Grafik: Sandra Klostermeyer

MINT- und Leseförderung vereint – echt jetzt?

Das Magazin „echt jetzt?“ ist Teil der Initiative MINT- und Leseförderung. Das gemeinsame Angebot der Stiftung Lesen und der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ soll Grundschulkindern Zugang zu naturwissenschaftlichen Themen bieten und sie zum Lesen motivieren. Projektleiterin Jenny Möller erklärt, wie das Magazin diese Bereiche verknüpft.

Frau Möller, was kann man sich unter dem MINT- und Leseförderungsprojekt „echt jetzt?“ vorstellen?

Jenny Möller studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin. Derzeit leitet sie in der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ gemeinsam mit Jonas Seekatz von der Stiftung Lesen das Projekt „echt jetzt?“ – ein Kindermagazin für die Grundschule. Foto: Fräulein Fotograf

„echt jetzt?“ ist ein Kindermagazin für den Unterricht in der dritten und vierten Klasse. Darin werden Themen aus dem Sachunterricht behandelt. Lesen und Fähigkeiten in Naturwissenschaften, Mathematik, Technik und Informatik helfen Kindern vielseitige Aufgaben zu lösen und ihre Umwelt zu verstehen. Es gibt jedoch immer wieder große Bildungsstudien, wie zum Beispiel PISA, die zeigen, dass es hier auch bei deutschen Schülerinnen und Schülern noch Verbesserungsbedarf gibt. Wir glauben, dass man das Lesen und die naturwissenschaftlich-technischen Fähigkeiten zusammen fördern kann. Das ist die Grundidee von „echt jetzt?“.

Deshalb haben die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und die Stiftung Lesen die Initiative, gefördert durch die Dieter Schwarz Stiftung, im letzten Jahr ins Leben gerufen. Wir wählen nun 1000 Schulen aus, die über zwei Jahre verteilt insgesamt vier Ausgaben des Magazins erhalten werden. Begleitend nehmen die Lehrkräfte an Online-Kursen teil, die ihnen Anregungen geben, wie sie „echt jetzt?“ im Unterricht einsetzen können.

Was genau verbindet denn die Bereiche Lesen und MINT-Bildung?

Der Grundgedanke ist, dass die im Magazin angesprochenen Themen aus der MINT-Welt kommen und Leseanreize bieten. Wenn man lesen üben will, braucht man natürlich einen Leseinhalt. In der ersten Ausgabe geht es zum Beispiel um das Thema Wetter. Es gibt viele Geschichten und auch Experimente, wie zum Beispiel „Wolken in der Flasche“ oder das „Biotop zum Nachbauen“. Auch eine Anleitung für ein Experiment, kann Kinder anregen, lesen zu üben – sie wollen ja verstehen, worum es geht. Zugleich nähern sie sich naturwissenschaftlichen Themen an. Das eine bedingt also das andere. Diesen Zusammenhang zwischen MINT-und Leseförderung wollen wir deutlich machen.

Die Lehrmethoden im Magazin beschränken sich also nicht auf das reine Lesen?

Nein, es gibt Lesegeschichten, aber auch Wimmelbilder, Rätsel und Experimente. Es ist kein klassisches Lehrbuch, das man von der ersten bis zur letzten Seite durcharbeitet, sondern etwas, womit man den Unterricht freier gestalten kann. Es gibt Aufgaben, die die Kinder alleine, aber auch in Gruppenarbeiten lösen können, und viele Anregungen zum freien Forschen. Es geht darum, dass die Schülerinnen und Schüler Phänomene beobachten und sich selbst dazu Fragen stellen: Was vermute ich, was passieren wird? Was geschieht, wenn ich eine Sache verändere? Vermutlich verwenden die Lehrkräfte „echt jetzt?“ auch nicht alle auf die gleiche Art und Weise, sondern so wie es in ihre Unterrichtsstunde passt.

Sie wollen Lehrkräfte dazu motivieren, das Magazin sowohl im Unterricht als auch online zu nutzen. Welche Mittel stellen Sie dafür zur Verfügung?

Die Lehrerinnen und Lehrer bekommen zusätzlich zu dem Heft, das sich vor allem an die Kinder richtet, ein begleitendes Online-Angebot mit vertiefenden Inhalten:  Zu jeder Ausgabe gibt es einen Online-Kurs mit Ideen, wie sie das Thema einleiten und was sie mit den Kindern im Unterricht machen können. Außerdem geben die Online-Kurse auch methodisch-didaktische Hinweise.

Wie haben Sie die erste Ausgabe ausgearbeitet?

Ein Einblick in die erste Ausgabe des Magazins. Grafik: Mathis Rekowski

Tatsächlich ist es recht komplex, geeignete Themen festzulegen. Erstens müssen sie in den Lehrplänen aller Bundesländer eine wichtige Rolle spielen und zweitens müssen sie sich auch für ein Magazin aufbereiten lassen. Mit der Agentur „Territory“ haben wir in einem spannenden Prozess die erste Ausgabe zum Thema Wetter entwickelt. Die ersten Entwürfe haben uns sehr gut gefallen, woraufhin wir sie einer Gruppe von Lehrkräften und einer Gruppe von Schulkindern gezeigt haben. Deren Reaktionen waren wirklich interessant. Den Lehrerinnen und Lehrern gefiel unsere Idee und sie betonten, wie wichtig das Lesen sei, auch im Fachunterricht. Für sie war es auch wichtig, dass es einfache Texte mit vielen Bildern gibt, aber auch Texte für Kinder, die schon sehr gut lesen können. Oft bestehen in der Klasse nämlich unterschiedliche Lernniveaus – für die Lehrkräfte eine Herausforderung. Daraufhin haben wir das Konzept angepasst, sodass wir im Heft Texte mit einem niedrigschwelligen Einstieg haben und auch längere Lesegeschichten. Basierend auf den gesammelten Erfahrungen und Ideen haben wir dann das Magazin entwickelt.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Magazin als Format zu wählen? Geht der Trend nicht hin zu digitalen Lernmethoden?

Darüber haben wir uns lange Gedanken gemacht und viel diskutiert. Natürlich sind die digitalen Lernmethoden gewünscht und im Digitalpakt verankert. Privat nutzen ja auch schon viele Schulkinder und Lehrer digitale Medien. Es ist aber für uns wichtig, dass alle Schulen die gleichen Chancen haben, das Magazin zu nutzen. Momentan kann man einfach noch nicht davon ausgehen, dass jede Schule allen Schülerinnen und Schülern ein digitales Endgerät zur Verfügung stellen kann. Der Fokus liegt also bei dem ersten Aufschlag von „echt jetzt?“ auf Print, jedenfalls bei dem Produkt für die Kinder. Wir haben aber einige digitale Beiträge für die Kinder in Planung, wie zum Beispiel Hörtexte, denn in der dritten Klasse können auch einige Kinder nur wenig bis gar nicht lesen. Wir haben außerdem die Erfahrung gemacht und von Pädagogen gehört, dass Magazine von Kindern sehr gut angenommen werden.

Wie ist das bisherige Feedback von Seiten der Schulen?

Bis zum Anmeldeschluss am 30. April sind erfreulicherweise zahlreiche Anmeldungen bei uns eingegangen. In den kommenden Wochen werden wir dann die Schulen auswählen. Dabei berücksichtigen wir vor allem Schulen, von denen sich mehrere Lehrkräfte registriert haben. Nicht ausgewählte Schulen können trotzdem kostenfrei das E-Paper auf unserer Seite und die ab Juni verfügbaren Online-Angebote nutzen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist auch noch eine Umfrage mit den teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrern geplant und wir werden daraufhin gegebenenfalls noch Veränderungen vornehmen. Sollte das Projekt erfolgreich sein, ist es denkbar, dass es in zwei Jahren noch einmal verlängert wird, eventuell auch in anderer Form. Wir hoffen natürlich, dass das Magazin gut ankommt, freuen uns aber auch über kritisches Feedback. Schließlich ist es unser Ziel, ein hilfreiches Produkt für den Unterricht zu kreieren.