Von der Polarstern auf die Zugspitze: Der Weg von Laura Christina Schmidt in die Wissenschaftskommunikation war abenteuerreich. Heute leitet die Geografin die Öffentlichkeitsarbeit am Schneefernerhaus, mit einer Aussicht, die schöner kaum sein könnte.
Im Profil: Laura Christina Schmidt
Karriereleiter, Karriere, Sprungbrett oder Karrierekarussell – wie war Ihr Weg in die Wissenschaftskommunikation?
Der Weg war lang und sehr steinig! Schon früh habe ich mich im Geographiestudium auf Hochgebirgsforschung spezialisiert. Ich wollte aber nie selbst in der Wissenschaft arbeiten, weil mich die Forschung anderer viel zu sehr interessiert. Mein großer Traum war es immer, über Wissenschaft zu berichten und diese Leidenschaft mit meiner Liebe zu den Bergen zu verbinden.
Ich landete zunächst im Büromanagement einer Bergsteigerschule. Das war mir thematisch zu weit weg von der Wissenschaft. Ich fragte mich, wie ich es schaffen könnte, meinen Fokus aus dem Studium auch im Berufsleben aufrechtzuerhalten.
Also habe ich mir ein zweites Standbein als Guide in der Arktis und als staatlich geprüfte Bergwanderführerin aufgebaut. So erhoffte ich mir, einen Nischenbereich zu finden, in dem ich kommunikativ arbeiten kann. Und es hat geklappt: So konnte ich beispielsweise von meinen Grönlandexpeditionen berichten.
Mein persönlicher Karrieresprung gelang mir im Jahr 2020: Als Mitarbeiterin für Safety und Logistics auf der Polarstern konnte ich an der MOSAiC-Expedition in der Arktis teilnehmen. Dabei unterstützten wir die Wissenschaftler*innen zum Beispiel beim Auf-und Abbau der Messgeräte. Im Nachgang wurde ich für viele Vorträge gebucht. In diesem Jahr habe ich mich schließlich selbstständig gemacht. Leider kam dann die Corona-Pandemie und ich stand wieder am Anfang.
Glücklicherweise hat mein jetziger Chef zufällig einen meiner Online-Vorträge gesehen und mich gefragt, ob ich die Öffentlichkeitsarbeit an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze übernehmen möchte. Hier kann ich mein Wissen über Hochgebirge und meine Fähigkeiten als Bergwanderführerin kombinieren. Ich biete Gletscherführungen an und informiere beispielsweise Schulklassen über die Auswirkungen der Gletscherschmelze auf die Berglandschaft. Außerdem pflege ich unsere Social Media Kanäle und die Website und informiere die lokalen Pressepartner über aktuelle Forschungsprojekte. Oft betreue ich auch Drehteams, kürzlich zum Beispiel vom ZDF. Nebenher kann ich trotzdem noch freiberufliche Projekte machen. So war ich kürzlich mit Terra X für einen Filmdreh in Grönland unterwegs.
Was sind Ihre größten Herausforderungen und warum lohnt es sich trotzdem jeden Tag?
Viele sagen: „Wow, auf die Polarstern wollte ich schon immer.“ Für mich bedeutete es jedoch, einen radikalen Cut zu machen: Ich habe meine Wohnung gekündigt und mich mit allen damit verbundenen Unsicherheiten selbstständig gemacht. Die auf der Expedition gesammelten Erfahrungen möchte ich niemals missen, aber es war hart, meine Sicherheiten dafür aufzugeben.
In meinem Job am Schneefernerhaus ist es herausfordernd, sich in Themen einzulesen und diese leicht verständlich zu kommunizieren, wenn man nicht den entsprechenden Hintergrund hat, zum Beispiel bei physikalischen Themen.
Frustrierend ist auch, den Klimawandel direkt durch das Schmelzen des Gletschers mitzuerleben. Hinzu kommt, dass niemand das Wort „Klimawandel” mehr hören kann. Das ist auch für mich eine Gratwanderung in der Kommunikation.
Aber es ist ein toller Arbeitsplatz. Ich habe das Bergpanorama direkt vor der Tür und die schönste Aussicht, die man sich wünschen kann. Für mich ist es eine sinnvolle Tätigkeit. Ich finde es immer sehr bereichernd, egal, ob ich mit Wissenschaftler*innen oder Schulklassen zusammenarbeite.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation?
Auch wenn heute viele Wissenschaftler*innen und Institute verstehen, dass Wissenschaftskommunikation wichtig ist, wünsche ich mir, dass sie dieses Thema ernster nehmen und nicht der Meinung sind, dass das Veröffentlichen von Fachartikeln ausreicht. Es ist oft mühsam, mit Wissenschaftler*innen über ihre Forschung ins Gespräch zu kommen und Themen zu finden, die wir kommunizieren können.
Hinzu kommt, dass Wissenschaftler*innen oft nicht selbst über ihre Forschung sprechen dürfen, sondern nur über die Presseabteilungen. Ich habe schon häufig Wissenschaftler*innen darum gebeten, mir beispielsweise ein Gerät zu erklären, das für Messungen am Berg eingesetzt wird, und dann nur an die Presseabteilung verwiesen wurde. Das finde ich schade, weil es der Wissenschaft ihre Authentizität nimmt.

Laura Christina Schmidt leitet die Öffentlichkeitsarbeit und die Wissenschaftskommunikation auf der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus. Die Geographin ist außerdem Guide in Grönland und Skandinavien und in den Alpen als Bergwanderführerin unterwegs. Auf ihrem Linkedin-Kanal und ihrer Webseite bloggt sie regelmäßig über ihre Arbeit.