Foto: Wissenschaftskommunikation.de

Wir reden über… digitalen Hass, den Wissenschaftsjournalismus und Berührungsängste

Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends. Außerdem finden Sie hier aktuelle Termine und Forschungsergebnisse zur Wissenschaftskommunikation.

Was gibt’s Neues?

Willkommen beim Wisskomm-Update – wir verraten Ihnen, was in den letzten zwei Wochen in der Community wichtig war. Angriffe auf kommunizierende Forschende sind wieder in aller Munde. Seit dem Sommer gibt es dafür den „Scicomm-Support”. Wir berichteten bereits über die Notfallnummer für Wissenschaftler*innen. Forschende können sich bei digitaler Gewalt, Hate Speech und anderen Formen von Angriffen telefonisch beraten lassen. Die Zeit hat nun mit der Mitinitiatorin Julia Wandt gesprochen, die eine Zwischenbilanz zieht. Sie spricht von teilweise schwerwiegenden und organisierten Hasskampagnen gegen Forscher*innen. Es gebe eine hohe Nachfrage bei der Hotline, die auch juristische Unterstützung vermittelt.

In Neuseeland wird derweil dazu ein spektakulärer Fall vor Gericht verhandelt. Die Mikrobiologin Siouxsie Wiles, die während der Covid-19-Pandemie exponiert kommunizierte, wirft der Universität Auckland vor, sie nicht ausreichend vor Hass und Anfeindungen geschützt zu haben. Die Wissenschaftlerin wurde Opfer von digitaler Hassrede und wurde per Telefon und E-Mail belästigt und gedoxxt. Im Zentrum des Prozesses stand die Frage, ob Wissenschaftler*innen eine gesellschaftliche Verpflichtung haben zu kommunizieren, berichtet Nature. Siouxsie Wiles argumentierte dafür. Kommunizierende Forschende seien – per Gesetz – verpflichtet, „Kritiker*innen und Gewissen der Gesellschaft” zu sein. Das Ergebnis des Prozesses wird in Kürze bekannt gegeben.

Und schließlich noch ein Blick in die Zukunft: Es geht um nichts weniger als die Rettung des Wissenschaftsjournalismus. Mike Schäfer schreibt ein flammendes Plädoyer für eine bessere Finanzierung als Weg aus der Krise. Er spricht von „schwierigen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen“, die der „Qualität journalistischer Produkte” im Wissenschaftsressort nicht förderlich seien. Eine Idee könnte eine öffentlich finanzierte Stiftung sein, die innovative Projekte fördert. Dies sei ein Vorschlag der Denkfabrik FactoryWisskomm gewesen, die es aber bisher bei der guten Idee belassen habe. Was man nachhaltig gegen die strukturellen Probleme des Journalismus tun könne, sei noch offen.

Und die Forschung?

Objekte zum Anfassen? Tirsa De Kluis und Kolleg*innen von der Universität Leiden haben mit Museumspädagog*innen in europäischen Ländern darüber gesprochen, welche Rolle das Berühren von Originalen und Repliken spielt. Auch im übertragenen Sinne ist der Abbau von Berührungsängsten in der Wissenschaftskommunikation ein Thema. Bei einem europäischen Public-Engagement-Programm treffen sich Wissenschaftler*innen und Schüler*innen, die eine gemeinsame Herkunftssprache sprechen. Native Scientists hat Wissenschaftler*innen befragt, warum sie sich beteiligen und welche Erwartungen sie mitbringen. Ein wichtiges Motiv war die persönliche Erfüllung, welche die Forschenden durch Ihre Teilnahme erlebten. Nach Motiven für die Teilnahme an Wisskomm-Angeboten fragte auch ein australisches Forschungsteam. Die Forscher*innen untersuchten, welchen Wert Veranstaltungen zum Klimawandel an Universitäten haben. Es zeigte sich, dass neben den individuellen Lernmöglichkeiten auch der soziale Austausch von den Teilnehmenden geschätzt wird.  

Termine

📆 30. November, Online | Career Talk „From a doctorate in biology to science communication” | Mehr

📆 4. Dezember | Ausschreibung „Kinder- und Jugenduniversitäten 2024“ | Mehr  

📆 18. Dezember, Online | Webinar „Interesse für Wissenschaft kennt kein Alter“ | Mehr 

Social Media

Am 23. und 24. November fand in Potsdam wieder die jährliche State of the Art“-Konferenz (SotA) zum Thema „Strategisch kommunizieren als Wissenschaftseinrichtung“ statt. Organisiert wurde die Tagung vom Zentrum für Wissenschaftsmanagement in Kooperation mit dem BMBF-geförderten Graduiertenkolleg WiMaKo. Hanna Proner, Directorin Science, Public, Education bei ZEIT TALENT, fasst auf LinkedIn ihre Highlights der Tagung zusammen:

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Schwerpunkt: Debattenkultur

Was können wir aus der Kommunikation der Corona Pandemie für künftige Krisen lernen? Das hat sich das Projekt MIRKKOMM (Optimierung der Risiko- und Krisenkommunikation von Regierungen, Behörden und Organisationen der Gesundheitssicherung) angesehen. Im Interview spricht die Projektleiterin Annett Schulze unter anderem darüber, dass der Einsatz von Humor in der Krise bei den Teilnehmenden einer Eye-Tracking-Studie nur bedingt funktionierte. Um die Rolle der Wissenschaftskommunikation in Krisen- und Konfliktzeiten geht es auch im Interview mit den Redakteuren Leonid Klimov (dekoder) und Julian Koller (te.ma). Leonid Klimov berichtete von einer datenjournalistischen Recherche über russische Propaganda. Typisch für diese sei, dass sie die Komplexität der Welt drastisch reduziere. Aufgabe der Wissenschaftskommunikation sei es, so sind sich beide einig, das kostbare Gut Komplexität zu erhalten und gleichzeitig Inhalte niedrigschwellig zu vermitteln.

Formatetipp: Mastodon

Es gibt ein neues Format in unserer Datenbank: Wissenschaftskommunikation auf der dezentralen Plattform Mastodon. Bei der Suche nach neuen Möglichkeiten für den Austausch mit der Wissenschafts-Community gibt es inzwischen ein breites Angebot. Mastodon bietet im Vergleich mit anderen sozialen Medien viele Vorteile. Denn das Netzwerk wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, einen besseren Umgangston und den Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten. Wer sich noch nicht überzeugt ist, kann sich von Lambert Heller, Henning Krause und Claudia Frick überzeugen lassen

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Aktuelle Debatte

Einer der größten deutschsprachigen Accounts in der Wissenschaftskommunikation, die Real Scientists, hat angekündigt, sein Profil auf X einzustellen. Stattdessen soll es ab Januar 2024 auf Bluesky weitergehen. Mit den Worten „Leider ist Twitter für uns nicht mehr tragbar” begründen die Moderator*innen ihre Entscheidung. Auch im neuen Jahr haben Wissenschaftler*innen also die Gelegenheit, einem großen Publikum eine Woche lang Einblicke in ihre Forschung zu geben.

Jobs

🔉 Mitarbeiter*in (m/w/div.) für wissenschaftliche Nachwuchsförderung | Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ), Großbeeren (Bewerbungsschluss: 17. Dezember 2023)

🔉 Referent:in für Wissenschaftskommunikation | Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“, Friedrich-Schiller-Universität Jena (Bewerbungsschluss: 15. Dezember 2023)

🔉 Netzwerker:in Events & Social Media (m/w/d) | Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation, Karlsruhe (Bewerbungsschluss: 15. Januar 2024)

🔉 Wissenschaftsmanager mit dem Schwerpunkt Talentförderung (w/m/d) | Unternehmensentwicklung (UE), Forschungszentrum Jülich (keine Bewerbungsfrist)

Weitere Stellenangebote finden Sie in unserer Jobbörse – exklusiv für Stellen aus der Wissenschaftskommunikation. Hochschulen, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Co können ihre Stellenangebote direkt an Besucher*innen unseres Portals richten.

Impressionen

Die Illustratorin Cirenia Arias Baldrich hat sich Gedanken über die Rolle der visuellen Kommunikation von wissenschaftlichen Informationen gemacht. Auch im neuen Gastbeitrag (Eine Grafik sagt mehr als tausend Studien) betont die Wissenschaftskommunikatorin Julia Gantenberg die Bedeutung klarer, übersichtlicher Infografiken.

 

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„Die Fähigkeit, innerhalb von Krisen gut kommunizieren zu können, ist von enormer Bedeutung.“

MIRKKOMM steht für Optimierung der Risiko- und Krisenkommunikation von Regierungen, Behörden und Organisationen der Gesundheitssicherung. Mit einer Vielzahl an Praxispartner*innen untersucht das Projekt, wie Informationen von Bürger*innen, Journalist*innen oder auch Blogger*innen aufgenommen, verarbeitet und bewertet werden. Projektleiterin Annett Schulze gibt in diesem Interview Einblicke ins Projekt.
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„Es ist der falsche Weg, Komplexität zu reduzieren“ 

Journalismus und Wissenschaft unterscheiden sich – beispielsweise, was Fragestellungen oder das Tempo angeht. Welche Herausforderungen bringen diese Reibungen in Zeiten von Kriegen und Konflikten mit sich? Leonid Klimov von dekoder und Julian Koller von te.ma über den Versuch, Brücken zu schlagen. 
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„Eine Gesellschaft, in der sich alle einig sind, wäre eine Gesellschaft ohne Fortschritt“

Viele Demokratien kämpfen mit einer zunehmenden Polarisierung der politischen Debatten. Im Interview erklärt Olaf Kramer, Professor für Rhetorik und Wissenschaftskommunikation an der Universität Tübingen, wie vor diesem Hintergrund Verständigung gelingen und welchen Beitrag die Wissenschaftskommunikation dazu leisten kann.
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Wie steht es um unsere Debattenkultur?

David Lanius, Experte für Streitkultur, gibt im Interview Ratschläge für konstruktive Debatten und spricht über ungenutzte Potenziale in Online-Diskussionen.
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