Im Profil: Ilka Bickmann

“Selbstgewähltes Schicksal” nennt die Journalistin Ilka Bickmann ihren Weg in die Wissenschaftskommunikation. Angefangen hat alles mit der Nanotechnologie – mittlerweile ist sie Vorstandsvorsitzende von science2public, der Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation in Halle. Was sich seither verändert hat, erzählt sie im Jobprofil.

Karriereleiter, Karrieresprungbrett oder Karrierekarussell – Wie war Ihr Weg in die Wissenschaftskommunikation?

Es war selbstgewähltes Schicksal und damit eher ein Sprung: Ich hatte eine Insolvenz in der New Economy bei einem Bertelsmann-Unternehmen hinter mir, das zweite Kind geboren und pendelte zwischen meinem Familienstandort in Heidelberg und dem Arbeitsort in Frankfurt hin und her. Dann kam ich mit Nanotechnologie als damaliges Hype-Forschungsprogramm mit Millionenförderung in der Wissenschaft in Kontakt. Alle Menschen schienen Angst vor der Nanotechnologie zu habe und ich dachte, dass da doch etwas nicht stimmen konnte. Also gründete ich mit ein paar kritischen Köpfen aus Nanoforschung, Bildung und Journalismus science2public als Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation, um Wissens- und Verständnisbrücken zu schließen.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job und warum lohnt es sich trotzdem jeden Tag?

Als wir 2007 begannen, war die Wissenschaftskommunikation ein Entdeckungsfeld. Es gab verschiedene Akteure und Akteurinnen die alle engagiert und auf der Suche nach guten Wegen waren, Forschung verständlich zu machen und die Gesellschaft mit auf den Weg zu nehmen. Heute ist die Wissenschaftskommunikation manchmal ein Haifischbecken. Alle jagen nach dem größten Fisch, der originellsten Methode, Menschen für Wissenschaft zu begeistern. Und natürlich nimmt die Eigen-PR der Projekte zu, in dem Maße, wie auch die Fördergelder dafür zunehmen. Das stimmt manchmal nachdenklich, ob hier das Gleichgewicht noch stimmt. Andererseits heißt es nicht umsonst: wer Gutes tut, soll darüber reden.

Insgesamt muss das Ziel stimmen: Es geht darum Menschen, die dazu neigen, von den rasanten Forschungsentwicklungen abgehängt zu werden, mitzunehmen, bevor sie ihr Leben und ihre Zukunft nicht mehr verstehen und selbst in die Hand nehmen können. Dafür lohnt es sich meiner Meinung nach immer. Ein weiteres Plus ist, dass wir selbst immer dazulernen und so von den vielen neuen Methoden und Projekten profitieren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation? 

Weniger Kommunikation und dafür mehr Engagement, wie es im Englischen so schön mit “science engagement” beschrieben wird. Wenn Forschende sich engagieren, wollen sie verstanden werden und ringen so lange mit ihrem Gegenüber, bis der Funke übergesprungen ist. Und weil sie ihre Forschung meistens sehr lieben, wollen sie das auch rüberbringen. Also müssen sie nur raus aus ihren Konferenzen ins richtige Leben, und sich dort verständigen lernen. Dann respektieren sie auch ihr Gegenüber und deren Fragen. Wir gewinnen wiederum ein Vermittlungssystem, in dem alle voneinander lernen. Man vergisst manchmal, dass jeder Forscher und jede Forscherin gleichzeitig immer auch Bürger oder Bürgerin, ein Teil sozialer Gruppen ist und damit auch immer in gesellschaftlichen Vermittlungsprozessen außerhalb des Labors steht. Das könnte man nutzen in einer Art Alltagswissenschaft. Die Bürgerforschung, in der wir uns als Verein auch sehr stark engagieren, ist da ein gutes Beispiel.

Bonusfrage: Was war Ihr bisher schönstes Projekt in der Wissenschaftskommunikation?

Ohne Frage nanospots – unser Nanokurzfilmfestival. Hier wurden bereits 2012 in unseren “science2movie”-Akademien Nano-Kurzfilme entwickelt. Dies geschah in Teams von Nanotechnologie Experten und Expertinnen, Nerds, Technokratinnen und Technokraten zusammen mit jungen Filmschaffenden, Idealistinnen und Idealisten und Diven. Bis zu den Endproduktionen gab es so viele Debatten, Streit, Ringen um Ideen, es ging um Wahrheiten und Ästhetik, technologische Optionen und gesellschaftliche Grenzen – es waren großartige Diskurse. Die Festivals dazu waren klein, cool und hatten Kultstatus. Sie brachten Menschen zusammen an einen Tisch, die sich außerhalb nicht wirklich begegnet wären.

Heute nennt man das neudeutsch Co-Creation. Für uns war es die Grundlage für die Arbeit unseres Vereins: Forschung und Gesellschaft in schöpferische Gestalten zusammenzubringen. Diese Verbindung macht es dann, und wie in der Chemie gilt: wenn es knallt, kommt trotzdem was Neues raus.

 

Foto: privatIlka Bickmann (@science2publicc) ist studierte Journalistin und Psychologin und Mitbegründerin von science2public, der Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation in Halle an der Saale. Seither ist sie dort als umtriebige Vorstandsvorsitzende unterwegs, um Forschung, Medien und Gesellschaft für gemeinsame Zukunftsgestaltung zusammenzubringen. Wo und wie auch immer.