Foto: Francious Pistorius, CC0

Diskussion zu Tisch – kochen, essen, Forschung debattieren

Beim Kochen und Essen in kleiner und gemütlicher Runde über Wissenschaft diskutieren, darum geht es bei dem Projekt „Diskussion zu Tisch“. Die Initiatoren Timo Peters und Johannes Sonnenholzner blicken in der Projektvorstellung zurück auf den ersten Gesprächsabend, erreichte Ziele, kleine Startschwierigkeiten und die weiteren Pläne.

Bei Partys ist es ja oft in der Küche am geselligsten und Kochsendungen im Fernsehen kommen beim Publikum gut an. Warum also nicht daraus etwas für die Wissenschaftskommunikation machen? So entstand unsere neue Formatidee „Diskussion zu Tisch“. Im Kern geht es darum, bei einem gemeinsamen Abendessen mit einem Forschenden über ein wissenschaftliches Thema zu diskutieren. Die Teilnehmenden erfahren mehr über ein Forschungsgebiet und ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin bekommt ein Feedback zur eigenen Arbeit. Das ist das Ziel des Projekts „Diskussion zu Tisch“. Das Fazit des ersten Abends: Es war gesellig, sättigend und in vielerlei Hinsicht erkenntnisreich.

Aber von vorn: Die Themenfindung für unseren ersten Abend war recht einfach. Ein Wissenschaftler aus dem Bekanntenkreis, Max Frank, war von unserer Idee begeistert und stellte sich als Experte und quasi als „Versuchskaninchen“ zur Verfügung. Er ist derzeit Postdoc am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und beschäftigt sich mit der Bepreisung von CO2.

Erfreulich unkompliziert kamen wir auch an zentral gelegene Räumlichkeiten. Nach nur zwei Ortsbesichtigungen konnten wir in Berlin-Friedrichshain von einer gemeinnützigen Initiative einen Raum mit Küche buchen.

„Einige gaben zu, dass sie im Vorfeld misstrauisch waren“

Jetzt fehlten nur noch die Teilnehmenden. Von Plaketen über Flyer bis zur Webseite Nebenan.de diskutierten wir unterschiedliche Wege der Bewerbung. Unser Ziel war es, Besucherinnen und Besucher mit sehr verschiedenen Hintergründen zu gewinnen. Daher entschieden wir uns, Flyer in Briefkästen in der näheren Umgebung zu verteilen. Die Enttäuschung war groß, als sich zunächst niemand meldete. Auch Plakate in zwei Supermärkten brachten keine Ergebnisse. Da das Datum schon fix war, fragten wir also im erweiterten Bekanntenkreis herum und kamen über Freunde von Freunden letztendlich auf fünf Teilnehmende. Sie kamen aus unterschiedlichsten Berufszweigen und waren zwischen 25 und 35 Jahre alt.

„Unser Ziel war es, Besucherinnen und Besucher mit sehr unterschiedlichen Hintergründen zu gewinnen.“Timo Peters, Johannes Sonnenholzner

Im Vorfeld besorgten wir noch Getränke und Lebensmittel. Nach Absprache mit den Teilnehmenden wollten wir ein veganes Zwei-Gänge-Menü kochen: Reiscurry und als Nachspeise einen Obstsalat mit Eisoption. Außerdem organisierten wir Besteck, Teller, Kochgeschirr und Co.

Nachdem wir aufgebaut hatten, begann der Abend mit einem Aperitif und einer kurzen Vorstellungsrunde. Dabei stellte sich heraus, dass die Teilnehmenden noch keine Vorkenntnisse zu dem Thema hatten, sie es jedoch für ihr Leben als wichtig einstufen.

Anschließend wurden die Aufgaben für die Essenszubereitung verteilt. Das Schnippeln begann. Währenddessen hielt Max Frank einen rund zwanzigminütigen Vortrag. Er erklärte sehr alltagsnah und verständlich den Klimawandel und den Zusammenhang mit dem CO2-Anteil in der Luft. Bereits hier kamen sehr viele Nachfragen. Was der eine oder andere schon einmal gehört oder gelesen hatte, konnte geklärt und eingeordnet werden.

Nach dieser Informationseinheit begannen wir, gemeinsam zu kochen: Die einen bereiteten den Reis zu, andere deckten den Tisch oder widmeten sich der Nachspeise. Währenddessen gingen die Gespräche zu Thema immer weiter. Während des Essens wurde dann intensiv diskutiert: über die Akzeptanz der Energiewende, Klimawandel und Mobilitätswende, soziale Dimension einer CO2-Steuer, über die Erfahrung der Länder, in denen es schon eine gibt, die Folgen für die Landwirtschaft und vieles mehr.

Als alle satt waren, fand eine kurze Abschlussrunde statt und das Feedback war gut: Alle hatten das Gefühl, etwas Neues gelernt zu haben. Das Setting des Abends war angenehm, wobei einige zugaben, dass sie im Vorfeld misstrauisch waren. Ein Teilnehmer fand, man solle gleich einen neuen Abend zum Thema industrielle Landwirtschaft und Klimawandel planen.

„Fast wie in einer WG“

Für den Wissenschaftler vom PIK war es mal etwas anderes als eine Nacht der Wissenschaft, Vorträge oder Science Labs. Bei solchen Veranstaltungen hatte er schon häufiger mitgemacht und wusste so, wie er Sachverhalte nachvollziehbar vermitteln kann. Interessant sei es für ihn immer wieder, die eigene Arbeit auf die wesentlichen Punkte herunterzubrechen und ein Gefühl zu bekommen, wie nah oder fern das Thema anderen Menschen ist. Dies war in der kleinen, fast schon familiären Gesprächsatmosphäre in der Küche und am Tisch viel besser möglich, als auf einer Bühne oder in einer Diskussion bei einem Empfang.

„Es ist als Forschender sehr interessant, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie nah oder fern ein Thema anderen Menschen ist.“Timo Peters, Johannes Sonnenholzner

Abschließend wurde gemeinsam abgewaschen und aufgeräumt. Es hatte sich in den dreieinhalb Stunden bereits ein Gruppengefühl entwickelt. Fast wie in einer WG, meinte ein Teilnehmer. Außerdem wollen alle auch beim nächsten Mal gerne wieder mit dabei sein.

Aus unserer Sicht haben wir unsere Ziele erreicht: 1. Ein wissenschaftliches Forschungsthema auf verständliche Weise an interessierte Menschen zu vermitteln; 2. Die Möglichkeit geben, Fragen zu den Themen zu stellen und über gesellschaftliche Bezüge, Auswirkungen und Akzeptanz zu diskutieren; 3. Einen Raum für Begegnungen zwischen Menschen schaffen, die sich vorher noch nicht kannten.

Wir denken nun darüber nach, wie wir das Format weiterentwickeln können, um mehr Menschen zu gewinnen. Wir geben erst einmal noch nicht auf und haben schon einige Ideen, wie wir die Ansprache verändern wollen. Und im Frühjahr 2019 gibt es das nächste Abendessen zum Thema Gentechnik.

 


Projektsteckbrief

Träger: Bisher private Initiative von Timo Peters und Johannes Sonnenholzner, zukünftig in Kooperation mit der Abteilung Wissenschaftskommunikation am KIT*

Budget/Finanzierung: Das Budget liegt zwischen 900 und 1.700 Euro pro Veranstaltung je nach Ausgestaltung und eingebrachter Eigenleistung. Kosten fallen an für das Erstellen, Drucken und Verteilen von Flyern, Raummiete, Honorar und Reisekosten, die Verpflegung und die Organisation.

Ziele: „Diskussion zu Tisch“ ist ein niederschwelliges Format, um das Gespräch und die Diskussion zwischen Wissenschaft und zufällig ausgewählten Teilnehmenden zu fördern. Ziel ist, dass die Teilnehmenden mehr über ein Forschungsgebiet erfahren und die Forschenden ein Feedback und Anregungen zu ihrer Forschung erhalten. Denn wissenschaftliche Forschung muss aufklären, sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein und sich möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen öffnen. Dazu braucht es Formate, in denen verständlich und für eine die breite Masse nachvollziehbar wissenschaftliche Zusammenhänge erläutert werden und die Teilnehmenden ihre Fragen und Meinungen äußern können.

Zielgruppe: Zufällig angesprochene Menschen aus einem Stadtteil oder einem Stadtquartier.

Zahlen zur Zielerreichung: Wenn alle satt, gut gelaunt und mit neuem Wissen nach Hause gehen, ist unser Ziel erreicht.


*Die Abteilung Wissenschaftskommunikation am KIT ist einer der drei Träger des Portals Wissenschaftskommunikation.de

 

Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.