Lisa Niendorf und Anna Kira Hippert berichten über ihre Erfahrungen mit Social Media, die Transfer Unit* stellt Forschung zum Umgang mit Medienanfragen vor und es gibt neue Studien zu kreativen Kommunikationsformaten. Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends.
Wird Social Media zum „Karrierekiller“?
Was gibt’s Neues?
Karrierekiller Wisskomm?
Lisa Niendorf und Anna Kira Hippert kommunizieren online mit großer Reichweite zu den Themen Bildungsforschung, Religionswissenschaft und wissenschaftlichem Alltag. In ihrem Podcast Hippert & Niendorf reflektieren sie über die Social Media Kommunikation deutscher Hochschulen und ziehen ein durchwachsenes Fazit.
Die beiden Forscherinnen berichten von mangelnder institutioneller Unterstützung. Es gebe keinen Rückhalt aus dem Wissenschaftssystem, erklärt Hippert. Sie sagt: „Hinter meinem Rücken wird […] gelästert.“ Nachdem sie ihre Social-Media-Accounts aufgebaut hatten, würden Kolleg*innen und Universitäten sie nun bezüglich ihrer Wissenschaftskommunikation „ghosten”.
Wissenschaftskommunikation sei kein Vorteil, im Gegenteil, so Niendorf. Sie erlebt es als „Karrierekiller“: „Wissenschaftskommunikation zu machen, um in der Wissenschaft erfolgreich zu sein, wird nicht funktionieren.“ Ihr Engagement in den sozialen Medien sei für die Jobsuche in der Wissenschaft nicht relevant und spiele in Berufungskriterien für Professuren keine Rolle. Hippert erzählt, dass ein Zeitungsinterview ihre wissenschaftliche Karriere mehr vorantreibe als Instagram-Beiträge, die regelmäßig 500.000 Aufrufe oder mehr erzielen.
Dennoch wünschen sich beide, dass mehr Hochschulmitglieder in der Kommunikation auf Social Media aktiv werden – auch, um sich „gegenseitig den Rücken zu stärken“. Bereits in einem anderen Podcast forderte Niendorf: „Alle Hochschulpräsident*innen ab auf Social Media!” Hilfreich seien Workshops zur Vorbereitung, nicht jedoch Leitlinien. Es gäbe zudem zu wenige Informationen von Praktiker*innen, die in den sozialen Medien kommunizieren, sagt sie im eigenen Podcast.
Niendorf stellt der institutionellen Kommunikation ein schlechtes Zeugnis aus: „Ich analysiere jetzt parallel Hochschulaccounts bei Social Media – die machen kein Community Management. Sie posten irgendetwas und du siehst ganz viele unbeantwortete Kommentare. Und dann wundert man sich in der Hochschulkommunikation, warum das so wenig funktioniert.“ Diese Art der Kommunikation führe dazu, dass „der Elfenbeinturm bei Social Media weiterhin elfenbeinturmig wahrgenommen wird“. Weitere Themen der Podcast-Folge sind die Bedeutung von Authentizität in den sozialen Medien, praktische Tipps für die Kommunikation und das Zeitmanagement der Aktivitäten.
Transfer Unit*: Große Bereitschaft, Medienanfragen anzunehmen
Die Medienlandschaft diversifiziert sich: Neue Formate und Akteur*innen treten auf das Spielfeld und die Navigation wird zunehmend herausfordernder – auch für Wissenschaftler*innen.
Daniel Nölleke und Marc Tietjen untersuchen im Projekt “Wissenschaftliche Expert:innen zwischen Kern und Peripherie des (Wissenschafts-)Journalismus” mit welcher Motivation Akteur*innen der Wissenschaftskommunikation Medienarbeit leisten, welche Herausforderungen sie gerade in digitalen Medienumgebungen sehen und inwieweit sie zwischen etablierten und peripheren Medienangeboten differenzieren, wenn sie als Expert*innen angefragt werden. Periphere Angebote sind beispielsweise “Newsfluencer*innen” oder sogenannte alternative Medien, die journalismusähnliche Inhalte verbreiten, deren Akteur*innen sich aber durch andere Ausbildungen, Praktiken und Motive von etablierten Formaten unterscheiden. Im neuen Kurzbericht der Transfer Unit* fassen die beiden Forscher zentrale Erkenntnisse des Projekts zusammen.
Es zeigt sich: Wissenschaftler*innen haben eine große Bereitschaft, Medienanfragen anzunehmen und sehen sich in der Verantwortung, zu einem informierten Diskurs beizutragen. Gleichzeitig nehmen sie dabei auch Risiken wahr und einige berichten von Angriffen nach Medienauftritten.
Auch wird deutlich, dass sie bei Medienanfragen zwischen Formaten unterscheiden. Beispielsweise sehen viele eher von einer Zusammenarbeit mit Formaten ab, die sie als ideologiegetrieben wahrnehmen oder die mit Verschwörungsmythen in Verbindung zu stehen scheinen. Dabei orientieren sie sich an den Kriterien Glaubwürdigkeit, Relevanz und Unabhängigkeit der Medien. Allerdings wünschen sie sich eine Orientierungshilfe bei der Navigation durch die Medienlandschaft – die Vielfalt kann dazu führen, dass Forschende den Überblick verlieren, sodass informierte Entscheidungen über Medienanfragen zunehmend schwierig sind. Professionelle Wissenschaftskommunikator*innen sehen sie daher als wichtige Unterstützung in diesem Prozess.
Um eine erste Orientierungshilfe zu bieten, haben die Autoren im Kurzbericht einen Fragenkatalog erarbeitet. Er soll Forschende dabei unterstützen, Chancen und Risiken in der Zusammenarbeit mit einem Medienangebot einzuschätzen.

Und sonst?
Am 2. August tritt Artikel 50 der europäischen KI-Verordnung in Kraft, der Transparenz für KI-generierte Inhalte vorschreibt.
Bei LinkedIn wird über das Wahlprogramm der Berliner CDU diskutiert. Aus der Geschlechterforschung regt sich Widerstand.
Wie verändert sich Sprache durch die Nutzung von Sprachmodellen – und ist das ein Problem? Antworten gibt es im lesenswerten Beitrag von David Shariatmadari im Guardian.
Der Swiss National AI Dialogue führt eine öffentliche Konsultation mit Bürger*innen über das Programm “Apertus” durch.
Der österreichische Watchblog Kobuk! hat analysiert, wie sich der Boulevard auf wissenschaftliche Studien bezieht. Oft werden Ergebnisse verzerrt, sind unvollständig oder falsch.
Das Fachmagazin Nature ist jetzt bei TikTok. Die Produzentin reflektiert bei LinkedIn, dass sie innerhalb der ersten vier Monate eine Community aus 26 tausend Follower*innen geschaffen hätten.
Und die Forschung?
In improvisierten Comedy-Shows verhandeln Forscher*innen auf der Bühne wissenschaftliche Themen. James A. Dolan von der University of Cambridge, Hauke Riesch von der Brunel University of London und die Software-Entwicklerin und Performerin Oana-Catalina Mihai haben anhand von internationalen Wissenschafts-Impro-Gruppen untersucht, wer aus welchen Motiven daran mitwirkt. Es zeigt sich, dass viele Wissenschaftler*innen das Format als spannungsreich empfinden. Denn Impro-Theater ist eine sehr spontane Angelegenheit, während es in der Wissenschaft darauf ankommt, nicht unbedacht Halbwahrheiten zu verbreiten. Wissenschaftler*innen reagieren darauf, indem sie wissenschaftliche Inhalte vermeiden oder sich weniger stark an die Konventionen des Impro-Theaters halten.
Mit Impro-Theater soll auch ein Projekt in Irland wissenschaftliches Wissen vermitteln. In „We Built This City on Rock and Coal“ – geht es um den Klimawandel in ländlichen und abgelegenen Gemeinden. Das Projekt soll Mitwirkende dabei unterstützen, Zugang zu Fachwissen zu bekommen und die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken. Ein Team um die unabhängige Forscherin Claire Murray hat die Auswirkungen des Projekts auf die Darsteller*innen untersucht. Die Autor*innen beschreiben Improvisationstheater als Dialog zwischen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Publikum und als wirkungsvolle Methode, um sich gemeinschaftsorientiert mit der Klimakrise und anderen komplexen Problemen zu beschäftigen.
Jobs
🔉 Volontär*in (m/w/d) im Team Kommunikation | Akademienunion (2. August)
🔉 Wissenschaftliche*n Mitarbeiter*in (w/m/d) | Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut (2. August)
🔉 Studentische Hilfskraft (m/w/d) im Bereich Kommunikation & Impact | Bayerisches Forschungsinstitut für Digitale Transformation (2. August)
🔉 Independent Junior Group Leader Research Position | Charité – Universitätsmedizin Berlin (15. August)
Weitere Stellenangebote finden Sie in unserer Jobbörse – exklusiv für Stellen aus der Wissenschaftskommunikation. Hochschulen, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Co können ihre Stellenangebote direkt an Besucher*innen unseres Portals richten.
Fundstück
Wie Schweizer*innen über Wissenschaft denken kann man neuerdings selbst über ein Daten-Dashboard explorieren. Enthalten sind Umfragedaten von 2016, 2019, 2020, 2022 und 2025.

* Wissenschaft im Dialog (WiD) ist einer der drei Träger des Portals Wissenschaftskommunikation.de.
** Transparenzhinweis: Wir haben die Formulierung zur mangelnden institutionellen Unterstützung korrigiert, da sich die Kritik allgemein auf strukturelle Bedingungen bezog. Eine weitere missverständliche Verallgemeinerung wurde entfernt.