Foto: Xavier Caré, CC BY-SA 4.0

„Jedes Forschungsprojekt hat Einfluss auf die Arbeitswelten der Zukunft“

Das Wissenschaftsjahr 2018 befasst sich mit dem Thema Arbeitswelten der Zukunft. Wir haben mit Otto Fritz Bode, dem Leiter der zuständigen Projektgruppe im BMBF, über die Relevanz des Themas gesprochen und wagen gemeinsam mit ihm einen Ausblick.

Herr Bode, worum geht es im Wissenschaftsjahr 2018?

Wir haben eine ganze Reihe verschiedener Themen ausgemacht, die wir drei Schwerpunkten zugeordnet haben: Technologien, Kompetenzen und Wissenschaft. Im ersten Schwerpunkt gehen wir der Frage nach, wie Technologien die Arbeitswelt verändern und wie die Arbeitswelt Technologien verändert. Im Themenkomplex Kompetenzen geht es um Anforderungen, die die Arbeitswelt der Zukunft an uns stellen wird. Und im dritten Bereich geht es zum einen um die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft, aber auch darum, wie Forschungsergebnisse andere Arbeitswelten verändern.

Heute, am 19. Februar, startet die Auftaktwoche zum Wissenschaftsjahr unter dem Motto „Erleben, Erlernen, Gestalten“. Womit geht es los?

Otto Fritz Bode leitet die Projektgruppe für das Wissenschaftsjahr „Arbeitswelten der Zukunft“ am Bundesministerium für Bildung und Forschung. Foto: BMBF
Otto Fritz Bode leitet die Projektgruppe für das Wissenschaftsjahr „Arbeitswelten der Zukunft“ am Bundesministerium für Bildung und Forschung. Foto: BMBF

Mit der Auftaktwoche beginnt gleich eine ganze Reihe von Projekten und Veranstaltungen, die mit uns zusammenarbeiten. Wir sind auf der Bildungsmesse Didacta vertreten und auf dem Forschungscampus Arena 2036 arbeiten wir mit dem Future Work Lab zusammen. In diesem Innovationslabor ist eine modellhafte Arbeitsumgebung aufgebaut, in der erforscht wird, wie die Digitalisierung das Arbeiten verändert. Außerdem gibt es lokale Initiativen wie den Kaiserslauterer Open Online Course (kurz: KLOOC) zum Thema „Digitalisierung? Mittelstand im Wandel!“ und es beginnen die Arbeits-Früh-Stücke. Das ist eine Interviewreihe zum Beispiel zu Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt oder aktuellen Forschungsfragen, die dann mit Podiumsgästen diskutiert werden. Die Veranstaltung wird eine feste Größe im Wissenschaftsjahr sein und soll auch Impulse für die Arbeitsforschung hier im BMBF für die nächsten Jahre geben. Und es finden sich bereits einige externe Projekte im Veranstaltungskalender des Wissenschaftsjahres. Da kann man sich als Institution einfach mit einer Veranstaltung zum Thema eintragen, die dann dort neben den Initiativen auftauchen, die wir für das Wissenschaftsjahr organisieren.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Projekte aus, die Sie vom BMBF direkt fördern?

Das kommt auf die zuständige Abteilung an und welche Zielsetzungen sie hat. Im BMBF verfolgen wir vier verschiedene Themenbereiche zum Wissenschaftsjahr: Kommunikation, Arbeitsforschung, Technologie und Bildung. Es gibt klassische Projekte der Wissenschaftskommunikation, bei denen gefragt wird: Wie wird der Wissenschaftsaspekt zum Thema Arbeitswelten der Zukunft bestimmten Zielgruppen vermittelt? Bei neuen Projekten wird geschaut, ob sie originell sind, bei bestehenden Formaten, ob sie sich bewährt haben. Dann gibt es wissenschaftliche Projekte in der Arbeitsforschung, die sich mit Arbeitszeitgestaltung, Gesunderhaltung oder neuen Arbeitsformen beschäftigen. Deren Ergebnisse tragen bei Tagungen oder Publikationen zum Wissenschaftsjahr bei. Die Abteilung für Schlüsseltechnologien fördert zum Beispiel Prototypen, die demonstrieren, wie die Arbeitswelten der Zukunft aussehen könnten. Hier sind die Kriterien, dass die Projekte zum Motto „Erleben, Erlernen, Gestalten“ beitragen und diese Arbeitswelten erfahrbar machen oder Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. Außerdem gibt es noch einen Bereich, der von der Abteilung für Bildungsfragen betreut wird.  Hier soll untersucht und vermittelt werden, wie sich Berufe verändern und wie berufliche Bildung, beispielsweise die duale Ausbildung, auf diese Veränderungen reagieren kann. Zudem arbeiten wir mit der Plattform Arbeit 4.0 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales zusammen.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf die Vernetzung und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern. Das Wissenschaftsjahr ist ja nicht nur ein Sendemast zur Kommunikation eines Themas nach außen. Es stärkt auch innerhalb eines Fachgebiets die Vernetzung und bringt durch Veranstaltungen und Gespräche unterschiedliche Akteure zusammen. Bei den Arbeits-Früh-Stücken zum Beispiel treffen sich Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Wissenschaft und Unternehmen in einem neuen Umfeld.  Gemeinsam kommunizieren sie der Öffentlichkeit, was in ihrem Arbeitsfeld passiert. Darauf freue ich mich am meisten, weil man hierbei sehen kann, ob die Vernetzung dieser Fachcommunity erfolgreich war. Im Gespräch mit Vertretern der Wissenschaft aber auch der Praxis können gute Impulse für die Arbeitsforschung der nächsten Jahre entstehen.

Ist das eine Besonderheit des aktuellen Themas, dass so viele verschiedene Akteure an dem Thema dran sind, auch außerhalb der Wissenschaft?

Ja. Das Thema Meere und Ozeane war von außen betrachtet zum Beispiel ein eher fachliches Jahr mit klarem Fokus. Wenn ich es aber nun mit der Arbeitswelten-Brille betrachte, dann gab es auch dort viele Arbeitswelten zu sehen, zum Beispiel Forscher, die auf U-Booten arbeiten. Das Besondere an diesem Wissenschaftsjahr ist, dass das Thema Arbeitswelten in sehr viele Bereiche hineinragt. Alle Forschungs- oder Förderprojekte des BMBF haben mittel- oder langfristig Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Ein Beispiel: Auch neue Methoden aus der Krebsforschung haben Einfluss auf den Arbeitsablauf in Kliniken, Reha, und Nachsorge.

Ist es deswegen das Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ geworden, weil es so viele Menschen betrifft?

Genau, denn wir wollen bei den Wissenschaftsjahren zeigen, welche vielfältigen Verbindungen unser Leben zur Wissenschaft hat und fragen hier: Was erwartet uns in fünf bis fünfzehn Jahren, wenn die Kinder von heute im Arbeitsleben stehen. Was verändert sich bis dahin für die Erwachsenen? Und wie viel Wissenschaft steckt dahinter? Die Forschung dazu geht natürlich über die direkte Arbeitsforschung weit hinaus. Es gibt Verbindungen zu IT und Elektronik, aber auch zu Arbeitsmedizin, zur Politikwissenschaft und viele mehr. In vielen Bereichen haben wir jetzt einen Forschungsstand erreicht, der eine Diskussion über manche Themen erst ermöglicht. Die letzte Bundesregierung hat ein großes Arbeitsforschungsprogramm aufgelegt, das nun seit zwei Jahren läuft und damit eine relevante Menge an Forschungsergebnissen für ein Wissenschaftsjahr liefert. Auch aus der Industrie kommen gerade eine Menge Prototypen für die Produktion oder Ideen für neue Arbeitszeitmodelle, die es sich zu diskutieren lohnen. Und auch in der beruflichen Bildung haben wir einen Stand erreicht, bei dem Konzepte nicht nur erdacht, sondern auch bereits umgesetzt und erprobt werden.