DM Podcast: Hinter die Kulissen hören

Über spannendes Storytelling Einblicke in die Forschung geben: Der DM Podcast des Deutschen Museums in München wirft einen Blick auf die Forschungsprojekte hinter den Ausstellungsstücken. Das Projekt vorgestellt im gemeinschaftlichen Gastbeitrag aus Kommunikations-, Forschungs- und Autorensicht.

Glasfasern für die Textilbranche, eine Zugverbindung von Berlin nach Kapstadt oder ein Musikinstrument, das vom Wert her den Jahresgehältern von drei Handwerkern entsprach: Der Podcast des Deutschen Museums erzählt viele spannende Geschichten, gibt aber vor allem Einblick in aktuelle Forschungsprojekte, die hinter den Kulissen eines der meistbesuchten Museen in Deutschland stattfinden. Denn dass das Deutsche Museum ein Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft ist, ist den meisten Besucherinnen und Besuchern auf der Münchner Museumsinsel nicht bewusst. Sie wollen gerne das Bergwerk erkunden, im Planetarium in ferne Galaxien eintauchen oder bei der Blitze-Show Hochspannung erleben. Was also bedeutet Forschung im Deutschen Museum? Und warum ist sie für alle Besuchenden interessant?

Etwa 40 Mitarbeiter sind in der Forschungsabteilung tätig. Technik- und Wissenschaftsgeschichte, museologische Forschung und natürlich Forschung an den Objekten der Sammlung stehen thematisch im Mittelpunkt. Zu den Aufgaben der Forschung im Museum gehören in jüngster Zeit die Digitalisierung von Objekten und Archivbeständen, die Visualisierung, etwa durch Virtual Reality, der Aufbau von Datenbanken und Forschungsinfrastrukturen im Verbund mit Hochschulen und anderen Museen. Dazu zählen die Konservierung und Restaurierung von Exponaten und umfangreiche Bildungsforschungsprogramme für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende sowie Schülerinnen und Schüler.

Unsere Podcasts „Museum zum Hören“ haben wir aufgelegt, um Informationen und Wissen rund um die Forschungsprojekte des Deutschen Museums zu vermitteln und um Podcast-Hörerinnen und –Hörern mit Interesse an Technik-, Wissenschafts- und Kulturgeschichte zu erreichen.

Zusammen mit Expertinnen und Experten erzählt Ralph Würschinger im Podcast Geschichten, die einen Blick hinter die Kulissen eines Forschungsmuseums bieten.

Der DM Podcast (Würschinger)

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig – Stille wirkt umso mehr, je größer die Erwartung an ihr Ende ist. Stumm sitzen die Anwesenden im Seminarraum des Deutschen Museums, keine Bewegung, kein Räuspern. Alle blicken gespannt nach vorn zu Maria Christina Cleary, schulterlanges graues Haar, blauer Pullover, zartrosa-blau-karierter Rock.

Vierundzwanzig, fünfundzwanzig – Die irische Musikerin hat eben noch einen Vortrag über ihr liebstes Instrument gehalten, die Harfe. Jetzt sitzt sie an dem großen Instrument: Beide Hände ruhen an den Saiten. Mit einem kurzen Blick neben sich gibt sie dem Violinisten Davide Monti das Zeichen für den Einsatz.

Sechsundzwanzig, siebenundzwanzig – Auf einmal ist die Stille weg.

Routiniert zupft Maria Christina die Saiten, das Publikum versucht, ihren schnellen Fingern zu folgen.

Ich sitze seitlich von ihr, gerade einmal zwei Meter entfernt. Zwischen uns ist ein Mikrofon aufgestellt, auf dem Schoß mein Laptop, auf den Ohren Kopfhörer.

Ist das Skript ausgearbeitet, wird es in den eigenen vier Wänden eingesprochen. Foto: Ralph Würschinger

Aufmerksam verfolge ich den Pegel der Aufnahme. Die Klangqualität ist gut, da ist aber noch etwas Anderes: ein Klopfen; nicht regelmäßig, kaum hörbar, wenn man nicht darauf achtet. Für einen Tontechniker wäre das vielleicht ein Störgeräusch. Für mich ist es ein Glücksgriff.

Denn das Klopfen ist, was dieses Instrument ausmacht. Ausgelöst von Maria Christinas Fuß, der im richtigen Augenblick eines von mehreren Pedalen herunterdrückt. Dadurch ändert sich der Ton der angespielten Saiten um bis zu zwei Halbtöne. Eine Mechanik, die vor rund 200 Jahren das Harfenspiel revolutioniert hat.

Das weiß ich, weil ich mich für eine Podcast-Folge des Deutschen Museums damit auseinandergesetzt habe.

Die Sprache der Dinge

Es sind Details wie dieses, die mich bestimmte Ausstellungsstücke anders sehen lassen. Mit dem DM Podcast versuche ich das an interessierte Hörerinnen und Hörer weiterzugeben. Die rund 12 Minuten langen Hörstücke pro Folge ordnen Objekte in einen größeren Zusammenhang ein. So erfährt der Zuhörende etwas über die Zeit, in der das Exponat entstanden ist, über ihre Bedeutung für die Nachwelt und über Fragestellungen, mit denen sich die aktuelle Forschung beschäftigt.

Während meines Studiums der Archäologie habe ich gelernt, dass Gegenstände Geschichten erzählen: Sei es die Pfeilspitze im Schulterblatt Ötzis oder die Goldapplikationen auf der Himmelsscheibe von Nebra – eingebettet in eine Geschichte werden selbst leblose Dinge lebendig und bleiben besser im Gedächtnis.

In Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten des Deutschen Museums erfahren die Hörenden beispielsweise, womit die Menschen hinter den Erfindungen zeit ihres Lebens zu kämpfen hatten. Sie erleben aber auch die Geburtsstunde großer Ideen und können deren Entwicklung bis in die Gegenwart mitverfolgen.

Die Episoden besitzen wiederkehrende Elemente, wie das musikalisch untermalte Intro am Anfang und das Outro am Ende, das auf den Inhalt der jeweils nächsten Folge verweist. Dazwischen wechseln sich Erzählteile mit O-Tönen, Soundcollagen und Hörspielpassagen ab, um für Abwechslung zu sorgen.

Deutsches Museum jenseits der Ausstellungen

Der Podcast ersetzt keinen Museumsbesuch – das soll er auch gar nicht – sondern er unterfüttert ihn mit zusätzlichen Informationen. Er offenbart, dass man sich den Lilienthal-Gleiter nicht nur hinter der Absperrung im Bereich der historischen Luftfahrt ansehen kann, sondern dass man auch im virtuellen Raum des VRlabs beim Jungfernflug dabei sein kann.

Er zeigt auch, dass die Museumsinsel mehr bietet als die Ausstellungsfläche, nämlich Bibliothek und Archiv. Dort finden sich zahlreiche Schriften und Briefwechsel bedeutender Visionäre wie Hermann Sörgel, der gewaltige Staudämme durch das Mittelmeer ziehen wollte, um genügend Strom für Europa und Afrika zu erzeugen.

 

Im letzten Schritt werden die einzelnen Stimmen geschnitten, zusammengefügt. Musik und Soundeffekte bilden den Abschluss, bevor der Podcast ans Deutsche Museum geht. Foto: Ralph Würschinger

Mit jeder Folge werden die Hörerinnen und Hörer so ein Stück weit bei der Hand genommen durch den Komplex Deutsches Museum. Er lernt neue Facetten kennen und bekommt Anregungen, eigene Wege zu gehen.

Warum Podcasts? (Poulopoulos)

„Also, nochmal, 43 Saiten, 8 Pedale, dann wie viele Töne bei dieser alten Erard-Harfe…?“ Seit 2016 untersuche ich die Entwicklung der Pedalharfe um 1800 im Deutschen Museum mit Unterstützung des ‚Forschung in Museen‘-Programms der VolkswagenStiftung. Von Anfang an war mein Ziel, die spannenden Ergebnisse meiner Forschung mit verschiedenen Methoden zu präsentieren, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Der Podcast war ein ideales Medium dafür. Bei Podcasts kann man nicht nur mit Texten, sondern auch mit Klang gut arbeiten, um Stories lebendig zu erzählen. Besonders für mein Projekt, das historische Musikinstrumente erforscht, die man im Alltag nicht mehr hört, sind Sound, Musik und manchmal auch Geräusche von großer Bedeutung.

Außerdem gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oft in der Menge der Forschungsdaten, die sie sammeln und bearbeiten, verloren –  vielleicht genauso wie Musikerinnen und Musiker mit den vielen Saiten und Pedalen einer Harfe! Der Podcast ermöglichte mir, die wichtigsten Aspekte meines Projekts zusammenzufassen und auch interessante Informationen in kurzer, prägnanter Form darzustellen; zum Beispiel: Warum taucht die Harfe in den Romanen von Jane Austen auf? Oder: Was sollte man bei der Bewahrung einer 200-jährigen Harfe berücksichtigen?

Anmerkungen aus der Perspektive der Kommunikation (Lein)

Ein Raumanzug aus einer der Apollo-Missionen wird von den Restaurierungsforscherinnen -forschern untersucht – er soll schließlich noch viele Jahre lang im Museum ausgestellt werden und seine Konservierung erfordert zuallererst Materialforschung. Was für ein tolles Forschungsprojekt! Im normalen Redaktionsalltag stellen wir das Projekt mit Text und Bild zu den anderen Forschungsprojekten auf www.deutsches-museum.de. Auf Social Media teilen wir immer wieder ausgewählte Forschungsprojekte. Doch wollten wir schon immer gerne viel mehr Storytelling rund um die Forschung betreiben – mit Sounds, O-Tönen, guten Geschichten. Dazu mit dem Anspruch, dass man – wenn man gut unterhalten wird – nach der Story ein Stück schlauer ist als vorher. So kamen wir auf das aktuell sehr beliebte Format Podcast, das andere von uns eingesetzte Storytelling-Formate, wie Videos, Blogbeiträge oder Audios, in unserer Museumsapp perfekt ergänzen kann. Doch in den derzeit arbeitsreichen Zeiten am Deutschen Museum, das sich mitten im Modernisierungsprozess befindet, ist die Arbeitszeit, die man dafür aufwenden muss, ein rares Gut. Ein Glück, dass wir mit Ralph Würschinger einen im Hörfunk erfahrenen Podcaster gefunden haben, der mit uns diese erste Staffel an Podcasts produziert hat. Im ersten Schritt wollten wir uns einen Hörerstamm aufbauen und mit dem Format und der Produktion Erfahrungen sammeln. Mit einer zweiten Staffel ab Jahresmitte 2019 werden wir an diese Erfahrungen anknüpfen. Bleiben Sie also auf unserem Kanal!1


Projektsteckbrief

Träger: Deutsches Museum / Leibniz-Gemeinschaft

Budget/ Finanzierung: Das Projekt wurde größtenteils im laufenden Betrieb von den Projektbeteiligten des Deutschen Museums umgesetzt. Hinzu kam ein externer Autor und Produzent mit 3 Projekttagen pro Folge.

Ziele: Ziel ist, Informationen und Wissen rund um die Themen des Deutschen Museum zu vermitteln und dabei Interesse und Bewusstsein für das Deutsche Museum als Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft zu schaffen.

Zielgruppen: Besucher der Webseite des Deutschen Museums, die sich vor oder nach ihrem Besuch über das DM informieren oder die Webseite als Recherchetool nutzen sowie Podcast-Hörerinnen und -hörer, die sich für Technik-, Wissenschafts- und Kulturgeschichte interessieren

Zahlen zur Zielerreichung: Bisher erreichten die Podcasts über Youtube, Spotify und Homepage circa 3000 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Weiter Informationen: https://www.deutsches-museum.de/forschung/podcast/ 


 

Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsweise die Meinung der Redaktion wider.