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Wissenschaft im Boxring: Braucht sie besonderen Schutz?

Aufgeheizte gesellschaftliche Debatten drehen sich auch um Wissenschaft. Wo verläuft dabei die Grenze zwischen Kritik und Angriffen – und welche Art von Schutz brauchen Wissenschaftler*innen? Besteht ein Risiko, sich angesichts von Gegenwind aus dem Dialog zurückzuziehen? Darüber diskutieren Elisabeth Hoffmann und Marc-Denis Weitze.

Steht die Wissenschaft unter Beschuss? Oder ist ein solch pauschales Statement übertrieben – und kann unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn es den Mut zum Kommunizieren nimmt? Brauchen Wissenschaftler*innen besonderen Schutz – und wenn ja: in welcher Form? In unserem Debatten-Format diskutieren Expert*innen über aktuelle Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation. Elisabeth Hoffmann verfügt als Chief Communications Officer der Universität Köln und ehemalige Vorsitzende des Bundesverbandes Hochschulkommunikation über tiefgreifende Einblicke in die Landschaft der Hochschulkommunikation in Deutschland – und engagiert sich ehrenamtlich als Beraterin beim Scicomm-Support. Marc-Denis Weitze ist Privatdozent für Wissenschaftskommunikation (TU München), verfügt über Erfahrung als Kommunikator, ist Autor mehrerer Bücher zum Thema und kritisiert den Anspruch auf eine ,Sonderrolle der Wissenschaft‘, wenn es um Schutz vor Anfeindungen geht.

Frau Hoffmann, es wird viel über Angriffe gegen Wissenschaftler*innen diskutiert. Wird das Klima rauer?

Elisabeth Hoffmann ist seit März 2022 Chief Communication Officer der Universität zu Köln. Zuvor war die promovierte Literaturwissenschaftlerin über 25 Jahre lang Leiterin der Stabsstelle Presse und Kommunikation der Technischen Universität Braunschweig. Foto: Lennart Backs/Universität Köln

Elisabeth Hoffmann: Ja, das erlebe ich durchaus. Es ist aber nicht so, dass das für alle Wissenschaftler*innen Alltag ist, die kommunizieren. Einen raueren und schärferen Ton erfahren alle – also nicht nur im Wissenschaftssystem – je nachdem, welche Kanäle man bespielt. Es gibt an meiner Universität durchaus Einzelfälle von kommunizierenden Wissenschaftler*innen, die hart angegangen werden. Wissenschaft ist nicht mehr sakrosankt. Das muss nicht heißen, dass alles feindlicher oder polarisierter ist. Es liegt auch daran, dass unser Tun transparenter geworden ist. In den sozialen Medien wird mehr sichtbar, und deshalb gibt es auch mehr Reibungsfläche.

Kann man das an bestimmten Themen festmachen?

Elisabeth Hoffmann: Das betrifft viele Themen, die gerade politisch diskutiert werden – beispielsweise Impfen, Klima, Genderfragen und Migration. Forschende in diesen Bereichen kriegen mehr ab. Man kann aber nicht sagen: Unser Fachgebiet ist sicher, das passiert mir nicht. Wissenschaft rückt insgesamt mehr ins Visier der der Öffentlichkeit. Interessanterweise stehen traditionelle öffentlich-rechtliche Formate wie Talkshows immer noch sehr stark in der Diskussion. Aus denen speisen sich auch die Debatten in den sozialen Medien. Wenn jemand bei Maischberger oder bei Lanz auftritt, kann man schon damit rechnen, dass dort Gegenwind kommt. 

Herr Weitze, was ist Ihr Eindruck: ist das Klima rauer geworden? 

Marc-Denis Weitze ist Privatdozent für Wissenschaftskommunikation (TU München), Autor mehrerer Bücher zur Wissenschaftskommunikation (Springer-Verlag) und arbeitet in einer Wissenschaftsorganisation. Foto: privat

Marc-Denis Weitze: Glücklicherweise habe ich selbst so etwas nicht erlebt, ich kenne auch in meinem Umfeld keine Betroffenen. Aber klar: Jeder Fall von Angriffen ist einer zu viel. Alles, was rechtswidrig ist, Morddrohungen und Ähnliches sind selbstverständlich ein Fall für die Polizei.

Zunächst bin ich sehr froh, dass Wissenschaft heute im Dialog mit vielen Teilen der Gesellschaft steht. Wenn wir uns an das Ende der 1990er-Jahre erinnern, an das PUSH-Memorandum, da wurde noch gesagt: Keiner nimmt die Wissenschaft wahr, das ist den Leuten völlig wurscht. Das hat sich jetzt wirklich geändert. Wir sind mittendrin im Diskurs. Es hat auch der Letzte kapiert: Klima, Corona und Co., das sind Themen, bei denen die Wissenschaft mitzureden hat. Insofern bin ich erstmal positiv gestimmt. Wissenschaft ist endlich in der Gesellschaft angekommen.

Und ja: die Wissenschaft ist nicht mehr ,sakrosankt‘. Wissenschaft ist jetzt im Dialog auf dem Marktplatz, in Talk-Shows, auf Social Media – und  damit teilweise auch im Boxring. Was heißt das? Hier arbeitet man nicht nur mit Samthandschuhen. Wenn wir uns den öffentlichen Debatten stellen, da kann es mal wehtun und man kann – im übertragenen Sinne – ein blaues Auge riskieren.

Es gibt in der Wissenschaft harte Formen von Kritik – auch unter Kolleg*innen. Wo verläuft für Sie die Grenze?

Weitze: Strafrechtlich gibt es klare Kriterien. Ich persönlich habe Probleme mit Ausdrücken wie „Hass und Hetze“, die keine Rechtsbegriffe sind. Wenn jemand sagt „Das war jetzt Hass und Hetze“ kommt sofort der Reflex: Das hätte man nicht sagen dürfen. Ich sehe die Gefahr, dass dabei eine Schweigespirale in Gang kommt. Dann ist gar keine Kommunikation mehr möglich, weil man befürchtet: wenn ich als normaler Bürger irgendeinen Wissenschaftler auch nur im Geringsten in Zweifel ziehe, bin ich gleich Wissenschaftsfeind. So kommt es zu einer Polarisierung, die wir vermeiden sollten.

Hoffmann: Das rechtliche Rahmengerüst ist sehr wichtig. Es ist toll, dass es viel erlaubt. Man darf Wissenschaftler*innen kritisieren, man darf sogar emotional werden und auch mal rumschimpfen. Was Wissenschaftler*innen verunsichert, ist, dass inzwischen alles öffentlich ist. Früher hatten wir einen eingezirkelten Rahmen, in dem wir diskutiert haben – eine Aula oder ein Senat, eine Fachkonferenz oder eine Tageszeitung. Jetzt ist das anders. Wir sehen zunehmend auf unterschiedlichen Kanälen und Foren systematische Anfeindungen, womöglich auch durch Bots.

Es gibt meinungsstarke Wissenschaftler*innen, die gefühlt jeden Tag im Fernsehen sind. Die kommen mit Gegenwind klar. Viel Feind, viel Ehr. Aber wir erleben auch, dass anonym Attacken gefahren werden, die belastend und rufschädigend sind.

Halten Sie die Dialogfähigkeit der Wissenschaft für gefährdet?

Weitze: Insgesamt ist es viel besser geworden in den vergangenen Jahrzehnten. Allerdings wird von manchen Wissenschaftlern und Wissenschaftsorganisationen auch von „Dialog“ gesprochen, wenn er gar nicht existiert. Die reden von Dialog, aber machen letztlich PR in der eigenen Sache. Spätestens wenn es um Fragen der Finanzierung von Wissenschaft geht, werden Wissenschaftler und Wissenschaftsinstitutionen sensibel. Vielleicht entstehen so Tendenzen, Dialogfähigkeit zu behaupten, aber gleichzeitig eine Wagenburg zu bauen – wie ich das beispielsweise beim Scicomm-Support sehe. Es besteht die Gefahr, dass sich Wissenschaft einen Kokon bastelt – und sie dann vielleicht wieder sakrosankt wird, niemand mehr wagt, etwas gegen sie zu sagen. Und das ist ein Riesenproblem.

Man könnte sagen: Jetzt haben wir den Dialog und dann tut er eben auch weh. Frau Hoffmann, gehören Wissenschaftler*innen in den Boxring?

Hoffmann: Eigentlich nicht. Die Kultur der Wissenschaft bedeutet ja: Ich arbeite rational und versuche, replizierbare Ergebnisse zu produzieren – und das unter dem Schutz einer Institution.

Ich bin mit Herrn Weitze einer Meinung, dass wir aufpassen müssen, dass wir uns nicht wieder aus dem Diskurs zurückziehen, wenn er schärfer, persönlich und emotional wird. Wenn wir viel über gefährdete Wissenschaftler*innen sprechen, kann davon das Signal ausgehen: „Kommunizier‘ lieber nicht.“ Gerade für Early-Career-Wissenschaftler*innen kann das abschreckend wirken. Wir dürfen uns nicht selbst triggern, indem wir sagen: Der*die Wissenschaftler*in, das unterdrückte, verfemte, verhauene Wesen. Das ist auch nicht das, was der Scicomm-Support macht.  

Aber: Wenn ich in einen Boxring steige, dann sollte ich vorher geübt haben. Es wäre gut, wenn wir sagen: Ok, da ist es jetzt schiefgegangen, dann nimm noch ein paar Trainingsstunden bei uns, dann gehst du beim nächsten Mal wieder rein. Das erlebe ich auch. Und das ist schön, wenn Forschende sich wieder trauen. 

Bleiben wir kurz bei der Boxmetapher. Es gibt manchmal Feedback, das Abwertungen enthält, die bis hin ins Körperliche gehen. Herr Weitze, was müssen Forscher*innen können, um in diesem Kontext kommunizieren zu können? 

Weitze: Wer in den Boxring steigt, muss neben guten Argumenten auch die Spielregeln kennen. Und die sind sehr vielfältig, bezogen auf verschiedene Situationen: Ich kann eine blöde Bemerkung machen oder ich kann einem Kollegen das Bein stellen – wo ist da die Grenze, wann wird es strafrechtlich relevant? Wenn wir über Anfeindungen in der Wissenschaft sprechen, brauchen wir als erstes empirische Evidenz.

Es gab die repräsentative Studie vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, die zum Ergebnis kam, dass 45 Prozent der befragten Forscher*innen in Deutschland mindestens eine Form von Anfeindungen erlebt hätten. ,Anfeindungen‘ war der Sammelbegriff – von strafrechtlich relevanten Taten bis hin zu herablassenden Äußerungen, Anzweifeln von Kompetenz, vielleicht auch mal ’ne spitze Frage an den Kollegen, an die Kollegin.

Im Bundestag hat der Abgeordnete Kai Gehring daraufhin behauptet, dass angeblich 45 Prozent aller Forschenden bereits ,persönliche Attacken‘ erlebt hätten. Auf dieser Grundlage – einer Verdrehung empirischer Evidenz – hat der Bundestag eine Million an Steuergeld für den Scicomm-Support bereitgestellt. Ich finde, das hätte man richtigstellen müssen.

Frau Hoffmann, wird zu wenig differenziert, wenn wir über ,Angriffe gegen Wissenschaftler*innen‘ sprechen?

Hoffmann: Das kann passieren. Ich gebe Herrn Weitze recht: Wir müssen sorgfältiger mit Statistiken umgehen. Es gibt eine große Bandbreite. Gleichwohl gibt es krasse Fälle, und dafür wird der Scicomm-Support gebraucht – und auch für manche, die weniger krass sind. Denn das bedeutet nicht, dass sie nicht relevant sind.

Der Scicomm-Support ist sinnvoll, wo kommunizierende Wissenschaftler*innen nicht gut abgesichert sind. Denn ihre Institutionen können  entscheiden, ob sie sich hinter die betroffenen Wissenschaftler*innen stellen. Ich habe schon erlebt, dass gesagt wurde: „Das ist doch deren Privatsache, wenn sie zu einer Talkshow gehen oder einen Social-Media-Kanal betreiben.“ Dann hängt es davon ab, wie die Hochschulleitung dazu steht, und ob die Pressestelle etwas machen kann und darf. Deshalb ist so eine Stelle, bei der man sich diskret und anonym beraten lassen kann, wichtig.

In vielen Fällen, die ich kennengelernt habe, geht es um eine Einordnung und Beruhigung. Man kann anrufen, wenn man aufgewühlt ist und Rat braucht. Auf diese Weise können Betroffene besser einschätzen, wie sie mit emotionalen Angriffen umgehen und wo sie Unterstützung brauchen. Wir als Profis können dann Strategien empfehlen und raten, wie man weitermachen kann.

Ist die Hochschulkommunikation personell darauf vorbereitet, ein solches Allround-Angebot und persönliche Betreuung zu leisten?

Hoffmann: Nein, das sind wir in aller Regel nicht. Ich vertrete eine sehr große Universität, wir haben Spezialist*innen, unser Justiziariat ist super, aber viele Kleinere sind auf so etwas nicht vorbereitet. Was die Kompetenzen und Kapazitäten angeht – gerade im medienrechtlichen Bereich – sind viele Hochschulen nicht ausreichend ausgestattet. Wir haben uns als Kommunikator*innen in den letzten Jahren extrem professionalisiert. Aber es gibt Fragen, wo wir Beratung von Peers und rechtliche Unterstützung brauchen. Das bietet der Scicomm-Support.

Weitze: Ich sehe das anders. Jede Hochschule hat eine Kommunikationsabteilung und deren Aufgabe sehe ich genau in diesem Bereich. Ich bräuchte einen Beweis, warum es eine eigene Stelle braucht und warum das gerade der Scicomm-Support sein soll. Wenn die Kommunikationsabteilungen keine Kompetenz haben, holen sie sich vielleicht Hilfe vom Bundesverband Hochschulkommunikation. Und wenn jemand nachts um zwei Uhr ein Problem hat, ruft er bei der Polizei oder einer allgemeinen Beratungsstelle an. Wenn ein Gemüsehändler nachts attackiert wird, gibt es auch keine zentrale Anlaufstelle für seinen Berufsstand. Hier zeigt sich die Sonderrolle, die Wissenschaft für sich beansprucht.

Ist es ein Argument zu sagen: Die anderen brauchen das nicht und deshalb sollen es Wissenschaftler*innen nicht haben?  

Weitze: Die Frage ist, warum wir etwas Neues schaffen, wenn wir in tatsächlich jeder Wissenschaftseinrichtung eine Kommunikationsabteilung und außerdem den Bundesverband Hochschulkommunikation haben. Ich würde eine Studie erwarten, die zeigt, welche Berufsgruppen solche Anlaufstellen haben und wie sie arbeiten. Der Scicomm-Support hat einfach losgelegt. Eine Evaluation kenne ich bis jetzt nicht.

Hoffmann: Sie haben nicht einfach losgelegt, sondern sich aus dem Bundesverband Hochschulkommunikation ausgegründet. Wir Berater*innen arbeiten ehrenamtlich. Trotzdem kam das Projekt finanziell an seine Grenzen, weil manche Fälle aufwändig sind und eine Rechtsberatung benötigen. Wir versuchen immer darauf hinzuwirken, dass die betroffenen Wissenschaftler*innen sich zuerst an ihre Kommunikationsabteilungen wenden. Es gibt aber Fälle, in denen die Pressestellen nicht die entsprechenden Ressourcen haben oder nicht spezialisiert sind. In seltenen Fällen liegen die angefeindeten Wissenschaftler*innen mit ihren öffentlichen Äußerungen mit der Leitung der Hochschule über Kreuz. Es kann auch passieren, dass unter dem Öffentlichkeitsdruck der Rückhalt der Institution zerbricht. Für diese Fälle ist der Scicomm-Support als neutrale Stelle wichtig.

Ich würde auch lieber in einer Welt leben, in der sich jede Institution mit vollem Eifer hinter ihre Wissenschaftler*innen stellt. Viele machen das auch und von vielen Fällen erfahren wir gar nichts, weil die ,zu Hause‘ schon so gut betreut werden. Aber leider ist das nicht immer der Fall. 

Herr Weitze, birgt es nicht Gefahren, wenn die Wissenschaft als solche in Frage gestellt wird?

Weitze: Ich habe noch keine Anti-Wissenschaftler getroffen. Mir missfällt es, wenn man sagt, Leute, die die Wissenschaft kritisieren, seien antiwissenschaftlich. Wir sind uns alle einig, dass in der Wissenschaft nicht alles wunderbar ist. Deshalb freue ich mich über jede Kritik am „System Wissenschaft“ – damit wir es besser machen können.

Problematisch finde ich eher, wenn normative Überformungen der Wissenschaft – um den Begriff von Volker Meyer-Guckel zu verwenden – stattfinden, Wissenschaft also ihre Rolle überdehnt. Wir wissen, dass Wissenschaft systematisches Wissen bereitstellt, Zielkonflikte identifiziert und Handlungsoptionen entwirft – aber eben nicht sagen kann, ob wir eine Impfpflicht haben wollen oder nicht. Wenn die Wissenschaft hier eine Grenze überschreitet, ruft durchaus zu Recht Gegenreaktionen hervor.

Zielen solche Attacken auf die Expertise? Oder heißt es: Ihr wollt mit eurer Wissenschaft Politik machen und das lehnen wir ab?

Hoffmann: Meiner These nach ist ein Grund, dass implizit Weltbilder in Frage gestellt werden.  Bei einem der Themen, das ich betreut habe, ging es um 5G-Strahlung. Unsere Wissenschaftler*innen sind auf Dörfer und in Kleinstädte gefahren und haben diskutiert. Was als Kritik kam, war in der Regel nicht: Ich bin anderer Meinung, ich habe ein anderes Wertesystem und ihr könnt unsere Ängste mit eurer Evidenz nicht beruhigen. Stattdessen hieß es: „Ihr habt Studien, wir haben auch Studien“. Und dann kamen – das ist das Gefährliche – irgendwelche Quatschstudien. Ich denke, so sollten Ängste kaschiert werden.

Trotzdem: Nur weil ich Lai*in bin, heißt das ja nicht, dass ich mit meinem Beharren auf weiteren Studien zu bestimmten Themen falsch liege.

Weitze: Darauf wollte ich hinaus: Wir sind dankbar für Impulse von außen, die nicht voreingenommen sind. Mein Plädoyer lautet, dass man sich jedes Beispiel einzeln anschauen muss.

Hoffmann: Allerdings haben wir dabei eine rhetorische Waffenungleichheit. Irgendeine pauschale These ist schnell öffentlich rausgehauen und verpestet die Luft. Dann wird es wirklich schwierig. Unsere großen Stärken in der Wissenschaft, die Sachlichkeit und die Geduld bei komplexen Themen, sind gleichzeitig im Diskurs große Schwächen. Und dann sind die Antworten, die wir geben, auch noch so kompliziert.

Weitze: Aber dafür werden wir bezahlt, Frau Hoffmann. Das ist schon immer so gewesen. Da sollten wir nun keine Wagenburg aufbauen, sondern müssen damit in der Kommunikation umgehen.

Hoffmann: Ja, ich persönlich halte es auch aus, wenn Druck kommt. Aber trägt diese Atmosphäre zum Stimmungswandel in der Gesellschaft bei? Das macht mir Sorgen. 


Anmerkung der Redaktion: Üblicherweise verwenden wir den Genderstern. In diesem Interview verzichten wir auf Wunsch des Interviewpartners in seinen Antworten darauf.