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Im Profil: Daniel Angerhausen

Er liebt es öffentlich über seine Forschung zu sprechen und plant seine Dienstreisen so, dass er noch ein SciComm Events mitnehmen kann. Der promovierte Astrophysiker plädiert für mehr Wertschätzung für Kommunikationsanstrengungen von Seiten der Forschenden und dass sie als Teil des Arbeitspaketes anerkannt wird. Über seinen Weg in die Kommunikation berichtet er in seinem Jobprofil.

Karriereleiter, Karrieresprungbrett oder Karrierekarussell – Wie war Ihr Weg in die Wissenschaftskommunikation?

Ob die Wissenschaftskommunikation ein Sprungbrett oder ein Karussell für mich ist? Das wird sich in den nächsten zwei, drei Jahren bei mir zeigen. Im Moment ist es eine Rettungsweste die mich in der Academia über Wasser hält – vorerst. Angefangen hat bei mir alles mit FameLab, einem weltweiten Wettbewerb  der Wissenschaftskommunikation für Kommunikationswillige. Ich komme aus dem Rheinland und aus einer Karnevalisten Familie – da stand ich schon als Kind auf der Bühne. Beim FameLab stand ich nun das erste Mal mit meiner Wissenschaft und einem Unterhaltungsauftrag vor einem breiten Publikum. Ich war sofort infiziert. Seitdem nutze ich jede Gelegenheit öffentlich zu sprechen, plane meine Dienstreisen so, dass ich noch SciComm Events mitnehmen kann und sage fast zu jeder Nachfrage zu Science Slams oder öffentlichen Vorträgen ja. Ich schaffe mir sogar meine eigenen Formate, wie zum Beispiel als Organisator von Astronomy on Tap in Bern.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job und warum lohnt es sich trotzdem jeden Tag?

Eine grosse Herausforderung ist die Akzeptanz in der Community. Gerade ältere Professoren und sogar junge Kollegen, die nur auf das akademische Leben fokussiert sind, schauen einen oft schief an, wenn man sich in der Kommunikation engagiert. In der Wissenschaft dreht sich leider immer noch alles nur um Publikationen. Das ist das Einzige an dem wir Forschenden gemessen werden. Gibt man 10 oder sogar 20 öffentliche Talks im Jahr ist das höchstens eine Fussnote und wird als «privater» Spass angesehen und nicht als Teil des Arbeitspaketes. Das muss sich ändern und ich glaube, dass sich viele Förderer dessen bewusst sind. Warum es sich trotzdem lohnt? Es sind die Menschen, die ich dabei kennenlerne. Nicht nur die anderen Kommunikatoren, durch die ich einzigartige Einblicke in eine Vielzahl anderer Wissenschaftsgebiete gewinnen konnte, sondern auch die «normalen» Menschen, denen man dabei begegnet. Das Interesse und die Neugier der Zuhörer bringen oft ganz neue Fragen auf. Zusammen mit der Dankbarkeit der Zuhörer, dass man sich dafür Zeit nimmt, wiegt es für mich immer noch die kritischen Blicke der Kollegen auf.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation / des Wissenschaftsjournalismus?

Im Kontext der vorhergehenden Frage würde ich mir wünschen, dass Kommunikation besser und mehr gewertet wird in akademischen Karrieren. Wenn jemand viele Vorträge im Jahr hält oder für populärwissenschaftliche Journale schreibt, sollte das auch in die Bewertung eines Lebenslaufes eines Job-Kandidaten einfliessen. Und das nicht erst als Bonus, sondern auf gleicher Höhe wie Talks oder Publikationen innerhalb der Community. Förderer, Universitäten und Institute sollten es einfacher machen, Karrieren -zumindest teilweise- der Kommunikation zu widmen. Es scheint sich zumindest im Europäischen Raum im Moment vieles zu tun. Man darf also gespannt sein.

Bonusfrage: Ihre Erfahrungen mit Science Slams sind…?

Abgesehen davon, dass es mir einen Riesenspass macht auf der Bühne zu stehen und interessante smarte Slammer kennenzulernen, finde ich, dass es unsere Verantwortung als Wissenschaftler ist, komplexe Themen einem breiten Publikum nahe zu bringen.

Etwas was mir allerdings tatsächlich nicht am Slam- (oder auch am FameLab-) format gefällt, ist der Wettbewerb. Zunächst einmal ist es praktisch unmöglich, objektiv einen Talk von jemandem der Grossmutters Krebs heilt, mit einem anderen zu vergleichen, der sich mit Statistik in der Teilchenphysik beschäftigt. Letztere sollten Bonuspunkte bekommen, weil es viel schwieriger ist ein solches Thema einem Publikum emotional zu vermitteln. Ausserdem gewinnt meist einer der letzten Slammer, weil sie besser in Erinnerung bleiben.


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Daniel Angerhausen ist Astrophysiker am Center for Space and Habitability in BernExplainables Founder und Science Slammer.