Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends. Außerdem finden Sie hier aktuelle Termine und Forschungsergebnisse zur Wissenschaftskommunikation.
„The Conversation“ kommt nach Deutschland
Was gibt’s Neues?
The Conversation ab 2026 in Deutschland, Österreich und Schweiz
Die Onlineplattform The Conversation soll ab Juli 2026 auch deutschsprachig erscheinen. Die Idee: Wissenschaftler*innen schreiben Beiträge über Ihre Forschung und professionelle Journalist*innen prüfen die Texte. Alle Beiträge erscheinen unter einer Creative Commons Lizenz, das heißt sie können von anderen Medien aufgegriffen und verbreitet werden. Bereits 2016 berichteten wir über die Plattform und damals fragte Arwen Cross: Brauchen wir eine deutsche Ausgabe? Das Format hat sich nach seinem Start in Australien bereits in einige weitere Länder ausgebreitet. Mike Schäfer kommentiert in der Zeit, dass eine deutschsprachige Ausgabe ein „Experiment mit Potenzial, aber auch mit Fallstricken“ sei. Der Wissenschaftsjournalismus sei unter Druck, daher sei es von Vorteil, wenn The Conversation im deutschsprachigen Raum mehr Awareness für Wissenschaft erreichen könnte. Gleichzeitig meint Schäfer, dass das Medium investigative Recherche und eine kritische Kontrolle des Wissenschaftsjournalismus nicht ersetzen könne.
Auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen löste die Ankündigung Interesse, aber auch kritische Rückfragen aus. Bei Bluesky kommentierte Roxanne Phillips: „Finde es gut, dass hier in #Wisskomm neue (wohl bereits erprobte) Wege beschritten werden sollen, bin aber irritiert von der Überschrift: ,Lasst Forschende schreiben‘.“ Sie kritisiert die unentgeltlichen Überstunden, die für Wissenschaftskommunikation oft effektiv notwendig seien. Derzeit ist das Onlinemagazin damit beschäftigt, die Finanzierung zu sichern. In einem Interview mit Publix sagte Robin Markwica: „Als Geschäftsführer bin ich damit beschäftigt, eine Förderallianz von 10 bis 12 Stiftungen und eine Gruppe von rund 20 kooperierenden wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzubauen.“
Wissenschaftsfreiheit in Deutschland: „Stagnation“
Wie ist es um die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland bestellt? Dazu gibt der Academic Freedom Index einmal im Jahr Auskunft. Gemessen wird unter anderem auch, wie es um die Freiheit des wissenschaftlichen Austauschs und der Wissenschaftskommunikation steht. Nach Expert*innenbefragungen wird ein Indexwert berechnet, der Deutschland nicht mehr unter den Top 10 sieht, sondern nur noch in den besten 20 Prozent weltweit. Jan Martin Wiarda zitiert eine der beteiligten Forscher*innen an der FAU, Kathrin Kinzelbach. Sie beschreibt eine „statistisch signifikante, also messbare Verschlechterung“ im Vergleich zu 2015. Insbesondere Veranstaltungen zum Gaza-Krieg an Universitäten seien weiterhin „ein komplexes und akutes Thema“, sagt die Wissenschaftlerin.
Während Deutschland stagniert, ist der Indexwert für die USA deutlich eingebrochen. Das Land ist nun auf einer Stufe mit den unteren 30 bis 40 Prozent weltweit. Global hätte die Wissenschaftsfreiheit in den letzten 10 Jahren abgenommen, nur in neun Ländern hätte sich die Lage verbessert. Die Daten, so schreibt Forschung & Lehre, würden einen Zusammenhang zwischen der institutionellen Autonomie von Universitäten und der individuellen Freiheit von Forschenden nahelegen.

,Ghost References‘ im Journal of Science Communication
Die Herausgeber*innen des Journals of Science Communication wenden sich in einem Editorial an Forschende, die generative Tools zum Schreiben nutzen. Sie erzählen, dass sich in den letzten vier Jahren die Anzahl der geprüften Artikel verdoppelt hätte. Nicht jede Nutzung von Chatbots sei per se unethisch, Probleme entstünden, wenn sie leichtfertig und ungeprüft eingesetzt würden. Die Tools, so Marina Joubert und Michelle Riedlinger, würden fiktive Quellen erzeugen, sogenannte ,Ghost References‘. Die Herausgeber*innen weisen darauf hin, dass sie das Potenzial von Chatbots für Übersetzung oder Strukturierung von Texten zwar erkennen würden, erinnern aber daran, dass jegliche Nutzung von Chatbots offengelegt werden müsste. Der Peer-Review-Prozess sei nicht darauf ausgelegt, eine forensische Analyse der Literaturverzeichnisse durchzuführen, automatische Checks seien noch in der Entwicklung. Das Feld der Wissenschaftskommunikation, so Joubert und Riedlinger, hat ein besonderes Interesse an der Integrität von Wissensvermittlung.
Und sonst?
Der Deutsche Rat für Public Relations hat seine Richtlinien zur Wissenschafts-PR aktualisiert. Nach eigenen Angaben reagiere der DRPR damit auf eine wachsende Gefahr, dass die Reputation des Wissenschaftssystems für Kommunikationszwecke instrumentalisiert werde.
Der Forschungsausschuss tagt weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Wissenschaftspressekonferenz berichtet, dass eine Antwort der Regierungsfraktionen auf ihren offenen Brief bisher ausblieb.
Die Gala zur Verleihung des Ig-Nobelpreises, ein satirischer Wissenschaftspreis, zieht aus den USA in die Schweiz. Die Einreise sei für Gäste nicht mehr sicher, berichtet die Zeit im Newsletter Wissen3.
Handwerkliche Qualität, hoher Nachrichtenwert und hilfreiche Vertiefungselemente – das macht für den Informationsdienst Wissenschaft eine hochwertige Pressemitteilung aus. Den Preis für die beste Pressemitteilung in 2025 erhielt das GEOMAR, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.
Die Gewinner*innen des Hochschulwettbewerbs* 2026 stehen fest. Zu den zehn besten Konzepten im Wissenschaftsjahr Medizin der Zukunft gehören interaktive Ausstellungen, Kochabende und ein Poesiewettbewerb.
Was bedeutet ,Goldstandard der Wissenschaft‘? Bei Undark kritisiert Jonathan P. Scaccia die Kommunikation von Bundesbehörden – das Framing sei irreführend.
Und die Forschung?
Katapultiert sich die Wissenschaft in eine Glaubwürdigkeitskrise? Peer-Review-Verfahren sind ein zentraler „Gatekeeping“-Mechanismus zur Sicherung wissenschaftlicher Qualität. Die zunehmende Nutzung von Chatbots sei dabei ein struktureller Störfaktor und drohe, das Vertrauen in dieses Gütesiegel zu untergraben, schreiben Cezary Biele von der VIZJA Universität und Jarosław Kowalski vom National Research Institute in Warschau in einem Kommentar für „Science Communication“. Die beiden analysieren das Wechselspiel zwischen künstlich generierten Einreichungen und Gutachten. Sie schlussfolgern, dass dadurch wissenschaftliche Arbeit entwertet werden könne. Die Autor*innen argumentieren, dass menschliche Gutachter*innen nach wie vor unverzichtbar seien.
Inwiefern beeinflussen prominente Markenbotschafter*innen die Akzeptanz neuer Technologien? Anika Herzig von der Universität Würzburg hat das am Beispiel von Elektroautos untersucht. In einer Onlineumfrage testete sie die Wirkung eines Werbespots, in dem eine bekannte Persönlichkeit aus dem Sport für ein Elektroauto wirbt. Es zeigte sich, dass die Glaubwürdigkeit der Person die Technologieakzeptanz erhöht, während ihre Attraktivität keinen deutlichen Effekt hat.
Termine
📆 16. April 2026 | Kinostart des Dokumentarfilms BLAME | Mehr
📆 22. – 23. April 2026 | Visuals Konferenz: Vertrauen in Bilder im KI-Zeitalter (Hamburg) | Mehr
📆 23. – 24. April 2026 | Wissenschaftsjournalismus digital (online) | Mehr
📆 4. Mai 2026 | #SocialMedia-Konferenz “Digital Democracy” (Hamburg) | Mehr
📆 5. Mai 2026 | Dialogveranstaltung: Wenn einfache Antworten überzeugen – Populismus verstehen, Demokratie stärken (Ingolstadt) | Mehr
📆 7. Mai 2026 | Tourbeginn der MS Wissenschaft* (Berlin) | Mehr
📆10. Juni 2026 | Medientraining für Wissenschaftler*innen (Hamburg) | Mehr
Jobs
📢 Referent*in Wissenschaftskommunikation (m/w/d) | Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) (Bewerbungsfrist: 12. April 2026)
📢 Referent*in Kommunikation & PR (m/w/d/x) | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (keine Bewerbungsfrist)
Weitere Stellenangebote finden Sie in unserer Jobbörse– exklusiv für Stellen aus der Wissenschaftskommunikation. Hochschulen, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Co können ihre Stellenangebote direkt an Besucher*innen unseres Portals richten.
Fundstück
Open AI stellt das generative Video-Tool Sora ein. Die passende App war erst im September 2025 veröffentlicht worden.

* Wissenschaft im Dialog (WiD) ist einer der drei Träger des Portals Wissenschaftskommunikation.de.