Wie haben Erfahrungen während der Pandemie die Erwartungen von Forschenden an journalistische Berichterstattung geprägt? Was empfinden wir, wenn wir gemeinsam in den Himmel schauen? Und welchen Wandel hat die Schweizer Hochschulkommunikation in den letzten zehn Jahren durchlaufen?
Vertrauen Wissenschaftler*innen dem Journalismus? Neues aus der Forschung
In unserem monatlichen Forschungsrückblick besprechen wir aktuelle Studien zum Thema Wissenschaftskommunikation. In diesem Monat geht es um folgende Themen:
- Wie hängt das Vertrauen von Wissenschaftler*innen in journalistische Medien mit ihrer Bereitschaft zusammen, Interviews zu geben? Forschende aus Düsseldorf haben mehr als 4000 Wissenschaftler*innen befragt.
- Den Sternen so nah: Gastautor David Ohse stellt eine Studie über gemeinschaftliche Himmelsbeobachtungen vor.
- Wie hat sich die Schweizer Hochschulkommunikation in den vergangenen zehn Jahren verändert? Ein Team von der Universität Zürich hat dazu Interviews geführt.
- In der Rubrik „Mehr Aktuelles aus der Forschung“ geht es unter anderem um unerwartete Orte, Make-Up und Wut.
Nach der Pandemie: Vertrauen Wissenschaftler*innen dem Journalismus?
Dem Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft wird in der Forschung viel Aufmerksamkeit gewidmet. Aber wie sieht es andersherum aus? Frank Marcinkowski und Sarah Kohler von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben mit Hella de Haas von der Hochschule Düsseldorf untersucht, wie die Erfahrungen in der Coronapandemie das Vertrauen von Wissenschaftler*innen in den Journalismus geprägt haben.
Vertrauen verstehen die Autor*innen als Dynamik, bei der sich eine Seite darauf verlässt, dass die andere in ihrem Sinne handeln wird – ohne, dass dies kontrolliert werden kann. Wer vertraut, geht also ein Risiko ein. Das tun auch Wissenschaftler*innen, wenn sie Interviews geben und Journalist*innen über ihre Forschung berichten.
Methode: Befragt wurden 4089 Wissenschaftler*innen, die an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten. Die Teilnehmenden wurden fünf Szenarien zugeordnet, in denen verschiedene Mediengattungen im Fokus standen: 1.) Öffentlich-rechtliche Radio- oder Fernsehsender, 2.) kommerzielle Radio- oder Fernsehsender, 3.) lokale Tageszeitungen, 4.) überregionale Tageszeitungen und 4.) Boulevardzeitungen. In jedem Szenario fragte das jeweilige Medium bei den Wissenschaftler*innen für ein Interview an. Diese sollten anhand von 17 Aussagen bewerten, wie hoch ihre Erwartungen seien. Ein Beispiel lautete: „Wie zuversichtlich sind Sie, dass der*die Journalist*in … Sie zu einem Thema befragen wird, zu dem Sie geforscht haben?“ Die Antwortmöglichkeiten reichten von 1 „überhaupt nicht zuversichtlich“ bis 5 „sehr zuversichtlich“.
Die 17 Aussagen bezogen sich fünf Vertrauensdimensionen:
- Dass sich Interviews auf das eigene Fachgebiet beziehen (angemessene Themenauswahl).
- Dass das Wissen korrekt wiedergegeben wird.
- Dass aus den bereitgestellten Informationen geeignete Inhalte ausgewählt werden.
- Dass Inhalte angemessen bewertet werden (beispielsweise keine Übertreibung der Ergebnisse)
- Dass die Berichterstattungen wünschenswerte Auswirkungen in der Öffentlichkeit hat.
Die Befragten sollten außerdem anhand von zwei Fragen ihre Erfahrung mit der Berichterstattung während der Pandemie bewerten (u.a. „Die Berichterstattung der Medien über die Rolle der Wissenschaft während der COVID-19-Pandemie entsprach nicht meinen Standards”, Zustimmung auf einer Skala von 1 bis 5). Außerdem wurde ihre Bereitschaft abgefragt, allgemein und in absehbarer Zukunft journalistische Interviews zu geben.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass das Vertrauen der Wissenschaftler*innen in den Journalismus sehr begrenzt ist und je nach Medientyp variiert. Bei den meisten Vertrauensdimensionen liegen die Antworten im Durchschnitt im weniger zuversichtlichen Bereich. Das geringste Vertrauen hatten die Befragten in die angemessene Auswahl wissenschaftlicher Fakten. Auch das Vertrauen in die korrekte Wiedergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse war vergleichsweise gering. Der angemessenen Themenauswahl vertrauen die Befragten am meisten.
Ein Vergleich der Mediengattungen zeigt, dass Boulevardzeitungen in allen fünf Dimensionen am schlechtesten abschnitten – besonders in Bezug auf die „Genauigkeit der Berichterstattung“. Überregionale Zeitungen genossen das höchste Vertrauen, noch vor den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Im Mittelfeld lagen lokale Zeitungen und private Fernsehsender.
Die Unzufriedenheit mit der Berichterstattung während der Pandemie wirkte sich – vor allem indirekt über sinkendes Vertrauen – auf die Bereitschaft aus, Interviews zu geben. Bei überregionalen Zeitungen hatte die Unzufriedenheit mit der Berichterstattung einen wesentlich stärkeren negativen Einfluss auf das Vertrauen als bei Boulevardzeitungen. Das Vertrauen in Boulevardzeitungen zeigte einen wesentlich schwächeren Zusammenhang mit der Bereitschaft, als Quelle journalistischer Berichterstattung zu fungieren, als dies bei allen anderen Medien der Fall war.
Schlussfolgerungen: Dass die befragten Wissenschaftler*innen wenig Vertrauen in den Journalismus zeigten, bewerten die Autor*innen der Studie als „besorgniserregendes Ergebnis“. Denn die Studienergebnisse sprächen dafür, dass Vertrauen in Journalist*innen eine wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft von Wissenschaftler*innen ist, Interviews zu geben. Die Autor*innen fürchten, dass sich Wissenschaftler*innen aus dem öffentlichen Diskurs zurückziehen könnten, wodurch weniger Informationen aus der Wissenschaft an die Öffentlichkeit dringen würden. Darunter könne das öffentliche Vertrauen in die Wissenschaft leiden und die Empfänglichkeit für Falschinformationen steigen.
Die fünf untersuchten Vertrauensdimensionen können Journalist*innen Hinweise darauf geben, welche Erwartungen Wissenschaftler*innen an ihre Arbeit haben. Dass sich die Unzufriedenheit mit überregionalen Zeitungen und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stärker negativ auf die Bereitschaft auswirkt, Interviews zu geben, lasse sich laut der Autor*innen folgendermaßen erklären: Wenn die Erwartungen – wie bei den Boulevardmedien – bereits gering sind, zeigten Enttäuschungen eine geringere Wirkung. Das könnte auch darauf hindeuten, dass Qualitätsmedien wie überregionale Zeitungen einen hohen Einfluss auf das Vertrauen potenzieller Interviewpartner*innen haben.
Einschränkungen: Die Studie basiert auf Daten aus Deutschland, bezieht sich also auf einen spezifischen kulturellen und politischen Kontext. Die Daten lassen keine Aussage darüber zu, inwieweit die Ergebnisse nur eine durch die Pandemie beeinflusste Momentaufnahme darstellen. Kausale Zusammenhänge können nicht hergestellt werden. Zudem sind die Fragen nach den Erfahrungen in der Pandemie negativ formuliert, was das Antwortverhalten beeinflusst haben könnte.
Marcinkowski, F., de Haas, H., Kohler, S. (2026). Trust undone: How COVID-19 coverage shaped scientists’ trust in journalism and their willingness to engage with the media. Public Understanding of Science, 0(0).
Tipp aus der Forschung: Sterne zum Staunen
In dieser Rubrik stellen Gastautor*innen Forschungsergebnisse vor, die sie besonders interessiert, inspiriert oder schockiert haben. In dieser Ausgabe: Der Astrophysiker und Wissenschaftskommunikator David Ohse ist über eine Studie gestolpert, in der Emotionen bei gemeinsamen Himmelsbeobachtungen untersucht wurden.
Warum fand ich die Studie lesenswert?

Vor vielen Jahren durfte ich als Austauschschüler am Rande der Pyrenäen zum ersten Mal durch ein Teleskop in den Sternenhimmel schauen. Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geprägt. Nun freue ich mich als studierter Astrophysiker auf den Tag der Astronomie am 28. März, den viele Vereine, Sternwarten und Forschungseinrichtungen gemeinsam gestalten. Außerdem bin ich gespannt auf die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026. Diese Studie liefert praktische Hinweise für diejenigen, die Menschen bei nächtlichen Himmelsbeobachtungen anleiten. Durch gute Vorbereitung können sie frustrierende Momente vermeiden und die positiven Gefühle mit Affirmationen verstärken. Lasst uns in diesem besonderen Setting an die starken Emotionen anknüpfen und gemeinsam über die Fragilität unseres Planeten reflektieren.
Worum geht es?
Welche Emotionen äußern Menschen, die unter kundiger Anleitung nachts durch ein Teleskop den Mond, Planeten, Galaxien oder andere Himmelsobjekte beobachten? Die Autor*innen Joana B. V. Marques vom Institute of Astrophysics and Space Sciences in Portugal und Andrew P. Carlin von der Ulster University haben einen Ansatz aus der Ethnografischen Conversationsanalyse (EMCA) genutzt, um Emotionsausdrücke in Videoaufzeichnungen von solchen Himmelsbeobachtungen zu analysieren. In ihrer Studie haben sie die Komplexität und Bedeutung von Emotionen bei astronomischen Beobachtungen herausgearbeitet. Wer selbst ehrenamtlich oder hauptamtlich astronomische Himmelsbeobachtungen anleitet, kennt die analysierten Emotionen nur allzu gut und kann sie mithilfe der Studienergebnisse einordnen.
Was sind die Ergebnisse?
Anhand des Videomaterials und den Transkripten lassen sich die Emotionen nach unterschiedlichen Gesichtspunkten charakterisieren: Kam die Emotion vor, während oder nach dem Blick durch das Teleskop zum Ausdruck? Was hat die Emotion hervorgerufen? Welche Form (verbal oder non-verbal) hatte die Gefühlsäußerung und in welcher Rolle haben die Menschen die Emotion ausgedrückt? Während der Himmelsbeobachtungen haben die Nicht-Fachleute vielfach Staunen, Ehrfurcht, Freude und Enthusiasmus geäußert, aber teilweise auch Zweifel, Verwirrung oder Frustration beim Bedienen des Teleskops. Die Studie zeigt auf, wie sich Himmelsbeobachtungen als emotionale Gruppenaktivität entfalten: von der Vorfreude zu spontanen Ausrufen bis hin zu besinnlichen Momenten.
Welche Einschränkungen gibt es?
Die Studie analysiert Videomaterial von 19 astronomischen Beobachtungen in Portugal mit insgesamt über 800 Personen. Trotz der kleinen Stichprobe lassen sich die Ergebnisse meines Erachtens verallgemeinern, oder zumindest auf den deutschsprachigen Raum übertragen. Bei uns hier ist es nachts oft kälter, aber der Sternenhimmel und die Emotionen sind wohl fast die gleichen. Der ethnomethodologische Ansatz beschränkt sich naturgemäß auf sichtbare und hörbare Gefühlsausdrücke. Ein ergänzendes Studiendesign – beispielsweise mit Befragungen – könnte vielleicht noch Emotionen erfassen, die nicht unmittelbar zum Ausdruck kommen. Denn ähnlich wie in der Astronomie liegt in der Gefühlswelt noch vieles im Dunkeln.
Marques, J. B. V., Carlin, A. P. (2025). Wonder and Disappointment observing the sky: How emotions shape astronomy communication interactions JCOM 24(06), A03. https://doi.org/10.22323/154020250918221515
Diversifizierung und Professionalisierung: Wandel der Schweizer Hochschulkommunikation
Hochschulkommunikation fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie wird vom Wandel der Hochschullandschaft, dem Mediensystem und anderen Entwicklungen beeinflusst. Wie sich das Berufsfeld in den vergangenen zehn Jahren in der Schweiz verändert hat, haben Isabel Sörensen, Sophia Charlotte Volk, Silke Fürst, Mike S. Schäfer und Daniel Vogler von der Universität Zürich untersucht.
Ergebnisse: Die Studie zeigt erheblichen Wandel in der Hochschulkommunikation im letzten Jahrzehnt. Als stärkster Trend wurde eine Diversifizierung wahrgenommen, gefolgt von Professionalisierung und Intensivierung. Eine verstärkte strategische Ausrichtung war am wenigsten ausgeprägt.
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- Diversifizierung zeigt sich in einer größeren Anzahl digitaler Kanäle bei gleichzeitigem Rückgang von Printpublikationen sowie in der wachsenden Bedeutung interner Stakeholder (u.a. Mitarbeitende, externe Dozierende und der Hochschulrat), Studieninteressierter und Politiker*innen.
- Vor allem Studierende gewannen als Zielgruppe und als Absender*innen von Hochschulkommunikation an Bedeutung – auch, weil die Konkurrenz um Studierende gestiegen ist.
- Journalistische Medien wurden häufig als wichtige externe Stakeholder genannt, aber der Umfang und Art und Weise der Medienarbeit unterschieden sich erheblich. Die „Krise des Journalismus“ wurde als Teil der Veränderung im Medienumfeld benannt.
- Digitale Kanäle trugen wesentlich dazu bei, dass sich die Pressestellen der Universitäten, die früher hauptsächlich für die Pressearbeit zuständig waren, zu breiter aufgestellten Kommunikationsabteilungen entwickelten. Auch Werbung (z.B. über Google) hat enorm an Bedeutung gewonnen.
- Die Pressearbeit ist an einigen Universitäten proaktiver und wesentlich schneller geworden. Skandale, die journalistisch aufgegriffen wurden, führten an einigen Universitäten dazu, Kommunikationsaktivitäten zu verstärken.
- Diversifizierung zeigt sich in einer größeren Anzahl digitaler Kanäle bei gleichzeitigem Rückgang von Printpublikationen sowie in der wachsenden Bedeutung interner Stakeholder (u.a. Mitarbeitende, externe Dozierende und der Hochschulrat), Studieninteressierter und Politiker*innen.
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- Die Ergebnisse deuten auch auf eine ausgeprägte Professionalisierung der Kommunikationsabteilungen hin – was die formale Ausbildung der Mitarbeitenden, die Berufserfahrung, die Vernetzung in Verbänden und die eigene dienstleistungsorientierte Rollenauffassung angeht.
- Während vor einem Jahrzehnt viele Mitarbeitende einen journalistischen Hintergrund hatten und eine kritische wissenschaftsjournalistische Haltung einnahmen, wachse das serviceorientierte Verständnis im Sinne einer Unternehmens- oder institutionellen Kommunikation.
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- In mehr als der Hälfte der Universitäten wurde die Kommunikationsabteilung kürzlich umstrukturiert – d. h. es wurden spezialisiertere oder völlig neue Einheiten wie Marketing, Veranstaltungen Grafik oder Videoproduktion geschaffen.
- Die Ergebnisse deuten auch auf eine ausgeprägte Professionalisierung der Kommunikationsabteilungen hin – was die formale Ausbildung der Mitarbeitenden, die Berufserfahrung, die Vernetzung in Verbänden und die eigene dienstleistungsorientierte Rollenauffassung angeht.
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- Vor allem Kommunikationsfachleute berichteten von einer Intensivierung der Arbeit durch größeren Umfang der Arbeit und mehr Aufgaben.
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- Alle Kommunikationsabteilungen waren in den letzten 15 Jahren erheblich gewachsen. Einige gaben an, dass sie Budgets kürzen mussten, während teilweise an denselben Hochschulen die Leitungen von Erhöhungen des Budgets sprachen. Auch schätzten die Leitungen an mehreren Universitäten die Zahl der Mitarbeitenden in den Kommunikationsabteilungen höher ein als die Kommunikator*innen.
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- Vor allem Kommunikationsfachleute berichteten von einer Intensivierung der Arbeit durch größeren Umfang der Arbeit und mehr Aufgaben.
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- Einige Kommunikationsfachleute berichteten, dass die Hochschulkommunikation in den letzten Jahren strategischer ausgerichtet worden sei und an Einfluss auf strategische Entscheidungen der Hochschule gewonnen habe. Hier gab es jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Hochschulen.
Die Ergebnisse zeigen auch Unterschiede zwischen den vier Clustern, insbesondere zwischen den „Minimalist*innen“ und den „Professionellen Allroundern“. Erstere adaptierten neue digitale Kanäle langsamer und wiesen eine geringere Diversifizierung der Stakeholder sowie weniger Fortschritte in der strategischen Ausrichtung auf. Professionelle Allrounder berichteten von deutlichen Veränderungen, darunter eine stärkere Ausrichtung der Kommunikations- und Universitätsziele sowie eine zunehmende Professionalisierung.
Zwischen Forschungsuniversitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen zeigen sich kleine Unterschiede. An Fachhochschulen scheinen die Kommunikationsfachleute beispielsweise über eine stärkere Servicementalität und Marketingperspektive zu verfügen. An Forschungsuniversitäten spielen die Medien eine größere Rolle.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen eine Entwicklung von kleineren, auf Medienarbeit fokussierten Pressestellen hin zu professionellen und diversifizierten Abteilungen. Diversifizierung – unter anderem von Kanälen – ist die ausgeprägteste der vier Veränderungen. Die Ergebnisse deuten aber auch auf eine Konsolidierung hin – insofern, als dass sich einige Universitäten auf die relevantesten digitalen Kanäle konzentrieren und andere verwerfen. Während die Anzahl von Mitarbeitenden und die Produktivität steigen, sind die Budgets der Kommunikationsabteilungen an den meisten untersuchten Universitäten stagniert.
Die vier beschriebenen Trends wurden unabhängig voneinander untersucht, sind aber miteinander verknüpft. So führte die zunehmende Bedeutung sozialer Medien zur Nutzung neuer Kanäle und zugeschnittener Inhalte (Diversifizierung), zu mehr Leistung und einem höheren Arbeitstempo (Intensivierung). Dies erfordert neue Kompetenzen (z. B. für Videoproduktion) und führt zu Umstrukturierungen und Professionalisierung.
Die Gründe für den Wandel waren häufig mit externen Veränderungen und Belastungen außerhalb der Kommunikationsabteilungen verbunden und lassen sich laut der Autor*innen in vier verschiedene Faktoren gliedern: Krisensituationen (z. B. Finanzkrisen, Medienskandale, Coronapandemie; Veränderungen im Medien- und Technologieumfeld (z. B. neue Social-Media-Plattformen, Rückgang des Wissenschaftsjournalismus), Veränderungen im Hochschulsystem (z. B. mehr Wettbewerb und marktorientierte Kommunikation); Veränderungen in der Universitätsleitung (z. B. Ernennung neuer Rektor*innen).
Einschränkungen: Eine Einschränkung ist, dass nur Hochschulen in der Schweiz untersucht wurden. Die Reflexionen und Erinnerungen der Befragten können durch subjektive Verzerrungen geprägt sein.
Sörensen, I., Volk, S. C., Fürst, S., Schäfer, M. S. and Vogler, D. (2026). “‘Everything has changed”: a qualitative study of trends in university communication over the past decade’. JCOM 25(01), A07. https://doi.org/10.22323/149020251226061004
Mehr Aktuelles aus der Forschung
Es gibt Orte, an denen man Wissenschaftskommunikation erwartet – wie etwa Hochschulen und Museen. Eine Sonderausgabe des Journal of Science Communication widmet sich stattdessen “unerwarteten Orten“. Amanda Jane Mathieson und Joseph Roche vom Trinity College Dublin haben mit Edward Duca von der University of Malta beispielsweise einen Beitrag zu Escape-Rooms geschrieben, die Besucher*innen für Klimawissenschaften begeistern sollen. Ricardo Morais und Clara Eloïse Fernandes untersuchen, wie TikTok für wissenschaftliche Inhalte genutzt werden kann und zeigen, dass einige Creator*innen in Gefahr laufen, Fehlinformationen zu verbreiten. Uttaran Dutta konzentriert sich auf marginalisierte Stimmen in ländlichen Regionen Indiens und hebt die Notwendigkeit eines kultursensiblen und dialogischen Ansatzes hervor.
Wie berichten unterschiedliche Medien über den Klimawandel? Forscher*innen um Jay Barchas-Lichtenstein von der wissenschaftlichen Organisation Knology in den USA haben herausgefunden, dass indigener Journalismus in den USA im Vergleich eher positive Wirkungen von Lösungsvorschlägen beleuchtet und nicht nur Schäden, die dadurch verhindert werden sollen. Es würden eher ganzheitliche Lösungen behandelt und auch Klimawandel-Betroffene in den Fokus gestellt. Die Autor*innen diskutieren, wie solche Ansätze auch in andere journalistische Medien einbezogen werden könnten.
Welche Rolle spielt Make-up in der Wissenschaftskommunikation? Die Wissenschaftskommunikatorin Magaret Sivapragasam und Clare Wilkinson von der UWE Bristol haben mit Frauen auf verschiedenen Karrierestufen darüber gesprochen, wie das Aussehen strategisch angepasst wird, um Erwartungen an Glaubwürdigkeit, Autorität und Professionalität zu erfüllen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Make-up das Selbstvertrauen stärken und die professionelle Selbstdarstellung unterstützen kann, gleichzeitig aber geschlechtsspezifische Normen verstärkt.
Mit welchen Schwierigkeiten haben brasilianische Journalist*innen zu kämpfen, die über sozial-ökologische Themen berichten? Claudia Sarmento vom King’s College London hat dazu Interviews geführt. Als Schwierigkeiten benannten die Umweltjournalist*innen gezielte Desinformationskampagnen und Feindseligkeit im digitalen Raum. Zu ihren Strategien zählen investigative Berichterstattung, einfühlsames Storytelling und die Verwendung zugänglicher Sprache.
Wut ist eines der Gefühle, die während der Covid-19-Pandemie oft zu spüren waren. Trotz ihres Potenzials, Menschen zum Handeln zu bewegen, sei sie ein bisher wenig erforschtes Konzept, schreibt ein Team von Forschenden um Yoo Jung Oh von der Michigan State University. Die Autor*innen haben in einer Umfrage in den USA zum Beginn der Pandemie festgestellt, dass Wut gegenüber dem Virus mit stärkerer Mediennutzung in Verbindung stand, was wiederum mit erhöhter Impfbereitschaft zu tun hatte. Ergebnisse einer zweiten Umfrage deuteten darauf hin, dass vor allem die Nutzung traditioneller Medien eine Rolle für den Zusammenhang zwischen Wut und Impfbereitschaft spielen könnte – obwohl soziale Medien zu Beginn viel genutzt wurden, um sich übers Impfen zu informieren.
Marques, J. B. V. and Carlin, A. P. (2025). Wonder and Disappointment observing the sky: How emotions shape astronomy communication interactions JCOM 24(06), A03. https://doi.org/10.22323/154020250918221515