Foto: Bielefeld Marketing/Sarah Jonek

„Ich habe eine etwas ungewöhnliche Erzählweise gewählt, die positiv im Gedächtnis bleibt“

Wenn Thora Schubert nicht Georessourcenmanagement studiert, bringt sie ihre Begeisterung für die Geowissenschaften auf die Bühne. Ein Gespräch über Wissenschaftskommunikation, Science Slams und ihren Sieg beim FameLab-Finale in Bielefeld.

Frau Schubert, Sie haben sich beim FameLab gegen neun andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchgesetzt und den Publikumspreis erhalten. Was hat aus ihrer Sicht den Ausschlag gegeben?

Thora Schubert studiert Georessourcenmanagement an der RWTH Aachen. Mit dem Thema „Carbon Capture and Storage“ erhielt sie beim FameLab Deutschlandfinale 2019 den ersten Platz und den Publikumspreis. Foto: Ulrike Brandt-Bohne

Ich hatte zwar von einem Sieg geträumt, wusste aber auch, wie gut die Vorträge der anderen sind. Denn alle Beiträge waren locker erzählte Wissenschaft und von hoher Qualität.

Ich habe eine etwas ungewöhnliche Erzählweise gewählt, die positiv im Gedächtnis bleibt. Pluspunkte habe ich wahrscheinlich mit meinem Rollenwechsel gesammelt. Mitten in der Präsentation habe ich eine Kochmütze aufgesetzt und vom Kochen mit Steinen geredet, und ein ganz exquisites Carbon Capture and Storage-Menü fabriziert.

Wie kamen Sie auf diese Idee und wie haben Sie sich im Vorfeld auf die Präsentationen vorbereitet?

Die Gewinner der Regionalentscheide haben als Preis die Teilnahme an einer zweitägigen Masterclass gewonnen. Hier haben wir über alle möglichen Präsentationstechniken gesprochen. Dabei ging es beispielsweise auch um Storytelling. Damit konnte ich mich aber nicht so gut identifizieren. Interessanter fand ich den Rollentausch als Erzählform. Uns wurde geraten immer deutlich zwischen der eingenommenen Rolle und der Realität zu unterscheiden. Das habe ich umgesetzt und versucht mit der Kochmütze, die ich an und ausgezogen habe, und einem Wägelchen, das vor oder hinter mir stand, klar zu trennen.

Thora Schuberts Beitrag beim FameLab Finale am 06. Mai 2019 in Bielefeld: Carbon Capture Storage – der Retter in der Not?

Wie kommen Sie auf das Thema Carbon Capture and Storage?

Da ich Masterstudentin bin, forsche ich selber noch gar nicht. Ich lerne dafür unheimlich viel, vor allem im Bereich Energieversorgung und wie diese in Zukunft vonstatten gehen kann. Da geht es auch um die aktuelle Forschung zu Carbon Capture and Storage, einer Methode wie Kohlenstoffdioxid gespeichert werden könnte. Es war mir wichtig darüber zu reden, damit zumindest die 1200 Leute, die an dem Abend in Bielefeld waren, wissen: Diese Methode gibt es, sie hat Potenzial, aber sie birgt auch Risiken. Wir sollten es nicht als den einengroßen Heilsbringer ansehen, sondern es eher als einen Ansatzpunkt sehen, mit dem Klimawandel umzugehen.

Wie sind Sie eigentlich zur Kommunikation gekommen?

Ich bin in der Dr. Hans Riegel-Stiftung, die naturwissenschaftliche Arbeiten in der Oberstufe auszeichnet. Alle zwei Jahre gibt es eine größere Veranstaltung mit einem Science Slam, bei dem Alumni der Stiftung mitwirken. Diese sind in der Zwischenzeit meist Bachelorstudenten. Ich wurde angesprochen, machte mit und gewann. Dadurch habe ich das Thema Wissenschaftskommunikation auch erst bewusst als solches wahrgenommen.

Danach habe ich mit dem gleichen Thema weitere Slams besucht und mehrfach gewonnen. Das entwickelte sich dann zu einer Begeisterung und einem Hobby neben dem Studium, womit ich mir ab und an auch mal einen kleinen Obolus verdiene. Es gibt auch coole oder schräge Preise. So etwas wie goldene Boxhandschuhe!

Sie kommunizieren demnach, weil es Ihnen Spaß macht?

Genau. Meine Motivation dahinter ist aber auch, dass meiner Ansicht nach zu viele Leute zu wenig über Dinge Bescheid wissen, über die sie mehr wissen sollten. Ganz viele Menschen haben eine Meinung zu etwas ohne darüber Bescheid zu wissen. Das merke ich an einem Thema ganz besonders: Geothermie finden alle gut – das ist erneuerbare Energie. Fracking finden alle schlimm. Die Methodik dahinter ist aber fast die gleiche. Wenn ich das sage, sind die Leute oft irritiert. Das heißt, sie wissen wenig, haben aber trotzdem eine Meinung. Das ist kein guter Zustand und ein Nährboden für radikale Meinungen.

Und nun haben Sie beschlossen Ihre goldenen Handschuhe aus dem Schrank zu holen und für die Wissensvermittlung in den Ring zu steigen?

Ich fühle mich nicht ganz so heroisch. Aber ja, ich will Wissen vermitteln, ich will bilden und aufklären. Es ist, als würde ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten. Ich bin offensichtlich ganz gut darin komplizierte Sachverhalte so zu reduzieren, dass sie für alle verständlich und auch unterhaltsam sind. Oft sprechen mich Leute nach Slams an und sagen: „Cool, jetzt weiß ich über ein Thema Bescheid, von dem ich vorher gar nicht gedacht hätte, dass es mich interessiert“. Es freut mich jedes Mal unheimlich, wenn ich so etwas höre.

Vom Science Slam zum FameLab – welches Format gefällt Ihnen besser?

Beim FameLab hat man nur drei Minuten. Das ist die große Herausforderung, kann aber auch ein Nachteil sein. Die zehn Minuten eines Science Slam sind deutlich besser dazu geeignet ein Thema zu beleuchten. Science Slams sind wiederum nicht so spannend, weil eben doch fast jeder eine Präsentation hält, die gerne auch mal Katzenbilder enthält. Ein FameLab Vortrag ist viel schwieriger, weil ein Thema in sehr kurzer Zeit nicht nur angerissen, sondern möglichst auch gut darstellt werden muss. Die Beiträge sind dadurch viel bunter und vielfältiger. Wenn ich ein Zuschauer wäre, würde ich viel lieber zu einem FameLab gehen. Als Vortragende finde ich es schwieriger mich zu entscheiden. Beides sind tolle Formate.

Gibt es weitere Formate oder Medien, die Sie für die Wissenschaftskommunikation nutzen?

Im privaten Umfeld, aber ich glaube das zählt nicht. Vor kurzem habe ich auch Twitter für mich entdeckt. Momentan lese ich eher mit und sehe es als Quelle für Jobangebote und Forschungsrichtungen, von denen ich bisher noch nicht gewusst hatte. Kürzlich ist allerdings auch ein YouTube Video eines Science Slam Auftritt von mir von mir durch die Decke gegangen: von 10.000 auf inzwischen über 155.000 Klicks ! Das Video ist auf einmal bei ganz vielen Leuten auf der Startseite aufgetaucht. Ich habe noch nicht herausgefunden, was da passiert ist. Seitdem habe ich in den Kommentaren gelesen, die mich motivieren auch mal eigene YouTube-Videos zu machen. Seither denke ich über verschiedene Ideen nach.

Was planen Sie für Ihre Zukunft: eher Forschung oder Wissenschaftskommunikation?

Ich finde die Geologie wahnsinnig spannend und kann mir gut vorstellen in dem Bereich zu arbeiten. Beispielsweise herauszufinden welche Stellen für Carbon Capture and Storage geeignet wären.

Ich möchte mich noch nicht festlegen, denn die Wissenschaftskommunikation macht mir Spaß. Gerade im Rahmen des FameLab-Finales habe ich wieder unheimlich viel positive Rückmeldung erhalten. Entsprechend wäre es Unfug, das gar nicht weiter zu verfolgen. Wenn ich einen guten Job im Bereich Wissenschaftskommunikation finde, dann werde ich den mit Kusshand annehmen und sicher auch lange mit Freude dabeibleiben.