Grafik: Science to Policy Podcast

Ein Podcast mit Themen rund um evidenzbasierte Politikberatung

Beim englischsprachigen Podcast „Science for Policy“ dreht sich alles um evidenzbasierte Politikberatung. Toby Wardman gibt als Leiter der Kommunikationsabteilung bei Science Advice for Policy by European Academies und Macher des Podcasts Einblicke in dessen Entstehung, benennt angestrebte Ziele und verrät, welche Themen hier zur Sprache kommen.

Herr Wardman, Sie haben im September 2020 den „Science for Policy” Podcast gestartet. Was erwartet die Zuhörer*innen hier?

Der Podcast ist Teil unserer Aktivitäten zur wissenschaftlichen Politikberatung bei SAPEA –  Science Advice for Policy by European Academies. Inhaltlich geht es also um wissenschaftliche Beratung und wie sie funktioniert. Wir sprechen aber auch über Wissenschaftskommunikation mit einer breiten Öffentlichkeit und über Ansätze, wie die Öffentlichkeit in Forschung eingebunden werden kann.

Toby Wardman ist Leiter der Kommunikation bei SAPEA (Science Advice for Policy by European Academies) und Gründer des „Science for Policy“ Podcasts. Foto: Toby Wardman

Beim Podcast besprechen wir unterschiedliche Themen. Einmal ging es um Vertrauen in die Wissenschaft, bei einer anderen Folge ganz konkret darum, wie wissenschaftliche Evidenz der Politik nahegebracht wird, damit diese bei Entscheidungen berücksichtigt werden kann.

Welche Ziele verfolgt Ihre Organisation bei der evidenzbasierten Politikberatung?

SAPEA ist Teil des wissenschaftlichen Beratungsmechanismus der Europäischen Kommission. Wir sind ein von der EU finanziertes Netzwerk aus Forschungsakademien und eine unserer Hauptaufgabe besteht darin, die wissenschaftliche Evidenz zu verschiedenen Themen zusammenzufassen. Diese stellen wir in Form von Berichten wissenschaftlichen Berater*innen zur Verfügung, damit sie wiederum Empfehlungen für die Politik geben können.

„Ein weiteres Ziel ist zudem, öffentliche Debatten anzuregen und zum Austausch über evidenzbasierte Politikberatung in ganz Europa beizutragen.“Toby Wardman

Ein weiteres Ziel ist zudem, öffentliche Debatten anzuregen und zum Austausch über evidenzbasierte Politikberatung in ganz Europa beizutragen. So können wir den europäischen Bürger*innen zeigen, dass politischen Entscheidungen, die auf EU-Ebene getroffen werden, informierte Entscheidungen sind.

Wen wollen Sie konkret mit Ihren Inhalten erreichen?

Wir haben fünf Hauptgruppen im Auge: Das sind zum einen Akademiker*innen, die an Universitäten oder Forschungseinrichtungen arbeiten und sich für evidenzbasierte Politikberatung interessieren. Zweitens wollen wir natürlich die Menschen ansprechen, die auf nationaler oder EU-Ebene in der Politikberatung involviert sind. Hierzu gehören neben den Menschen, die sie direkt betreiben, auch deren Zielgruppe, die Politiker*innen.

Interessant sind für uns auch Journalist*innen und Menschen, die auf unterschiedlichste Weise in der Kommunikation tätig sind und ein Interesse am Thema haben.

Um Ihre Zielgruppen zu erreichen, nutzen Sie unterschiedliche Kommunikationsformen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Podcast zu machen?

Das Jahr 2020 hat viel verändert. Plötzlich standen Entscheidungsträger*innen und Forschende im Rampenlicht, waren in Fernsehsendungen zu sehen und damit war die evidenzbasierte Politikberatung ein großes Thema.

Podcasts sind bereits in den vergangenen Jahren sehr beliebt geworden. Ich las, dass über 50 Prozent der Amerikaner*innen Podcasts hören, was eine unglaubliche Zahl ist. Für uns ist es eine kostengünstige und auch recht einfache Möglichkeit, auf diesen Zug aufzuspringen und damit ein neues Format auszuprobieren.

Da wir im Rahmen des Horizon-2020-Programms finanziert werden, haben wir außerdem eine gewisse Freiheit bei der Umsetzung unserer Ideen. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Ideen selbst umsetzen müssen.

Wie sind Sie das Projekt angegangen?

Sehr autodidaktisch. Ich habe ein Mikrofon gekauft und einfach losgelegt. Dadurch war meine eigene Lernkurve sehr steil, was man auch am Qualitätsunterschied zwischen der ersten und den weiteren Folgen erkennen kann. Nach sechs aufgezeichneten Interviews habe ich die Idee und diese ersten Ausgaben dem SAPEA-Aufsichtsrat vorgestellt. Das Projekt kam gut an und so konnte ich die Folgen nach und nach publizieren.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Themen oder Ihre Gesprächspartner*innen aus?

Für die ersten Folgen habe ich meine Interviewpartner*innen sehr sorgfältig und gezielt ausgesucht. Da die Folgen Pilotcharakter hatten, sollten sie ausgewogen sein, was Geschlechter und die geographische Herkunft angeht. Und ich wollte natürlich eine Bandbreite von Themen ansprechen, die auch für unsere Zielgruppen spannend sind. Inzwischen kommen Menschen auf mich zu, um sich oder jemand anderes als Gesprächspartner*in zu empfehlen. Alternativ suche ich selbst immer nach Themen und Menschen, mit denen sich eine Unterhaltung lohnen würde.

Mir ist auch wichtig, dass unterschiedliche Menschen zu Wort kommen, also nicht nur Akademiker*innen oder nur wissenschaftliche Berater*innen. Die Themenvielfalt ergibt sich dadurch fast von selbst, muss aber immer eine Verbindung zur Politikberatung haben.

„Mir ist auch wichtig, dass unterschiedliche Menschen zu Wort kommen, also nicht nur Akademiker*innen oder nur wissenschaftliche Berater*innen.“Toby Wardman

Wie bereiten Sie die einzelnen Folgen vor?

Mir ist wichtig zu wissen, über was die Interviewparter*innen gerne sprechen wollen. Dazu führe ich ein kurzes Vorgespräch, aus dem ich im nächsten Schritt einen groben Fahrplan mit fünf oder sechs Stichpunkten erstelle. So entsteht ein roter Faden, an dem wir uns bei der Aufzeichnung der Podcast-Folge recht frei entlanghangeln.

Haben Sie Lieblingsthemen oder besonders überraschende Gesprächspartner*innen gehabt?

Da ich Philosophie studiert habe, mag ich entsprechende Themen besonders gerne. Der Beitrag zum Vertrauen in die Wissenschaft hat mir persönlich daher sehr gut gefallen. Als Kommunikator bin ich offen für die unterschiedlichsten Themen und finde es immer dann besonders spannend, wenn ich etwas Neues erfahren kann.

Fasziniert hat mich auch das Gespräch mit Mark Walport, dem ehemaligen wissenschaftlichen Chefberater von Großbritannien. Wir sprachen darüber, wie das Land 2020 im Kontext von Covid-19 mit wissenschaftlicher Beratung umgegangen ist.

Mark Walport, ehemaliger wissenschaftlicher Chefberater von Großbritannien im Interview beim Science for Policy Podcast:

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Wie kommt Ihr Podcast an? Haben Sie Zahlen oder Feedback erhalten, die verraten, wen Sie erreichen?

Da wir inhaltlich doch sehr in die Tiefe gehen, schätzen wir, dass wir eher die Fachcommunity in den jeweiligen Bereichen erreichen. Wir haben ein paar Zahlen, die uns aber nur indirekte Auskunft darüber geben, wer uns hört. So können wir aus den steigenden Downloadzahlen ablesen, dass wir Zuhörer*innen haben. Sobald eine neue Folge publiziert ist, steigen auch wieder die Downloadzahlen älterer Folgen. Wir gehen daher davon aus, dass die Community wächst. Manche Folgen begünstigen zudem eine bestimmte Gruppe von Zuhörer*innen. So hatten wir bei einem Gast aus Neuseeland auch danach hohe Abrufzahlen aus Neuseeland.

Wir laden die Folgen auch bei Youtube hoch, sodass wir hier nicht nur die Klicks sehen, sondern auch die Verweildauer und die Punkte, an denen das Publikum abspringt. So tasten wir uns an die Zielgruppen heran, können es aber nicht im Detail nachverfolgen. Nur bei den Beiträgen, über die sich Menschen beispielsweise auf Twitter austauschen, können wir etwas Konkreteres über die erreichte Zielgruppe erfahren.