Foto: Claudia Höhne

Pubquiz – Wissensgeschichten mit Rätselfaktor

Ein Pubquiz für die Wissenschaftskommunikation? Das funktioniert – aber nur, wenn man das Wissen in kleine Häppchen verpackt, eine gute Geschichte dazu erzählt und sich nicht zu viel vornimmt. Quizmoderator Tom Zimmermann im Gespräch über das Format in der Praxis.

Herr Zimmermann, Sie konzipieren und moderieren Pubquiz – zum Zeitvertreib für Kneipenrunden oder mit inhaltlichem Auftrag für Stiftungen, Museen und andere Institutionen. Wo fangen Sie an, wenn Sie ein neues Quiz für eine Institution planen?

Die erste Frage, die ich mir stelle, ist: Wen möchte man erreichen und mit welchem Ziel? Ein Pubquiz ist eine gute Möglichkeit, Menschen anzusprechen, die mit einem bestimmten Thema noch gar nichts zu tun haben. Es ist eine einführende, spielerische Herangehensweise, die zwar auch Inhalte vermitteln kann, aber die Leute vor allem erst mal aktiviert und in eine Institution hineinbringt. Im Gegensatz zu einem Vortrag kann man hier nur kleine Mengen Wissen vermitteln, das man in kurzen Geschichten rund um die Fragen verpackt – zu einem Künstler, einer Forschungseinrichtung oder auch einem wissenschaftlichen Thema.

Wie denken Sie sich die Fragen zu einem Thema aus?

<b>Tom Zimmermann</b> startete bereits während seines Kultur- und Medienmanagement-Studiums in Hamburg das <a href="https://www.facebook.com/daseinzigwahrekneipenquiz/about/?ref=page_internal" target="_blank" rel="noopener">„internationale Aalhaus-Kneipenquiz“</a>. Heute ist er mit seinem Kollegen Darren Grundorf selbstständig unter dem Titel <a href="http://www.daskneipenquiz.de/" target="_blank" rel="noopener">Das Kneipenquiz </a> unterwegs als Quizmaster.
Tom Zimmermann startete bereits während seines Kultur- und Medienmanagement-Studiums in Hamburg das „internationale Aalhaus-Kneipenquiz“. Heute ist er mit seinem Kollegen Darren Grundorf selbstständig unter dem Titel Das Kneipenquiz unterwegs als Quizmaster.

Es ist wichtig, die Leute an einem Punkt abzuholen, an dem sie noch etwas beantworten können. Wenn wir zum Beispiel ein Pubquiz für das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY machen sollen, weiß das Publikum im Zweifel sehr wenig darüber, was in deren Teilchenbeschleunigern eigentlich passiert. Wenn man eine Besichtigung anbietet, kann man zwar lange Röhren und Tunnel zeigen, aber nicht so gut, was die Forscher genau machen. Um dem Publikum erst mal ein besseres Gefühl für die Dimensionen zu geben, könnte man zum Beispiel fragen: Welche olympische Disziplin der Herren kann man in der längsten Röhre veranstalten? So aktiviert man das Allgemeinwissen und schlägt eine Brücke zum wissenschaftlichen Thema. Das kann man sich mit der Analogie dann besser merken. Wir wollen die Leute ja nicht aufs Kreuz legen und Fragen zu Laserkanonen stellen, die sie gar nicht beantworten können.

Der Schlüssel ist demnach, das Allgemeinwissen der Leute einzubeziehen?

Bei dieser Quizrunde im Forum der <i>Körber Stiftung</i> ist der Plan aufgegangen: den Gästen einen lustigen Abend zu organisieren. Foto: Claudia Höhne
Bei dieser Quizrunde im Forum der Körber Stiftung ist der Plan aufgegangen: den Gästen einen lustigen Abend zu organisieren. Foto: Claudia Höhne

Ja. Wenn wir im Kunstmuseum sind, stellen wir auch Kunstfragen. Wir fragen aber nicht, was auf den Bildern der aktuellen Ausstellung zu sehen ist oder Details aus der Biografie des Künstlers. Wir wollen unbedingt vermeiden, dass es wie eine Wissensabfrage rüberkommt. Niemand soll mit dem Gefühl rausgehen, zu doof zu sein oder eine Bildungslücke zu haben. Wichtigstes Ziel ist, dass das Publikum einen lustigen Abend hat. Die Fragen werden dann durch eine Geschichte zu einem bestimmten Thema verbunden, die auch weitere Informationen vermitteln kann.

Die Informationsvermittlung passiert also durch die erzählte Geschichte und nicht durch die Fragen selbst?

Genau. Bei einem Pubquiz zu einer Kunstaustellung kann der rote Faden die Biografie des Künstlers sein. Da fragen wir dann nicht direkt ab, wo der Künstler studiert hat, sondern eher: Jörg Immendorf wurde in Bleckede in Niedersachsen geboren, studierte aber in der einzigen Stadt in Deutschland mit einer Gelbphase auf Fußgängerampeln. Die Antwort ist Düsseldorf. Hier können die Leute dann auch raten und diskutieren.

 

 

Was ist eine gute Quizfrage?

Eine, bei der man nicht sofort sagen kann: Weiß ich oder weiß ich nicht. Die Teilnehmer sollen sich unterhalten, gemeinsam überlegen, sich auch mal die Köpfe einschlagen und diskutieren. Darum ist es gut, nicht immer nach Namen, Daten, Fakten zu fragen, sondern Schätzfragen einzubauen, bei denen die Teams kombinieren müssen. Je mehr die Leute reden, desto besser. Man kann zum Beispiel fragen: Welches Naturereignis findet jedes Jahr im März am Nordpol statt? Da kann man dann zusammen rätseln – Polarlichter? Frühlingsanfang? Eisbärenhochzeit? – und kommt vielleicht darauf, dass es der Sonnenaufgang ist. Wichtig ist, dass die Frage selbst interessant ist und es auch eine gute Mischung der Aufgabentypen im gesamten Quiz gibt. Wir machen meist eine Runde mit Soundschnipseln aus Musik oder Rundfunkbeiträgen. Außerdem kann man Bilderrätsel machen, lustige Videos zeigen und so weiter. Eine Quizrunde besteht meistens aus vier bis sechs Fragen und man kann gut zwischen vier und sechs Runden machen.

Wie läuft so eine Quizrunde ab?

Wir teilen Zettel aus und stellen dann die Fragen einer Runde nacheinander, sammeln die Zettel mit den Antworten wieder ein und werten sie aus. Während der Auswertung haben die Spielerinnen und Spieler Pause. Nach der Auswertung verkünden wir das Ranking und beginnen die nächste Runde. So entsteht der Wettbewerbsfaktor. Je nach Teilnehmerzahl braucht man hier mehrere Personen für die Auswertung, die Quiznotare, damit es nicht zu lange dauert.


Wo sollte man beginnen, wenn man zum Beispiel ein Quiz zum Tag der offenen Tür anbieten möchte?

Ein Quiz ist hier ein Instrument der Publikumsentwicklung. Nehmen wir mal das Beispiel Max-Planck-Gesellschaft: Die ist irgendwie jedem ein Begriff, aber nur wenige wissen, dass deutschlandweit verschiedene Institute dazugehören, die in unterschiedlichen Feldern Grundlagenforschung betreiben. Und Grundlagenforschung: Was ist das überhaupt? Da kann man ein Quiz rund um die Geschichte des Instituts und das Thema Grundlagenforschung machen und dabei zum Beispiel Blogs, Youtube-Videos oder andere Kanäle des Instituts vorstellen, die das allgemeine Publikum von selbst selten findet. Später im Quiz lassen sich dann noch einige Themenhighlights aus den Forschungsbereichen unterbringen. So etwas haben wir schon für die Körber-Stiftung umgesetzt, die zu den Themen Bürgergesellschaft und Digitalisierung, aber auch China- oder Russlandbeziehungen arbeitet. Hier haben wir zum Beispiel eine Frage zu asiatischen Winkekatzen gestellt und dann den Bogen zum Chinaprogramm geschlagen. Auch dabei ist wichtig: Bloß nichts über die Institutionen direkt abfragen, was im Zweifel eh niemand weiß. Das schafft nur schlechte Stimmung.

Welche Zielgruppen erreicht man am besten mit einem Quizformat?

Seit 2011 moderieren Darren Grundorf und Tom Zimmerman gemeinsam Kneipenquiz. Foto: Marine Michel
Seit 2011 moderieren Darren Grundorf und Tom Zimmerman gemeinsam Kneipenquiz. Foto: Marine Michel

Meistens junge Erwachsene, egal ob in Museen oder Kneipen. Das kann natürlich auch an uns als Moderatoren liegen. Mein Partner und ich sind Mitte 30 und auch die Fragen, die wir aussuchen, passen zu dieser Altersgruppe. Das ist eine Generationenfrage: Was für uns absolutes Mainstreamwissen ist, kennen viele Jüngere oder Ältere gar nicht – zum Beispiel, wer Kurt Cobain ist. Für ein 18-jähriges Publikum bräuchte ich auf jeden Fall Beratung aus dieser Altersgruppe. Und bei einem Tag der offenen Tür braucht man auch mal Fragen für Familienteams – von Malaufgaben für die Kinder bis zu älterer Popkultur für die Großeltern.

Was macht einen guten Quizmaster aus?

Man sollte schon ein bisschen Ahnung von den Themen haben, um die es geht. Vor allem aber muss der Quizmaster dem Publikum ein gutes Gefühl geben und ihm vermitteln, dass es egal ist, mit welchen Wissensstand man gekommen ist. Wichtiger, als mehr Detailwissen ins Programm zu nehmen, ist es, die Kernbotschaften zu wiederholen. Wenn die Leute einen tollen Abend verbracht und viel gelacht haben, schauen sie später vielleicht noch einmal ins Programm, sehen welche Formate es dort noch gibt, und kommen dann für einen Fachvortrag oder eine Ausstellung wieder.