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Technikradar 2019 – Technikeinstellungen im europäischen Vergleich

Am 28. Mai wurden in Berlin die Ergebnisse des Technikradars 2019 vorgestellt. Am Rande der Veranstaltung haben wir mit Ortwin Renn, Leiter der Projektgruppe bei acatech und Jürgen Hampel, einem der Wissenschaftler hinter der Studie, über die Ergebnisse und ihre Bedeutung für die Wissenschaftskommunikation gesprochen.

Einmal jährlich veröffentlichen acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Körber-Stiftung eine gemeinsame Studie über die Einstellungen der Deutschen zu Technik. Die diesjährige Veröffentlichung ist jedoch etwas besonderes: Im Fokus des Technikradar 2019 steht nicht nur Deutschland, sondern der Blick wird auf Europa ausgeweitet. Hierzu wurden die Befragungsdaten von 2018 mit internationalen Studien über die Einstellung der Menschen in europäischen Ländern verglichen.

Ein Fazit des Technikradars 2019: Im europäischen Vergleich entsprechen die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands an eine bessere Lebensqualität durch Digitalisierung dem EU-Durchschnitt (67 Prozent). Hinsichtlich der generellen Technikeinstellung befindet sich Deutschland im Mittelfeld. Dabei liegt der erwartete positive Einfluss auf die Wirtschaft mit 82 Prozent um sieben Prozentpunkte höher, jener auf die Gesellschaft hingegen mit 54 Prozent um zehn Prozentpunkte niedriger als im europäischen Durchschnitt.

Doch was lässt sich im Detail aus diesen und den weiteren Ergebnissen ableiten? Sind sie positiv oder negativ zu werten? Welche Gründe für die Unterschiede in Europa lassen sich erkennen? Was könnte in Zukunft hinsichtlich der Kommunikation über Technik verändert werden?

Einschätzung der Ergebnisse

Ortwin Renn ist Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des Potsdamer Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS). Im Rahmen des Technikradars leitete er die Projektgruppe bei acatech. Was sind für ihn die augenfälligsten Ergebnisse aus dem Technikradar 2019 und wie bewertet er sie?

Jürgen Hampel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stuttgarter Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) und einer der Wissenschaftler hinter der Studie. Wie bewertet er die seiner Meinung nach eklatantesten Ergebnisse aus dem Technikradar 2019?

Selbstwirksamkeit

Für Ortwin Renn stellen die Ergebnisse eine gute Ausgangsbasis für den Dialog dar. Sehr wichtig ist dabei die Berücksichtigung der Anliegen der Bevölkerung. Die Wissenschaftskommunikation muss offene Augen und Ohren haben.

In den Ergebnissen des Technikradars 2019 zeigt sich, dass Optimismus für neue Technik verknüpft ist mit der wahrgenommenen eigenen Kompetenz im Umgang mit dieser. Auch das hat laut Renn Konsequenzen für die Wissenschaftskommunikation.

Auch für Jürgen Hampel ist die Erhöhung der Selbstwirksamkeit eine wichtige Maßnahme, um die Akzeptanz der Menschen an neuen Technologien erhöhen. Dabei sieht er bereits die Entwicklerinnen und Entwickler in der Verantwortung.

Wer kann zu einer Veränderung beitragen?

Entscheidungsprozesse müssen neu gestaltet werden. Dafür könnten auch spätere Nutzerinnen und Nutzer neuer Technologien in diese Prozesse mit einbezogen werden, findet Hampel.

Auch Renn sieht in dieser Hinsicht die Verantwortung bei der Industrie. Doch gleichermaßen müssten auch die Wissenschaft und die Politik ihre jeweiligen Aufgaben wahrnehmen.

Vorbild Skandinavien

Gerne schweift ein vergleichender Blick nach Skandinavien, so auch, wenn es um die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Digitalisierung geht. Schließlich ist dort die Akzeptanz deutlich höher. Renn sieht dafür unterschiedliche Gründe.

Der Blick in die Zukunft

Ein früher Kompetenzerwerb im digitalen Bereich sowie die Erhöhung der Souveränität im Umgang mit digitalen Dienstleistungen könnten mehr Akzeptanz schaffen. Dennoch, so Renn, bedürfe es keineswegs nur Digitalexpertinnen und -experten.

Fazit

In Europa werden die Chancen und Risiken der Digitalisierung sehr unterschiedlich bewertet. Deutschland bewegt sich bei seinen Einstellungen und Bewertungen größtenteils im europäischen Mittelfeld. Jedoch ist man hierzulande besonders zuversichtlich (82 Prozent), wenn es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft geht. Anders sieht es bei den erwarteten gesellschaftlichen Effekten aus, hier ist man weniger optimistisch (54 Prozent).

Die Ergebnisse des Technikradars 2019 zeigen außerdem, dass eine höhere digitale Kompetenz mit positiveren Erwartungen an die Digitalisierung verbunden ist. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Länder Skandinaviens, wo das Digitale eine viel größere Rolle im Alltag spielt und die Akzeptanz der Technik überdurchschnittlich hoch ist. Die Deutschen hingegen haben nur ein durchschnittliches Vertrauen in ihre digitalen Fähigkeiten.

Sowohl für Ortwin Renn als auch für Jürgen Hampel sind deshalb die Erhöhung der Selbstwirksamkeit sowie der Souveränität im Umgang mit dem Digitalen wichtige Bausteine, um die Akzeptanz neuer Technologien zu steigern. Die Verantwortung dafür tragen sowohl die Industrie, die Bürgerinnen und Bürger bereits in Entwicklungsprozesse mit einbeziehen könnte, aber gleichermaßen auch die Wissenschaft (Aufklärung) und die Politik (Regulierung). Zwar braucht es in Zukunft nicht ausschließlich Digitalexpertinnen und -experten. Doch ist ein früher Kompetenzerwerb im digitalen Bereich unerlässlich, um Bürgerinnen und Bürger einen selbstbestimmteren Umgang mit neuen Technologien zu ermöglichen. Auf diese Weise wird ein Raum für die Mitgestaltung des Digitalisierungsprozesses geschaffen und die individuelle Akzeptanz der Technik erhöht.

 

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