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Blick nach vorn: Wie sieht die Wissenschaftskommunikation der Zukunft aus? (3)

Wohin entwickelt sich die Wissenschaftskommunikation? Was wünscht sich die Community? Und was braucht sie? Wir haben Wissenschaftlerinnen, Kommunikatoren, Bloggerinnen und Journalisten gefragt.

Roland Koch, Foto: David Ausserhofer
Roland Koch, Foto: David Ausserhofer

Roland Koch, Pressesprecher der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.

Mobil, social, bewegt – das sind wohl die drei häufigsten Attribute, die derzeit zur Entwicklung der Wissenschaftskommunikation genannt werden. Damit ist viel gesagt, aber längst nicht alles. Natürlich gewinnen Bilder, insbesondere bewegte, in sozialen Netzwerken und auf mobilen Geräten immer mehr Bedeutung. Das kann man jeden Morgen in Bus oder U-Bahn sehen. Doch die Kommunikation von Wissenschaft hat im kontinuierlich anschwellenden Rauschen unserer Medienwelt vor allem eines zu tun: Valide Information liefern, diese sichtbar und leicht auffindbar machen. Sie muss den Empfängern ermöglichen, gute Wissenschaft von purem Gepolter zu unterscheiden – insbesondere denen, die mit Recherche nicht so vertraut sind wie professionelle Journalisten oder Wissenschaftler. Neben den Anstrengungen einzelner Institute, Zentren, Verbände brauchen wir also ein leicht verständliches und weithin sichtbares Angebot mit Qualitätssiegel-Funktion: Wie wäre es mit einer gemeinsamen Plattform der deutschen Wissenschaft, die genau dies leistet? Dort hätte jeder die Gewissheit, Information und Links zu erhalten, die höchste Standards erfüllen. Eine Plattform, auf der nicht Lautstärke, sondern Qualität zählt. Ein Gemeinschaftsprojekt von Hochschulen, Akademien und außeruniversitären Einrichtungen etwa, das selbstverständlich auch mobil, social, bewegt sein muss – und bei Erfolg ein internationales Modell sein kann.


Daniel Meßner, Foto: privat
Daniel Meßner, Foto: privat

Daniel Meßner, Historiker, Onlineredakteur für die Universität Hamburg und Podcaster

„Ich stelle mir vor, dass die Wissenschaftskommunikation in Zukunft ein selbstverständlicher Teil wissenschaftlicher Forschung sein wird. Dass die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Forschungseinrichtungen und Förderinstitutionen anerkannt ist und keiner weiteren Rechtfertigung bedarf. Dafür wünsche ich mir mehr Anerkennung, Finanzierung und Förderung. Die Wissenschaftskommunikation braucht: mehr Sichtbarkeit, mehr Formate und den Mut für viele unterschiedliche Experimente. Was sie nicht braucht: Hypes und Heilsversprechen.“


Johanna Barnbeck, Foto: André Wunstorf
Johanna Barnbeck, Foto: André Wunstorf

Johanna Barnbeck, künstlerische Forscherin und Kreativberaterin für die Wissenschaftskommunikation

„Die Wissenschaftskommunikation wird in Zukunft immer selbstverständlicher – mitgedacht in Forschungseinrichtungen und -projekten, angewandt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – und gemeinsam mit ihnen weiterentwickelt von Kommunikatorinnen und Kommunikatoren, Künstlerinnen und Künstlern sowie und Bürgerinnen und Bürgern. In Zukunft wird auch mehr experimentiert und ausprobiert. Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren sind häufig die Ersten, die Forschungsergebnisse und innovative Forschungsmethoden einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Hierbei werden sie in Zukunft mehr strukturelle Unterstützung erhalten, um neue Formate für die Kommunikation komplexer Inhalte zu entwickeln. Die Wissenschaftskommunikation bewegt sich so weg von der späten Adaptierung anderer Kommunikationsformate zum Early Adopter von Technologien, Formaten und Kooperationsformen.“


Karl G. Rijkhoek, Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen
Karl G. Rijkhoek, Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen

Karl G. Rijkhoek, Leiter der Stabsstelle Hochschulkommunikation der Eberhard Karls Universität Tübingen

„Ziel jeder künftigen Wissenschaftskommunikation ist Vertrauen. Wie lässt sich das Vertrauen von Gesellschaft und Politik in die Arbeit von Universitäten und Forschungseinrichtungen stärken? Wie lässt sich möglicherweise verlorenes Vertrauen zurückgewinnen? Eine Wissenschaftskommunikation, die auf diese Fragen keine Antwort findet, ist langfristig zum Scheitern verurteilt.“


Stefanie Mahler, Foto: privat

Stefanie Mahler, Koordinatorin Kommunikation Deutsches Stammzellnetzwerk

Meine Vision wäre Wissenschaftskommunikation als Dialog. Dabei können die Akteure wechseln, mal sind es Schüler und Wissenschaftler, mal Patienten und Wissenschaftler, mal Politiker und Wissenschaftler oder Institutionen. Auch die Arten des Dialogs wechseln: Mal eine offene Diskussion, mal eine digitale Kommunikation mit spielerischen oder filmischen Elementen, mal ein Science Festival und manchmal auch eine kleine Gruppe, die sich ganz spezifisch austauscht. Ich sehe die Zukunft der Wissenschaftskommunikation als offene Plattformen, auf denen Begegnung und Austausch stattfinden, auf denen Neugierde, Wissensdurst, Reflexion und Meinungsbildung Raum hat und die von allen Beteiligten mit Interesse betreten werden. Die Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren wünschen sich viel Freiraum für Gestaltung, ausreichend finanzielle Mittel, diese umzusetzen und den Rückhalt der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, bei den Projekten mitzumachen sowie das Interesse der Zielgruppen, sich auf die Formate und die Themen einzulassen. Wissenschaftskommunikation braucht gute Ideen und sie benötigt den Rückhalt und die Anerkennung ihrer Institution.


Was ist Ihre Prognose zur Zukunft der Wissenschaftskommunikation? Schicken Sie uns Ihr Statement: Redaktion@wissenschaftskommunikation.de