Spektrum der Wissenschaft wechselt den Besitzer

Springer Nature trennt sich von seinen Publikumsmedien, in Nürnberg droht das Ende eines Wissenschaftsfestivals und Forschende untersuchen die Wirkung von Ehrfurcht in der Wissenschaftskommunikation. Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends. 

Was gibt’s Neues?

Springer Nature zieht sich aus dem Publikumsmarkt zurück

Spektrum der Wissenschaft und sein amerikanisches Pendant, Scientific American, werden vom Eigentümer Springer Nature verkauft – darüber berichteten das Börsenblatt, kress und turi2. Spektrum der Wissenschaft, mitsamt den Ablegern wie Gehirn & Geist und dem Onlineangebot, soll an das Münchner Verlagshaus GeraNova Bruckmann gehen. Die Mitarbeiter*innen der Wissenschaftsmarke in Heidelberg sollen ebenfalls zum neuen Eigentümer wechseln. Der Verkauf stehe noch unter dem Vorbehalt einer Freigabe durch die zuständige Kartellbehörde. 

Springer Nature wolle sich von seinen Publikumsmedien trennen und sich künftig stärker auf die Forschung konzentrieren. Zu den bekanntesten Fachjournalen, die Springer Nature herausgibt, gehört das Magazin Nature sowie zahlreiche wissenschaftliche Fachbücher. Clemens Schüssler, Verleger von GeraNova Bruckmann, sagt: „Gemeinsam wollen wir die publizistische Stärke der Marke bewahren und gleichzeitig neue Chancen in Print und digital erschließen“. 

Zu dem Verkauf von Scientific American an das globale Unternehmen LabX Media Group, der am 24. Juni 2026 abgeschlossen wurde, melden sich derweil kritische Stimmen. Im Zuge der Übernahme seien 15 Angestellte entlassen und eine Gewerkschaftsgründung der Beschäftigten verhindert worden, berichtet A Media Operator. Eine Redakteurin schreibt bei LinkedIn über die Entlassungswelle: „I’m so sad to share that yesterday was my last day at Scientific American.” 11 der 15 entlassenen Angestellten seien Teil des Teams gewesen, das die Gewerkschaftsgründung vorangetrieben hätte. In einer Pressemitteilung schrieben die Gewerkschaftsmitglieder der Writers Guild of America: „No matter who owns this storied science magazine, we are the powerhouse of this cell. We will not be intimidated or back down.”   

On Tuesday, Scientific American was sold by international publisher Springer Nature. Large numbers of staff were immediately laid off, and salaries of remaining workers were cut by as much as 30%SciAm staff had just voted to unionize. We should call this action what it is – blatant union-busting.

SciAm Union (@sciamunion.bsky.social) 2026-06-26T13:57:43.237Z

Lange Nacht der Wissenschaften in Nürnberg steht vor dem Aus

Hinter der Organisation des Formats in der Metropolregion Nürnberg stand seit 2002 die Veranstaltungsagentur Kulturidee, die zum Oktober 2026 den Geschäftsbetrieb aufgeben muss. Als Grund nennt die Firma in ihrer Pressemitteilung finanzielle Schwierigkeiten: „Die Lange Nacht der Wissenschaften erfordert eine Vorfinanzierung im höheren sechsstelligen Bereich, lange bevor die ersten Einnahmen fließen.“ Das sei ein Risiko, welches in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht mehr zu verantworten sei. Das Umfeld sei schwieriger geworden, die finanziellen Spielräume der Partnerinstitutionen hätten sich verändert. Unter diesen Rahmenbedingungen sei eine Fortführung der Langen Nacht der Wissenschaften in der gewohnten Qualität nicht mehr möglich. 

„Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Unter den aktuellen Umständen sehen wir und die anderen Gesellschafter leider keine Perspektive, die Firma und die von uns bisher organisierten Veranstaltungen fortzuführen. Das bedauern wir sehr“, sagt die Projektverantwortliche Nadine Ballenberger. Über 300 Institutionen in Nürnberg, Fürth und Erlangen hätten sich alle zwei Jahre beteiligt. Die Hochschulen wollten laut Pressemitteilung weiter überlegen, ob und in welcher Form die Veranstaltung durchgeführt werden könne. Über Kommunikationsagenturen unter Sparzwang berichteten wir bereits 2024, als „Mann beißt Hund“ die Türen schloss.  

Und sonst?

Komplexität kann Freude bringen, sagt Nature Marsilius Gastprofessor Leonid Klimov in seinem Vortrag am 16. Juni in Heidelberg. Warum er fordert, dass man die Wissenschaftskommunikation neu denken sollte, kann man bei YouTube nachsehen. „Es ist der falsche Weg, Komplexität zu reduzieren“, sagte er vor einiger Zeit im Interview mit Wissenschaftskommunikation.de, in dem es um die Reibungen zwischen Wissenschaft und Journalismus in Zeiten von Kriegen und Konflikten ging.

Die vier Zentren für Wissenschaftskommunikationsforschung in Kiel, Tübingen/Karlsruhe, München und im Rhein-Ruhr-Gebiet erhalten eine Weiterförderung von der VolkswagenStiftung. In der zweiten Förderphase möchten die Zentren weiter zu Visualisierung, KI, Planetary Health und der Kommunikation der Geisteswissenschaften forschen.

Auf LinkedIn hat sich eine Gruppe für Kommunikator*innen in und um München gegründet, die aktiv um neue Mitglieder wirbt. Die Gruppe möchte den Austausch der Wisskomm-Community fördern.

Wie eine gelungene Berichterstattung über KI aussehen kann, erklärt die Technikjournalistin Svea Eckert im Interview mit dem europäischen Science Media Hub. Es sei wichtig, sich nicht unkritisch „Hype and Doom“ Narrativen anzuschließen.

Petra Siegele, Bereichsleiterin Public Science des OeAD, fordert in ihrer Keynote zum Thema “Wissenschaftskommunikation in Österreich – zwischen Anspruch und Umsetzung” eine stärkere Anerkennung und nachhaltige Strukturen. Einen kurzen Bericht kann man hier nachlesen.

Und die Forschung?

Star Trek als Design-Inspiration? Cristián Londoño-Proaño von der Universidad Tecnológica Indoamérica in der ecuadorianischen Stadt Ambato hat Episoden von Star Trek untersucht, um herauszufinden, wie die Serie Erwartungen an Mensch-Technik-Interaktion und zeitgenössische Kommunikation beeinflussen. Der Forscher zeigt, dass beispielsweise tragbare Kommunikationsgeräte, sprachgesteuerte Schnittstellen und immersive virtuelle Umgebungen Prototypen darstellen, die in aktuellen Technologien zu finden sind. Londoño-Proaño stellt keine kausalen Zusammenhänge her, aber kommt zu dem Schluss, dass Science-Fiction symbolisch zur technologischen Innovation beitragen kann.

Die irische „Science Week“, die im November stattfindet, zähle zu den beliebtesten Themenwochen des Landes, schreiben Forschende um Joseph Roche vom Trinity College Dublin. Sie reflektieren die 30-jährige Entwicklung des Events hin zu einer partizipativ angelegten Veranstaltung, die sich über das ganze Land erstreckt. Eine Besonderheit sei, dass die Initiative zwar national koordiniert, aber dezentral in den einzelnen Regionen umgesetzt werde. 

Was passiert, wenn uns Wissenschaft in ihren Bann zieht? Xi Cui vom College of Charleston zeigt in einem Experiment, dass ein opulenteres audiovisuelles Wisskomm-Format im Vergleich zu einem reduzierten Text-Bild-Format bei den Teilnehmenden ein stärkeres Gefühl von Ehrfurcht (,Awe‘) hervorrief. Dadurch fühlten sich die Teilnehmenden selbst ,kleiner‘. Das wiederum hatte widersprüchliche Auswirkungen: Einerseits animierte dieses Gefühl die Teilnehmenden zum Nachdenken und zur Recherche nach wissenschaftlichen Informationen. Gleichzeitig aber verspürten sie eine geringere Selbstwirksamkeit, wodurch ihre Absicht abgeschwächt wurde, weitere Informationen zu suchen. Beide Wirkungen hoben einander auf, sodass die größere Ehrfurcht letztendlich keine Auswirkungen darauf hatte, ob die Teilnehmenden weitere wissenschaftliche Informationen recherchieren wollten.

Termine

📆 1. Juni bis 12. Juli 2026 | Bewerbungsfrist für die deutsche, englische und digitale Impact School* (Berlin und online) | Mehr

📆 Jeden Mittwoch im Juni und Juli 2026 | Evaluationsberatung der Impact Unit* (digital) | Mehr

📆 2. Juli 2026 | Podiumsdiskussion: Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit – über ein spannungsreiches Verhältnis (Karlsruhe) | Mehr

📆 9. September 2026 (Anmeldung bis 25. August 2026) | ScienceComm26: «CHECK – Wahrheit, Vertrauen und die Rolle der Wissenschaft in einer turbulenten Welt» (Luzern) | Mehr

📆 25. – 27. September 2026 | Ganzohr: Treffen der Wissenschaftspodcaster*innen (Magdeburg) | Mehr

📆 6. Oktober 2026 (Bewerbungsschluss: 15. Juli 2026) | Autumn School Technik und Innovation kommunizieren* (München) | Mehr

Jobs

🔉 Volontär*in (m/w/d) im Team Kommunikation | Akademienunion (Bewerbungsfrist: 2. August 2026) 

🔉 PR-Redakteur*in Wissenschaftskommunikation | Universität Bonn (Bewerbungsfrist: 12. Juli 2026)

Weitere Stellenangebote finden Sie in unserer Jobbörse – exklusiv für Stellen aus der Wissenschaftskommunikation. Hochschulen, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Co können ihre Stellenangebote direkt an Besucher*innen unseres Portals richten.

Fundstück

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Elisabeth Hartmann beschreibt bei LinkedIn den Rollenkonflikt, den sie als Wissenschaftlerin und Aktivistin erlebt. Dieser Konflikt hätte auch Auswirkungen auf ihre Kommunikationsaktivitäten. 

* Wissenschaft im Dialog (WiD) ist einer der drei Träger des Portals Wissenschaftskommunikation.de.