Foto: Imke Gudenschwager, Wissenschaft im Dialog

Speak Up for Science

Eine Plattform für junge Forscher und Forscherinnen mit Lust auf Wissenschaftskommunkation bieten, dass wollte das zweitägige Barcamp ,Speak Up For Science‘ am 15. und 16. September in Berlin. Es zeigte sich, dass es für diesen gegenseitigen Austausch und die gegenseitige Vernetzung einen großen Bedarf gibt.

Der Gong schlägt fast pünktlich um kurz nach zwei, die Anwesenden setzen sich und die Veranstaltung beginnt. Rund 35 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verschiedenster Fachdisziplinen sind nach Berlin ins Fraunhofer-Forum gekommen, um zwei Tage lang und in insgesamt 14 Barcamp-Sessions gemeinsam über Wissenschaftskommunikation zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen, zu brainstormen. Die Aufteilung zwischen Natur- und Geistes-/Sozialwissenschaft ist nahezu ausgeglichen: Gute Bedingungen für einen spannenden und facettenreichen Dialog.

Grundlagenforschung? Versteht sowieso niemand …

Nach begrüßenden Worten von Moderator Philip Schrögel, Ricarda Ziegler, Organisatorin der Veranstaltung von Wissenschaft im Dialog sowie Patrick Dieckhoff,  Leiter des Fraunhofer-Hauptstadtbüros, gibt es zwei Impulsbeiträge: Zuerst berichtet Florian Dehmelt, Mitbegründer von Pro-Test Deutschland. In dem Verein sind Forscherinnen und Forscher organisiert, die Tierversuche durchführen und über diese informieren wollen. Florian Dehmelt berichtet im Impuls von seinen Erfahrungen und Erlebnissen mit der Wissenschaftskommunikation im Kontext dieser Aktivitäten rund um die Diskussion zum Thema Tierversuche. Er unterscheidet schließlich zwischen dem „speaking about science“ und „speaking up for science“: Zwischen diesen beiden Pfeilern spanne sich das Band der Wissenschaftskommunikation.

Es folgt der Impuls von Josef Zens, Leiter der Abteilung Medien und Kommunikation am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ), der erst einmal – bewusst provozierend – über die Wissenschaftskommunikation herzieht: Alles Zeitverschwendung, statt Dank hagelt es Hatemails und Grundlagenforschung verstehe sowieso niemand. Stellt sich die Frage: Warum sind wir dann überhaupt hier, zumal der Großteil der Teilnehmenden Grundlagenforschung betreibt. Der Impuls verwandelt sich in ein lebhaftes Gespräch zwischen allen Anwesenden.

 

Einigkeit herrscht darüber, dass Grundlagenforschung menschliche Neugier befriedigt, hierdurch wird neues Wissen generiert. Neugier, so Josef Zens, sei eine Kulturleistung, sie bringe den Menschen voran. Diese Neugier, diese eigene Motivation gelte es zu vermitteln. Alle haben ein Recht zu erfahren, was die Wissenschaft macht, was Forschende antreibt. Dies müsse verständlich für alle und dialogisch kommuniziert werden. Doch hierin liegen auch die großen Herausforderungen: Können Skeptikerinnen und Skeptiker überzeugt werden und wie muss umgegangen werden mit dem Bedürfnis nach einfachen Erklärungen, wenn Wissenschaft doch schließlich keine Ja-Nein-Antworten kennt? Zeit für eine Runde mit kurzen Workshops. Als Einstieg soll  in diesen über die Motive für die eigene Betätigung in der Wissenschaftskommunikation  und die wahrgenommen Hürden reflektiert werden. Recht übereinstimmend sind es der Spaß und das Interesse, aber auch die Leidenschaft für die Wissenschaft und die Wissenschaftskommunikation, welche die Forschenden motiviert. Als Hürden erkannt werden an erster Stelle der Mangel an Zeit, aber auch an Geld und Ressourcen.

Von außergewöhnlichen Formaten hin zu Zielgruppenfragen

Der Gong läutet, doch nach der ersten Sessionrunde sind die Teilnehmenden nicht mehr so leicht zu trennen. Heiß diskutieren sie in Gruppen über verschiedene Fragen: Wie können wir unsere eigene Kommunikationsleistungen evaluieren? Wie schaut es aus mit der Trennung von privatem und beruflichem, gerade in den Social Media? Wie kann Wissenschaft wirklich erlebbar gemacht werden? Wie die inneren Funktionslogiken der Wissenschaft besser kommunizieren? Eine kurze Pause und schon geht es in die zweite Runde. Wieder der Gong, den niemand zu hören scheint oder hören will. Schnell werden die Karten für die Ergebnispräsentation beschrieben: Wie können Wissenschaft und Kunst einander nähergebracht werden? Wie wissenschaftliche Unsicherheiten kommunizieren? Was sind die Vorteile und Nachteile verschiedener Formate der Wisskomm? Wie mehr Bewusstsein schaffen für die Unterscheidung von interner und externer Kommunikation?


Diese acht Sessions wurden am ersten Tages besprochen (Links führen zur entsprechenden Seite im Etherpad):

 

Am zweiten Tag wirkt es noch mehr so, als wären die Teilnehmenden schon vor dem BarCamp miteinander bekannt gewesen. Noch mehr als am ersten Tag, sind die sechs Sessions des zweiten Tages nun von einer wirklich schönen gemeinschaftlichen Atmosphäre begleitet. Auch Frederic von Vlahovits (ADW Mainz) ist im Nachhinein davon überrascht: „Von Fachtagungen bin ich eher eine sehr träge und unmotivierte Atmosphäre gewohnt, und ich hatte wirklich das Gefühl, dass hier jeder richtig viel Lust und Motivation mitgebracht hat, und das hat eine enorme Dynamik entfacht.“

Am zweiten Tag geht es um die Fragen: Wie umgehen mit den Erwartungshaltungen der Öffentlichkeit? Mit welchen Formaten können wir direkter auf die Menschen zugehen? Wie können wir unsere eigenen Rückschläge kommunizieren? Welche Ressourcen und Skills sind vonnöten für gute Kommunikation? Wie umgehen mit den unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Politik und Wissenschaft? Wie können wir Zielgruppen noch genauer festlegen?

Hier die sechs Sessions des zweiten Tages:

 

„Stimmt gar nicht: Da gibt’s ne Menge Leute, die etwas ähnliches versuchen, die etwas ähnliches machen.“ – Florian Dehmelt (Pro-Test Deutschland)

An den zwei Tagen Speak Up For Science in Berlin wurde eine Vielzahl an Problemen erkannt und gemeinsam über Maßnahmen nachgedacht. Es bestand kein Zweifel daran, dass externe Wissenschaftskommunikation von größter Wichtigkeit ist. Es zeigte sich jedoch auch, dass hierfür leider häufig die Zeit fehlt. Für kommunizierende Forschende stellt es sich oft so dar, als wäre die Kommunikation zur eigenen wissenschaftlichen Arbeit eine reine Freizeitbeschäftigung. Es fehlt dazu zum einen an Anreizen als auch an Anerkennung für diese Tätigkeit, zum anderen aber auch an Erfahrungen und der nötigen Schulung.

In einem ersten Schritt müsse es also darum gehen, an den eigenen Instituten mehr zu werben oder, wie Josefine Lenz es festgestellt hat, mit der „,Infiltration im eigenen Umfeld beginnen“ und hierfür natürlich auch erfolgreiche Projekte, in die einige Teilnehmende des Barcamps involviert sind, als Best-Practise-Beispiele mit einzubringen. Der zweite Schritt, der sich hieraus ableiten lässt, ist der gegenseitige Austausch. Warum gibt es eigentlich so wenige Stammtische? Wie kann der Austausch verbessert werden? Der abschließenden Diskussion entspringt der Plan, eine Amateurdatenbank aufzubauen, in der man als junger Forschender nachschlagen kann, wer vielleicht bereits Erfahrungen mit einem bestimmten Format etc. aufweisen kann, wen man bei Fragen kontaktieren könnte.

Überhaupt ist vielleicht das Fazit des Speak Up For Science: Lasst uns in Kontakt bleiben, uns austauschen und gegenseitig motivieren. „Mehr machen“, das ist die Take-Home-Message für Frederic van Vlahovits (ADW Mainz): „Und das werde ich auch in meine Arbeit einfließen lassen und in mein Team weitertragen und Dinge anregen, zum Beispiel Schulprojekte, Stammtische oder Formate, mit denen man konkret auf die Menschen zugeht.“ Auch Jacob Stierle (MPG) findet: „Es ist schön zu sehen, dass es so viele Menschen gibt, die sich auch mit dem Thema auf einer nicht hauptamtlichen Ebene auseinandersetzen. Dass es eine hohe Motivation bei vielen Leuten gibt, die Wissenschaftskommunikation betreiben möchten, und dass man sich mit diesen Menschen vernetzen kann.“

Es war sehr spannend, diese rege Diskussion mitzuverfolgen. Wir als Plattform für Wissenschaftskommunikation möchten auch zu einem solchen Erfahrungsaustausch beitragen und freuen uns über Beiträge zu den eigenen Erfahrungen in der Wissenschaftskommunikation, besonders auch seitens der Forscherinnen und Forscher.