissenschaftliches Arbeiten und vielleicht auch Forschung als Arbeitsfeld, ist ein zweites großes Ziel. Aber auch Meinungen von Außen zur Forschung einzuholen und Vertrauen und Akzeptanz für wissenschaftliche Ergebnisse zu schaffen, gehört dazu.

Welche fachliche Expertise braucht es?

Einige Kommunikator*innen haben selbst in einem Fachbereich geforscht, bevor sie hauptberuflich in die Wissenschaftskommunikation gewechselt sind. Andere haben einen ganz anderen Hintergrund wie eine Ausbildung in einem Kommunikationsberuf oder kommen aus dem Kreativbereich. Sie bringen also den Blick von außen auf die Inhalte mit und damit auch Fragen, die vielleicht das Publikum stellen würde. Wieder andere sind nach einem fachlichen Studium oder der Promotion über eine Vertretungsstelle in der Wissenschaftskommunikation gelandet. Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Für einen Job in der Wissenschaftskommunikation kommt es also nicht so sehr auf den Hintergrund an, sondern viel mehr auf die Fähigkeiten, Interessen und auch Werte, die man mitbringt.

Welches Handwerkszeug bringe ich mit?

Videoschnitt, Eventmanagement, Social-Media-Marketing – Die Skillsets, die in Ausschreibungen für Wissenschaftskommunikationsjobs gefragt sind oft sehr konkret. Schon für ein Volontariat braucht es erste Erfahrungen im Texten, Bildbearbeitung, Videoschnitt, oder, oder, oder. 

Die kann man zum Beispiel in Praktika erwerben, aber auch in den Lehrredaktionen bei Campusradios, mit dem eigenen Blog zur Doktorarbeit, einem Instagram-Projekt oder durch Mitarbeit in der Bildungsarbeit der lokalen Sternwarte. Bei Bewerbungen auf Jobs im Kommunikationsbereich oder Journalismus sind außerdem Arbeitsproben oft ein Schlüssel in die nächste Runde.

Welche Zielgruppen interessieren mich?

Zielgruppengerechte Ansprache ist essenziell, um in der Vielzahl an Informationsangeboten on- und offline auch tatsächlich jemanden zu erreichen. Dabei gibt es verschiedene Formate, die vor allem für junge Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche konzipiert sind, aber auch einige Beispiele mit anderem Fokus, etwa auf ältere Menschen oder auch solche, die von Wissenschaftskommunikation bisher kaum erreicht werden. Um Inhalte für ein Publikum dann auch wirklich anschlussfähig zu machen und nicht bloß „abzuladen“, sollte man seine Zielgruppe sehr gut kennen – und bestenfalls auch mögen.

Wissensvermittlung, Dialog oder Citizen Science – Welche Formate finde ich spannend?

Viele „Klassiker“ der Formatelandschaft legen den Fokus auf die Vermittlung von Wissen an Lai*innen. Vorträge, Ausstellungen, populärwissenschaftliche Bücher und Co haben meist eine klare Richtung der Kommunikation von den Expert*innen zum Publikum. Andere Formate setzen vielmehr auf Partizipation und einen Dialog, von dem alle Teilnehmenden profitieren. Hier sollen auch die Forschenden neue Impulse für ihre Arbeit mitnehmen. In Reallaboren arbeiten Wissenschaftler*innen mit Akteur*innen der Zivilgesellschaft gemeinsam an Fragen, etwa zur Mobilität oder der Stadtentwicklung. Die Übergänge zur Citizen Science sind dann fließend. Wieder andere Formate wie Videospiele oder Virtual Reality legen die Steuerung in die Hand der Zuschauer*innen. Für die Organisator*innen all dieser Formate bedeutet das vor allem: Unterschiedlichste Arbeitsweisen und dementsprechend auch Jobprofile.

Wissenschaftskommunikation, Wissenschafts-PR oder beides – Was ist meine Definition des Arbeitsfeldes?

Über die Definition von Wissenschaftskommunikation wird viel gestritten. Gehört allein die Vermittlung von und der Diskurs über Forschungsinhalte dazu? Oder auch die Kommunikation durch eine Forschungsinstitution und ihre Wissenschaftler*innen? Ist das nicht eigentlich Wissenschafts-PR? Ist das schlimm? Und lässt sich das überhaupt trennen? Gehört der Wissenschaftsjournalismus dazu? Abschließend klären kann man diese Fragen nur schwer. In der Community wird der Begriff Wissenschaftskommunikation oft sehr weit gefasst und alle Aktivitäten dazugezählt, die Debatten und Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern. Auch der Wissenschaftsjournalismus gehört demnach dazu, hat aber die Perspektive von außen – im Gegensatz zur Kommunikation von Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Co.  Mit einem Job in der Wissenschaftskommunikation steckt man plötzlich mittendrin in der Debatte um diese Definitionen und kann sich bei der Wahl des Berufs auch daran orientiere, welche Schwerpunkte ein potenzieller Arbeitgeber legt.

Hochschule, Forschungscluster oder Freelance – In welchem Umfeld möchte ich arbeiten?

Die eine arbeitet nach der Promotion und einem Volontariat 25 Jahre in derselben Pressestelle einer Hochschule. Der andere wechselt alle paar Jahre das Forschungscluster. Deren Finanzierung ist oft nur für kurze Zeit gesichert. Wissenschaftskommunikation gehört aber neben der Forschung zum festen Bestandteil der Arbeit, zum Beispiel, wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Projekt fördert. Die Dritte gründet gleich eine Agentur, um sich vor allem von Themen leiten zu lassen.

Wissenschaftskommunikation findet keineswegs nur auf den zentralen Kanälen von Hochschulen und Forschungseinrichtungen statt. Oft ist sie dezentral organisiert, viele Zentren oder Forschungscluster haben eigene Stellen für die Kommunikation. Manche Kommunikator*innen arbeiten Themenzentriert für mehrere Institutionen, während andere verschiedenste Formate und Forschungsbereiche einer Institution als Einzelkämpfer*in oder im kleinen Team jonglieren. Dazu kommen Schwerpunkte zum Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bei anderen Mittlerorganisationen wie der Volkswagen Stiftung, der Robert-Bosch-Stiftung, der Klaus Tschira Stiftung, dem Stifterverband oder der Körber-Stiftung.