Handwerkszeug für Videos in der Wissenschaftskommunikation

Videos werden vielfach als Medium der Zukunft bezeichnet – auch in der Wissenschaftskommunikation gewinnen sie an Bedeutung. David Lohner, Doktorand im Bereich Medienpädagogik über videobasierte Online-Lehre am Karlsruher Institut für Technologie, gibt im Gastbeitrag Tipps für die schnelle und unkomplizierte Produktion.

Ein gutes Video definiert sich nicht durch das benutzte Equipment. Es geht vielmehr um die Inhalte, die Story und darum, dass Sie Ihre Wissenschaft authentisch vermitteln. Sollten Sie an einer größeren Forschungseinrichtung tätig sein, können Sie sich auch von anderer Stelle (Start-) Hilfe holen: So kann Ihnen die Presse- bzw. Social-Media-Abteilung ein paar Hinweise geben. An einigen Einrichtungen,  wie am Karlsruher Institut für Technologie, gibt es mit dem Zentrum für Mediales Lernen sogar eine eigene Einrichtung, mit Ihnen solche Videos produziert.

Wenn Sie selbst Videos drehen wollen, sollten Sie sich zuerst ein wenig mit der „Kunst“ des Filmens vertraut machen. Unabhängig vom Equipment, das Sie verwenden wollen, gibt es einige Grundregeln, die Sie beachten sollten. Zu den Themen Kameraführung, Bildgestaltung oder Licht beziehungsweise Beleuchtung gibt es zahlreiche Tutorials im Internet. In der „Mobile Video School“ der Videoplattform Vimeo gibt es beispielsweise sehr kurzweilige Einführungen zu diesen Themen. Von diesem Grundwissen profitieren nicht nur Ihre Wissenschaftsvideos, sondern auch die Clips, die Sie bei der nächsten Familienfeier drehen. Es lohnt sich also, sich das anzusehen.

Sie wollten selber einfach mal loslegen und ein eigenes Video erstellen? Dazu brauchen Sie weder ein großes Filmstudio noch extrem teures Equipment. In den meisten Fällen reicht für ein schnell produziertes und zugleich professionell wirkendes Video das Tool, mit dem die meisten von uns ohnehin schon tagtäglich arbeiten: Ihr Smartphone.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen sieben Aspekte, die Ihnen dabei helfen, mit vergleichsweise einfachen Werkzeugen schnell und einfach eigene Videos für die Wissenschaftskommunikation zu produzieren.

1. Die Smartphone-Kamera reicht

Verschiedene Apps zum Filmen. Mein Tipp für manuelle Einstellungen: Filmic Pro (iOS, Android; kostenpflichtig). Foto: David Lohner (CC-BY 4.0)

Aktuelle Smartphones zeichnen inzwischen mit HD-Auflösung oder sogar 4k auf – für ein Webvideo ist die Bildqualität damit absolut ausreichend. Die bereits installierte Kamera-App ist für die meisten Zwecke ebenfalls gut geeignet. Sie können also direkt loslegen. Wer Blende, Verschlusszeit oder Lichtempfindlichkeit lieber manuell einstellt, kann sich mit Apps eindecken, die diese Optionen offenhalten.

2. Ton sauber aufnehmen

Die Mikrofone in Smartphones sind für sehr kurze Distanzen optimiert. Für eine saubere Audio-Aufnahme sind diese Mikrofone also nur bedingt geeignet, wenn Sprecherin oder Sprecher mehr als einen Meter von der Kamera entfernt sind. In solchen Fällen sind kleine Ansteckmikrofone sehr hilfreich: Sie verhindern Störgeräusche oder einen zu starken Einfluss der Raumakustik auf Ihre Aufnahme. Solche Mikrofone für Smartphones gibt es am Markt für weniger als zwanzig Euro.

3. Stativ verwenden

Mobiles Videostudio: Smartphone, Stativ mit flexiblen Beinen und Ansteckmikro. Foto: David Lohner (CC-BY 4.0)

Wenn möglich, sollten Sie Ihr Smartphone beim Filmen auf ein Stativ klemmen. Es gibt unzählige verschiedene Stative auf dem Markt. Für mich haben sich solche mit flexiblen Beinen bewährt, da ich sie überall festklemmen kann. Gerade wenn Sie unterwegs sind oder im Feld filmen wollen, ist das sicher praktisch. Damit verwackeln die Aufnahmen nicht, Ihr Video wirkt gleich professioneller und Sie können sich selbst filmen, ohne dass Sie jemanden bitten müssen, die Kamera zu halten.

4. Einblendungen und Animationen

Wissenschaftskommunikation muss nicht immer wie Hollywood aussehen. Aber manchmal kommt man um digitale Einblendungen oder Animationen nicht herum. Es gibt allerdings ein Werkzeug, das die meisten von uns bereits bedienen können und das für diesen Zweck sehr gut geeignet ist: Power Point. Sie können Ihre animierten Folien zum Beispiel direkt im Videoformat MP4 exportieren und so für Ihr Wissenschaftsvideo verwenden. Experimentieren Sie doch damit mal herum, es lohnt sich!

5. Videoschnitt am Smartphone

Auch wenn der Bildschirm klein ist reicht die Rechenleistung meist aus, um Videos auch direkt auf dem Smartphone zu schneiden. Dabei helfen zahlreiche Apps. Wenn Sie lieber in einer größeren Ansicht schneiden, gibt es auch für den Computer verschiedene Schnittprogramme. Für Animierte Präsentationen können Sie darin auch oft ein Voice-Over aufnehmen, also Text gesprochenen Text über die Grafiken sprechen, oder weitere Videoschnipsel anhängen.

6. Bonus: Videos ohne Ton mit Untertiteln

Verschiedene Apps für den Videoschnitt. Meine Tipps: iMovie (iOS, kostenfrei) und KineMaster (iOS, Android; freemium). Foto: David Lohner (CC-BY 4.0)

Momentan sind in den Sozialen Medien Videos, bei denen kein Ton, dafür aber Untertitel verwendet werden, sehr beliebt. Auch bei Wissenschaftskommunikation.de forderte Sascha Lobo eben solchen Content. Es gibt, zumindest für iOS, eine App („Clips“), mit der Sie solche Videos direkt erstellen können. Was Sie während der Aufnahme sagen wird direkt in Untertitel umgewandelt und im Video angezeigt.

7. Luft nach Oben ist immer

Sie können also einfach Ihr Smartphone nehmen und loslegen. Sobald Sie Lust auf mehr haben, können Sie sich natürlich an neue Herausforderungen wagen: Es gibt für das Smartphone noch viel mehr Zubehör als nur Mikrofone und Stative. Sie können etwa Weitwinkel- oder Makrolinsen nutzen, um verschiedene Bildstile zu erzeugen, zusätzliches Licht verwenden und einen Gimbal benutzen. Das ist eine Haltevorrichtung für das Smartphone, die einen besseren Griff und damit eine sanftere Kameraführung ermöglicht. Oder Sie spielen mit dem Format „Film“ und probieren neue Erzähltechniken aus.

Wie immer Sie es angehen, ich hoffe, Sie haben viel Freude und Erfolg beim Filmen und tragen mit Ihren Videos dazu bei, Ihre Wissenschaft weiter in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.