Foto: Petri Heiskanen

Kurz vorgestellt: Neues aus der Forschung im November 2022

Inwiefern profitieren interdisziplinär Forschende vom Austausch mit der Öffentlichkeit? Wie können Diskussionen mit Klimaskeptiker*innen besser funktionieren? Und wie sind Wissenschaftsjournalist*innen während der Corona-Pandemie mit Preprints umgegangen? Das sind Themen im Forschungsrückblick für den November.

In unserem monatlichen Forschungsrückblick besprechen wir aktuelle Studien zum Thema Wissenschaftskommunikation. Diese Themen erwarten Sie in der aktuellen Ausgabe:

  • Was bringt es interdisziplinär Forschenden, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben? Um das herauszufinden, haben Friederike Hendriks und Rainer Bromme Wissenschaftler*innen interviewt.
  • Was könnte helfen, um besser mit Klimaskeptiker*innen zu diskutieren? Dafür haben Matthew Hornsey und Stephan Lewandowsky einen Werkzeugkasten entwickelt.
  • Welche Überlegungen stellen Journalist*innen an, wenn sie mithilfe von Preprints über die Corona-Pandemie berichten? Das haben Alice Fleerackers und ihre Kolleg*innen in qualitativen Interviews erfragt.
  • In der Rubrik „Mehr Aktuelles aus der Forschung“ geht es unter anderem um die politische Einstellung von Wissenschaftler*innen und darum, wie die Öffentlichkeit zum Thema Künstliche Intelligenz steht.

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Wie interdisziplinäre Wissenschaftler*innen vom Austausch mit der Öffentlichkeit profitieren können

Wenn Forschende Öffentlichkeitsarbeit betreiben, überschreiten sie dabei häufig nicht nur die Grenze zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, sondern nähern sich auch im interdisziplinären Austausch an. Friederike Hendriks von der Technischen Universität Braunschweig und Rainer Bromme von der Universität Münster haben Forschende befragt, um herauszufinden, wie interdisziplinäre Forschungsprojekte von Outreach-Aktivitäten profitieren könnten.

Methode:Die Autor*innen haben 75 Forschende aus zwei interdisziplinären Forschungsprogrammen befragt: dem Projekt „Molekulare kardiovaskuläre Bildgebung“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), und dem DFG-Exzellenzcluster „Cells in Motion“. Die Projekte wurden 2017 beziehungsweise 2019 abgeschlossen, die Interviews wurden bereits von Oktober 2016 bis März 2017 geführt.

Öffentlichkeitsarbeit hat den Forschenden dabei geholfen, ihre Fähigkeiten in Wissenschaftskommunikation zu verbessern.
75 Prozent der Interviewten waren schon aktiv an Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. Die Interviews wurden strukturiert geführt, es wurden offene Fragen gestellt sowie Fragen mit einer Likert-Skala als Antwort. In den Befragungen ging es um die Rolle der Forschenden in der Öffentlichkeitsarbeit, rückwirkende Effekte auf die eigene Forschung und mögliche Vorbehalte, warum der Austausch nicht gesucht wurde.

Ergebnisse: Grundsätzlich gaben die Forschenden an, dass sie Spaß an der Öffentlichkeitsarbeit hatten, und dass dadurch ihre Kommunikationsfähigkeiten verbessert haben. Wenn die Forschenden bereits positive Erfahrungen im Austausch mit der Öffentlichkeit gesammelt haben, motivierte sie das, auch in Zukunft Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Für die Reflexion der eigenen Forschung habe der Austausch mit der Öffentlichkeit aber eher nicht geholfen, gaben die Interviewten an.
Vor allem fehlende Zeit war ein Grund, sich nicht mit Öffentlichkeitsarbeit zu beschäftigen. Einige glaubten auch, dass ihre Arbeit zu spezialisiert sei, um sie für Laien verständlich und interessant darzustellen.

Für den Austausch innerhalb von interdisziplinären Forschungsgruppen empfanden die Interviewten Öffentlichkeitsarbeit nur als bedingt hilfreich. Einige sagten, dass der Austausch mit der Öffentlichkeit geholfen habe, die eigene Forschung in möglichst einfachen Worten zu erklären – eine Fähigkeit, die sie auch im interdisziplinären Austausch nutzen konnten.

Schlussfolgerungen: Öffentlichkeitsarbeit hat den Forschenden dabei geholfen, ihre Fähigkeiten in Wissenschaftskommunikation zu verbessern und Motivation für den weiteren Austausch mit der Öffentlichkeit zu gewinnen. Eine Möglichkeit zur Reflexion der eigenen Forschung bot die Öffentlichkeitsarbeit dagegen kaum. Die Forschenden haben den Austausch auch nur wenig dazu genutzt, Forschungsideen weiterzuentwickeln.

Insbesondere Promovierende haben sich bisher zurückgehalten, unter anderem wegen der Sorge, dass die eigene Arbeit nicht interessant genug wäre oder dass sie selbst davon nicht profitieren würden. Auch die Zeitknappheit in der Promotionsphase könnte eine Rolle spielen. Die Autor*innen empfehlen, Trainings in Wissenschaftskommunikation anzubieten, und die Promovierenden dadurch zu motivieren.

Die Autor*innen glauben, dass Öffentlichkeitsarbeit den Austausch in interdisziplinären Forschungsgruppen fördern könnte – auch wenn das nur ein paar Interviewte so angegeben haben. Damit Forschende mehr vom Austausch mit der Öffentlichkeit profitieren können, müssten sie Öffentlichkeitsarbeit noch mehr als sinnvolle Aktivität verstehen, und nicht als etwas, das vor allem Zeit kostet, schreiben die Autor*innen. Wissenschaftskommunikation könnte dann auch helfen, die eigene Forschung zu reflektieren.

Einschränkungen: Einige Forschende könnten auch außerhalb der beiden Forschungsprojekte Erfahrungen mit Öffentlichkeitsarbeit gesammelt haben, die in den Interviews nicht abgefragt wurden. Zudem ermöglichen die Interviews nur einen Rückblick auf vergangene Öffentlichkeitsarbeit, interessant könnten aber auch Erfahrungen während einer Zeit sein, in der Austausch stattgefunden hat. Die statistischen Auswertungen in der Studie sollten wegen der kleinen Stichprobengröße vorsichtig behandelt werden.

Hendriks et al. (2022): Researchers’ Public Engagement in the Context of Interdisciplinary Research Programs: Learning and Reflection from Boundary Crossing, Science Communication, https://doi.org/10.1177/10755470221137052

Ein Werkzeugkasten für Diskussionen mit Klimaskeptiker*innen

Seit über fünfzig Jahren kommuniziert die Klimaforschung die Gefahren des menschengemachten Klimawandels. Trotzdem gibt es Menschen, die nicht an den Klimawandel glauben oder bezweifeln, dass wirklich die Menschheit daran schuld ist. Matthew Hornsey von der Universität Queensland und Stephan Lewandowsky von der Universität Bristol haben in einem Review den Forschungsstand zu Überzeugungen zum Klimawandel zusammengefasst, und einen Werkzeugkasten entwickelt, mit dem Klimadiskussionen besser funktionieren könnten.

Methode: Die Studie fasst die Forschung zur Diskussion mit Klimaskeptiker*innen zusammen und geht darauf ein, wie diese wissenschaftlichen Argumenten eher zuhören könnten. Zwei zentrale Fragen sollen in dem Review beantwortet werden: Warum sind so viele Menschen skeptisch gegenüber der Klimaforschung? Und was kann dagegen unternommen werden?

Menschen sind eher für Botschaften offen, wenn sich diese in ihr Weltbild integrieren lassen.
Die Autoren verwenden den Begriff „Klimaskeptiker*innen“, um die ganze Breite der Ansichten von Menschen miteinzubeziehen, die der Klimaforschung nicht trauen. Neben den Leugner*innen gibt es auch Menschen, die beispielsweise nur Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel bezweifeln, aber nicht, dass er grundsätzlich menschengemacht ist.

Ergebnisse: Im Review gehen die Autoren auf drei Ansätze ein, um klimaskeptische Einstellungen zu erklären. Zuerst wird das Konzept des „motivated reasoning“ erklärt. Zwar versuchen viele Menschen, ihre Meinungen rational zu bilden, dabei kommen allerdings psychologische Phänomene wie „motivated reasoning“ in die Quere, schreiben die Autoren. Für einige Menschen hätte der Klimawandel heftige Konsequenzen für das eigene Leben – wenn man diesen als wahr akzeptieren würde. Menschen, deren Lebensstil zum Beispiel besonders viel CO2 produziert, können sich oft nur schwer vorstellen, sich stark einzuschränken. Dann sei es einfacher, die Wahrheit des Klimawandels anzuzweifeln und das eigene Leben nicht zu ändern. Dies sei das erste Hindernis in der Diskussion mit Klimaskeptiker*innen.

Die zweite Hürde ist laut der Autoren, dass Klimazweifel häufig Teil der politischen Identität sind. Studien zeigen, dass Menschen eher dem glauben, was ihre eigene Partei verbreitet als dem, was andere Parteien behaupten. Wenn ein wissenschaftliches Thema wie der Klimawandel in politisch aufgeladenen Diskussionen hineingezogen wird, vertrauen die Menschen also eher dem, was ihre Partei über das Thema sagt als der Forschung, jedenfalls in einigen Ländern wie den USA.

An dritter Stelle führen die Autoren an, dass Klimaskepsis von global agierenden Netzwerken gefördert wird. In den USA würden klimaleugnende Think Tanks und Organisationen jährlich mit ungefähr 900 Millionen US-Dollar gefördert, und fossile Firmen wie ExxonMobil hätten vor Jahrzehnten damit begonnen, den Klimawandel herunterzuspielen. Auch in Deutschland gäbe es Organisationen, die den Klimawandel bezweifeln, hier werden allerdings eher die Maßnahmen angezweifelt und nicht die Existenz des Klimawandels an sich.

Schlussfolgerungen: Aus den Forschungserkenntnissen entwickeln die Autoren einen Werkzeugkasten mit sechs Strategien, um Diskussionen mit Klimaskeptiker*innen besser in den Griff zu bekommen.

  1. Wertebasiertes Framing: Menschen sind eher für Botschaften offen, wenn sich diese in ihr Weltbild integrieren lassen. Deshalb empfehlen die Autoren, sich beispielsweise im Gespräch mit Konservativen auch auf konservative Werte zu berufen, wie Klimaschutz als eine Frage der nationalen Sicherheit.
  2. Zusätzlicher Nutzen: Wer die Gefahr des Klimawandels bezweifelt, wird sich nicht mit Dringlichkeitsaufrufen überzeugen lassen. Stattdessen, so die Autoren, könnte man auf andere Vorteile von Klimaschutz hinweisen: dass neue Jobs geschaffen oder Innovationen möglich werden.
  3. Klimafreundliche Akteur*innen im konservativen Spektrum nutzen: Studien zeigen, dass wir Botschaften eher glauben, wenn sie von Gruppen kommen, denen wir vertrauen – unabhängig von ihrem Inhalt. Wenn Skeptiker*innen von Menschen angesprochen werden, die ihnen ähnlich sind, sind sie offener für die Argumente.
  4. Normen etablieren: Soziale Normen haben Macht darüber, wie wir uns verhalten, wenn sie erst einmal etabliert sind. Wenn es gelingt, Normen zu etablieren, die klimafreundliches Verhalten befördern, halten sich Menschen häufig daran, ohne darüber nachzudenken.
  5. Konsensbasierte Kommunikation: 97 Prozent der Klimaforschenden sind sich einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Studien zeigen, dass eine Betonung dieses Fakts überzeugend wirken kann, und Menschen danach offener für Klimaschutzmaßnahmen sind.
  6. Klimafreundliche Maßnahmen im sozialen Alltag verankern: Viele unserer Handlungen passieren automatisch, ohne dass wir viel darüber nachdenken. Wenn klimafreundliches Verhalten genauso automatisiert und einfach wäre, würden viele es umsetzen, unabhängig von ihren politischen Überzeugungen.

Einschränkungen: Die Autoren haben einen Review verfasst und aus der Literatur Strategien abgeleitet, die im Umgang mit Klimaskeptiker*innen nützlich sein könnten. Diese Strategien wurden bereits in anderen Studien erprobt, wie nützlich der Werkzeugkasten insgesamt ist, muss sich noch zeigen.

Hornsey et al. (2022): A toolkit for understanding and addressing climate scepticism, Nature Human Behaviour, https://www.nature.com/articles/s41562-022-01463-y

Wie Wissenschaftsjournalist*innen in der Corona-Berichterstattung mit Preprints umgegangen sind

In der Berichterstattung über die Corona-Pandemie ist es üblich geworden, auch über sogenannte „Preprints“ zu berichten – Studien, die noch keinen Peer-Review-Prozess durchlaufen haben und damit noch nicht geprüft wurden. Alice Fleerackers von der Simon Fraser Universität und vier Kolleg*innen aus den USA und Kanada haben in qualitativen Interviews mit Wissenschafts- und Medizinjournalist*innen untersucht, wie sie mit Preprints umgehen.

Methode: Für die Studie haben die Autor*innen 19 Wissenschafts- und Medizinjournalist*innen interviewt, die festangestellt oder freiberuflich für Medien wie den Guardian, die New York Times, Wired und IFL Science arbeiten.

Wenn die Ergebnisse eines Preprints einen hohen potenziellen Nutzen brachten, sprach das für die Berichterstattung, trotz möglicher Risiken.
Die Interviews fanden zwischen Juli und November 2021 statt. Sie waren halbstrukturiert und wurden über Zoom geführt. Dabei wurden die Journalist*innen danach befragt, welche Erfahrungen sie mit Preprints gemacht haben, wie die Pandemie den Umgang damit beeinflusst hat und wie sie die Nutzung von Preprints im Allgemeinen bewerten.

Anschließend wurden die Interviews mit Blick auf eine „post-normale“ Wissenschaft analysiert. Post-normale Wissenschaft definieren die Autor*innen so:

  1. hohes Maß an wissenschaftlicher Unsicherheit
  2. wissenschaftspolitische Überlegungen, die Werte beinhalten und nicht nur Fakten
  3. hohe Relevanz für die Gesellschaft
  4. dringender Bedarf an politischen Entscheidungen.

All diese Faktoren treffen für die Autor*innen auf die COVID-19-Pandemie zu. Aus der post-normalen Wissenschaft folgt in der Literatur auch ein anderer Umgang von Wissenschaftsjournalismus mit Forschung, welchen die Autor*innen in den Interviews beleuchten.

Ergebnisse: Die meisten Journalist*innen beschrieben den Umgang mit Preprints als eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Zentral darin war für sie das Informationsbedürfnis ihres Publikums. Wenn die Ergebnisse eines Preprints einen hohen potenziellen Nutzen brachten, sprach das für die Berichterstattung, trotz möglicher Risiken. Eine Rolle spielte für viele auch, dass in der Pandemie der Bedarf an neuen Informationen hoch war, und Preprints deutlich aktueller als geprüfte Veröffentlichungen waren. Außerdem sind Preprints leichter zugänglich als Artikel aus dem Peer-Review – bei letzteren gibt es häufig eine Paywall.

Auf der anderen Seite sahen die Journalist*innen in den Preprints aber auch Risiken: allen voran die Gefahr, Falschinformationen zu verbreiten. In manchen Bereichen wurde dieses Risiko als besonders hoch wahrgenommen, beispielsweise in der Impfstoffforschung. Damit zusammenhängend sprachen einige über die Herausforderung, Preprints zu verifizieren. Dafür entwickelten die Journalist*innen verschiedene Strategien, die sich allerdings nur wenig vom normalen journalistischen Alltag der Faktenprüfung unterschieden. Vielen war es in der Berichterstattung wichtig zu betonen, was Preprints sind und warum sie nicht so verlässlich wie publizierte Forschung sein können.

Die meisten Journalist*innen sagten, dass die Pandemie ihren Umgang mit Preprints verändert habe. Im Zentrum dieser Veränderung stand das Bedürfnis ihres Publikums, Informationen zu bekommen, und auch die Dringlichkeit der Krise. Insgesamt bewerteten die Journalist*innen die Preprint-Berichterstattung in der Pandemie als eher vorteilhaft.

Schlussfolgerungen: Die Autor*innen vermuten, dass durch die Pandemie auch in Zukunft mehr über Preprints berichtet wird, und zwar nicht mehr nur im Medizinjournalismus.  Gründe dafür sehen sie in der Aktualität und der freien Zugänglichkeit der Preprint-Veröffentlichungen.

Dadurch werde es auch in Zukunft ein großes Thema bleiben, diese Preprints entsprechend zu verifizieren. Auf der einen Seite sei es dabei wichtig, dass Journalist*innen Routinen im Umgang mit Preprints entwickeln – auf der anderen Seite empfehlen die Autor*innen aber auch Forschenden genau abzuwägen, ob eine Studie als Preprint veröffentlicht werden sollte. Der Berichterstattung würde es auch helfen, wenn Forschende sich Zeit nehmen, um ihre Preprints zu erklären und Journalist*innen bei der Verifikation zu unterstützen.

Einschränkungen: Unter den Studien-Autor*innen gibt es mehrere Personen, die entweder im Journalismus gearbeitet haben oder das aktuell tun. Das könnte die Antworten der Journalist*innen beeinflusst haben. Auch der Zeitpunkt der Interviews ist eine Einschränkung – vermutlich hätten sich Anfang 2020 andere Antworten ergeben als Mitte bis Ende 2021. Eine weitere Einschränkung ist die Auswahl der Journalist*innen und der Medien, bei denen sie arbeiten. Zwar gab es darunter medizinspezifische, kleinere Medien, diese waren aber unterrepräsentiert. Künftige Studien könnten noch ein diverseres Feld im Journalismus untersuchen.

Fleerackers et al. (2022): Science in motion: A qualitative analysis of journalists’ use and perception of preprints, PLOS ONE, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0277769

Mehr Aktuelles aus der Forschung

Wie effektiv ist die strategische Kommunikation der Europäischen Weltraumorganisation (ESA)? Das haben Axel Pfleger, Alexander Gerber und Alexander Struck von der Hochschule Hochschule Rhein-Waal untersucht. Die Forscher analysierten dafür Dokumente zur ESA-Kommunikationsstrategie und fragten in einer Online-Umfrage ab, was Menschen in Deutschland von der ESA und ihren Aktivitäten wissen und halten. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass sich die Kommunikationsstrategie zu sehr auf Pressearbeit fokussiere, zu wenig Wert auf Evaluation lege und sich zu stark an eine „allgemeine Öffentlichkeit“ wende, schreiben die Autoren. Sie schlagen deshalb vor, ein vielfältigeres und evidenzbasiertes Portfolio der Wissenschaftskommunikation zu etablieren. 

Internet-Memes sind meist humorvolle oder satirische, sich schnell im Internet verbreitende Bilder, Texte oder andere Typen von Medien. Was passiert, wenn sie sensible Themen wie beispielsweise psychische Gesundheit berühren? Umair Akram und Jennifer Drabble von der Sheffield Hallam University diskutieren in einem Aufsatz, welche Folgen Memes für Menschen mit psychischen Schwierigkeiten haben können. Der Blick in die Forschungsliteratur zeige, dass die meisten Befragten von positiven Erfahrungen berichten. Eine humorvolle Auseinandersetzung helfe bei der Auseinandersetzung mit negativen Erfahrungen. Auch das Gefühl der Verbundenheit mit Menschen, die ähnliche Symptome haben, könne unterstützend wirken. 

Welche Einstellungen und Gedanken finden sich in der Öffentlichkeit zum Thema Künstliche Intelligenz? Werden diese durch den Konsum von Nachrichten oder Science-Fiction beeinflusst? Und spielt es eine Rolle, ob sich Menschen mit anderen über Technologien unterhalten? Diesen Fragen ist ein Forschungsteam rund um Paul R. Brewer von der University of Delaware in einer repräsentativen Online-Befragung in den USA nachgegangen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Nachrichten, Science-Fiction-Darstellungen und persönliche Gespräche die Haltung gegenüber neuen Technologien beeinflussen. 

Immer wieder sind Wissenschaftler*innen dem Vorwurf ausgesetzt, politisch voreingenommen zu sein. Um mehr über die politischen Einstellungen von Wissenschaftler*innen erfahren, untersuchte ein Forschungsteam um Alexander A. Kaurov von der Harvard University öffentlich verfügbare Daten der Bundeswahlkommission. Es zeigte sich, dass Wissenschaftler*innen mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit Geld an die demokratische Partei und ihre Kandidat*innen als an die Republikaner*innen spenden. Das sei nicht immer so gewesen: Vor dem Jahr 2000 hätten sich die Spenden von Wissenschaftler*innen gleichmäßig auf beide Parteien verteilt. Die Autor*innen vermuten, dass diese Veränderungen eher darauf zurückzuführen sind, dass sich die Haltung der republikanischen Partei gegenüber der Wissenschaft verändert habe, als dass sich die Einstellungen der Wissenschaftler*innen verändert hätten. Sie argumentieren, dass stärkeres öffentliches Engagement von konservativen Wissenschaftler*innen dazu beitragen könnte, das Vertrauen der Republikaner*innen in die Wissenschaft zu stärken. 

Lebensmittelproduktion im Weltraum, Langzeit-Weltraummissionen und menschliche Siedlungen auf dem Mars: Auf diese Ziele ausgerichtete landwirtschaftliche Forschung soll angesichts ausgebeuteter Ressourcen auf der Erde Alternativen schaffen. Wie Medien über solche wissenschaftlichen Projekte berichten, haben Ryland Shaw und Tammara Soma von der Simon Fraser University anhand von englischsprachigen Artikeln untersucht, die zwischen Anfang 2019 und April 2022 in den USA, Kanada und dem Vereinigten Königreich veröffentlicht wurden. Die Forscher*innen stellen fest, dass die Weltraummissionen überwiegend als unvermeidlich und positiv dargestellt werden. Sie argumentieren jedoch, dass eine kritische Reflexion der gesellschaftlichen Auswirkungen solcher Forschungsprojekte notwendig sei, um die strukturellen Ungleichheiten im Ernährungssystem im Blick zu behalten. 

Science Art (“SciArt”) soll wissenschaftliches Wissen ansprechend und zugänglich machen. Alice Fleerackers, Paige Brown Jarreau und Julia Krolik wollten wissen, was Künstler*innen antreibt, sich mit SciArt zu beschäftigen. Interviews mit 131 Gesprächspartner*innen legen eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Ziele offen, von denen sich nur ein Teil auf die Vermittlung von Wissenschaft bezieht. Die Autor*innen raten Geldgeber*innen deshalb, Künstler*innen dabei zu unterstützen, ihre vielfältigen, internen und externen Zielen zu erreichen, um eine lebendige SciArt-Landschaft zu fördern.