Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Welche Strukturen wollen die Parteien stärken?

Wissenschaftskommunikation soll nicht von kurzfristiger Förderung abhängen. Diesen Gedanken greifen mehrere Parteien in ihren Antworten auf. Doch welche Strukturen und Finanzierungswege halten sie für geeignet?

Wir haben alle Parteien kontaktiert, die zum Zeitpunkt unserer Anfrage laut MDR zur Landtagswahl antreten wollten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat nicht auf unsere Anfrage geantwortet. In unserer Auflistung folgen die Parteien ihren Sitzanteilen im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die sieben Wahlprüfsteine greifen Debatten auf, die wir regelmäßig auf Wissenschaftskommunikation.de behandeln. Die weiteren Beiträge veröffentlichen wir in den kommenden Wochen und bündeln sie in einem fortlaufend aktualisierten Überblick.

Wie möchten Sie die Wissenschaftskommunikation langfristig und verlässlich fördern? 

CDU

Wir wollen Wissenschaftskommunikation als festen Bestandteil der Arbeit unserer Hochschulen und Forschungseinrichtungen stärken. Dazu gehören verlässliche Rahmenbedingungen, Qualifizierungsangebote sowie eine angemessene Berücksichtigung in Förderprogrammen. Gleichzeitig wollen wir Kooperationen mit Schulen, Museen, Medien und Unternehmen weiter ausbauen, damit wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst viele Menschen erreichen.

Wissenschaftskommunikation darf nicht allein von befristeten Projekten abhängen. Entscheidend sind langfristige Strukturen und ausreichende Gestaltungsspielräume der Einrichtungen. Gute Wissenschaftskommunikation lebt von wissenschaftlicher Qualität, Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Sie ist ein wichtiger Baustein, um Sachsen-Anhalt als attraktiven Wissenschafts- und Innovationsstandort weiterzuentwickeln.

AfD*

Wissenschaftskommunikation ist Sache der Wissenschaftler. Wer Wissenschaft fördert, fördert auch Wissenschafskommunikation. Wir wollen der Wissenschaft durch eine solide Grundfinanzierung die Freiheit geben, die sie braucht.

Die Linke

Wir wollen, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgabengerecht finanziert werden. Die Wissenschaftskommunikation ist dabei eine Aufgabe, die bei den Haushaltsplanungen und bei den Zielvereinbarungen zwingend zu berücksichtigen ist. Wir setzen uns dafür, dass wissenschaftliche Ergebnisse in offenen Formaten zugänglich gemacht werden (Open Access). Das kann dazu führen, dass Menschen, die über Wissenschaft kommunizieren möchten, einen direkten Zugang zu den Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen erlangen. Besonders kritisch sehen wir die Entwicklung bei den wissenschaftlichen Zeitschriften und deren kommerziellen Verwertung wissenschaftlicher Publikationen. Auch hier sind
Open Access Formate Teil der Lösung.

SPD

Sozialdemokratische Wissenschaftler:innen, (Kommunal-)Politiker:innen und andere Interessierte engagieren sich in Netzwerken wie schience2public, dem Blauen Band der Wissenschaft, Initiativen zur MINT-Förderung usw., um einen eigenen Beitrag zur Stärkung der Wissenschaftskommunikation zu leisten. Wir stehen dafür ein, dass Hochschulen an ihren jeweiligen Standorten und landesweit eine aktive kommunikative Rolle einnehmen. Diese Aufgabe wollen wir über die Zielvereinbarungen verankern und stärken.

FDP

Wir sehen es als politische Aufgabe, den Rahmen für Wissenschaft und Forschung zu gestalten und sicherzustellen. Dazu gehört die Sicherstellung der Forschungsfreiheit wie auch der verlässliche finanzielle Rahmen. Das Land Sachsen-Anhalt schafft dies bereits über verlässliche und mehrjährige Zielvereinbarungen und einen engen Austausch mit der Forschungslandschaft.

Bündnis 90/Die Grünen

Indem wir, wie in der Beantwortung von Frage 2 ausgeführt, die Grundfinanzierung des Landes für Hochschulen weiter erhöhen und Zukunftsinvestitionen in Wissenschaft, Forschung und Innovation vorantreiben, wollen wir auch die Wissenschaftskommunikation langfristig und verlässlich fördern. Wissenschaft und Forschung leisten einen essenziellen Beitrag für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Um diesen Beitrag auch wirksam in alle Bereiche hineintragen zu können, wollen wir auch die Wissenschaftskommunikation auskömmlich finanzieren und werden uns dafür in den kommenden Haushaltsverhandlungen einsetzen.

Freie Wähler

Wir wollen Wissenschaftskommunikation als selbstverständlichen Bestandteil öffentlich finanzierter Forschung etablieren. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollten ausreichend Ressourcen erhalten, um Forschungsergebnisse verständlich aufzubereiten und den Dialog mit der Bevölkerung aktiv zu gestalten.

Dabei setzen wir insbesondere auf Kooperationen mit Schulen, Volkshochschulen, Museen, Bibliotheken, Unternehmen und Kommunen. Wissenschaft muss dort stattfinden, wo Menschen leben. Regionale Veranstaltungsformate, Bürgerdialoge oder Wissenschaftstage können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Gleichzeitig sollte Wissenschaftskommunikation bei der Bewertung wissenschaftlicher Leistungen stärker berücksichtigt werden. Wer komplexe Forschung verständlich erklärt und den gesellschaftlichen Dialog fördert, leistet einen wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen. Entscheidend ist für uns außerdem Planungssicherheit. Wissenschaftskommunikation darf nicht von kurzfristigen Förderprogrammen oder politischen Modetrends abhängig sein, sondern benötigt verlässliche Rahmenbedingungen und langfristige Finanzierung.



Weitere Wahlprüfsteine

  • Wahlprüfstein 1: Viele Parteien betonen in ihren Wahlprogrammen den Transfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Welche Bedeutung messen Sie Wissenschaftskommunikation jenseits der reinen wirtschaftlichen Verwertbarkeit bei?
  • Wahlprüfstein 2: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Wissenschaftskommunikation in Sachsen-Anhalt?
  • Wahlprüfstein 3: Welche Bedeutung hat Wissenschaftskommunikation aus Ihrer Sicht für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
  • Wahlprüfstein 5: Welche wissenschaftlichen Themen sind aus Ihrer Sicht für die Zukunft Sachsen-Anhalts besonders relevant?
  • Wahlprüfstein 6: Wie sollte über sicherheitsrelevante oder militärisch nutzbare Forschung kommuniziert werden?
  • Überblick über die Wahlprüfsteine

* Der Verfassungsschutz stuft den Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein.