Foto: P. Schrögel, CC BY-NC 3.0

Schaufenster Ozean

Wenn die Menschen nicht zum Meer kommen, muss das Meer zu den Menschen kommen! Dies ist die Devise der Initiatoren des Projektes ,Schaufenster Ozean‘, das Philipp Schrögel und Christoph Spatschek im Rahmen des Wissenschaftsjahres ,Meere und Ozeane‘ umsetzen.

Es ist Sommer, der Asphalt schmilzt genauso wie das Eis in deiner Hand. Fernab der Küste ist es schwer vorstellbar, das dort draußen diese riesige blaue und kühle Masse vor sich hin wabert, die wir Ozean nennen. Wie transportiert man die unendliche Weite des Ozeans am besten in die Köpfe der Bewohner*innen einer staubigen Stadt fernab des Meeres? Wie sensibilisiert man Stadtbewohner*innen für die Herausforderungen nachhaltiger Fischerei, wenn sie Fische nur aus der Tiefkühltruhe kennen?

Diese Fragen stellen sich beinahe zwangsläufig, wenn man über die Kommunikation des Wissenschaftsjahr-Themas 2016*17 – Meere und Ozeane, nachdenkt. Die meisten etablierten Kommunikationsformen haben gemein, dass man sich schon vorher für das Thema interessieren muss, um dann ganz bewusst einen Vortrag zu besuchen oder einen Film anzusehen. Ein Problem, dass sich so für alle Themenfelder der Wissenschaftskommunikation stellt, wenn man mehr als nur die bereits Interessierten erreichen will.

Mit dem im Rahmen des Wissenschaftsjahres vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Schaufenster Ozean“ wollen wir hier ansetzen und Wissenschaftskommunikation dorthin bringen, wo die Menschen sind. In unserem Fall mitten in die Innenstädte: leerstehende Schaufenster werden mit einer Videoinstallation in riesige Aquarien verwandelt. Die Bürgerinnen und Bürger können so im Vorbeigehen einen Blick in den Ozean werfen. Das Thema begegnet ihnen mitten in Ihrem Lebensalltag, ob auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, beim Einkaufen oder beim Spazierengehen. Gleichzeitig zeigt das Schaufenster Ozean auch die in immer mehr Innenstädten um sich greifende Leerstandsproblematik auf, und kann in der Kooperation mit Partnerinnen und Partnern vor Ort zum kreativen Umgang mit Stadtraum anregen. Den Ansatz, Wissenschaft in den Alltag zu bringen, haben wir natürlich nicht erfunden, es gab vorher schon verschiedene Projekte die beispielsweise Wissenschaft in Bahnhöfen zeigen, als Science Street-Art im Wortsinne auf die Straße bringen oder auf dem einen oder anderen Wissenschaftsmarkt präsentieren.

Foto: Philipp Schrögel

Das Schaufenster Ozean ist als Kombination aus künstlerisch-ästhetischer Videoinstallation und Form der Wissenschaftskommunikation konzipiert. Farbenfrohe Videosequenzen zeigen die Schönheit der Unterwasserwelt. Es gibt Beiträge die die tägliche Arbeit von Ozeanforscherinnen und -forschern zeigen, Fischschwärme, Aufnahmen von Korallenriffe und ein Meeresquiz zum mitraten. Zusätzlich werden an den Wochenend-Abenden Open-Air Dokumentarfilme und wissenschaftliche Kurzvorträge angeboten – vor dem Schaufenster, mitten auf der Straße.

Bisher war das Schaufenster in Karlsruhe, Erlangen und Chemnitz zu sehen. Von Mitte Juni bis Mitte Juli 2017 steht nun Halle an der Saale an, eine fünfte Stadt ist noch in Planung. Die bisherigen Rückmeldungen aus dem Publikum waren äußerst positiv, auch wenn natürlich das Wetter eine zentrale Rolle spielt. Wenn es nicht gerade 5 Grad Celsius und Nieselregen gab, haben viele Passantinnen und Passanten interessierte Blicke auf das Schaufenster geworfen und sich zu den Vorträgen oder Filmvorführungen dazugesellt. Besonders auf Kinder übten die bunten Fischschwärme eine (natürlich nicht magische, sondern wissenschaftliche) Anziehungskraft aus.

Trailer des `Schaufenster Ozean´

Wir finden es ein spannendes Experiment, mit dem „Schaufenster Ozean“ Wissenschaft in den öffentlichen Raum zu bringen. Durch die Lichtverhältnisse waren die Filmprojektionen bisher auf die Abend- und Nachtstunden beschränkt. Aber auch an dieser Stelle könnte das Projekt weitergedacht werden, vielleicht als Pop-Up Wissenschaftsladen oder als Wissenschaftsfilm im U-Bahn Tunnel (auch das wäre nicht ganz neu – die Werbeindustrie hat das schon vor zehn Jahren getestet)?

Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung unserer Redaktion wider.