Foto: Annie Spratt (edit)

In 5 Schritten zur gut geplanten Kommunikationsaktivität

Der Research Impact Canvas ist ein neuer, strukturierter Leitfaden zur Planung von Aktivitäten in der Wissenschaftskommunikation. Seine Urheber Benedikt Fecher und Christian Kobsda vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft stellen das Tool vor.

In den letzten zehn Jahren haben wir viel Zeit damit verbracht, über die gesellschaftliche Bedeutung von Wissenschaft nachzudenken – einer von uns mehr aus der Sicht der Forschung, der andere mehr aus der Sicht des Wissenschaftsmanagements. Vor einigen Jahren haben wir zudem damit begonnen, Schulungen für Forschende zu den Themen Wissenschaftskommunikation und gesellschaftlicher Impact anzubieten. Dabei fiel auf, dass das Thema bei Forschenden in den letzten Jahren zunehmend auf Interesse stößt; allerdings haben nur wenige eine klare Vorstellung davon, ob und wie ihre Forschung gesellschaftsrelevant ist. Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass im Gegensatz etwa zum akademischen Schreiben und wissenschaftlichen Publizieren die Wissenschaftskommunikation kaum eine Rolle im Studium und der wissenschaftlichen Ausbildung spielt. Mit anderen Worten: Wir wissen als Forschende zwar sehr gut, was wissenschaftlicher Impact ist, vom gesellschaftlichen Impact und wie dieser entsteht verstehen wir wenig.

Im Laufe der Jahre haben wir deshalb verstärkt über Tools nachgedacht, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (aber auch Personen, die in Wissenschaftskommunikation und -management tätig sind) dabei unterstützen können, Forschungsergebnisse erfolgreich zu kommunizieren. Ein Modell, das sich in unseren Schulungen bewährt hat, ist der Business Model Canvas (BMC), den Alexander Osterwalder 2008 vorgestellt hat. Der BMC ist eine einfache Vorlage für die Entwicklung von Geschäftsmodellen, in der die typischen Aktivitäten des jeweiligen Geschäftsmodells mit den relevanten Ressourcen und Akteuren in Beziehung gesetzt werden. In dieser Hinsicht unterscheidet sich ein neues Geschäftsmodell nicht wesentlich von einem Wissenschaftskommunikationsprojekt: Bei beiden geht es darum, ein Angebot auf Grundlage der verfügbaren Ressourcen zu erstellen, für das es ein Publikum gibt oder geben könnte. 

Nur ist der BMC für den wirtschaftlichen Bereich konzipiert worden und daher nur bedingt für Wissenschaftskommunikationsprojekte nutzbar. Universitäten sind schließlich keine Fabriken und das Primärziel der Wissenschaft ist nicht Gewinn. Wir haben daher beschlossen, den BMC grundlegend zu überarbeiten und an die Bedürfnisse und Bedingungen der Wissenschaft anzupassen. Das Ergebnis ist der Research Impact Canvas (RIC), ein einfaches, aber wirkungsvolles strategisches Instrument zur Planung von Wissenschaftskommunikationsaktivitäten. Ziel des RIC ist es, den Forschenden dabei zu helfen, eine konkrete und tatsächlich umzusetzende Impact-Strategie zu entwickeln. Auf dem Weg dorthin müssen sich Forschende nicht nur kreativen Fragen stellen (zum Beispiel zur Übersetzung von Wissen in Formate), sondern auch Fragen der operativen Umsetzbarkeit, der Evaluation und des Fundings.

Fünf verschiedene Module

Der RIC besteht aus fünf Modulen mit jeweils zwei bis drei Feldern, die ausgefüllt und aufeinander abgestimmt werden müssen. Die Module sollten daher nicht hintereinander weg, sondern iterativ bearbeitet werden, um eine möglichst runde und effektive Impact-Strategie zu entwickeln.

Modul 1 – Value 

Im ersten Modul sollte eine „Impact Proposition“ (Wertversprechen) formuliert werden, welches die Expertise mit den Zielgruppenbedürfnissen zusammenbringt. Grundlegende Fragen sind: Was ist Ihr Fachwissen und welche anderen Kompetenzen könnten Ihnen bei der Realisierung Ihres Impact-Projekts helfen? Wen möchten Sie erreichen oder wo möchten Sie mit Ihrer Forschung wirken? Welchen Mehrwert liefern Sie Ihrer Zielgruppe mit der Ihnen zur Verfügung stehenden Expertise?

  • Expertise: Die Kenntnisse und Fähigkeiten, über die Sie verfügen (z. B. Ihr spezifisches Forschungsgebiet, Ihre Kommunikationsfähigkeiten).
  • Impact Proposition: Der gesellschaftliche Mehrwert, den Sie mit Ihrer Forschung generieren wollen (z. B. nützliche Erkenntnisse, die Sie für Wirtschaft, Politik und / oder die breite Öffentlichkeit liefern könnten).
  • Target Groups: Die Gruppen, die Sie mit Ihrer Outreach-Aktivität erreichen möchten (z. B. Journalisten).

Modul 2 – Translation

Ziel des zweiten Moduls ist die Übersetzung des Wissens in ein Produkt oder eine Aktivität, die von der Zielgruppe rezipiert werden können. Welches ist das beste Format, um die Zielgruppe zu erreichen? Ist es beispielsweise am besten, wenn Sie Ihre Botschaft schriftlich übermitteln, oder sollten Sie besser über einen Podcast, ein Beratungsangebot oder etwas ganz anderes nachdenken? Daran schließt sich direkt die Frage an: Wie findet das von Ihnen gewählte Format den Weg zu Ihrer Zielgruppe? Wie wird die Information übersetzt und in passende Kanäle gestreut? Gibt es vielleicht eine laufende öffentliche Debatte oder eine Änderung der Gesetzgebung, die für Sie relevant ist?   

  • Strategic Opportunity: Die spezifische Gelegenheit, eine Outreach-Aktivität zu starten (z. B. Andocken an eine laufende politische Kampagne).
  • Formatieren: Das Medium, das Sie für Ihre Öffentlichkeitsarbeit verwenden (z. B. ein Podcast).
  • Kanal: Der Kanal, den Sie wählen, um Ihre Zielgruppe zu erreichen (z. B. iTunes für einen Podcast).

Modul 3 – Operation

Im dritten Modul müssen die operativen Aktivitäten konkret beschrieben werden. Gibt es noch andere Personen, die Sie für Ihr Projekt benötigen? Möglicherweise können sie Fähigkeiten, Wissen oder Ressourcen hinzufügen, die Sie nicht haben. Um sich darüber bewusst zu werden, ist es hilfreich, die Kernaufgabe zu beschreiben, die Ihr Projekt erfordert. So stellen Sie schnell fest, ob Sie Hilfe und zusätzliche Ressourcen benötigen oder nicht.      

  • Key Activities: Die wichtigsten Aktivitäten bei der Umsetzung Ihres Wirkungsvorschlags (z. B. die Produktion von Podcasts). 
  • Collaborators: Partner, mit denen Sie zusammenarbeiten müssen, um Ihr Wirkungsangebot zu realisieren (z. B. Forschende mit relevantem Wissen, Personen mit wertvollen Kontakten).
  • Resources: Die materiellen und immateriellen Ressourcen, die Sie für die Umsetzung Ihres Angebots benötigen (z. B. Büroflächen, Geräte, Analysesoftware).

Modul 4 – Budgeting

Sie sollten ehrlich sein: Auch ein Projekt, das „nur“ Ihre eigene Zeit in Anspruch nimmt, ist mit einigen Kosten für Sie verbunden. Größere Projekte können tatsächlich viel Geld erfordern, um Wirklichkeit zu werden. Der vierte Schritt ist also die notwendige Reflexion über Kosten und Finanzierung. Brauchen Sie Geld und, wenn die Antwort ja ist, woher bekommen Sie es? Manchmal ist es auch hilfreich, einen genaueren Blick auf Ihre potenziellen Finanzierungspartner zu werfen, denn manche von ihnen machen bestimmte Einschränkungen, die für Ihr Projekt relevant sein könnten, oder fordern ein besonderes Berichtswesen. 

  • Costs: Die finanziellen Kosten Ihrer Wissenschaftskommunikationsaktivität.
  • Funding: Mögliche Finanzierungsquellen für Ihre Wissenschaftskommunikationsaktivität (z. B. Forschungsstiftung, private Investitionen, institutionelle Mittel).

Modul 5 – Evaluation

Der letzte Schritt dient dazu, Erfolgsparameter aufzustellen. Was sind adäquate Erfolgsmerkmale für Ihr Projekt? Um das zu bestimmen, ist es sinnvoll, die (gewünschten und unerwünschten) persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen Ihres Projekts vorauszusehen und seine Auswirkungen zu messen. Dazu empfiehlt es sich, einen Blick auf gängige Evaluationsformen zu werfen, aber auch mit relevanten Stakeholdern zu sprechen.

  • Success Indicators: Möglichkeiten, die Auswirkungen Ihrer Outreach-Aktivität zu messen (z. B. Online-Ansichten, Einnahmen, Traktion).
  • Risks: Mögliche negative Auswirkungen auf Sie, Ihre Organisation oder die Gesellschaft insgesamt (z. B. Reputationsschäden).
  • Benefit: Mögliche positive Auswirkungen auf Sie, Ihr Unternehmen oder die Gesellschaft insgesamt (z. B. Reputationsgewinn, weniger CO2-Emissionen)

Verwendung des Research Impact Canvas

Wir wissen sehr wohl, dass der RIC kein Allheilmittel für sämtliche Probleme ist, die bei der Umsetzung von Wissenschaft in die Gesellschaft auftreten können. Er lässt sich auch nur begrenzt in der Grundlagenforschung einsetzen, denn hier ist das Ziel, ein Publikum außerhalb der eigenen Community zu erreichen, sekundär. Dennoch glauben wir, dass das Verfahren dazu beiträgt, typischen Aufgaben bei der Planung von Wissenschaftskommunikationsaktivitäten besser vorzugreifen und diese zu koordinieren. Er ist daher als strategisches Instrument der Wissenschaftskommunikation sowohl für Forschende wie auch für Forschungsmanager einsetzbar.

Der RIC befindet sich noch in der Beta-Phase, wir freuen uns deshalb über jegliches Feedback und Kritik aus der Wissenschaftskommunikationscommunity. Außerdem ist der RIC als offene Ressource gedacht, das heißt: Sie dürfen das Tool jederzeit verwenden und an Ihre eigenen Bedürfnisse anpassen.

 

Zitierweise

Fecher, B. & Kobsda, C. (2019). Meet the Research Impact Canvas: A Structured Guide for Planning Your Science Communication Activities. Elephant in the Labhttps://doi.org/10.5281/zenodo.3368480

Die englische Version dieses Beitrags und eine Visualisierung des RIC finden Sie hier

 

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