Bild: Freepik

Verschwörungen zur Energiewende: Neues aus der Forschung

Wie kommunizieren Wissenschaftler*innen Unsicherheiten? Hängt Verschwörungsglaube zur Energiewende mit dem Medienkonsum zusammen? Und was sagt die Forschung zur Kommunikation von EU-Projekten?

In unserem monatlichen Forschungsrückblick besprechen wir aktuelle Studien zum Thema Wissenschaftskommunikation. In diesem Monat geht es um folgende Themen:

Welche Herausforderungen birgt die Kommunikation von Unsicherheiten?

Unsicherheiten sind ein zentraler Bestandteil von Wissenschaft. Für die Kommunikation kann das herausfordernd sein – besonders in Kontexten, in denen einfache und eindeutige Ergebnisse erwünscht sind. Wie gehen Wissenschaftler*innen damit in der Praxis um? Dazu haben Claire Roney und Sophie Lecheler von der Universität Wien zusammen mit Jana Laura Egelhofer von der LMU München Interviews geführt. Ihre Ergebnisse hat das Fachjournal Humanities and Social Sciences Communications in einer vorläufigen Version veröffentlicht.

Methode: Die Studie stützt sich auf Interviews mit 28 Forschenden aus Österreich, die in den Bereichen Natur-, Computer-, Sozial-, Verhaltens- oder Geisteswissenschaften arbeiten und selbst kommunizieren. Die Interviews wurden zwischen September 2024 und Februar 2025 persönlich (22) oder digital über Zoom (6) geführt. Die Forschenden wurden nach ihrer Definition von Unsicherheit befragt, nach ihren Erfahrungen bei der Vermittlung von Unsicherheit gegenüber anderen Wissenschaftler*innen, Medien und der Öffentlichkeit sowie nach den Herausforderungen, die Unsicherheiten für Wissenschaftler*innen anderer Disziplinen darstellten. Die Interviews wurden automatisiert transkribiert und mit der Software MAXQDA inhaltsanalytisch nach Mayring analysiert.

Die Autorinnen unterscheiden nach Gustafson und Rice1zwischen vier Dimensionen von Unsicherheit:

  1. „Wissenschaftliche Unsicherheit“ als Oberbegriff für den ungewissen Charakter der Wissenschaft.
  2. „Bekannte Unbekannte“ der Wissenschaft, einschließlich Wissenslücken, Limitationen von Studien und der Zugänglichkeit von Daten (auch als „defizitäre“ Unsicherheiten bezeichnet).
  3. „Technische Unsicherheit“, wozu Einschränkungen quantitativer Ergebnisse wie Wahrscheinlichkeiten und Standardmessfehler gehören.
  4. „Konsensunsicherheit“, die sich auf Uneinigkeit oder Kontroversen zwischen Wissenschaftler*innen bezieht.

Ergebnisse: Die befragten Wissenschaftler*innen beschrieben die Vermittlung von Unsicherheiten an verschiedene Zielgruppen als „Übersetzungsarbeit“. Sie sagten, dass Unsicherheiten Neugier und Interesse wecken können. Gleichzeitig wurde ihre Kommunikation aus folgenden Gründen als Herausforderung empfunden:

  1. Unsicherheiten seien schwierig zu begreifen, selbst für andere Wissenschaftler*innen. Es sei nicht leicht, fachspezifische Begriffe verständlich zu übersetzen.
  2. Unsicherheiten seien sowohl im gesellschaftlichen, wissenschaftlichen als auch im medialen Kontext unerwünscht, da Erfolgsgeschichten bevorzugt würden. Im Umgang mit Medien machten Wissenschaftler*innen die Erfahrung, dass Journalist*innen klare Aussagen und Lösungen wünschten, was besonders während der Coronapandemie deutlich geworden sei. Teilweise schienen die Befragten frustriert darüber, dass es in den Medien immer weniger Raum gäbe, um die eigene Forschung zu erklären.
  3. Drittens erlebten oder beobachteten die Teilnehmenden, dass die Kommunikation von Unsicherheiten in politisierten Umfeldern gefährlich sein kann. Daraus erwächst der Zwiespalt, da sich die Teilnehmenden einerseits in der Verantwortung sehen, Unsicherheiten transparent zu kommunizieren und andererseits fürchten, dass diese falsch interpretiert und ausgenutzt werden könnten. Das führt dazu, dass Forschende teilweise Gewissheiten unterstreichen – auf Kosten der Erläuterung von Unsicherheiten.

Wissenschaftler verstanden Unsicherheit weitgehend in Übereinstimmung mit den vier erläuterten Dimensionen. Vor allem wurde Unsicherheit in Zusammenhang mit quantitativer empirischer Forschung und statistischer Analyse sowie unzureichenden oder unvollständigen Daten definiert (das entspricht „technischen“ und „defizitären“ Unsicherheiten). Auch Konsensunsicherheiten wurden genannt. Es zeigte sich auch, dass die verschiedenen Dimensionen in der Kommunikationspraxis miteinander verschmelzen.

Teilnehmende aus den Natur- und Computerwissenschaften verstanden Unsicherheiten vor allem im Sinne der „technischen“ Dimension, während Forschende aus den Sozial- und Geisteswissenschaften stärkere Bezüge zu den anderen Dimensionen sahen. Die Kompetenz der Öffentlichkeit, was das Verständnis von technischen Unsicherheiten angeht, wurde als gering eingeschätzt. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Sozial-und Geisteswissenschaftler*innen Natur-und Computerwissenschaftler*innen kein ausreichendes Verständnis dafür zuschreiben, welche Rolle Unsicherheiten in Sozial-und Geisteswissenschaften spielen.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, dass Wissenschaftler*innen die Kommunikation von Unsicherheit als komplexe Aufgabe wahrnehmen, die auch unerwünschte Folgen haben kann. Wissenschaftler*innen scheinen motiviert zu sein, Unsicherheiten zu kommunizieren, stützen sich dabei aber weiterhin auf das Defizitmodell der Wissenschaftskommunikation.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass befürchtete Fehlinterpretationen und Bedrohungen eine immer größere Rolle bei der Entscheidung spielen, in welchem ​​Umfang Unsicherheiten vermittelt werden. Die Autorinnen sehen Forschungsbedarf in Bezug auf die Wahrnehmung von Bedrohungen und Anfeindungen im Zusammenhang mit der Kommunikation von Unsicherheiten.

Sie schlagen außerdem vor, dass Wissenschaftler*innen – zum Beispiel in Schulungen – mit Forschungsergebnissen vertraut gemacht werden könnten, die zeigen, dass die Kommunikation von Unsicherheiten nicht unbedingt nachteilige Wirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung hat, sondern mitunter sogar positive.

Einschränkungen: Die Studie beschränkt sich auf Österreich, was die Übertragbarkeit auf andere Kontexte beeinträchtigt. Bei der qualitativen Analyse werden ausgesuchte Aspekte stärker in den Vordergrund gerückt als andere.

Roney, C., Egelhofer, J.L., Lecheler, S. (2026) The “bread and butter” of science: understanding how scientists communicate uncertainties. Humanities and Social Sciences Communication. https://doi.org/10.1057/s41599-026-07026-0

Tipp aus der Forschung: Kommunikation von EU-Projekten

In dieser Rubrik stellen Gastautor*innen Forschungsergebnisse vor, die sie besonders interessiert oder inspiriert. In dieser Ausgabe: Der Wissenschaftskommunikator Daniel Hölle hat eine Studie gefunden, die sehr nah an seiner eigenen Arbeitspraxis ist.

Daniel Hölle ist Wissenschaftskommunikator, Moderator und Podcaster. Der promovierte Neuropsychologe arbeitet beim European Science Communication Institute.

Warum fand ich die Studie lesenswert?

Ich habe zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, eine wissenschaftliche Studie zu lesen, die meinen Job, die Kommunikation von EU-Forschungsprojekten, unter die Lupe nimmt. Und was für eine fantastische Analyse das ist! Der Autor, Luis Arboledas-Lérida von der Adam-Mickiewicz-Universität in Polen, erfasst die projektbasierte Wissenschaftskommunikation sehr treffend. In vielen Zitaten konnte ich meinen Arbeitsalltag wiederfinden und sogar besser verstehen, zum Beispiel das starke Team-Gefühl in den Projekten („I always really found it very admiring how these people [could] work together towards a common goal“) oder dass viele Nicht-Expert*innen eine starke Meinung zu Kommunikation („Everybody is an expert in communication“) haben.

Worum geht es?

Luis führte 26 semi-strukturierte Interviews mit Kommunikator*innen von EU-Projekten. Dabei konzentrierte er sich auf folgende Fragen in Bezug auf Wissenschaftskommunikation: Was sind die Chancen? Was sind die Herausforderungen? Wie werden der Impact und die momentanen Praktiken wahrgenommen?

Was sind die Ergebnisse?

Der für mich zentralste Punkt, der in meiner Praxis genauso stattfindet: Die Beziehung zwischen Kommunikator*innen und Wissenschaftler*innen ist asymmetrisch. Forschung kann ohne Kommunikation funktionieren, aber Kommunikation braucht den Kontakt zur Forschung. Konkret bedeutet das für die Projekte, dass der Erfolg der Kommunikation sehr stark vom jeweiligen Konsortium abhängt und wie sehr die Projektpartner*innen die Kommunikation priorisieren. Manchmal ist die Hauptaufgabe der Kommunikator*innen nicht die Zielgruppen außerhalb des Projekts zu erreichen, sondern die Partner*innen im Projekt.

Welche Einschränkungen gibt es?

Die kleine Stichprobe spiegelt nicht die volle Diversität von projektbasierter Kommunikation in Europa wider. Auch die strukturellen Faktoren, die Wissenschaftskommunikation begünstigen oder einschränken, wurden nicht im Detail erfasst. Dennoch bieten die Ergebnisse einen sehr guten Einblick in die Realität vieler Kommunikator*innen.

Arboledas-Lérida, L. (2026). The communication of science within the framework of European Union-funded research projects: Exploring practitioners’ experiences and perceptions. Public Understanding of Science, 0(0). https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/09636625261433895

Wie verbreitet ist Verschwörungsglaube zur Energiewende?

Die Energiewende wird als ein Schlüssel zur Eindämmung des Klimawandels verstanden. Ob sie gelingen kann, hängt auch von der Unterstützung der Bevölkerung ab. Ablehnende Haltungen können beispielsweise durch Falschinformationen und Verschwörungsmythen verstärkt werden. Deshalb haben Dorothee Arlt und Christina Schumann von der Technischen Universität Ilmenau untersucht, wie verbreitet in Deutschland Verschwörungsglaube in Bezug auf die Energiewende ist. Dabei wollten sie auch herausfinden, ob es einen Zusammenhang mit der Mediennutzung gibt. 

Methode: Die Forscherinnen nutzten Daten aus vier Erhebungswellen einer bundesweiten Panelbefragung, die zwischen 2023 und 2024 im Rahmen des Forschungsprojekts „Wissenschaftskommunikation Energiewende“ in Deutschland erhoben wurden. Bei der Stichprobe wurden Quoten in Bezug auf Geschlecht, Alter und Bildung berücksichtigt. Die Befragten waren deutschsprachige Internetnutzer*innen zwischen 16 und 65 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland. An der ersten Welle vom 9. bis 29. Juni 2023 nahmen 2.701 Personen teil, an der zweiten 1.843, an der dritten 1.435 und an der vierten 1.064. Die Befragungen wurden im Abstand von sechs Monaten durchgeführt.

Der Hang zum Verschwörungsglauben wurde anhand von vier Aussagen gemessen, bei denen die Befragten angeben sollten, wie sehr sie diesen zustimmen – darunter: „Es gibt Risiken im Zusammenhang mit der Energiewende, über die die Öffentlichkeit niemals informiert wird.“ Die anderen Aussagen bezogen sich auf „einflussreiche politische Kreise“, die durch die Energiewende „lediglich ihre eigenen Interessen verfolgen“, „politische Intrigen“ und „verdeckte Organisationen, die einen großen Einfluss auf die Energiewende ausüben“. Die Befragten sollten auch angeben, wie oft sie sechs unterschiedliche Medientypen nutzen, darunter vier traditionelle Medientypen einschließlich ihrer Online-Angebote (öffentlich-rechtliches Fernsehen, privates Fernsehen, überregionale Zeitungen und Boulevardzeitungen), soziale Netzwerke sowie alternative Medienangebote.

Ziel der Autorinnen war zu untersuchen, inwiefern es im Laufe der Zeit zu Veränderungen bei einzelnen Personen kam und welche gleichbleibenden Unterschiede es zwischen Personen gab. Dazu nutzten sie „Random Intercept Cross-Lagged Panel Models“ (RI-CLPMs), also statistische Modelle, mit denen sich bei Paneldaten auf wechselseitige Einflüsse zwischen Variablen untersuchen lassen – in diesem Fall Verschwörungsglauben und Medienkonsum.

Ergebnisse: Besonders hoch war die Zustimmung zu den Aussagen, dass es einflussreiche politische Kreise gebe, die mit der Energiewende lediglich ihre eigenen Interessen verfolgen (zwischen 49 Prozent im Juni 2023 und 43 Prozent im Dezember 2024), sowie dazu, dass mit der Energiewende Risiken verbunden seien, über die die Öffentlichkeit niemals informiert wird (Zustimmung zwischen 47 Prozent und 41 Prozent). Etwas geringer war die Zustimmung zu der Vorstellung, dass die Energiewende durch politische Intrigen vorangetrieben werde (ca. 35 bis 37 Prozent). Bei der Aussage, dass es verdeckt agierende Organisationen gebe, die Einfluss auf die Energiewende nehmen, lag die Zustimmung zwischen 27 und 32 Prozent.

Es zeigte sich, dass der Hang zum Verschwörungsglauben und die Mediennutzung relativ stabil waren. Personen, die sich häufiger über öffentlich-rechtliche Fernsehsender informieren, glaubten im Durchschnitt weniger an Verschwörungsmythen zur Energiewende. Auch Personen, die häufiger überregionale Zeitungen lasen, glaubten eher weniger an Verschwörungsmythen. Personen, die häufiger soziale Medien nutzen, zeigten hingegen einen stärkeren Glauben an Verschwörungsmythen. Die Rezeption alternativer Medien wies insgesamt die stärksten Zusammenhänge mit Verschwörungsglauben zur Energiewende auf. Auch diejenigen, die häufiger Privatfernsehen schauten und Boulevardzeitungen lasen, glaubten eher an die Verschwörungsideen, wobei der Zusammenhang bei Boulevardzeitungen noch stärker war.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Veränderungen im Medienkonsum bei einzelnen Personen nicht zu Veränderungen bei ihrem Verschwörungsglauben führten. Auch führten andersherum Veränderungen im Verschwörungsglauben nicht zu Veränderungen im Medienkonsum. Die einzige Ausnahme bildeten überregionale Zeitungen: Konsumierten Personen diese Medien stärker (oder weniger) als in einer vorherigen Befragungswelle, verringerte (beziehungsweise verstärkte) sich ihr Verschwörungsglaube. Andersherum verstärkte (beziehungsweise senkte) eine Zunahme (Abnahme) des Verschwörungsglaubens den Konsum von überregionalen Zeitungen. Dieses Muster bezeichnen die Autorinnen als Feedbackschleife.

Schlussfolgerungen: Verschwörungsglaube zur Energiewende ist in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet. Dieses Ergebnis bewerten die Autorinnen in Hinblick auf das Ziel, die Energiewende voranzutreiben, als alarmierend. Überraschend sei, dass das Lesen von Boulevardzeitungen einen stärkeren Effekt auf den Verschwörungsglauben hatte, als es vorherige Studienergebnisse vermuten ließen. Eine mögliche Erklärung sehen die Autorinnen in dem Einfluss der BILD-Zeitung, die unter anderem in der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz eine zentrale Rolle spielte und dieses „Heizungshammer“ bezeichnete.

Dass es bei einzelnen Befragten hinsichtlich ihres Medienkonsums und ihres Verschwörungsglaubens in Bezug auf die Energiewende nur wenige Veränderungen gab, deutet laut der Autorinnen darauf hin, dass sich Effekte der Mediennutzung tendenziell früh im Leben einstellten. Gewöhnten sich Menschen früh daran, sich vorwiegend auf soziale und alternative Medien sowie minderwertige Quellen zu stützen, könne dies mit verschwörungstheoretischem Denken einhergehen. Wer hingehen an hochwertige Medienangebote gewöhnt sei, zeige sich möglicherweise widerstandsfähiger gegenüber solchen Denkweisen. Das unterstreiche die Bedeutung früher Medienkompetenz-Förderung.

Sich gegenseitig verstärkende Dynamiken im Sinne von Feedbackschleifen fanden die Autorinnen kaum. Auch das deutet auf relativ stabile Verhaltensweisen und Einstellungen hin. Als überraschend bewerten die Autorinnen hierbei, dass die einzige Ausnahme die Nutzung überregionaler Tageszeitungen darstellte und nicht etwa soziale und alternative Medien, wo es zu erwarten gewesen wäre. Die Autorinnen interpretieren diese Ergebnisse so, dass auch „traditionelle“ Medien unter bestimmten Bedingungen Verschwörungsglauben verstärken können – beispielsweise, indem sie über solche Ideen berichten und sie in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter machen.

Einschränkungen: Möglicherweise sind Personen, die Institutionen und Umfrageinstituten, skeptisch gegenüberstehen, über solche Panels schwer zu erreichen. Eine mögliche Alternative wäre ein Mixed-Methods-Ansatz, der verschiedene Rekrutierungsstrategien kombiniert und Menschen auch über Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Reddit anspricht, schlagen die Autorinnen vor.

Arlt, D., Schumann, C. (2026) Exploring the longitudinal relationship between media use and conspiracy beliefs about the energy transition: Results from a 4-wave panel study. Front. Commun. 11:1782842. doi: 10.3389/fcomm.2026.1782842

Mehr Aktuelles aus der Forschung

Wie verzerren künstlich generierte Bilder visuelle Vorstellungen? Ein Forschungsteam um Zituo Wang von der University of Southern California hat anhand von 9.600 Bildern, generiert von den vier Modellen GPT-4o, Llama 3, Wanx2.0 und Wenxin 3.5, rassistische Verzerrungen in beruflichen Kontexten untersucht. Das Ergebnis: Weiße Personen sind bei den meisten Modellen überrepräsentiert, sie nehmen häufiger dominante Positionen ein und stärken eine durch Weiße geprägte Wissens- und Machtordnung. Auch die chinesischen Modelle generieren einen erheblichen Anteil weißer Individuen. Dies deute auf die Asymmetrien hin, die in Trainingsdaten enthalten sind, schreiben die Forschenden.

Beispiel der generierten und untersuchten Bilder: Ein Bodyguard wird durch das Sprachmodell ohne weitere Anweisungen als schwarzer Mann visualisiert. Abbildung: Wang et al.

In der Kommunikation von Forschungsergebnissen werden häufig generische, also nicht-quantifizierte Aussagen genutzt („Dieses Medikament reduziert die Anfälligkeit für XY“). Sprachmodelle wie ChatGPT übernehmen diesen Stil oft. Forschende um Uwe Peters von der Utrecht University haben untersucht, wie Lai*innen, Wissenschaftler*innen und die beiden Sprachmodelle ChatGPT-5 und DeepSeek solche generischen Aussagen interpretieren. Im Vergleich zu Wissenschaftler*innen empfanden Lai*innen diese meist als allgemeingültiger und glaubwürdiger. Die Sprachmodelle verallgemeinerten die Ergebnisse noch mehr. Darin sehen die Forschenden Risiken für die Wissenschaftskommunikation und raten, der Sprache von Wissenschaftler*innen und deren Interpretation durch Sprachmodelle mehr Aufmerksamkeit zu schenken. 

Sprachmodelle, die Dritte: Noushin Mohammadian und Omid Fatahi Valilai von der Constructor University in Bremen zeigen in einer Studie, wie Sprachmodelle menschliche Influencer*innen bei Social-Media-Kampagnen im Umweltbereich unterstützen können. Ihr Modell ist auf „Null-Schadstoff“-Initiativen ausgerichtet und nutzt KI als adaptiven Agenten, der Texte entwerfen und direkt auf Bürger*innenkommentare reagieren kann. 

Expert*innen sind im Fernsehen gern gesehene Gäste – aber wozu werden sie tatsächlich befragt? Monika Krause und Jan Gilles von der London School of Economics haben Expert*inneninterviews in deutschen Nachrichtensendungen zur russischen Invasion in der Ukraine untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die an die Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen gerichteten Fragen meist nicht auf Osteuropa und die Ukraine und damit auf ihre Expertise bezogen. Stattdessen ging es um Auswirkungen der aktuellen Situation auf ein als deutsch verstandenes „Wir“.  

Auch Forschende um Tobias Tönsfeuerborn von der Universität Bonn haben sozialwissenschaftliche Kommunikation erforscht. Es ging um die Frage, wie deutschsprachige Soziolog*innen ihr Wissen im Kontext der Coronapandemie vermittelten. Die Forschenden haben journalistische sowie wissenschaftliche Publikationen untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese beiden Kommunikationsformen zwei nur lose miteinander verbundene Bereiche darstellen. Beispielsweise haben Soziolog*innen, die in den ersten beiden Jahren der Pandemie öffentlich sehr präsent waren, in dieser Zeit meist keine wissenschaftlichen Beiträge zu Covid-19 veröffentlicht.

Wie gut sind von ChatGPT generierte Überschriften? Sameh Kamal Mohamed Ibrahim und Zakaria Abdelaziz Zakaria Mahmoud von der Beni-Suef University in Ägypten haben das am Beispiel von medizinischen Fachartikeln getestet. Sie verglichen 300 Überschriften aus renommierten Fachzeitschriften mit 300 von ChatGPT zu den jeweiligen Abstracts generierten Titeln. Es zeigten sich starke Ähnlichkeiten zwischen den beiden Varianten. Generell waren die Überschriften sehr methodenorientiert, ChatGPT produzierte aber mehr Titel, die sich auf den Datensatz und die Ergebnisse konzentrierten. Die Autoren schlussfolgern, dass ChatGPT fachliche Konventionen akkurat nachahmen kann, aber eine Tendenz zu Formelhaftigkeit und begrenzter stilistischer Flexibilität zeigt.


  1. The Effects of Uncertainty Frames in Three Science Communication Topics. Science Communication, 41(6), 679–706. https://doi.org/10.1177/1075547019870811
    Gustafson, A., and Rice, R. E. (2020). A review of the effects of uncertainty in public science communication. Public Understanding of Science, 29(6), 614–633. ↩︎