Foto: Körber-Stiftung

Podcast „Future Changers“ – Neue Zielgruppen in digitalen Räumen erreichen

Unkompliziert, digital und niedrigschwellig – Mit dem Podcast-Projekt „Future Changers“ will die Körber-Stiftung neue Zielgruppen erreichen. Wie das mit der ersten Staffel zum Thema Bioökonome klappt und wie die Social-Media-Strategie dahinter aussieht, erklärt Lisa Schachner. Sie stellt das Projekt im Gastbeitrag vor.

Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem, das sich in planetare Grenzen fügt. So ließe sich das Ziel der Bioökonomie kurz beschreiben. Eine andere Erklärung des komplexen Begriffs könnte lauten: Bioökonomie ist eine moderne und nachhaltige Form des Wirtschaftens, die biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nutzt. Beispielsweise anstelle von Erdöl. Aus biogenen Ressourcen werden dann Nahrungsmittel, Chemikalien, Werk- und Baustoffe oder Medikamente erzeugt. Aber kann man sich darunter wirklich etwas vorstellen?

Wie erreichen wir die, die wir bisher nicht erreichen?

Im Handlungsfeld Innovation der Körber-Stiftung spielte die Bioökonomie zuletzt im Rahmen des TechnikRadar 2020 eine Rolle, der Studie von acatech und Körber-Stiftung, die jährlich erfasst, was die Deutschen über Technik denken. Üblicherweise werden die Inhalte solcher Projekte in Stakeholder-Runden diskutiert, bei öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt oder über gezielte Medienarbeit verbreitet. Somit werden relevante Zielgruppen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in großen Teilen erreicht, die spezifische Zielgruppenarbeit funktioniert. Für dieses und für kommende Innovationsthemen stellte sich uns dennoch die Frage, wie wir uns kommunikativ breiter aufstellen können: Wie erreichen wir die, die wir bisher nicht erreichen? Und wo?

Sprich, eine allgemein interessierte, aufgeklärte Öffentlichkeit, die die Dinge etwas genauer wissen möchte, aber nicht unbedingt auf akademischem Niveau. Diejenigen, die eher jünger und an Fragen der Zukunftsgestaltung interessiert sind. Aber auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Sozialen Medien, die mit Fragen nachhaltiger Innovationen schon etwas vertrauter sind. Klar war also, dass wir ein unkompliziertes, digitales und niedrigschwellig-konsumierbares Format brauchten. Und dass wir dort präsent sein müssten, wo diese Personen ohnehin unterwegs sind: In digitalen Räumen und in diesem Fall in Podcast-Apps.

Ein zugängliches Wissens-Format erschaffen

Grafik: Körber-Stiftung

So entstand die Idee zu „Future Changers – Der Podcast für nachhaltige Innovation”. In abgeschlossenen Staffeln mit sechs Podcast-Episoden werden Themen wie die Bioökonomie beleuchtet. Das Format sieht bis zu 45-minütige Gespräche mit Expertinnen und Experten vor, die durch Infoblöcke ergänzt werden. In der bisher veröffentlichten Staffel mit dem Titel „biobasiert” bietet die erste Folge einen Überblick über den Themenkomplex, die fünf weiteren Episoden gehen mit konkreten Beispielen in die Tiefe. Es geht um Laborfleisch, nachhaltige Mode, ressourcenschonendes Bauen, Biokunststoff und Bioenergie. Die Expertise der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner kommt aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis. Für die Moderation wurde bewusst eine Person mit Podcast-Erfahrung, journalistischem Hintergrund und ausreichend Vorwissen im Nachhaltigkeitsbereich gesucht. Anna Schunck hat das digitale Nachhaltigkeitsmagazin VIERTEL \ VOR mitgegründet und ist vielen der oben genannten Zielgruppen bereits bekannt. In ihren Interviews übersetzt sie sehr theoretisch anmutende Themen allgemeinverständlich und mit großer Leichtigkeit. Besonders im Dialog mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern war uns diese zugängliche Vermittlung ein großes Anliegen. Musikalisch unterlegte Intros stellen die Podcast-Gäste vor, Infoblöcke –  ebenfalls musikalisch hervorgehoben – bieten weiterführende Informationen oder setzen Gehörtes noch mal in den Kontext.

Podcast-Produktion aus dem Homeoffice

„Scheinbar fehlen genau die Foren, in denen nachhaltige Innovationsthemen gut zugänglich diskutiert werden.“Lisa Schachner
Der Veröffentlichung Anfang August ging eine dreimonatige Planungs- und Produktionsphase voraus. Es galt Themen zu planen, eine Produzentin zu gewinnen, die aufgrund der Corona-Lage komplett remote Arbeiten konnte, die Moderatorin mit Equipment auszustatten und aufgrund der Produktion aus dem heimischen Büro im Umgang damit fit zu machen. Die Akquise der Expertinnen und Experten stellte sich als kleinste Herausforderung heraus: Alle Protagonistinnen und Protagonisten haben die Gespräche umgehend und mit Begeisterung zugesagt. Scheinbar fehlen genau die Foren, in denen nachhaltige Innovationsthemen gut zugänglich diskutiert werden.

Die Arbeitsweise war durchweg remote, auch die Gespräche haben über ein digitales Tool aus den Büros oder Arbeitszimmern der Beteiligten stattgefunden. Genauso die redaktionellen Absprachen zum Schnitt. Bis auf einen kleinen Zwischenfall hat die Technik einwandfrei funktioniert und das wird ganz offensiv im Intro der entsprechenden Folge von der Moderatorin thematisiert.

Das neue Format bekannt machen

„Für die Verbreitung über die Kanäle der Stiftung hinaus wurden gezielt Influencerinnen und Influencer auf den neuen Podcast aufmerksam gemacht.“Lisa Schachner
Zuletzt galt es, ein Kommunikationskonzept zu entwickeln, das die richtigen Personen über die richtigen Kanäle anspricht. Während alle Folgen der Staffeln über die gängigen Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify oder Deezer zeitgleich online gestellt wurden, fand die Ankündigung der Episoden nacheinander statt. Für Instagram, Twitter und Facebook wurden Fakten und Highlight-Aussagen in Postings übersetzt. Teils als Audiograms, eine Kombination aus animiertem Bild und Text mit Ton, teils als Statement Grafiken, die sich zum Teilen eignen. Für die Verbreitung über die Kanäle der Stiftung hinaus wurden gezielt Influencerinnen und Influencer auf den neuen Podcast aufmerksam gemacht. So wurde in Instagram-Stories oder -Postings und in Blogbeiträgen darauf hingewiesen. Über einen Media Alert per E-Mail wurden Special Interest Medien aus den verschiedenen Themenbereichen der Episoden angesprochen.

Flankiert wurden diese Maßnahmen von einem kleinen Budget für Anzeigen auf Instagram und Google. Neben einer Frage-Antwort-Session im Rahmen der 12. Hamburger Klimawoche wird es demnächst auch noch einen Podcast über den Podcast geben. In „Gesellschaft besser machen – In weniger als 30-Minuten”, ein weiterer Podcast der Körber-Stiftung, wird Host Diana Huth mit Future Changers Moderatorin Anna Schunck darüber sprechen, wie sich gemäß ihrer Erfahrungen aus der Staffel „biobasiert” die Gesellschaft mithilfe der Bioökonomie ein bisschen besser machen lässt.

Das bisherige positive Feedback und die sich gut entwickelnden Abo- und Abrufzahlen bestärken uns in der Planung der nächsten Staffel von Future Changers. Wie der Untertitel schon sagt, wird es auch darin wieder um nachhaltige Innovation gehen.


Projekt-Steckbrief

Ziel: Ein zugängliches Wissens-Format schaffen, das wissenschaftliche Themen möglichst unakademisch erklärt, Zusammenhänge anhand praktischer Beispiele aufzeigt und die Zielgruppen dort abholt, wo sie ohnehin unterwegs sind: In digitalen Räumen, vor allem in Podcast-Apps.

Zielgruppe: Eine allgemein interessierte, aufgeklärte Öffentlichkeit, die Dinge etwas genauer wissen möchte, aber nicht unbedingt auf akademischem Niveau. Eher jüngere und an Fragen der Zukunftsgestaltung interessierte Menschen. Und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Sozialen Medien, vor allem auf Instagram, die mit Fragen nachhaltiger Innovationen schon etwas vertrauter sind.

Budget: Der Produktionsaufwand beläuft sich auf rund 20 Arbeitstage, von denen zwölf auf Moderation und Redaktion und acht auf Schnitt und Technik entfallen. Hinzu kommen noch interne Ressourcen für Konzeption und Projektmanagement sowie die Social-Media-Arbeit, die sich nicht genau beziffern lassen, weil sie aus dem laufenden Betrieb stammen.

Team: Future Changers – Der Podcast für nachhaltige Innovation ist eine Produktion der Körber-Stiftung. Idee, Projektleitung und Redaktion lag bei Lisa Schachner. Anna Schunck wurde mit der Moderation und Redaktion beauftragt, Teresa Sickert mit der technischen Produktion und dem Schnitt.

Zahlen zur Zielerreichung: Nach einem knappen Monat hat der Podcast einige hundert Abrufe und etwas mehr als 200 Abonnentinnen und Abonnenten. Ziel ist es, dass jede Folge bis Ende des Jahres 2020 etwa 1000 Abrufe erreicht.

Nächste Schritte: Weitere Bekanntmachung des Formats über die Kanäle der Stiftung, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und in Teilen über Google Ads. Für die zweite Staffel werden derzeit konzeptionelle Überlegungen angestellt, sie soll noch in diesem Jahr produziert und veröffentlicht werden.

Weitere Infos: http://koerber-stiftung.de/future-changers-podcast

Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.