Wie Forschung den Weg in die Medien findet, was bei Gesprächen mit Jugendlichen über KI hilft und warum Forschende für das Magazin ‚The Conversation‘ schreiben: Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends.
Was Forschung in die Medien bringt
Was gibt’s Neues?
So kommt Forschung in die Medien
Welche Strategien sind am erfolgreichsten, um Forschungsergebnisse in die Medien zu bringen? Mit dieser Frage hat sich das Kommunikationsteam der Autonomen Universität Barcelona beschäftigt. Zwei Jahre lang veröffentlichte es Social-Media-Posts, Pressemitteilungen oder – als Kontrollbedingung – gar keine begleitende Kommunikation und verfolgte die Auswirkungen. Das Ergebnis: Nur die Pressemitteilungen führten dazu, dass Studien in den Medien aufgegriffen wurden. Social Media spielte keine Rolle. Das Autor*innenteam kommt zu dem Schluss, dass die Effektivität der Plattformen nicht automatisch angenommen werden sollte. In dem in Scientometrics veröffentlichten Paper geben die Autor*innen auch Tipps für die strategische Planung von Kommunikationsaktivitäten.
40 Tipps für Vermittlungsformate mit Jugendlichen
Der Bedarf, über Künstliche Intelligenz zu sprechen, wird mit den stetig wachsenden Möglichkeiten neuester technologischer Entwicklungen von Tag zu Tag größer. Begeisterung und Verunsicherung sind nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Schule, im Unterricht und in der Freizeitgestaltung von Jugendlichen zu finden.
Das wissen auch die Autor*innen Sercan Sever und Jelena Dojčinović der Publikation „Wissenschaft trifft Schule – Mit Schüler:innen über KI kommunizieren“. Als Didaktiker*innen mit Schulerfahrung haben sie über 40 Tipps für Wissenschaftler*innen aller Disziplinen zusammengestellt, die in offenen Begegnungsformaten eine erfolgreiche Kommunikation mit Schüler*innen über KI unterstützen sollen. Die Tipps unterstützen bei der Vorbereitung, Durchführung und Reflexion solcher Begegnungen und helfen dabei, wissenschaftliche Inhalte zielgruppengerecht, verständlich und dialogorientiert zu vermitteln.

Die Autor*innen empfehlen beispielsweise, schwierige Fragen von Schüler*innen zu antizipieren und sich darauf vorzubereiten. Ein weiterer Tipp betrifft die Interaktivität des Angebots: Am besten sollten die Jugendlichen selbst nachdenken und explorieren – denn das führt zu mehr Beteiligung und nachhaltigeren Lerneffekten, erklären die Autor*innen. Bei der Nachbereitung der Lernaktivitäten sei es wichtig, die eigene Wirkung auf die Schüler*innen zu reflektieren. Wie kommt die Vermittlung an? Wie nehmen die Jugendlichen das Gespräch wahr?
Ausgewogen über wissenschaftliche Debatten kommunizieren
Für The Open Notebook schrieb die Wissenschaftsjournalistin Rohini Subrahmanyam auf, wie man am besten über wissenschaftliche Debatten berichtet. Es erfordere Feingefühl, die Standpunkte der Forschenden zu erklären und wichtige Hintergrundinformationen zu liefern. Wenn Expert*innen unterschiedlicher Meinung sind, können externe Quellen und die eigene Analyse entscheidenden Kontext liefern, erklärt Subrahmanyam. Es sei jedoch wichtig, sich der eigenen Vorurteile bewusst zu werden und zu versuchen, sie einzufangen. Ein offenes Ende müsse kein Nachteil sein, so die Journalistin. Im Gegenteil, es könne sogar das Interesse der Leser*innen nachhaltig wecken.
The girlies are building cyberdecks
Über ‘MINTfluencer*innen’ berichtet Sophie Hötzel*, die sich den Cyberdecks-Trend auf Social Media angesehen hat. Sich einen Mini-Computer zu basteln, sorge für mehr Sichtbarkeit von Frauen in technischen Rollen. Die Influencer*innen würden auf Social Media unkonventionell und humorvoll auftreten. Damit würde mit gewohnten Bildern gebrochen werden und sich die Repräsentation von Frauen in technischen Berufen verbessern, schreibt Hötzel.
Und die Forschung?
Nehmen Menschen an Studien teil, die der Wissenschaft ablehnend gegenüberstehen? Womöglich eher weniger. Gerade, wenn es um Forschung zu Vertrauen in die Wissenschaft geht, kann dies zum Problem werden, weil die Ergebnisse nicht für die Gesamtbevölkerung gelten können. Nils Bienzeisler, Yael Barel-Ben David und Melanie Keller vom IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik haben sich in einer Übersichtsarbeit angeschaut, wie Forschende in der Wissenschaftskommunikation ihre Studienteilnehmenden rekrutieren. Sie zeigen, dass Verfahren oft nur vage beschrieben werden und viele Forschende keine Zufallsstichproben nutzen. Die Autor*innen schlagen deshalb Maßnahmen vor, um die Auswahl zu verbessern – unter anderem die zufällige Auswahl von Teilnehmenden und Quotenregelungen, die über demografische Merkmale hinausgehen.
Open-Science-Veröffentlichungen sollen Transparenz und Glaubwürdigkeit signalisieren. Hilmar Brohmer, Fabian Gehm und Sarah von Götz von der Universität Graz fanden in einer Studie jedoch keine Hinweise darauf, dass Open-Science-Hinweise das Vertrauen in populärwissenschaftliche Zusammenfassungen verbessern. Einfluss hingegen hatte, ob die Studienteilnehmenden der Wissenschaft grundsätzlich vertrauten und ob die Studienergebnisse ihre vorhandenen Einstellungen bestätigten.
Die Online-Plattform „The Conversation“ gibt Wissenschaftler*innen die Möglichkeit, selbst journalistische Artikel über Fachthemen zu schreiben. Lili Rademan und Marina Joubert von der Stellenbosch Universität haben zusammen mit Lars Guenther von der LMU München untersucht, welche Vorteile die Wissenschaftler*innen sehen, die für die afrikanische Ausgabe von „The Conversation“ schreiben und welche Hindernisse ihnen begegnen. Die Wissenschaftler*innen nannten Vorteile in Hinblick auf Sichtbarkeit, Vernetzung und berufliche Entwicklung. Als Hindernisse empfanden sie Zeitmangel, fehlende institutionelle Anreize und die Sorge, komplexe Themen zu stark zu vereinfachen.
Termine
📆 1. September 2026 | Hamburger Stammtisch Wissenschaftskommunikation #44 zur Wahl in Sachsen-Anhalt (digital) | Mehr
📆 2. September 2026 | Berliner Stammtisch Wissenschaftskommunikation: Wissenschaft demokratieresilient machen (Berlin) | Mehr
📆 7. bis 10. September 2026 | Digitale Autumn School „Wissenschaft kommunizieren!“* | Mehr
📆 23. September/ 15. Oktober 2026 | Fortbildung: Rechtliche Grundlagen für die Wissenschaftskommunikation (digital) | Mehr
📆 23. bis 25. September 2026 | Scicom-E Konferenz (Frankfurt) | Mehr
📆 25. bis 27. September | Barcamp der Wissenschaftspodcaster*innen (Magdeburg) | Mehr
📆 28. September 2026 | Campus Citizen Science* (Berlin) | Mehr
📆 30. September 2026 | Neue Formate in der digitalen Wisskomm (Online, für idw-Mitglieder) | Mehr
📆 16. Oktober 2026 | Verleihung der Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ (Berlin) | Mehr
Jobs
🔉 Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (Postdoc) | „Kiel Science Communication Network“ (Bewerbungsfrist: 27. September)
🔉 Mitarbeiter/-in für Wissenschaftskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Transfer (m/w/d) | Leibniz-Institut für Katalyse e.V.(Bewerbungsfrist: 30. September)
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Fundstück
Sophie G. Elschner und Lena S. Schwenker stellen den Account Real Scientists DE vor und sprechen über den Wechsel des Social-Media-Accounts von X auf BlueSky.
* Wissenschaft im Dialog (WiD) ist einer der drei Träger des Portals Wissenschaftskommunikation.de.