Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends. Außerdem finden Sie hier aktuelle Termine und Forschungsergebnisse zur Wissenschaftskommunikation.
NASA werden die Mittel gestrichen
Was gibt’s Neues?
NASA drohen Budgetkürzungen
„Vor einer Woche wusste ich noch nicht, dass wir zum Mond fliegen, und heute kann ich euch schon das viertägige Protokoll für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erklären“, schreibt die Influencerin Kristina Hart auf Instagram. Ein voller Erfolg für die Wissenschaftskommunikation?
Die NASA begleitet die Artemis-II-Mission derzeit mit einer intensiven Kommunikation auf allen Kanälen. „In our Moon era 🚀“ steht in ihrer Instagram-Biografie – sicherlich ansprechend für die vorwiegend weibliche, junge Zielgruppe der Plattform. Auf der Missions-Website werden andere Töne angeschlagen. Dort heißt es, bei Artemis ginge es primär darum, „amerikanische Astronauten auf der Mondoberfläche zu platzieren und die Vorrangstellung der USA bei der Erforschung und Entdeckung des Weltraums zu sichern“.
Die große Begeisterung für die Mondmission ist für die amerikanische Wissenschaft willkommene Publicity. Im vergangenen Jahr war sie immer stärker unter Druck geraten. Die Trump-Regierung schlägt nun massive Haushaltskürzungen für die Wissenschaft vor, wie das Magazin Scientific American berichtet.

Der NASA drohen Kürzungen ihres Gesamtbudgets um 23 Prozent und eine Reduzierung der Mittel für den Forschungsbereich um 47 Prozent. Mehr als 40 Projekte sollen eingestellt werden. Das Magazin zitiert eine NGO, die diese Kürzungen als „extinction event“ für die NASA beschreibt.
Auch einer der größten Förderer, die National Science Foundation, soll dem Plan zufolge ab 2027 50 Prozent weniger Mittel erhalten. Letztendlich entscheide jedoch der US-Kongress und nicht der Präsident darüber, wie der Bundeshaushalt verwendet wird, so der Scientific American. Trumps Vorschläge seien aber der Ausgangspunkt für die Verhandlungen im Kongress, die bis zum Beginn des Haushaltsjahres 2027 dauern könnten.
Wie schwierig die Situation derzeit ist, beschreibt Nara Parameswaran, Forschungsdekan an der Michigan State University. Besonders junge Forschende seien von Fördermittelstreichungen betroffen. Parameswaran schreibt, dass die Suche nach finanziellen Mitteln zur obersten Priorität geworden sei. Unter anderem versuche man, Spenden aus der Bevölkerung zu erhalten, um „Forschungsrettung“ zu betreiben. Erschwerend kommt für Nachwuchsforschende hinzu, dass zusätzliche Beschränkungen für das H-1B-Visum hinzukommen. Mit diesem Visum wurden in der Vergangenheit ausländische Postdoktorand*innen eingestellt.
Die Artemis-Mission bleibt wohl weiter auf Kurs, die Mondlandung ist für 2028 geplant.
Social Media versus KI
Könnte es sein, dass große Sprachmodelle uns „milder“ machen? Die Financial Times titelte Ende März: „Soziale Medien sind populistisch und polarisierend, KI könnte das Gegenteil sein.“ Auch der Kognitionswissenschaftler Dan Williams schreibt auf seinem Blog: „KI wird die öffentliche Meinung neu prägen.“ Sprachmodelle als Gegenentwurf zu Social Media, wie soll das funktionieren?

Die Idee ist, dass Sprachmodelle Menschen tendenziell von extremen hin zu moderaten Positionen bewegen. FT-Reporter John Burn-Murdoch hat dazu Informationen datenjournalistisch ausgewertet. Er hat untersucht, wie gängige Chatbots Gespräche über polarisierende Themen beeinflussen. Ein Beispiel ist die verschwörungstheoretische These, dass Impfungen Autismus verursachen könnten. Personen, die dieser These zustimmen, finden in sozialen Netzwerken starken Zuspruch. Im Vergleich lehnen alle von ihm genutzten Chatbots diese These zu 100 Prozent ab.
Plattformen wie TikTok würden grundsätzlich demokratisierend wirken, aber auch polarisierend. Chatbots würden sich eher wie traditionelle Medien verhalten, die für etablierte Stimmen und gemäßigte Standpunkte stehen. Burn-Murdoch erklärt, dass die vergangenen Jahrzehnte stark durch Populismus, Polarisierung und schwindendes Vertrauen in Expert*innen geprägt waren. Laut Burn-Murdoch bauen nun die Chatbots polarisierende Tendenzen ab.
Dem stimmt der Kognitionswissenschaftler Dan Williams zu: „Sprachmodelle […] sind eine Art Anti-Social-Media, da sie Informationen liefern, die stark auf Expertenmeinungen und deren Kommunikationsstil ausgerichtet sind.“ Er spekuliert, dass sie auf diese Weise zu einer „überraschenden Kraft für das Gute“ werden könnten. Während Social Media „epistemisch divergierend“ sei, seien LLMs „epistemisch konvergierend, auf Genauigkeit optimiert und höflich“.
DGPuk: Positives Fazit der Jahrestagung
Bei der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft drehte sich alles um die großen Themen „#Wissenschaft, #Kommunikation, #Demokratie”. Vom 18. bis 20. März traf sich die Forschungscommunity dazu in Dortmund. Das Team des Rhine Ruhr Centers for Science Communication Research (RRC) berichtete von der Tagung und fasste sie unter der Aufforderung „Bitte einmischen!“ zusammen.
Die Keynote „Advocacy für eine demokratische Kommunikationsgesellschaft“ hielt Otfried Jarren von der Universität Zürich. In seiner Rede sprach Jarren über die Herausforderungen für den Journalismus. Als selbstverständlich wahrgenommene Institutionen würden immer stärker hinterfragt. Praktische Fragen zur Haltung im Journalismus und zum Umgang mit großen Social-Media-Plattformen blieben jedoch laut RRC weiterhin offen.
Auf LinkedIn schreibt die DGPuK über Jarrens Keynote: „Das Fach benötigt neue professionelle und institutionelle Vorkehrungen, um wirksamer und sichtbarer zur öffentlichen Debatte beizutragen.“ Zugleich betont Jarren, dass Advocacy auch die Wahrung professioneller Distanz einschließt. Wissenschaft dürfe sich nicht vereinnahmen lassen.
360 Teilnehmende, 35 Panels, 18 Poster – so lautet das zahlenmäßige Fazit der Gesellschaft. Themen waren unter anderem die „Handlungsspielräume von Medien und Journalismus statt Abhängigkeit von Big Tech“ und ein Modell der überfachlichen Wissenschaftskommunikationskompetenz. Dennoch bemängelte das RRC eine zu geringe kritische Einordnung zum Thema „Künstliche Intelligenz“: „Vielleicht hätte eine noch größere Zahl an Einreichungen aus dem Fach zu medienökonomischen, medienethischen und medienrechtlichen Perspektiven auf die Geschäftsmodelle und Ideologien der Tech-Oligarchen für ein besseres Gleichgewicht zwischen Tool-Exploration und kritischer Wissenschaft gesorgt.“
Weitere #Wisskomm-News
Wikipedia erlaubt es Redakteur*innen künftig nicht mehr, Artikel mithilfe von KI zu verfassen oder zu überarbeiten. Ein “Aufräumteam” entfernt Beiträge, die künstlich generiert wurden. The Verge
KI-Systeme sind keine “Todesmaschinen”, argumentieren Matthias Kettemann und Frederik Efferenn. Die Metapher sei schädlich und verhindere die notwendige Auseinandersetzung mit dem Thema autonomen Waffensystemen. HIIG-Blog
Mit Guerilla-Science kommunizierte das Team von „Plötzlich Wissen!“ Wissenschaft dort, wo man es am wenigsten erwartete. Das Team teilt nun seine Learnings. Laborjournal
Der Bundesverband Hochschulkommunikation veröffentlicht Leitlinien für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Hochschulredaktionen. Auch dabei: eine hilfreiche Checkliste. Bundesverband Hochschulkommunikation
Im Rahmen desHochschulwettbewerbs im Wissenschaftsjahr 2026* wurde das Projekt „Purpurnägel, ein immunologisches Rätselabenteuer“ gefördert. Im Interview erzählen die Forschenden, wie das Escape Game funktioniert. Forschung & Lehre
Und die Forschung?
Vor allem jungen Frauen wurde Forschungsförderung entzogen
Das amerikanische Nationale Gesundheitsinstitut kündigte 2025 unerwartet über 2.000 laufende Forschungsstipendien, zog Gelder zurück und brachte damit Tausende von Projekten zum Erliegen. Oliveira und Kolleg*innen haben anhand eines Datensatzes aus öffentlich zugänglichen Aufzeichnungen dokumentiert, wie sich die Streichungen nach Geschlecht und Karrierestufe unterschieden. Obwohl Kürzungen in allen Regionen und bei verschiedensten Einrichtungen gemacht wurden, zeigen die Ergebnisse, dass Nachwuchsforschende und Frauen überproportional betroffen waren. Die Ergebnisse verdeutlichen die Anfälligkeit von Nachwuchskräften und Frauen gegenüber plötzlicher finanzieller Unsicherheit und unterstreichen laut Autor*innen die Bedeutung nachhaltiger Investitionen in den wissenschaftlichen Nachwuchs.
D.F.M. Oliveira, Q. Huang, T.K. Woodruff, & B. Uzzi, How the 2025 NIH grant terminations varied by researchers’ demographic groups, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (13) e2527755123, https://doi.org/10.1073/pnas.2527755123 (2026).
Wie wird KI in der Forschung wahrgenommen?
Wie prägt die Offenlegung des KI-Einsatzes in der wissenschaftlichen Forschung die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit? In einer vorab registrierten Survey-Studie wurden über 800 Befragten nach dem Zufallsprinzip einer von sechs Erklärungen zugewiesen, die unterschiedliche Ausprägungen des Einsatzes generativer KI beschrieben. Die Befragten gaben das höchste Maß an Vertrauen, wahrgenommener Forschungsqualität und Ethik an, wenn die Forschung als vollständig ohne KI durchgeführt beschrieben wurde. Und das niedrigste, wenn KI sowohl für theoretische als auch für methodische Aufgaben eingesetzt wurde. Die Befragten standen dem Einsatz generativer KI positiver gegenüber, wenn sie für methodische Aufgaben verwendet wurde, im Vergleich zu theoretischen Aufgaben wie der Hypothesenbildung. „KI zur sprachlichen Überarbeitung“ wurde als am wenigsten transparent wahrgenommen.
Chen, C., Jia, X. When researchers use AI: public trust, ethical judgments, and the perceived value of academic research. AI Ethics 6, 223 (2026). https://doi.org/10.1007/s43681-026-01039-w
Praxis-Tipp: Umfragen besser einordnen
Erinnern Sie sich noch an die Schlagzeile, die um den 8. März digital diskutiert wurde? Gen-Z Männer würden wieder zu stark konservativen Überzeugungen zurückkehren, hieß es. Die Schlagzeile basierte auf einer Umfrage des Unternehmens Ipsos. Verdi analysierte nun, wie es zu einer Fehlinterpretation der Daten kam. Das Institut hatte, so Verdi, in Deutschland lediglich eintausend Menschen online angeschrieben. Die Gewerkschaft kritisiert, dass mit zugespitzten, suggestiv vorgegebenen Aussagen im Fragenkatalog die Institute klare und medientaugliche Botschaften produzieren wollen. Das Thema „Tendieren junge Männer wirklich nach rechts, sind sie rückwärts gewandt?“ würde in der Wissenschaft durchaus seriös bearbeitet werden. Jedoch sei das Bild dort wesentlich weniger klar. Die Männer der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren seien nach der Analyse eines Sozialforschers „äußerst heterogen“.
Auch die Unstatistik des Monats März widmet sich dem Problem von durch PR begünstigter Überinterpretation. Die Autor*innen erinnern an Merkmale von ‘Unstatistiken’, die Orientierung geben können: „Eine eng begrenzte Stichprobe wird verallgemeinert, Selbstauskünfte werden kausal interpretiert, Prozentwerte suggerieren Genauigkeit ohne methodische Transparenz, die Interessen des Auftraggebers bleiben im Hintergrund, mediale Zuspitzung verstärkt die Aussagen weit über die Daten hinaus.“
Termine
📆 15. April 2026 | Bewerbungsfrist für die Open Academy 2026 des Science Cube | Mehr
📆 16. April 2026 | Weiterbildungsangebot: All the basics to apply for European research and innovation funding – for science engagement professionals (online) | Mehr
📆 4. Mai 2026 | #SocialMedia-Konferenz „Digital Democracy“ (Hamburg) | Mehr
📆 5. Mai 2026 | Dialogveranstaltung: Wenn einfache Antworten überzeugen – Populismus verstehen, Demokratie stärken | Mehr
📆 7. Mai 2026 | Tourbeginn der MS Wissenschaft* (Berlin) | Mehr
📆 10. Mai 2026 | Bewerbungsfrist für das Fortbildungsangebot „Fast Forward Energiewende“* | Mehr
Jobs
📢 Referent*in Wissenschaftskommunikation (m/w/d) | Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) (Bewerbungsfrist: 12. April 2026)
📢 Referent*in Kommunikation & PR (m/w/d/x) | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (keine Bewerbungsfrist)
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Fundstück
Tipps für Forschende, die niedrigschwelliger schreiben möchten: Sabrina Heuwinkel teilt ihre favorisierten Strategien auf LinkedIn.

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