Foto: Jan Düfelsiek

Im Profil: Sissy Lorenz

Der Sieg beim FameLab 2016 weckte bei Sissy Lorenz die Leidenschaft für Wissenschaftskommunikation. Im Jobprofil erzählt die promovierte Biotechnologin, welchen Herausforderungen sie sich als Projektmanagerin im Wissenschaftsbüro Bielefeld stellt und wie sie den Sprung in die Lehre geschafft hat.

Karriereleiter, Karrieresprungbrett oder Karrierekarussell – Wie war Ihr Weg in die Wissenschaftskommunikation/den Wissenschaftsjournalismus?

»Meistens kommt es anders und vor allem, als man denkt!« Rückblickend beschreibt dieser Satz meinen Weg wohl am besten. Es fing vielversprechend geradlinig an: Bachelor und Master im Fach Molekulare Biotechnologie, Praktika, Auslandssemester – ich hatte die Studienzeit sinnvoll genutzt und wollte anschließend direkt in die Industrie wechseln. Zufällig entdeckte ich die Ausschreibung für meine spätere Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH Bielefeld – thematisch ansprechend und spannend. Und mal ehrlich, in der Industrie wäre ich mit einer Promotion doch sicherlich besser aufgehoben als ohne. Warum also nicht? 

Dann nahm das Schicksal seinen Lauf und ich nahm am FameLab 2016 teil: ein Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation, der durch meine erfolgreiche Teilnahme alle weiteren Pläne grundlegend durcheinanderbrachte. Aus dem reinen Interesse an meiner Forschung entwickelte sich eine Leidenschaft für Kommunikation. Meine Freude an Lehre wuchs, ich bildete mich vielseitig fort, präsentierte mein Forschungsthema auf Tagungen und Konferenzen und gab letztlich sogar eigene Workshops für den British Council. Die Begeisterung für meine Promotion war dennoch geblieben, sodass ich diese 2019 erfolgreich abschloss; lediglich der geplante Weg in die Industrie blieb aus. 

Mit meiner Bewerbung auf das Landesprogramm „Karrierewege FH-Professur“ gelang mir auch hauptberuflich der Weg in die Wissenschaftskommunikation. Seit Ende 2019 bin ich nicht nur als Lehrkraft für besondere Aufgaben im Fach ‚Marketing und Technischer Vertrieb‘ an der FH Bielefeld, sondern auch als Projektmanagerin im Wissenschaftsbüro der Bielefeld Marketing GmbH tätig und darf in dem Kontext eigene Formate für Wissenschaftskommunikation entwickeln und realisieren. Nebenberuflich gebe ich auch weiterhin begeistert Workshops in verschiedenen Bereichen und stehe ab und zu als Moderatorin selbst auf der Bühne. 

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job und warum lohnt es sich trotzdem jeden Tag?

Der Sprung aus der dem bekannten Laboralltag heraus ist auch heute an manchen Stellen eine echte Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Es geht in meinem Bereich nicht mehr nur um das reine Selbstmanagement, sondern vielmehr um die Koordination komplexerer Projekte, inklusive dessen thematischer Ausrichtung, Marketing, Infrastruktur, Gästen, Catering und so weiter. Ich darf mich immer wieder aufs Neue auf wechselnde Anforderungen, verschiedene Akteure und andere Perspektiven einlassen – Kompetenzen, die in meinem Studium und während der Promotion höchstens zwischen den Zeilen vermittelt wurden. 

Aber so steinig der Weg auch manchmal scheint, es ist immer wieder spannend, Wissenschaftskommunikation aus neuen Perspektiven kennen lernen zu dürfen und in verschiedenen Formaten anderen Wissenschaftler*innen eine Bühne zu bieten, damit sie ihre Leidenschaft teilen können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation / des Wissenschaftsjournalismus?

Ich denke, wir sind mit den aktuellen Entwicklungen schon auf einem fantastischen Weg. Dennoch wünsche ich mir für die Zukunft, dass für Wissenschaftler*innen mehr (Frei-)Raum geschaffen wird, in dem sie kommunizieren können. Von Kolleg*innen an den Hochschulen höre ich immer wieder, dass es ein zeitliches Problem ist, neben der normalen Arbeit Themen bestmöglich aufzuarbeiten und für das breite Publikum zugänglich zu machen. Viele hätten Interesse, dieses Feld weiter auszubauen, es fehlen jedoch häufig die nötigen Ressourcen dafür und das finde ich sehr schade.

Bonusfrage: Welches Wort ist für Sie der Inbegriff für gute Kommunikation? Und warum?

Begeisterung. Und zwar auf mehreren Ebenen, denn meiner Meinung nach klappt besonders gute Kommunikation dann, wenn alle beteiligten Personen mit Begeisterung dabei sind – egal ob Zuhörer*innen, Organisator*innen oder die Person, die ihren Inhalt vermitteln möchte.