Tipps rund um’s Storytelling

Wir behalten Anekdoten besser im Kopf als Formeln. Und wir hören lieber denjenigen zu, die uns fesselnde Geschichten erzählen, als jenen, die uns belehren möchten. Okay. Aber wie setzen wir als Autor oder Autorin diese Erkenntnisse in unseren eigenen Berichten um? Fünf Tipps, die beim Storytelling helfen.

1) Eignet sich Ihr Thema überhaupt dazu erzählt zu werden? Diese Frage steht am Anfang, und idealerweise finden Expertinnen, Experten, Kommunikatorinnen und Kommunikatoren darauf eine gemeinsame ehrliche Antwort. Denn Storytelling ist ausdrücklich kein Werkzeug, um ein sehr mäßiges Thema in einen spannenden Reißer zu verwandeln. Ob ein Thema „gut“ ist, können Dritte viel besser beurteilen als Sie selbst, lassen Sie deren ehrliches Votum gelten!

2) Storytelling ist also kein Allheilmittel, sondern zunächst einmal ein inflationär gebrauchter Begriff, gerne ergänzt um „narrativ“ oder „framing“. Aber: Storytelling kann in der Tat ein probates Werkzeug sein, um ein gutes Thema noch besser zu vermitteln. Eine Forschungsarbeit beginnt bekanntlich nicht beim Ergebnis, sondern bei dem mühevollen Prozess bis zum erhofften Resultat. Und darüber lohnt sich zu berichten. Fassen Sie das Ergebnis als Kernbotschaft zusammen, aber be-schreiben (!) Sie auch die Zeit davor. Es ist wie beim Wandern: Der Weg ist das Ziel.

3) Storytelling lebt von einer Hauptfigur, in die sich die Zielgruppe gut hineinversetzen kann. Die Hauptfigur erfüllt das Geschehen mit Leben – sie wird mit einem Problem konfrontiert, und sie wird später Teil der Lösung. Doch dafür bedarf es der Leidenschaft und der Inspiration, außerdem der beharrlichen Überwindung von Hindernissen. Bis sich endlich auf dem Höhepunkt die Innovation einstellt, die Entdeckung, der Erkenntnisfortschritt. Idealerweise verbunden mit einem Aha-Effekt beim Publikum, vielleicht sogar mit einem Staunen à la „Das-hätte-ich-jetzt-nicht-gedacht“.

4) Gutem Storytelling gelingt genau das, was einer fesselnden Reportage, einem spannenden Bericht schon immer gelungen ist: Das Publikum stellt sich eigentlich ständig die Frage, wie es denn nun weitergeht. Es fiebert mit beim Achterbahn-ähnlichen Auf und Ab der Gefühle. Es kann Hoffnungen nachvollziehen, Enttäuschungen nachfühlen. Behalten wir die Perspektive der Hauptfigur bei, dann bleiben Wissenschaftler und Wissenschaftlerin als kluge Menschen im kollektiven Gedächtnis haften, nicht als Forschungsroboter. Als Menschen, mit denen man sich freut, mit denen man sich grämt, mit denen man sich ein bisschen eins weiß.

5) Storytelling ist Kopfarbeit. Richtig anstrengende Kopfarbeit. Angefangen bei einer Recherche, die kleine, ungewöhnliche Begebenheiten am Rande ausdrücklich einbezieht. So tragen Sie die Rohstoffe zusammen, aus denen Sie – gerne mit sachkundiger Unterstützung – die Formulierungen formen. Sei es für einen Videodreh, eine Publikation, einen Blogbeitrag oder für einen Festvortrag zur „Woche der Wissenschaft“. Hilfreiche Anregungen, um einen lebendigen, verständlichen Text zu verfassen, haben wir in unseren Schreibtipps (in Folge I, in Folge II und in Folge III) zusammengefasst. Viel Erfolg!

 

Dem Thema Storytelling widmen sich weitere ausführlichere Beiträge auf Wissenschaftskommunikation.de, die im Rahmen des Schwerpunktthemas „Kleine und große Geschichten“ erschienen ist.