Hans-Jurgen Mager

Wie der Klimawandelwandel auf X geframt wird: Neues aus der Forschung

Wie kann Evaluation in der Wissenschaftskommunikation gefördert werden? Wofür steht die Metapher der ,Black Box‘? Und wie beeinflusst Social Media unser Bild vom Klimawandel?

In unserem monatlichen Forschungsrückblick besprechen wir aktuelle Studien zum Thema Wissenschaftskommunikation. In diesem Monat geht es um folgende Themen:

Wie lässt sich Evaluation in der Wisskomm stärken? Perspektiven aus der Praxis

Evaluationen können dazu beitragen, eigene Ansätze zu hinterfragen und zu verbessern. Trotzdem gibt es in der Wissenschaftskommunikation immer noch zu wenig Austausch zwischen Forschung und Praxis, schreiben Ana Godinho von der European Spallation Source (ESS) in Schweden, Sophia Charlotte Volk von der LMU München und Mike S. Schäfer von der Universität Zürich. Um herauszufinden, welche Probleme Praktiker*innen identifizieren und welche Lösungsmöglichkeiten sie vorschlagen, haben die drei Forschenden Interviews mit Kommunikator*innen in vier Ländern geführt.

Methode: Befragt wurden zehn Leiter*innen von Kommunikationsabteilungen internationaler Forschungsorganisationen, Universitäten und Forschungsinstituten in Deutschland, Portugal, der Schweiz und Großbritannien. In den Interviews ging es um die Bedeutung von Evaluation, um mögliche Hindernisse – und darum, inwieweit Forschungsergebnisse in der Praxis berücksichtigt werden. Die Autor*innen fragten auch danach, ob die Praktiker*innen die vier in einem Aufsatz von Charlotte Volk und Mike S. Schäfer1 formulierten Kriterien „guter Evaluation“ teilen:

  1. Ganzheitlichkeit und Bewertung von Inputs, Outputs, Outcomes und Impacts
  2. Anwendung eines Methoden-Mix
  3. Durchführung von Evaluationen zu mehreren Zeitpunkten
  4. Anpassung an Zielgruppe und Format

Sie geben darin Empfehlungen für eine bessere Evaluationspraxis und -forschung. In den Interviews fragten die Autor*innen auch nach Ideen dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis verbessert werden könne.

Ergebnisse: Evaluation wurde als wichtiges Mittel beschrieben, um Erfolg und Wirkung zu messen und die eigene Arbeit zu verbessern. Oft wurde explizit betont, dass es dabei nicht um die reine Messung des ,Outputs‘, sondern des ,Outcomes‘, also der erreichten Veränderungen geht – zum Beispiel der Vorstellungen von Zielgruppen.

Die identifizierten Merkmale „guter Evaluation“ und die Empfehlungen von Volk und Schäfer bewerteten die Kommunikationsverantwortlichen als sehr relevant für ihre Arbeit. Die Befragten berichteten, dass regelmäßig quantitative Evaluationen durchgeführt würden – beispielsweise, indem die Anzahl veröffentlichter journalistischer Artikel zu einem Projekt erfasst wurden. Obwohl sie die Einschränkungen solcher Messungen einräumten, fanden umfassendere Evaluationen kognitiver, affektiver und verhaltensbezogener Veränderungen selten und vor allem für größere Projekte statt.

Insgesamt waren die Befragten mit den Merkmalen einer guten Evaluationspraxis vertraut. Aus dem Katalog an Empfehlungen hielten vier von ihnen den Aspekt „verstärkter Kapazitätsaufbau, einschließlich praktischer Evaluierungsvorlagen, Leitfäden, Schulungen und Vernetzungsmöglichkeiten“ (5) für am wichtigsten. Jeweils zwei hoben „mehr Nachfrage und Unterstützung für Evaluierungen von Förderern, wissenschaftlichen Einrichtungen und politischen Entscheidungsträgern“ (2) und „gemeinsame Standards“ (3) als Priorität hervor. Die Empfehlung, Ergebnisse von Evaluationen offenzulegen, gab auch Anlass zur Sorge. Denn dadurch könne der Druck auf die Kommunikationsteams steigen.

Als Haupthindernisse für Evaluationen wurden Zeitmangel, begrenzte Ressourcen und fehlende Fachkompetenz genannt. In den Teams gab es keine festen Zuständigkeiten für das Thema. Evaluation ist somit meist eine zusätzliche Aufgabe, die von verschiedenen Teammitgliedern oder Externen übernommen wird.

Obwohl die Toolkits mitunter als „extrem theoretisch und überhaupt nicht praxistauglich“ beschrieben wurden, hielten alle Kommunikationsverantwortlichen solche Ressourcen für nützlich und nutzten sie teilweise selbst. Forschung zu Evaluation in der Wissenschaftskommunikation fanden die Befragten hilfreich, fühlten sich jedoch nicht ausreichend informiert.

Sie hatten folgende Ideen, um die Zusammenarbeit mit Forschenden zu verbessern:

  • Eine Art Vermittlungsorganisation, die bei Kontaktaufnahme mit Forschenden unterstützt
  • Unterstützung durch Forschende zum Beispiel in Form von unabhängigen, externen Evaluationen. Um zu verhindern, dass Forschende dadurch in die Rolle reiner Dienstleister geraten könnten, sollten diese in Form von „eingebetteten Partnerschaften“ bereits in der Planungsphase einbezogen werden.
  • Außerdem brauche es finanzielle Unterstützung solcher Partnerschaften.
  • Forschungsergebnisse sollten gezielt auf Praktiker*innen zugeschnitten und in einfacher und prägnanter Form zugänglich gemacht werden.
Visualisierung der Vorschläge der befragten Kommunikationsverantwortlichen. Abbildung: Godinho et al.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Kommunikationsverantwortliche unabhängig von der Art ihrer Organisation, des nationalen Kontextes und der Teamgröße mit denselben Hindernissen konfrontiert sind. Mit ihren Vorschlägen knüpfen sie an die Empfehlungen von Volk und Schäfers an und ergänzen diese – beispielsweise durch die Idee, Plattformen zur Vernetzung von Forschenden und Praktiker*innen zu schaffen und gezielt praxisorientierte Informationen bereitzustellen.

Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass Forschungsorganisationen und Geldgeber umfassende Evaluierungen angemessen fördern und auf deren Ergebnisse reagieren sollten. Die Autor*innen schlagen vor, dass Wissenschaftskommunikationsnetzwerke und Berufsverbände eine Vorreiterrolle bei der Einrichtung von Matchmaking-Plattformen übernehmen sollten. Als Ergänzung zu bereits vorhandenen Leitfäden und Toolkits sollten für Praktiker*innen relevante Forschungsbriefing bereitgestellt werden.

Die Autor*innen betonen, dass Forschende bei Evaluationsprojekten nicht nur als Dienstleister*innen fungieren sollten und Praktiker*innen nicht nur als Empfänger*innen von Forschungsergebnissen. Stattdessen sollten sie Projekte als Partner*innen gemeinsam gestalten.  

Einschränkungen: Eine Einschränkung der Studie ist, dass insgesamt nur zehn Kommunikationsverantwortliche befragt wurden.

Godinho, A., Volk, S. C. and Schäfer, M. S. (2025). ‘Strengthening practice-researchconnections to improve evaluation: perspectives of science communication practitioners’. JCOM 24(07), N02. https://doi.org/10.22323/169120251104103513.

Wie Metaphern unsere Vorstellungen beeinflussen

Welche Rolle spielt der Ausdruck der ,Black Box‘ im journalistischen Diskurs? Was können wir daraus für die Wissenschaftskommunikation lernen? Patrizia Attar und ihre Kolleginnen vom RHET AI Center, einem Projekt des Karlsruher Instituts für Technologie* und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, haben fast 300 Artikel in deutschsprachigen Medien untersucht.

Patrizia Attar studierte Wissenschaft – Medien – Kommunikation (B.A. und M.A.) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie die Berichterstattung über das Coronavirus in der deutschen Presse. Nach ihrem Studium arbeitete sie zwei Jahre als Redakteurin in der Presse & Kommunikation des Fraunhofer IOSB. Seit März 2023 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im RHET AI Center (Unit 1: Discourse and Narrative Unit). In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich mit Zeitbezügen in Wikipedia-Artikeln zu KI. Foto: privat

Worum geht es in Ihrer Studie?

In der Studie untersuchen wir, wie der Ausdruck ,Black Box‘ in der journalistischen Berichterstattung verwendet wird. Dabei haben wir uns die Bedeutung und Bewertung des Begriffs in unterschiedlichen Kontexten angeschaut. Diese Bedeutungen prägen wiederum unsere Vorstellung von Künstlicher Intelligenz, wenn sie als ,Black Box‘ bezeichnet wird.

Welche Methoden wurden angewandt?

Wir haben eine qualitative Inhaltsanalyse von 288 journalistischen Artikeln (2020–2022) aus deutschsprachigen Medien durchgeführt, kombiniert mit Ansätzen aus der semantischen Gebrauchstheorie und der Diskurssemantik. Das bedeutet, wir gehen davon aus, dass sich die Bedeutung eines Wortes aus der Art ergibt, wie das Wort verwendet wird. Wir haben aus dem Material heraus Kategorien gebildet und uns als Forschende immer wieder darüber verständigt. So wollten wir semantische Muster und diskursive Bedeutungsverschiebungen des Begriffs ,Black Box‘ im journalistischen Diskurs sichtbar machen.

Was sind die Ergebnisse?

Die Ergebnisse zeigen, dass der Ausdruck ,Black Box‘ im aktuellen journalistischen Diskurs sehr flexibel verwendet wird und längst nicht mehr auf technische oder KI-bezogene Kontexte beschränkt ist. Am häufigsten tritt die Metapher in wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen auf, was auf eine Verschiebung von einer technischen zu einer eher metaphorischen Nutzung hindeutet.

In technischen Kontexten – etwa bei Flugdatenschreibern – kann sie neutral oder sogar positiv konnotiert sein, weil sie mit Aufklärung und Wissensgewinn verbunden ist. In den meisten anderen Kontexten überwiegen jedoch negative Bewertungen. Hier steht die ,Black Box‘ vor allem für mangelndes Wissen, Intransparenz und eingeschränkten Zugang, häufig begleitet von Unsicherheit, Kontrollverlust und Misstrauen. Diese diskursiv etablierten Bedeutungen prägen maßgeblich, wie KI – wenn sie als Black Box bezeichnet wird – wahrgenommen und bewertet wird.

Was kann die Wisskomm-Praxis daraus lernen?

Die Studie zeigt, dass Begriffe wie ,Black Box‘ in der Wissenschaftskommunikation alles andere als neutral sind. Sie bündeln bereits etablierte Bedeutungen wie Nichtwissen, Intransparenz, Unsicherheit und Kontrollverlust und prägen damit die Wahrnehmung von KI oft stärker als sachliche Erklärungen. Wer über KI spricht, aktiviert diese Deutungsrahmen häufig mit, ohne sie explizit zu machen.

Für die Wisskomm-Praxis bedeutet das, sensibel und reflektiert mit solchen Metaphern umzugehen. Die ,Black Box‘ kann helfen, Komplexität zu reduzieren, birgt aber zugleich das Risiko, Misstrauen oder Ohnmachtsgefühle zu verstärken. Produktiv ist daher ein bewusster Umgang: Metaphern und abstrakte Begriffe sollten eingeordnet, erklärt oder auch gezielt problematisiert werden. So kann Wissenschaftskommunikation dazu beitragen, Unsicherheit nicht zu reproduzieren, sondern Orientierung zu schaffen und ein differenzierteres Verständnis von KI zu ermöglichen.

Was interessiert Sie persönlich an Forschung zu KI?

KI ist tief mit Vorstellungen von dem verknüpft, was kommen könnte, was möglich erscheint oder was befürchtet wird. Wenn wir über KI reden, verhandeln wir immer auch Zeit – Zukunftsentwürfe, Erwartungshorizonte und Möglichkeitsräume. Aus linguistischer Perspektive fasziniert mich, wie sich diese Zukunftsvorstellungen im Laufe der Zeit verändern und wie sie sprachlich hergestellt werden.

Ich untersuche deshalb, wie in unterschiedlichen historischen Momenten über KI gesprochen wurde und wird: von frühen, oft überhöhten Visionen intelligenter Maschinen über Phasen der Ernüchterung bis hin zu aktuellen Narrativen von Effizienz, Innovation und wirtschaftlichem Fortschritt. Besonders spannend finde ich dabei die wiederkehrenden Versprechen – etwa die Idee eines technologischen Durchbruchs oder gar eines Wirtschaftswunders – und die Frage, warum sie sich sprachlich so hartnäckig halten. Mich interessiert also weniger, ob diese Zukunftsbilder eintreten, sondern wie sie durch Sprache plausibel gemacht werden, welche Erwartungen sie erzeugen und wie sie unser heutiges Verständnis von KI konstruieren.

Citation: Attar P, Buresch F, Köhler A and Hanauska M (2025) Looking inside the black box—semantic investigations on a frequently used expression beyond AI. Frontiers in Communication 10:1569313. doi: 10.3389/fcomm.2025.1569313

Die visuelle Darstellung des Klimawandels auf Twitter

Eisbären, Fridays-for-Future-Demos, Waldbrände und ausgeblichene Korallen: Bilder beeinflussen unsere Gefühle und Gedanken zum Klimawandel. Sie können positive Assoziationen zu bedrohten Arten, aber auch Ängste und Ohnmachts-Gefühle wecken. Dabei geht ihre Wirkung über individuelle emotionale Reaktionen hinaus. Bilder tragen zur kollektiven Bedeutungsbildung und einem geteilten Verständnis von Problemen bei.

Weil Social Media eine zentrale Rolle für die Verbreitung von Bildern zum Klimawandel spielt, haben Isaac Bravo und Stefanie Walter von der TU München zusammen mit Katharina Prasse und Margret Keuper von der Universität Mannheim sowie Saffron O’Neill von der University of Exeter Bild-Posts auf Twitter/X analysiert. Sie wollten wissen, welche Arten von Bildern dominieren, welche emotionalen Reaktionen sie hervorrufen und welche Auswirkungen das auf das Engagement von Nutzer*innen hat.

Methode: Untersucht wurden mehr als drei Millionen Tweets mit Bildern, die zwischen 2019 und 2022 auf Twitter/X gepostet wurden – und fast vier Millionen Antworten zu diesen Tweets. Die Autor*innen wählten diesen Zeitraum, um zentrale, klimabezogene Ereignisse zu erfassen – darunter Proteste von Fridays für Future, globale Klimakonferenzen und extreme Wetterereignisse. Um verschiedene Sprachregionen vergleichen zu können, sammelten sie Tweets mit dem Stichwort #Klimawandel auf Englisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Arabisch, Chinesisch und Russisch. Die meisten Tweets wurden über die englische Stichwortsuche gesammelt (knapp 75 Prozent), nur jeweils 0,2 Prozent über die russische und chinesische.

Im ersten Schritt wurden automatisiert Themen der Bilder identifiziert (wie beispielsweise „schmelzendes Eis” oder „Wildtiere”). Im zweiten Schritt wurden die Bilder auf Grundlage visueller und thematischer Ähnlichkeiten geclustert. Die Autor*innen identifizierten dabei neun dominierende visuelle Frames. Die Autor*innen nutzten eine automatisierte Sentimentanalyse, um emotionale Reaktionen in den Antworten auf die Tweets zu messen. Mit statistischen Analysen untersuchten sie, welchen Zusammenhang die jeweiligen Frames mit dem Engagements der Nutzer*innen in Form von Likes, Kommentaren, Retweets und Zitaten sowie mit den emotionalen Reaktionen hatten.

Ergebnisse: Es dominierten politische und aktivistische Frames zum Thema Klimawandel. Wissenschaftsorientierte Lösungs- und ökologische Narrative blieben weniger sichtbar. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg lag der Frame „Öffentliches Engagement: Politik & Ereignisse“ (knapp 41 Prozent der Bilder) auf dem ersten Platz. Dieser Frame umfasste vor allem Bilder von öffentlichen Veranstaltungen, Aufklärungskampagnen, politischen Interventionen und Protesten. Die Ergebnisse zeigten dabei Unterschiede zwischen den Sprachregionen. So machte der Frame unter den spanischen Tweets 50 Prozent der Bilder aus, unter den deutschen nur rund 31 Prozent.

In spanischen und französischen Tweets dominierten eher politische und auf Ereignisse bezogene Bilder, während im russischen Sample der Frame „Wildtiere und Natur” am stärksten vertreten war. Insgesamt lag dieser Frame auf dem vierten Platz. Die Plätze zwei und drei nahmen die Frames „Auswirkungen des Klimawandels auf den Menschen“ und „Klimaschutzaktivismus und politischer Diskurs” ein.

Dass der Frame „Nachhaltige Lösungen und Gemeinschaftsaktionen“ im Laufe des Untersuchungszeitraumes anstieg (von 7,5 Prozent auf 9,5 Prozent), deutet auf eine mäßige, aber anhaltende Sichtbarkeit lösungsorientierter Inhalte hin. Die emotionalen Reaktionen in den Kommentaren fielen bei diesem Frame deutlich positiver aus als bei den meisten anderen.

Weniger stark vertreten waren Frames, die wie „Treiber des Klimawandels“ und „Schmelzendes Eis und Klimafolgen“ wissenschaftliche Ursachen oder ökologische Folgen des Klimawandels betreffen. Diese Frames führten eher zu negativen emotionalen Reaktionen in den Kommentaren.

Frames mit einem Schwerpunkt auf Politik zeigten besonders neutrale Kommentare, was darauf hindeutet, dass abstrakte Ursachen oder weit entfernte Auswirkungen des Klimawandel auf keine besonders starke emotionale Resonanz stoßen. Am negativsten waren die Reaktionen bei den Frames „Klimaschutzaktivismus und politischer Diskurs” und „Kommunikation des Klimawandels durch interaktive Visualisierungen”. Der Interaktive-Visualisierung-Frame umfasste Visualisierungen in Form von Karten, Diagrammen und Infografiken. Dieser Frame zeigte gleichzeitig die höchsten Engagement-Raten. Bei beiden Frames war das Nutzer*innen-Engagement dann höher, wenn die Kommentare eher negativ ausfielen. Das könnte laut der Autor*innen darauf hindeuten, dass bei aktivistischen und interaktiven Frames kritische und polarisierende Reaktionen das Engagement verstärken. Bei eher lösungs- und umweltbezogenen Frames war es umgekehrt: Bei „Nachhaltige Lösungen und Gemeinschaftsaktionen“ etwa war das Engagement dann höher, wenn die Kommentare positiver waren.

Beschreibungen der neun dominierenden visuellen Frames, Angaben zu ihrer Häufigkeit in der Stichprobe Beschreibungen und Beispielbilder. Abbildung: Bravo et al.

Schlussfolgerungen: Für die Kommunikationspraxis ist interessant, dass lösungsorientierte Bilder – beispielsweise von erneuerbaren Energien oder gemeinschaftlichen Projekten – eher positive emotionale Reaktionen hervorriefen. Die Autor*innen raten, emotional aufwühlende Visualisierungen mit klaren und motivierenden Erzählungen zu kombinieren, um Desinteresse oder emotionale Ermüdung zu vermeiden.

Für die Praxis relevant könnte auch sein, dass das Engagement der Nutzer*innen bei emotional aufgeladenen, interaktiven und politisch geprägten Bildern höher war. Interessant ist, dass bei einigen Frames das Engagement dann höher war, wenn die Kommentare negativer waren, bei anderen war es umgekehrt. Die Autor*innen schlussfolgern, dass die Beziehung zwischen emotionaler Reaktion und Engagement nicht linear ist, sondern vom Frame abhängt.

Die Unterschiede zwischen den Sprachen deuten laut der Autor*innen darauf hin, dass Klimawandel-Visualisierungen von einem breiteren kulturellen, politischen und medialen Ökosystem geprägt werden. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Im Laufe des Untersuchungszeitraumes verstärkten sich das Engagement und die emotionalen Reaktionen, was auf eine Veränderung im öffentlichen Bewusstsein – möglicherweise in Folge extremer Wetterereignisse und aktivistischer Überzeugungsarbeit – hindeuten könnte. Insgesamt unterstreicht dies, dass Kommunikationsstrategien flexibel auf kulturelle und aktuelle politische Kontexte reagieren sollten.

Einschränkungen: Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte beachtet werden, dass Twitter/X nicht in allen Regionen gleichermaßen beliebt ist und die Stichproben in den verschiedenen Sprachregionen sehr unterschiedlich groß war. Sprachen wie Englisch und Spanisch werden in so vielen Ländern genutzt, dass sich daraus keine Rückschlüsse auf nationale Kontexte ziehen lassen. An automatisierten Sentiment-Analysen wird kritisiert, dass sie die Komplexität menschlicher Äußerungen nicht erfassen können.

Bravo, I., Prasse, K., Walter, S., O’Neill, S., & Keuper, M. (2025). Global Dynamics of Climate Change Imagery: Emotional and Engagement Effects Across Visual Frames on Twitter/X. Science Communication, 0(0).  https://doi.org/10.1177/10755470251401900

Mehr Aktuelles aus der Forschung

Wie prägt Geschlecht die mediale Darstellung von Wissenschaftler*innen? Dieser Frage gehen Forscher*innen im Sammelband „Wissenschaftskommunikation und Gender“, die als Open-Access-Publikation erschienen ist, aus unterschiedlichen Perspektiven nach. Es geht um Themen wie den “Gender-Publication-Gap”, Sciencefluencerinnen und Selbstdarstellung in sozialen Medien. Dabei werden theoretische Analysen mit Praxisbeispielen und Handlungsempfehlungen verknüpft. Hervorgegangen ist der Band aus dem Projekt „Wissenschaftlerinnen in die Medien“ der FH Potsdam. Mehr dazu im Interview mit Judith Ackermann und Anna-Sophie Barbutev. 

Zur Frage, wie Schülerinnen in den USA Gesundheitsinformationen in sozialen Medien nutzen, hat sich ein Team um Hyunjin Seo von der University of Kansas geforscht. In der Online-Umfrage kristallisierten sich drei zentrale Herausforderungen heraus: Informationsüberflutung, widersprüchliche Botschaften und die Risiken von Fehlinformationen. Mit Blick auf widersprüchliche Informationen – beispielsweise zu Gewichtsabnahme und Hautpflege – berichteten die befragten Schülerinnen von Frustration und Verwirrung. Die Autor*innen unterstreichen die Bedeutung solider digitaler Gesundheitskompetenzen.


* Das KIT ist eine der drei Trägerinnen von Wissenschaftskommunikation.de

  1. Volk, S. C., & Schäfer, M. S. (2024). Evaluations in science communication. Current state and future
    directions. JCOM, 23(06), Y01. https://doi.org/10.22323/2.23060401 ↩︎