Foto: Florian Genz

„Zwischen den Urlaubsbildern tauchen Infokanäle auf“

Auf dem Instagram-Kanal „echonaut.science“ begeistert Katja Sterzik ihre Abonnentinnen und Abonnenten mit und für Wissenschaft. Im Interview erzählt die angehende Wissenschaftsjournalistin, wie sie dazu kam und welche Chancen sie darin für die Wisskomm sieht.

Katja Sterzik, seit Anfang 2019 bespielen Sie den Instagram-Kanal „echonaut.science mit wissenschaftlichen Themen. Wie kam die Idee zustande?

Ich studiere Wissenschaftsjournalismus im Bachelor an der TU Dortmund und habe während des Studiums gemerkt, dass mir der Output für meine Interessen fehlt. Oft habe ich meinen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern von Dingen erzählt, die ich im Studium gelernt oder gelesen habe, und konnte sie mit meiner Begeisterung für Wissenschaft anstecken. So keimte die grundsätzliche Idee, auch andere Menschen für die Wissenschaft zu begeistern. Zeitgleich habe ich durch den Instagram-Account „Mädelsabende“ gesehen, dass Journalismus auch auf dieser Plattform funktioniert, etwas, worüber ich bis dato nicht nachgedacht hatte. Kurz danach habe ich einen Workshop an der Uni zum Thema mobiler Journalismus besucht, bei dem wir auch Instagram und Instagram-Stories besprochen haben. Dadurch hat sich die Idee weiter verfestigt. Trotzdem habe ich mich lange nicht getraut anzufangen.

Was war dann der zündende Moment?

Tatsächlich habe ich bei einem Gewinnspiel des Kanals „Mädelsabende” mitgemacht und durfte dann als Gewinnerin bei einem Community-Event teilnehmen. Dort habe ich Eva Schulz vom Funkformat „Deutschland 3000“ getroffen und ihr von meiner Idee erzählt, Wissenschaft auf Instagram zu kommunizieren. Auf meine Frage, ob das denn funktionieren könne oder eher zu langweilig sei, war ihre Antwort sofort: „Wieso langweilig? Bist du etwa langweilig?“ Sie fand die Idee super und hat mich darin bestärkt, einfach anzufangen, ohne viel über das Design oder mögliche Formate nachzudenken. Ich sollte einfach anfangen und schauen, ob es mir selbst Spaß macht. Dieses Gespräch war für mich der zündende Moment.

Katja Sterzik studiert Wissenschaftsjournalismus mit Schwerpunkt Biowissenschaften/Medizin im Bachelor an der TU Dortmund und berichtet auf Instagram unter dem Namen @echonaut.science über naturwissenschaftliche Themen. Foto: Johannes Schriek

Worum drehen sich die Posts bei echonaut.science? Wonach wählen Sie die Themen aus?

Man könnte sagen, ich laufe durch die Welt und stolpere dabei über interessante Themen. Ich bin sehr vielseitig interessiert. Für meine Posts überlege ich dann, was der Kontaktpunkt des Themas zum Alltag der Menschen sein könnte.
Mein erster Post hat sich zum Beispiel aus einer Quizshow im Fernsehen ergeben, in der eine Beauty-Bloggerin zu Gast war. Sie wurde gefragt, was kürzlich auf dem Mars entdeckt wurde. Es gab vier Antwortmöglichkeiten und sie entschied sich für „WLAN“. Daraufhin habe ich in einer Story-Reihe alle vier Antwortmöglichkeiten unter die Lupe genommen und damit versucht zu erklären, warum es Quatsch ist, dass es WLAN natürlicherweise auf dem Mars gibt. Meine erste große Reihe war dann auch zum Thema Weltraum: Ein Thema, dass auch bei Menschen, die vielleicht nicht so viel Kontakt mit Wissenschaft haben, sehr beliebt ist, weil es einfach sehr bildgewaltig sein kann und die Phantasie sowie den Entdeckergeist anregt. Zwei Monate, nachdem ich den Kanal gestartet hatte, ist das Planetarium Bochum auf mich zugekommen und hat mich gebeten, anlässlich des Mondlandungs-Jubiläums Instagram-Storys über den Mond zu machen. Auf diese Weise habe ich zum ersten Mal Geld mit Instagram verdienen können. Die nächste große Reihe handelte von Kernenergie. Auf das Thema bin ich durch einen Ausflug zum ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor), dem Versuchs-Kernfusionsreaktor in Südfrankreich, aufmerksam geworden.

Gibt es Themen, die nicht so gut angenommen werden wie andere?

Ich finde es schwierig vorherzusagen, ob eine Story oder ein Post floppen und wenig Rückmeldung bekommen wird. Ich glaube, dass es weniger mit dem Thema zusammenhängt als mit der Art, wie es präsentiert wird. Das fiel mir bei einem meiner Posts zum Thema Kernenergie auf. Ich hatte einen relativ trockenen Beitrag verfasst, der eine klassische Grafik mit x-y-Achse enthielt. Diese zeigte, wie sich die Anzahl der Kernkraftwerke weltweit über mehrere Jahre entwickelt hat. Für mich war das sehr interessant, doch dieser Post hat andere wohl nicht so sehr interessiert.

Und worauf kommt es bei einem Post dann an?

Auf Instagram ist es sehr wichtig, dass ein Post auf einen Blick verständlich und catchy ist. Bei komplexen Themen ist das natürlich schwierig. Um mehr Informationen zu transportieren, baue ich zumeist mehrere Slides, die man blättern (swipen) kann. Über den ersten Slide versuche ich, Interesse zu wecken – zum Beispiel mit einer Frage: „Was? Ich kriege mit meinem Ökostromvertrag gar keinen Ökostrom?“ Die anderen Slides erklären dann beispielsweise, wieso das so ist und weshalb es vielleicht trotzdem gut ist, Ökostromverträge abzuschließen.

Welche Chancen bietet Instagram bei der Wissensvermittlung?  

Das hängt damit zusammen, wie man – auch ich selbst – Instagram häufig konsumiert: Ich sitze zum Beispiel in meinem Bett – abends oder morgens – und scrolle einfach so durch den Feed durch. Und wer erscheint da? Zwischen den Urlaubsbildern meiner Freundinnen und Freunde tauchen auch Informationen der Infokanäle auf, die ich abonniert habe. So erwischt man die Userinnen und User in einem Wohlfühlmoment und kann so vielleicht auch Personen erreichen, die sich sonst gar nicht für Wissenschaft interessieren würden.

Wen wollen Sie mit echonaut.science erreichen?

Ich habe bisher eigentlich immer aus dem Bauch heraus entschieden, was ich poste und nie eine konkrete Zielgruppe vor Augen gehabt. Vor kurzem habe ich aber an einem Kurs teilgenommen, bei dem man seine Zielgruppe als eine einzige Person, eine sogenannte Persona, definieren sollte. Für echonaut.science habe ich dabei zwei Personae herausgearbeitet. Zum einen eine naturwissenschaftlich sehr interessierte Person, die sich auskennt und gerne ihren Senf dazu gibt – für diese versuche ich, möglichst tief in die Recherche zu gehen; zum anderen eine interessierte Person, die aber keinen besonderen Bezug zu Naturwissenschaften hat. Für diese versuche ich, insbesondere die Verbindung zur eigenen konkreten Lebensrealität herauszuarbeiten. Ganz besonders freut mich, dass ich knapp über siebzig Prozent weibliche Abonnentinnen habe. Das ist für ein Wissenschaftsformat schon etwas Besonderes.

Was möchten Sie Ihren Abonnentinnen und Abonnenten bieten?

Zum einen möchte ich unterhaltsam über wissenschaftliche Themen berichten, informieren und andere mit meiner Faszination anstecken, zum anderen die Scientific Literacy stärken – zeigen, wie Wissenschaft funktioniert und wie man eigentlich zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis kommt. Mein Wunsch ist, genug Informationen auf dieser Plattform zusammenzutragen, so dass sich die Userinnen und User faktenbasiert zu bestimmten Themen eine Meinung bilden können. Vieles hapert jedoch schlichtweg an der Zeit. Mein Traum wäre, ein Team zu haben, mit dem ich das umsetzen könnte.

Wie viel Zeit stecken Sie denn aktuell in Ihren Kanal?

Letztes Jahr habe ich jede Woche bestimmt zwei bis drei Tage überlegt, wie ich das nächste Thema angehe, habe recherchiert, Dokumente angelegt, ein Storyboard geschrieben und Posts konzipiert. Das hat mich zusammen mit dem Studium ein bisschen an die Grenzen meiner Belastbarkeit gebracht. Im Gespräch mit anderen Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren wurde mir häufig geraten, kleine feine Häppchen zu posten, die nicht zu lang sind und dabei zu schauen, was ich zeitlich überhaupt leisten kann. Leider fällt mir genau das unfassbar schwer, weil ich immer alles genau wissen und lückenlos recherchieren will. Man könnte also sagen, dass ich mich gerade in einer Konzeptphase befinde und überlege, was ich schnell und regelmäßig rausbringen kann, ohne mich zu sehr zu stressen. Denn zu viel Stress kann einem am Ende auch den Spaß an der Sache verderben.

Was würden Sie jemandem raten, der einen Instagram-Kanal zu seiner Forschung aufbauen möchte?

Einfach anfangen! Gar nicht großartig überlegen, wie das Logo oder das Design aussehen soll oder was für Rubriken es geben soll, sondern erst mal gucken, worauf man Lust hat. Vielleicht stellt man auch fest, dass man sich mit Instagram-Stories unwohl fühlt, es keinen Spaß macht und Instagram generell als Medium für einen selbst nicht das Richtige ist. Auch sollte man sich nicht zu sehr von dieser Regelmäßigkeit zu posten stressen lassen, von der alle reden. Es ist immer schön, wenn man viele Abonnentinnen und Abonnenten gewinnen kann, aber am Ende hat man doch lieber eine qualitativ gute Community, die auch Austausch sucht, als viele Abonnentinnen und Abonnenten, von denen man nie etwas hört.