Die Themen bei der re:publica, Tipps um Forschende in die Medien zu bringen und eine Studie, die zeigt, welche Fallstricke bei Citizen Science-Prozessen lauern. Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends.
Re:publica verpasst? Kein Problem
Was gibt’s Neues?
Für alle mit re:publica-FOMO
Vom 18. bis 20. Mai fand in Berlin die re:publica, die Konferenz zur digitalen Gesellschaft, statt. Unter dem Motto „Never gonna give you up“ ging es 2026 um Europas Abhängigkeit von Big Tech, Plattformlogiken und die Frage, wie Demokratien im „KI-Zeitalter“ handlungsfähig bleiben können. Mit dabei waren auch viele Stimmen aus der Wissenschaftskommunikation, darunter zahlreiche Gesprächspartner*innen und Autor*innen von Wissenschaftskommunikation.de.
Wer nicht vor Ort war, findet viele der aktuellen Debatten auch bei uns: Annette Leßmöllmann warnt vor vorauseilendem Gehorsam und diskutierte auf der re:publica, warum Medien für die Demokratie gerade jetzt wichtig sind. Simon Meier-Vieracker beschäftigte sich mit TikTok und digitaler Öffentlichkeit – sowohl auf der Bühne als auch in seinem Interview „Bleib unter 60 Sekunden!”. Nils Kumkar ordnete gesellschaftliche Polarisierung ein – passend zu seinem re:publica-Talk über mögliche positive Effekte von Konflikten.
Noch mehr zum Thema Digitales findet ihr bei uns unter dem Schwerpunkt „Digitaler Wandel“ und in unserer neuen Miniserie „Was kommt nach Social Media?“

Relaunch des „Medien-Doktors“
Seit über 15 Jahren analysiert und bewertet das Portal wissenschaftsjournalistische Beiträge und entwickelt Qualitätskriterien für gute Wissenschaftskommunikation. Das Angebot richtet sich an Journalist*innen, Redaktionen und Forschende und soll bei der Einordnung wissenschaftlicher Themen in den Medien Orientierung geben. Jetzt gibt es ein neues Design und zwei neue Ressorts. Die neuen Themenbereiche „Philosophie“ und „Soziologie“ sollen künftig auch Gutachten zu sozial- und geisteswissenschaftlicher Berichterstattung veröffentlichen.
Wie relevant diese Arbeit ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Ressort Gesundheit: Der Medien-Doktor kritisiert dort einen Beitrag von ZDF heute über „Mental Load“ in Familien als marketinggetriebenen „Pseudowissenschaftsjournalismus“. Der Vorwurf: Eine fragwürdige Umfrage werde als wissenschaftliche Studie präsentiert, ohne ihre Aussagekraft ausreichend einzuordnen. Besonders deutlich fällt die Kritik an der mangelnden wissenschaftsjournalistischen Kompetenz in Nachrichtenredaktionen aus, obwohl diese Expertise laut Medien-Doktor in vielen Häusern eigentlich vorhanden wäre.
So kommen Forschende in die Medien
Wie schaffen es Forschende in Talkshows, Interviews oder Zeitungsartikel? Patrick Bierther, Content-Manager des Informationsdienstes Wissenschaft, gibt im PR-Journal Tipps für Mitarbeitende der Öffentlichkeitsarbeit. Entscheidend sei, so Bierther, dass Pressestellen passende Ansprechpartner*innen sichtbar machen, ihre Expertise verständlich formulieren und diese gezielt mit aktuellen Debatten verknüpfen. Laut Bierther sei es besonders wichtig, dass Expert*innenprofile aktuell sind, Ansprechpersonen schnell auf Medienanfragen reagieren und Themen frühzeitig antizipiert werden.
Der Beitrag zeigt außerdem, wie der IDW unterstützen kann. Mehr als 10.000 Journalist*innen würden die Plattform zur Recherche von Expertise nutzen, inklusive Filtermöglichkeiten nach Region oder Geschlecht. Zur Verfügung stünden die Expert*innendatenbank, kuratierte Themenlisten und ein Vermittlungsservice. Bierthers Fazit lautet: Wenn Wissenschaftseinrichtungen medial sichtbar sein wollen, brauchen sie nicht nur gute Inhalte, sondern auch eine strategische Expert*innenkommunikation.
Und sonst?
Wie klappt die Vereinbarkeit von Kind, Beruf und Wissenschaft? Darüber spricht Liliann Fischer, Leiterin des WiD Insights Programms* im Podcast „Kurz mal was anderes machen“.
In dem studentischen Magazin Synapse beschreibt die Doktorandin Meagan Olive ihre Versuche, Wissenschaftskommunikation dialogisch zu betreiben. Ihr Ansatz: Wissenschaft als Service kommunizieren.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt* fördert mit „Faszination Fusionsforschung – Zukunftsenergie mit Outreach begreifbar machen“ Projekte, die Fusionsforschung in die Gesellschaft tragen. Die Frist für die Einreichung ist der 17. Juli 2026.
Auch die Ausschreibungsphase zum Sartorius-Preis für neue Kommunikation 2026 „LifeScienceXplained“ ist gestartet. Alle Informationen rund um den Preis und den Weg zur Einreichung gibt es hier hier: www.sartorius.de/lsx
Im Rahmen des Pint of Science zieht es derzeit deutschlandweit Forschende wieder in lokale Bars und Pubs. Inspiration für ein Pub-Science-Event oder einen Science-Cocktail-Abend findet ihr bei uns!
Und die Forschung?
Zu den kommunikativ herausfordernden Themen in der Wissenschaftskommunikation gehört die Forschung mit Tierversuchen. Forscher*innen um Sebastian Löser von der Georg-August-Universität Göttingen und Emma Weitkamp von der University of the West of England in Bristol legen einen systematischen Überblick über den Forschungsstand zum Thema vor. Darin kristallisieren sich folgende Hindernisse als besonders präsent heraus: Ihre Forschung eigne sich nicht gut für Wissenschaftskommunikation, die Öffentlichkeit sei schwierig und das Diskursumfeld kompliziert und dysfunktional. Indem sie besonders häufig auftauchende Schwierigkeiten und Beispiele präsentieren, wollen die Autor*innen der Studie Forscher*innen und Kommunikator*innen ermöglichen, sich auf Herausforderungen vorzubereiten.
Digitale Plattformen ermöglichen die Kombination von Ausdrucksformen wie Text, Ton und Bild. Dementsprechend ist Multimodalität im digitalen Raum ein wichtiges Thema – auch für die Wissenschaftskommunikation. Julia Metag und Florian Wintterlin von der Universität Münster geben einen Überblick über empirische Erkenntnisse. Sie argumentieren in ihrem Essay, dass Multimodalität bei umstrittenen wissenschaftlichen Themen, bei denen virale Verbreitung und emotionale Überzeugungskraft eine wichtige Rolle spielen, besonders entscheidend sei.
Citizen Science soll dazu beitragen, Bürger*innen in Forschung einzubinden und das Verständnis für wissenschaftliche Prozesse zu verbessern. Jörg Matthes von der Universität Wien und Isabelle Freiling von der University of Utah haben in einer systematischen Literaturrecherche Herausforderungen in verschiedenen Schritten so eines gemeinsamen Forschungsprozesses zusammengetragen und reflektieren über zentrale methodische und praktische Aspekte von Citizen-Science-Projekten.
Termine
📆 26. – 29. Mai 2026 | International Workshop on Science-Related Discourse on the Web (Braunschweig) | Mehr
📆 29. Mai 2026 | Digitale Mittagspause von mit:forschen!* zum Thema „Citizen Science… und dann?“ | Mehr
📆 2. Juni 2026 | Lecture: Constructing Differently – the Role of Stakeholder Involvement and Public Participation (Berlin) | Mehr
📆 5. Juni 2026 | Lunch Talk: Gesellschaftliche Wirkungen in den Blick nehmen: Ein Orientierungsrahmen für transdisziplinäre und partizipative Forschung (digital) | Mehr
📆 10. Juni 2026 | Hamburger Stammtisch Wissenschaftskommunikation: Auftritt ohne Skript. Techniken der Improvisation für erfolgreiche Wissenschaftskommunikation (Hamburg) | Mehr
📆 21. – 23. September | European Summer School on Science Communication (Frankfurt am Main) | Mehr
Jobs
📢 Referent*in für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Cochrane Deutschland Stiftung (CDS) (Keine Bewerbungsfrist)
Weitere Stellenangebote finden Sie in unserer Jobbörse– exklusiv für Stellen aus der Wissenschaftskommunikation. Hochschulen, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Co können ihre Stellenangebote direkt an Besucher*innen unseres Portals richten.
Fundstück
Über den Unterschied zwischen Wissenschaftskommunikation und -journalismus schreibt Lukas Kohlenbach, Teilnehmer beim diesjährigen Wisskomm-Kolleg*. Das einjährige Programm richtet sich an junge Kommunikator*innen und dient als Lern- und Reflexionsraum.