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„Twitter ist ein guter Weg in die politische Diskussion“

Ministerien, Wissenschaft, #Taxtwitter – Dominika Langenmayr kommuniziert auf Twitter in verschiedenen Communitys vor allem über Steuerwissenschaften. Was diese Zielgruppen besonders macht und wie auch ihre Forschung von der Kommunikation profitiert, erzählt sie im Interview.

Frau Langenmayr, warum sind Sie als Wissenschaftlerin in den sozialen Medien aktiv?

Weil ich immer wollte, dass meine Forschung nicht nur im stillen Kämmerlein stattfindet. Ich beschäftige mich inhaltlich viel mit Steuern, Steuerpolitik und der Wirkung von Steuern. Das ist für die Politik ein ganz relevantes Thema. Darum ist es mir wichtig, dass die Ergebnisse auch ihren Weg in die Öffentlichkeit finden.

Warum haben Sie sich dabei auf Twitter fokussiert, wo Sie mittlerweile über 4.000 Follower haben?

Dominika Langenmayr ist Professorin für Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Finanzwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie forscht vor allem zum Thema Steuern und twittert darüber unter @D_Langenmayr. Foto: KU, Constantin Schulte Strathaus/upd
Dominika Langenmayr ist Professorin für Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Finanzwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie forscht vor allem zum Thema Steuern und twittert darüber unter @D_Langenmayr. Foto: KU, Constantin Schulte Strathaus/upd

Twitter ist ein guter Weg in die politische Diskussion, weil hier viele Akteurinnen und Akteure aus dem Journalismus, der Politik und auch den Ministerien aktiv sind und man so direkt mit ihnen ins Gespräch kommen kann. Auf Twitter konnte ich einfach anfangen mitzudiskutieren, Leuten zu folgen und mir so langsam ein Netzwerk aufbauen. Gleichzeitig hat sich so auch mein wissenschaftliches Netzwerk ausgeweitet, in dem wiederum eher fachliche Diskussionen stattfinden. So haben sich von selbst verschiedene Gruppen ergeben, mit denen ich kommuniziere. Eine Dritte ist noch dazugekommen, mit der ich am Anfang gar nicht so gerechnet hatte: die Taxtwitter-Community. Steuern ist ein sehr interdisziplinäres Fach und gerade im Raum Großbritannien sind viele Juristinnen und Juristen sehr aktiv und diskutieren auf Twitter internationale Steuerfragen. Das ist für mich eine wichtige dritte Gruppe geworden.

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Gruppen in der Kommunikation?

Ein großer Unterschied ist die Sprache. Die Diskussion um Steuerpolitik im Feld der Ministerien findet auf Deutsch statt, während die Wissenschaftscommunity oder Taxtwitter eher englischsprachig sind. Von Stil her mache ich aber keine großen Unterschiede. Wichtig ist mir, immer höflich zu bleiben. Ich habe das Gefühl, dass der eigene Tonfall stark darüber bestimmt, was zurückkommt.

Was fällt Ihnen beim Twittern schwer und was leicht?

Mir fällt es manchmal schwer, das richtige fachliche Niveau des Publikums einzuschätzen. Was kann ich voraussetzen? Was muss ich noch erklären? Bei den Journalistinnen und Journalisten merke ich an den Nachfragen, dass ich doch manchmal nicht so allgemeinverständlich formuliere, wie ich mir das vorstelle. Die haben zwar meist einen fachlichen Hintergrund, stecken aber nicht so tief in den wissenschaftlichen Debatten. Da lerne ich immer wieder, prägnant und verständlich zu formulieren. Dazu zwingt einen ja auch die Kürze der Tweets. Was mir aber, glaube ich, ganz gut gelingt, ist zu zeigen, dass Steuern doch ein spannendes Fachgebiet sind und gar nicht so langweilig, wie man vielleicht denkt. Außerdem interagiere ich viel, versuche immer auf Rückfragen zu antworten und zu kommentieren.

 Wieviel Zeit investieren Sie für Twitter?

Es läuft viel nebenher, wenn ich unterwegs bin in der S- oder U-Bahn oder gerade mal einen Kaffee trinke. Dass ich aktiv einen längeren Thread schreibe, kommt eher so einmal im Monat vor. Zum Beispiel, wenn ich mich zu einem Thema ausführlicher äußern möchte oder ein Forschungsthema gerade so weit habe, dass ich Ergebnisse mitteilen kann. Dann setze ich mich auch mal eine halbe Stunde dran, um das gut zu formulieren.

Was nehmen Sie aus Twitter für Ihre wissenschaftliche Arbeit mit?

Gerade im Steuerbereich gibt es viele Detailregelungen in verschiedenen Ländern, die sich immer wieder ändern. Da finde ich Twitter sehr hilfreich, weil ich live mitbekomme, was gerade diskutiert wird. Inhaltlich bekomme ich also etwas zurück. Aber auch allgemein der Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die direkten Kolleginnen und Kollegen hinaus ist ganz anders möglich. Mein Fachbereich an der Uni Eichstätt-Ingolstadt ist sehr klein und da ermöglicht mir Twitter, mich über Inhalte, aber auch über das wissenschaftliche Arbeiten selbst auszutauschen. Das finde ich sehr hilfreich für den Arbeitsalltag. Ein weiteres Thema, zu dem ich mich immer mal wieder äußere, ist die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie. Da habe ich an meiner Fakultät niemanden, der in einer ähnlichen Lebenssituation ist, und empfinde Twitter als hilfreiches Medium für den Austausch. Das hat zwar weniger mit Wissenschaftskommunikation zu tun, gehört aber auch zu meiner Arbeit dazu und ist auch immer wieder Thema in meiner Community.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kommunikation in der Zukunft – zum Beispiel mehr Follower?

Mit meiner Followerzahl bin ich gerade sehr zufrieden. Sollten es mehr werden, fürchte ich sogar, dass der direkte Austausch darunter leiden könnte. Das ist es ja, was ich an Twitter besonders mag. Ich wünsche mir aber, dass die Debatten, die dort geführt werden, mehr an anderer Stelle aufgegriffen werden. Dass zum Beispiel auch mal ein längeres Interview in den Medien dabei herauskommt und so auch andere Menschen erreicht werden.

Haben Sie Tipps für den Einstieg in Twitter für Forschende?

Grundsätzlich kann ich es sehr empfehlen zu twittern, weil ein schönes Netzwerk entstehen kann. Man muss aber dabeibleiben und sich regelmäßig engagieren. Mir war es dabei auch immer wichtig, mich nicht direkt politisch zu äußern und Wertungen klar zu kennzeichnen. Was sage ich fachlich? Und was ist Meinung? Das war für mich wichtig, um vor allem als Wissenschaftlerin und nicht als Privatperson wahrgenommen zu werden.