Bild: Freepik

Sechs Tipps für Humor in der Wissenschaftskommunikation

Humor kann wissenschaftliche Inhalte für viele Menschen zugänglich machen, Barrieren verringern und dazu beitragen, wissenschaftliche Inhalte in populäre Medien zu integrieren. Wie es gelingt, Humor geschickt einzusetzen, erklären Lisa Mertin und Oliver Ruf. 

Während Comedians und Satiriker*innen bewusst provozieren, Grenzen ausreizen und mit Irritationen spielen, gelten für die Wissenschaftskommunikation andere Maßstäbe. Wissenschaftskommunikator*innen müssen aufmerksam abwägen, wie weit sie gehen können, ohne Missverständnisse zu fördern oder die inhaltliche Präzision zu gefährden.

Damit Wisskomm-Formate sowohl unterhalten als auch den Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglichen, haben wir basierend auf einem Forschungsüberblick der Transfer Unit* Empfehlungen für einen bewussten Umgang mit Humor in der Wissenschaftskommunikation zusammengestellt.

1. Zielgruppe ernst nehmen und kulturellen Kontext beachten

Humor in der Wissenschaftskommunikation muss sensibel und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Entscheidend ist, das Publikum ernst zu nehmen und kulturelle Codes, Erwartungen sowie Vorwissen zu berücksichtigen. Hier kann man bereits etablierte Formate aus der digitalen Kommunikationskultur aufgreifen, um gerade bei Jüngeren eine Nähe zur Wissenschaft herzustellen. Man kann an ihre Lebenswelt anschließen, indem man einen Humor nutzt, der ihnen vertraut ist. 

Paradoxerweise erfordert dies zunächst eine gewisse Ernsthaftigkeit, sich mit verschiedenen Formen von Humor auseinanderzusetzen, um sie dann authentisch bedienen zu können. Vor allem in interkulturellen Kontexten sollte dabei versucht werden, zu antizipieren, ob Inhalte unverständlich oder verletzend wirken können.

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2. Authentizität sicherstellen

Humor in der Wissenschaftskommunikation entfaltet seine Wirkung meist am besten, wenn er authentisch ist und zur Persönlichkeit der Kommunizierenden passt. Gekünstelte Gags können die positiven Effekte von Humor schnell zunichte machen. Möchte man seine Wissenschaftskommunikation humorvoller gestalten, sollte man daher reflektieren, was man selbst lustig findet und mit welcher Art von Humor man sich wohl fühlt.

Bild: xkcd ‚Airplane Message

3. Humor als Brückenbauer und Reflexionsraum nutzen

Differenziert eingesetzt, schafft Humor Nähe, Sympathie und Vertrauen und wird so zu einem wirkungsvollen Instrument, um Barrieren zwischen Wissenschaft und Publikum abzubauen. Auch um das Publikum auf einer emotionalen Ebene anzusprechen, kann Humor ein geeignetes Mittel sein. 

Gleichzeitig kann Humor subversiv genutzt werden, um selbstironisch gesellschaftliche und wissenschaftliche Strukturen zu hinterfragen.

4. Themenangemessenheit beachten

Bei sensiblen Themen wie der Klimakrise oder Katastrophenforschung ist vorsichtiger, respektvoller Humor gefragt – sarkastische oder zynische Formen können in diesem Fall das Vertrauen in Wissenschaft beschädigen. Leise Ironie oder spielerische Visualisierungen sind hilfreicher als bissiger Sarkasmus. In der Position als Wissenschaftskommunikator*in ist es wichtig, sicherzustellen, dass Humor auch als solcher erkennbar ist und bleibt.

Bild: „All the best signs from this weekend’s climate marches“ via Greenpeace

5. Etablierte Formate nutzen und gezielt wählen

Unterschiedliche Kontexte erfordern unterschiedliche Humorformen: Während performative Formate wie Science Slams von spontaner Interaktion leben und Museen von spielerischen Ansätzen profitieren, funktionieren im Netz und auf Social Media vor allem kurze, visuelle Formate wie Memes, GIFs oder Reels. Kurz gesagt: Humor muss zum Medium passen. Bereits etablierte Formate der digitalen Medienkultur wie Tiktok-Sketche oder satirische Videoclips können genutzt werden, um Anschluss an gegenwärtige Kommunikationspraktiken zu finden.

Ein „laufendes“ Kinesin-Protein. Gif via Art of the Cell

6. Balance zwischen Unterhaltung und Inhalt wahren

Humor darf nicht zur inhaltsleeren Show verkommen – er sollte wissenschaftliche Zusammenhänge nicht überlagern oder trivialisieren. Humor ist auch in der Wissenschaftskommunikation ein zweckgerichtetes Instrument. 

Auch Initiativen zur Veränderung und Verbesserung des Wissenschaftsystem nutzen Humor, um wissenschaftskommunikativ aufzutreten, hier: Amrei Bahr (#IchBinHanna) zu Reformvorschlägen für das Wissenschaftszeitvertragsgesetz. (https://bsky.app/profile/amreibahr.bsky.social/post/3lah5d2bbgq2u)

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Der Beitrag basiert auf dem Forschungsüberblick von Oliver Ruf, den er im Auftrag der Transfer Unit bei Wissenschaft im Dialog erarbeitet hat. Wissenschaft im Dialog ist einer der drei Träger der Plattform Wissenschaftskommunikation.de.