Foto: Verena Meier

Im Profil: Susanne Thiele

Als Pressesprecherin mit einem „Faible für Mikroben“ oder auch „Bakterien-Dompteurin“ werde Susanne Thiele von ihren Berufskollegen in der Branche scherzhaft beschrieben. Ihren heutigen Beruf in der Kommunikation am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung konnte sie glücklicherweise mit ihrer Leidenschaft kombinieren.

Karriereleiter, Karrieresprungbrett oder Karrierekarussell- Wie war Ihr Weg in die Wissenschaftskommunikation?

Begonnen hat alles mit dem Biologiestudium an der Technischen Universität in Braunschweig. Nach einigen Jahren in der Forschung wurde mir klar, dass es nicht ein Leben als Wissenschaftlerin ist, welches bei mir die großen Begeisterungstürme hervorruft.

Ich wechselte in ein Start-up-Unternehmen, einem internationalen Entwickler und Anbieter wissenschaftlicher Datenbanken für die Pharma- und Biotechnologie-Industrie. Dort konnte ich mich in ganz neuen Bereichen ausprobieren: als Wissenschaftsredakteurin für Life-Science-Datenbanken, im Bereich Sales und Marketing bei der Betreuung großer internationaler Pharmakunden und der Unternehmenskommunikation.

Das internationale Netzwerken verbunden mit vielen Auslandsaufenthalten gefiel mir sehr. Ich vermisste allerdings populärwissenschaftliche Texte zu schreiben und Wissenschaftsveranstaltungen für eine breitere Öffentlichkeit zu konzipieren. Mittlerweile war ich auch Mutter zweier Kleinkinder wodurch sich lange Reisen etwas komplizierter gestalteten.

Ganz gezielt bewarb mich deshalb auf Stellen, die verstärkt mit Wissenschaftskommunikation zu tun hatten. So war ich unter anderem Pressesprecherin für das Jubiläumsjahr „Braunschweig – Stadt der Wissenschaft 2007“  und des Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen. Heute leite ich die Stabsstelle Presse und Kommunikation am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Mit meinem Team bin ich für die externe und interne Kommunikation für den Hauptcampus in Braunschweig und die HZI-Standorte in Hannover, Hamburg, Saarbrücken und Würzburg zuständig.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job und warum lohnt es sich trotzdem jeden Tag?

Infektionsforschung ist ein Thema, das uns alle angeht. Schließlich stirbt ein Viertel der Weltbevölkerung an Infektionskrankheiten. Die Forschung dazu verständlich an Laien zu vermitteln, stellt uns aber vor Herausforderungen. Einerseits haben Bakterien und Viren in der Öffentlichkeit ein unglaublich schlechtes Image. Sie erzeugen Ekel und Angst, werden nur als Krankheitserreger und nicht als wichtiger Teil des Ökosystems Erde wahrgenommen. Hier ist viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Dazu kommt, dass die nano- und mikrometergroßen Organismen ohne Mikroskop überhaupt nicht zu sehen sind. Daher spielt die visuelle Umsetzung in unserem Kommunikationsalltag eine große Rolle für alle Formate, die wir entwickeln.

Besonders spannend finde ich die ständig neuen Themen am HZI. Beispielsweise tauchen plötzlich völlig neue Infektionskrankheiten auf und ein schnelles Zusammenwirken von Wissenschaft und Pressestelle wird nötig. Ein Dauerbrenner sind innovative Forschungsansätze, um Antibiotika-Resistenzen von Bakterien zu umgehen.Hier ist es wichtig, dass diese Themen auch in der Bevölkerung ankommen, was wir mit Dialogveranstaltungen und Expertendiskussionen angehen.

In der Wissenschaftskommunikation ist lebenslanges Lernen angesagt. Der Arbeitsalltag wirft immer wieder Problemstellungen auf, die neu und noch nicht erprobt sind. Dies macht unseren Beruf aus und auch so spannend.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation?

Vor dem aktuellen Hintergrund der Debatte um die #predatoryjournals und der Glaubwürdigkeit von Wissenschaft ist es wichtig, dass noch mehr Forscher und Forscherinnen bereit sind, authentisch, transparent und vor allem allgemeinverständlich über ihre Arbeit zu berichten.

Bei jungen Forschern und Forscherinnen am HZI erlebe ich immer wieder eine große Selbstverständlichkeit und Begeisterung für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Die nutzen wir gerne in unseren Veranstaltungsformaten wie beispielsweise einem Science-Slam.

Es lohnt sich für jedes Thema, es verständlich zu erklären und in den Dialog zu kommen! Auch wenn es dafür manchmal etwas Mut braucht – gerade bei kontroversen Themen! Als Kommunikatoren ist uns wichtig, die „Augenhöhe“ zwischen Fragenden und Antwortenden auf einer Faktengrundlage herzustellen. Unserer Erfahrung nach hilft es dem Publikum bei einer Veranstaltung erst ein paar Hintergrundinformationen zu vermitteln, damit überhaupt ein gutes Gespräch stattfinden kann.

Ich halte persönlich viel vom Mentoring für die nächste Generation an Wissenschaftskommunikatoren, da ich selbst auch sehr gute weibliche und männliche Mentoren hatte. Einen Teil davon kann ich heute zurückgeben – als Mentorin an der Technischen Universität Braunschweig und in der Helmholtz-Gemeinschaft.