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Was bewirkt positives Framing? Neues aus der Forschung

Ist es motivierender, darüber über das zu sprechen, was wir Gutes tun könnten, als darüber, was wir vermeiden sollten? Welche Rolle spielt Aufmerksamkeit beim Erkennen von Falschinformationen? Und was wünschen sich Menschen von Einfacher und Leichter Sprache im Journalismus? 

In unserem monatlichen Forschungsrückblick besprechen wir aktuelle Studien zum Thema Wissenschaftskommunikation. In diesem Monat geht es um folgende Themen:

  • Welche Art von Wissenschaftskompetenz schützt gegen Falschinformationen zum Klimawandel? Eine Studie aus Hongkong hat das untersucht
  • Was wünschen sich Menschen von Einfacher und Leichter Sprache im Journalismus? Milan Skusa und Steffen Grütjen haben Interviews mit verschiedenen Zielgruppen geführt.
  • Wie kann Klimakommunikation zu mehr Umweltschutz motivieren? Kanadische Forschende haben das in einem Experiment getestet
  • In der Rubrik „Mehr Aktuelles aus der Forschung“ geht es unter anderem um den Frühmensch „Lucy”, ums Scheitern von Innovationen und um klimaskeptische Positionen auf Social Media.

Falschinformationen erkennen: Welche Rolle spielt Aufmerksamkeit?

Wie können Menschen dabei unterstützt werden, Falschinformationen zum Klimawandel zu entlarven? Stephanie Jean Tsang von der Hong Kong Baptist University hat in einem Online-Experiment untersucht, wie sich zwei unterschiedliche Arten wissenschaftlicher Grundbildung auswirken: 1) ,Kognitive Wissenschaftskompetenz‘ vermittelt ein Verständnis dafür, wie Informationen verarbeitet werden – zum Beispiel, dass Menschen unter Umständen dazu neigen, eher etwas zu glauben, was ihren eigenen Einstellungen entspricht (,motivated reasoning‘), 2.) ,Zivile Wissenschaftskompetenz‘ vermittelt ein Verständnis dafür, wie wissenschaftliches Wissen entsteht, also beispielsweise, wie Daten erhoben und interpretiert werden. Außerdem untersuchte Jean Tsang, welche Rolle die Aufmerksamkeit spielt, die Menschen Informationen widmen. 

Methode: An der Studie nahmen 798 Erwachsene aus Hongkong teil, die über ein privates Marktforschungsunternehmen rekrutiert wurden. Die Teilnehmenden wurden zufällig in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe wurde darüber aufgeklärt, wie ,motivated reasoning‘ (,motiviertes Denken‘) zu Verzerrungen bei der Verarbeitung wissenschaftlicher Informationen führen kann. Diese Intervention fiel in den Bereich der ,kognitiven‘ Wissenschaftskompetenz, die zweite und dritte in den Bereich der ,zivilen Wissenschaftskompetenz‘. In der zweiten Gruppe wurde erklärt, welche Bedeutung wissenschaftlicher Konsens hat und in der dritten Gruppe wurde die Strategie des ,cherry pickings‘ erklärt – also dass einzelne Beispiele gezielt genutzt werden, um falsche Schlussfolgerungen zu einem größeren Kontext zu ziehen.  

Die Teilnehmenden beantworteten Fragen zu ihren Einstellungen zum Klimawandel. Danach klickten sie sich im eigenen Tempo durch vier Infografiken, die Instagram-Posts nachempfunden waren. Darin wurden alle mit derselben Falschbehauptung konfrontiert: dass die Meereisdecke den höchsten Stand seit 21 Jahren erreicht habe. Abschließend wurden die Teilnehmenden zu ihrer Wahrnehmung der Infografiken befragt: für wie akkurat, vertrauenswürdig und voreingenommen sie die Informationen hielten und ob sie glaubten, dass diese dem wissenschaftlichen Konsens entsprächen. 

Ergebnisse: Ob die Teilnehmenden Hintergrundinformationen im Sinne einer ,kognitiven‘ oder ,zivilen‘ Wissenschaftskompetenz bekommen hatten, wirkte sich kaum auf die Bewertung der Infografiken aus. Es machte wenig Unterschied, in welcher Gruppe die Teilnehmenden waren. Allerdings machte es einen deutlichen Unterschied, wie lange sie sich mit den Infografiken beschäftigen. Die Länge der Zeit, die die Teilnehmenden den Informationen widmeten, wertet die Autorin der Studie als Hinweis darauf, wie aufmerksam die Teilnehmenden waren. Diejenigen, die den Infografiken viel Aufmerksamkeit gewidmet hatten, sagten eher, dass sie diese als voreingenommen empfanden. Sie glaubten auch weniger, dass diese akkurat seien und dem wissenschaftlichen Konsens entsprächen. Diese Effekte zeigten sich jedoch vor allem für ,Klimagläubige‘, also Menschen, die den Klimawandel als menschengemachte Tatsache begriffen. Bei ,Klimaskeptiker*innen zeigte sich kein vergleichbarer Einfluss hoher Aufmerksamkeit. 

Insgesamt bewerteten ,Klimagläubige ‘ die Falschinformationen als voreingenommener, weniger konsensbezogen, weniger akkurat und weniger vertrauenswürdig als ,Klimaskeptiker*innen‘.

Schlussfolgerungen: Welche Form sollte wissenschaftliche Bildung haben? Auf welche Inhalte kommt es an? Stephanie Jean Tsang kommt in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die Inhalte selbst nicht der entscheidende Faktor sind. Stattdessen spiele die Aufmerksamkeit, die Teilnehmende den Infografiken widmen, eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Fehlinformationen zu erkennen. 

Dabei zeigen sich Wechselwirkungen: Wie stark der Einfluss der Aufmerksamkeit ist, hängt von den Voreinstellungen der Teilnehmenden ab. Wer den Klimawandel schon vorher als Tatsache begriff, reagiert kritischer auf die Infografiken. Das lässt laut der Autorin vermuten, dass solche Interventionen am wirksamsten für Menschen sind, die die Realität des Klimawandels bereits anerkennen. ,Klimaskeptiker*innen zu erreichen, bleibe eine Herausforderung. 

Die Autorin leitet aus ihren Ergebnissen eine Reihe von Empfehlungen ab:

  • E-Learning-Inhalte zur Verbesserung von Wissenschaftskompetenz sollten so gestaltet werden, dass sie die Aufmerksamkeit der Nutzer*innen auf sich ziehen. 
  • Die bloße Präsentation von Fakten reiche nicht aus, Wissenschaftskommunikator*innen sollten einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, der auch Einstellungen und Glaubenssysteme berücksichtigt. 
  • Bildungsangebote sollten auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten sein. ,Klimagläubige‘ etwa könnten von Angeboten profitieren, die ihre bestehenden Überzeugungen bestärken und proaktive Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Inhalten gefördert wird. 

Einschränkungen: In dieser Studie wurde eine längere Verweildauer als Indikator für eine höhere Aufmerksamkeit angesehen. Mehr Zeit kann auf eine tiefere Konzentration hindeuten, aber auch auf Verwirrung, Ablenkung, langsameres Lesen oder Schwierigkeiten mit der Benutzeroberfläche widerspiegeln. Kürzere Zeiträume hingegen können auch auf eine effiziente Verarbeitung statt auf Unaufmerksamkeit hindeuten. Zukünftige Forschung sollte diese Einschränkungen berücksichtigen. Zudem gab es keine Kontrollgruppe. Es ist unklar, wie Teilnehmende die Infografiken eingeschätzt hätten, die gar keine Art von wissenschaftlicher Aufklärung bekommen hätten. 

Jean Tsang, Stephanie (2026): Attention over content: evaluating the effectiveness of science education in countering climate misinformation, International Journal of Science Education, Part B, DOI: 10.1080/21548455.2026.2613453

„Gezielt nach Bedürfnissen schauen“

Milan Skusa und Steffen Grütjen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt haben zu Leichter und Einfacher Sprache im Journalismus geforscht und mit potenziellen Nutzer*innen gesprochen. Dabei fanden sie heraus, dass lokaler und serviceorientierter Journalismus besonders geschätzt wird – und geschlechtersensible Sprache kein No-Go ist.  

Sie haben knapp 30 potenzielle Nutzer*innen Leichter und Einfacher journalistischer Angebote interviewt. Mit wem haben Sie gesprochen? 

Milan Skusa ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, wo er im Master Journalistik mit Schwerpunkt Innovation und Management studiert hat. Er war Mitglied des Forschungsprojektes „Leichte und Einfache Sprache im Journalismus“ (LESJ). Im Bachelor studierte er Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg und zur Zeit promoviert er zu Einsatzmöglichkeiten von neuronalen Sprachmodellen für Nachrichtenangebote in leicht verständlicher Sprache. Foto: privat

Milan Skusa: Wir haben mit Personen aus drei Zielgruppen gesprochen: Menschen mit kognitiven Einschränkungen; Menschen, die geflüchtet sind und Deutsch lernen und Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben gelernt haben. Darunter waren auch sogenannte Lernbotschafter*innen, die erst im Erwachsenenalter lesen und schreiben gelernt haben und als Multiplikator*innen dafür Bewusstsein schaffen. 

Die Zielgruppen von Leichter und Einfacher Sprache sind aber noch umfassender. Dazu können auch Menschen mit Demenzerkrankungen zählen. Außerdem gibt es sekundäre Zielgruppen, die nicht unbedingt auf Leichte und Einfache Sprache angewiesen sind, aber die Inhalte trotzdem rezipieren, weil sie irgendwo ausliegen oder auf Websites prominent platziert sind.

Was haben Sie zu den Anforderungen und Wünschen an Angebote in Leichter und Einfacher Sprache herausgefunden? 

Steffen Grütjen: Ein Wunsch ist, dass die Angebote auffindbarer sind, also dass diese so gestaltet sind, dass Menschen, die über Einschränkungen verfügen, leichter an die Nachrichten kommen. Das bedeutet, dass man sie über Suchmaschinen oder auf Instagram schneller findet. Wichtig ist auch, dass die Angebote so verfasst sind, dass sie nicht zu viel Wissen voraussetzen, dass Fachbegriffe erklärt werden und dass Bildmaterial passend zu den Texten gereicht wird. 

Steffen Grütjen ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Journalistik mit Schwerpunkt Innovation von Klaus Meier an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Im Forschungsprojekt „Leichte und Einfache Sprache im Journalismus“ (LESJ) war er als Projektkoordinator tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Journalismusforschung, Medienjournalismus und Leichte und Einfache Sprache im Journalismus. Er promoviert zum Leistungsprofil des Medienjournalismus in medienkritischen Debatten auf Social Media. Foto: Eva Deiler

Wir hatten in den Interviews ein Beispiel über den Gaza-Konflikt. Da war viel die Rede von Orten und Gruppen. Unsere Interviewpartner*innen haben sich gewünscht, dass eine entsprechende Karte gezeigt wird, mit einer Legende und Beschreibungen, weil sie gesagt haben: „Ich verstehe jetzt gar nicht, was ist Rafah? Was ist der Ort A oder B?“

Welche Inhalte sind besonders wichtig?

Grütjen: Ganz häufig wurde ein serviceorientierter Journalismus mit alltagsnahen Fragen gewünscht: Wie fahren die Busse und Bahnen, wenn bei mir im Ort ein Streik stattfindet? Wie funktionieren Wahlen? Wie komme ich zum Wahllokal? Wer stellt sich zur Wahl? Gerade solche Informationen werden nicht flächendeckend in Leichter oder Einfacher Sprache aufbereitet. In unseren Interviews wurde als Beispiel ein Marathon genannt, bei dem die Straßenbahnen dann wieder „kreuz und quer“ fahren, weil sie umgeleitet werden. Solche Lokalthemen sind besonders relevant. 

Wie kommen die Angebote an, die es schon gibt? 

Skusa: Die werden sehr gut angenommen – soweit sie bekannt sind. Es gibt einige große, zum Beispiel die „Tagesschau“ in Einfacher Sprache und „nachrichtenleicht“ des Deutschlandfunks. Aber es gibt auch von anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Angebote, die häufig nicht bekannt sind, weil sie irgendwo auf der Webseite versteckt sind. Teilweise gibt es die Angebote auch nur punktuell, beispielsweise zu den Bundestagswahlen. 

Grütjen: Wir empfehlen, dass Medien sich mit Fachverbänden, Lebenshilfe, Caritas und Volkshochschulen vernetzen, um auf die Angebote aufmerksam zu machen. So kann das in Behinderteneinrichtungen gezielt bekannt gemacht werden, wo man es gemeinsam schauen und anhören und darüber sprechen kann. 

In den Interviews kam auch heraus, dass WhatsApp ein beliebter Kanal ist. Sollten sich Medien auch über solche Verbreitungswege Gedanken machen?

Grütjen: Der Deutschlandfunk und der MDR machen das mit den WhatsApp-Kanälen schon. Wir finden, das ist ein sehr intuitiver, niedrigschwelliger und alltagsnaher Weg. So kann man zwischendurch im Bus oder in der Straßenbahn in die wichtigsten Meldungen des Tages gucken und muss sich nicht alles selbst zusammensuchen. Wir hatten aber auch Interviews, in denen unsere Gesprächspartner*innen ganz deutlich geschildert haben, dass das erst mal die Betreuerin oder der Betreuer einrichten müsste. 

Sie wollten auch herausfinden, wie sich geschlechtersensible Sprache mit Leichter und Einfacher vereinbaren lassen. Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen? 

Skusa: Wir haben herausgefunden, dass die Erwartungshaltung diesbezüglich sehr gemischt ist – genauso wie gesamtgesellschaftlich. Eine Person hat gesagt, dass sie sich in der Vergangenheit über Sonderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkte in Texten gewundert habe. Dann hat eine Betreuungsperson ihr das erklärt und danach wollte sie selbst wissen, wo das Sternchen auf der Tastatur ist, um es nutzen. Eine andere Person hat gesagt, sie fühle sich selbst aufgrund ihrer sprachlichen Einschränkungen ausgegrenzt und möchte nicht, dass andere Personen auch ausgegrenzt werden. Es besteht also durchaus eine Sensibilität. 

Es wäre verkürzt zu sagen, dass geschlechtersensible Sprache Texte zwangsläufig schwieriger macht – es gibt ja unterschiedliche Formen. Aber natürlich gilt es abzuwägen, inwiefern ein Wort, das vielleicht nicht so gängig ist, komplexer und schwieriger verständlich wird. Grundsätzlich ist es sinnvoll, dass man erläutert, wie etwas verwendet wird – sei es bei Fachbegriffen oder bei Sonderzeichen.

Grütjen: Aus unserer Sicht ist es nicht zielführend zu sagen: Die Frage nach Sternchen stellt sich in einfacher Sprache nicht, weil es sowieso zu komplex ist. Man sollte gezielt mit Nutzer*innen sprechen und nach den Bedürfnissen der Zielgruppen schauen. 

Grütjen, S., & Skusa, M. (2025). „Was geschrieben wird, ist manchmal wie so ein Gummiband gezogen“. Leichte und Einfache Sprache im Journalismus aus Nutzer:innenperspektive. Medien & Kommunikationswissenschaft, 73(3), 354–367. https://doi.org/10.5771/1615-634X-2025-3-354

Mehr zum Thema im Heft der Otto-Brenner-Stiftung: „Journalismus leicht verständlich. Berichterstattung für Menschen mit eingeschränkter Literalität

Positives Framing: Wie motiviert Kommunikation zum Klimaschutz?

Weniger Fleisch essen, weniger Autofahren, weniger Konsum: Klimakommunikation dreht sich häufig darum, was Menschen vermeiden sollten. Könnte es motivierender sein, zu betonen, was sich stattdessen tun ließe? Jade Radke, Sophia Guan, Elizabeth Dunn und Jiaying Zhao von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver haben das in zwei Online-Experimenten getestet. 

Methode Studie 1: Beim ersten, fünfminütigen Online-Experiment wurden die Antworten von fast 780 Personen aus den USA ausgewertet. Die Teilnehmenden wurden automatisiert zwei Gruppen zugeteilt. Beiden Gruppen wurde eine Liste von 15 Handlungsansätzen vorgelegt. In der ersten Gruppe wurden diese so formuliert, dass sich die Handlungen positiv auf die Umwelt auswirken würden („Do-more-good“, z. B. häufigere Nutzung wiederverwendbarer Produkte). In der zweiten Gruppe ging es darum, die Handlung möglichst selten auszuüben, um die Umwelt zu schützen („Do-less-bad“, z. B. seltenere Nutzung von Einwegprodukten). Die Teilnehmenden wurden anschließend gefragt, wie wahrscheinlich es auf einer Skala von 1 bis 11 sei, dass sie nach den Vorschlägen handeln würden und wie glücklich sie das machen würde. 

Auswahl an Handlungen in der „Do-more-good“- und „Do-less-bad“-Version. Abbildung: Radke et al.

Ergebnisse Studie 1: Die Wahrscheinlichkeit, die Vorschläge zu befolgen und auch das erwartete Glücksempfinden waren insgesamt in der „Do-more-good“-Gruppe höher als in der „Do-less-bad“-Gruppe. Bei einem Blick auf die einzelnen Handlungsansätze zeigten sich jedoch Unterschiede. Bei folgenden Punkten verstärkte die positive Rahmung die Motivation zum Handeln: Auswahl von Lebensmitteln, Reduzierung von Abfall, Kauf von Kleidung 

Produktnutzung, Wahlentscheidung und Unterstützung einer Reparaturpolitik. Interessanterweise war beim Thema Autofahren das Gegenteil der Fall. Hier sagten Teilnehmende eher, sie würden „weniger Kilometer fahren“ als „mit mehr Menschen im Auto fahren“. 

Bei der erwarteten Zufriedenheit schnitten die „Do-more-good“-Frames besser ab in Bezug auf Lebensmittelauswahl, Abfallreduzierung, Kleidung und Produktnutzung. Das Gegenteil traf zu beim Thema Autofahren. Generelle Unterschiede zwischen individuellen und kollektiven Handlungen fanden die Autor*innen nicht. 

Methode Studie 2: Das Experiment aus Studie 1 wurde wiederholt. Die Teilnehmenden wurden dabei zusätzlich gebeten anzugeben, wie einfach oder schwierig es für sie wäre, die jeweiligen Maßnahmen umzusetzen und ob sie eine klare Vorstellung davon hätten, wie sie diese umsetzen könnten. Hintergrund war die Annahme, dass es eventuell im Alltag leichter erscheinen könnte, klimafreundliche Handlungen einzuführen, als klimaschädliche Handlungen zu vermeiden. 

Ergebnisse Studie 2: Die Ergebnisse ähnelten grundsätzlich denjenigen aus Studie 1. Die Befragten fanden es prinzipiell nicht schwieriger, klimafreundliche Handlungen einzuführen, als klimaschädliche Handlungen zu vermeiden. Die Teilnehmenden fanden es auch gleichermaßen klar, wie sie die Handlungen in ihren Alltag integrieren könnten. 

Bei den Themen Lebensmittelauswahl, Abfallreduzierung, Kleidung und Produktnutzung erwarteten die Teilnehmenden aus der „Do-more-Good“-Gruppe eine größere Zufriedenheit und zeigten eine größere Handlungsbereitschaft als diejenigen aus der „Do-less-bad“-Gruppe. Beim Autofahren und Fliegen war die Handlungsbereitschaft in der „Do-less-bad“-Gruppe größer. Beim Autofahren war auch die erwartete Zufriedenheit in der „Do-less-bad“-Gruppe größer. 

Bei den Themen Lebensmittelauswahl, Abfallreduzierung, Umweltverhalten und Produktnutzung fanden die Teilnehmenden die vorgeschlagenen Handlungsoptionen in der „Do-more-Good“-Gruppe weniger schwierig. Das Gegenteil traf aufs Autofahren und Fliegen zu. Beim Abfallreduzieren und Umweltverhalten hatten es die Teilnehmenden in der „Do-more-Good“-Gruppe eine klarere Vorstellung davon, wie sie das im Alltag umsetzen, beim Thema Kleidung und Fliegen waren es diejenigen in der „Do-less-bad“-Gruppe. 

Schlussfolgerungen: Laut der Ergebnisse steigt die Wahrscheinlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen und die dadurch erwartete Zufriedenheit, wenn in der Kommunikation „Do-more-good“-Frames verwendet werden. Das könnte laut der Autor*innen daran liegen, dass „Do-less-bad“-Frames negative Emotionen wie Scham, Schuldgefühle, Wut und Frustration hervorrufen können. Zu sagen, dass Menschen etwas nicht tun dürfen, könne Ablehnung und gegenteilige Verhaltensweisen hervorrufen. Außerdem neigten Menschen dazu, „mehr“ auch mit „besser“ zu assoziieren. Wenn also eine zusätzliche Handlung hinzukomme, könne dies erstrebenswerter erscheinen, als etwas wegzulassen. 

Generell lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass es sinnvoll sein kann, bei bestimmten Themen in der Klimakommunikation auf „Do-more-good“-Frames zu setzen – beispielweise bei Recycling, Wiederverwertung von Kleidung, aber auch bei der Motivation zu pflanzlicher Ernährung. Die Autor*innen merken an, dass „Do-more-good“-Frames möglicherweise auch einfacher und kostengünstiger umzusetzen seien als Aufklärungskampagnen über Klimaschutzmaßnahmen. 

Dass beim Autofahren Handlungsbereitschaft und erwartete Zufriedenheit in der „Do-less-bad“-Gruppe größer waren, könnte auch mit den zur Auswahl stehenden Handlungsmöglichkeiten zusammenhängen: „weniger Auto zu fahren“ (less bad) versus „mehr Personen im Auto zu befördern“ (more good). Offensichtlich fanden es die Befragten schwieriger und nicht besonders glückversprechend, mehrere Personen zu befördern oder Fahrten zu kombinieren. 

Einschränkungen: Eine Einschränkung besteht darin, dass sich einige „Do-more-good”-Maßnahmen und die entsprechenden „Do-less-bad”-Maßnahmen nicht auf derselben Ebene bewegen. Das ist zum Beispiel beim Autofahren der Fall. Mehr Personen im Auto mitzunehmen, ist eine andere Maßnahme, als weniger Kilometer zurückzulegen. Aus einer praktischen Klimaschutzsicht wären in einigen Fällen beide Varianten wichtig: Mehr pflanzliche Nahrung muss nicht unbedingt bedeuten, dass Menschen weniger Fleisch essen, was für einer Verminderung der CO2-Emissionen aber wichtig wäre. Hier stellt sich die Frage, ob Kommunikator*innen in der Praxis tatsächlich danach entscheiden sollten, was sich leichter vermitteln lässt – sondern auch danach, was fürs Klima besonders wichtig wäre. 

Radke, J., Guan, S., Dunn, E., Zhao, J. (2026) How do-more-good frames influence climate action likelihood and anticipated happiness. Frontiers in Communication. 11:1693311. doi: 10.3389/fcomm.2026.1693311

Mehr Aktuelles aus der Forschung

Sollten Expert*innen auf Social Media lieber wissenschaftlich oder anekdotisch argumentieren? Bianca Nowak und Nicole Krämer von der Universität Duisburg-Essen haben das in einem Online-Experiment untersucht. Sie wollten dabei auch wissen, welchen Einfluss Nutzer*innenkommentare auf die Vertrauenswürdigkeit haben. Es zeigte sich: Wenn die Kommentare unter den Posts negativ-emotional waren, minderte das die Vertrauenswürdigkeit von Expert*innen – insbesondere, wenn sie persönliche Anekdoten nutzen, um die Posts zu belegen. Die Ergebnisse sprechen also dafür, sich bei emotional aufgeladenen Diskursen eher auf wissenschaftliche Beweise zu stützen.

Beispielaccounts aus der Studie von Nowak und Krämer aus der JCOM-Veröffentlichung.

War der Frühmensch “Lucy” wirklich „eine von uns“? Das 1974 in Äthiopien gefundene Skelett war damals eine Sensation. Yibeltal Temeche von der University of Gondar argumentiert, dass bei der Kommunikation wissenschaftliche Fakten emotionaler Resonanz und kommerzieller Attraktivität geopfert werden. Denn tatsächlich lebte Lucy Millionen von Jahren vor dem Homo Sapiens. Temeche plädiert dafür, die Bedeutung des Fundes zu würdigen, ohne dabei Erkenntnisse der Wissenschaft außen vor zu lassen. 

Über das Scheitern von Innovationen wird selten gesprochen. Volker Lilienthal von der Universität Hamburg hat das an einem prominenten Beispiel erforscht: dem Versuch des Axel-Springer-Konzerns, die Marke Bild um einen Fernsehsender zu erweitern. Anhand von Befragungsdaten zeichnet er nach, warum der Versuch scheiterte. Zu den Gründen zählten der plötzliche Sendestart in der Pandemie und zu wenig Personal. Weitere Gedanken zu gescheiterten Innovationen finden Sie im Interview mit dem Technikhistoriker Reinhold Bauer auf Wissenschaftskommunikation.de

Obwohl klimaskeptische Positionen in der Gesamtgesellschaft keine große Rolle spielen, sind sie auf Social Media sehr verbreitet. Das zeigt Gregor Wiedemann vom Hans-Bredow-Institut im zweiten Zusammenhaltsbericht des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Ein Ergebnis seiner Untersuchung des Klimadiskurses auf Social Media: Eine systematische Verbreitung von klimaskeptischen Positionen und Desinformation findet sich vor allem bei Accounts der AfD. In den Diskussionen der Nutzer*innen finden sich jedoch bei allen Parteien hohe Anteile von Klimaskeptizismus. 

Welche Rolle Mediennutzung und soziodemographische Faktoren für die Einstellungen gegenüber der Wissenschaft spielen, haben Forschende um Lena Zils von der Universität Münster untersucht. Dafür nutzten sie Daten des Schweizer Wissenschaftsbarometers. Es zeigte sich, dass Menschen, die über ein eher niedriges formales Bildungsniveau verfügen und religiöser sind, tendenziell weniger Vertrauen in die Wissenschaft haben. Bei der Mediennutzung zeigen sich gemischte Ergebnisse: Während einige traditionelle Medienkanäle wie das öffentlich-rechtliche Radio und das private Fernsehen das Vertrauen in die Wissenschaftsberichterstattung und die Wissenschaft offenbar förderten, waren das private Radio und das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit einem geringeren Anstieg oder sogar einem Vertrauensrückgang verbunden. Dass das Wissenschaftsbarometer Schweiz ein Frühwarnsystem sei, sagte Mike S. Schäfer von der Universität Zürich im Interview mit Wissenschaftskommunikation.de