Von neuen Technologien bis zu großen Herausforderungen: Die Parteien verbinden mit Wissenschaft unterschiedliche Zukunftsfragen für Sachsen-Anhalt. Welche Themen halten sie für besonders relevant?
Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Das sind die Zukunftsthemen
Wir haben alle Parteien kontaktiert, die zum Zeitpunkt unserer Anfrage laut MDR zur Landtagswahl antreten wollten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat nicht auf unsere Anfrage geantwortet. In unserer Auflistung folgen die Parteien ihren Sitzanteilen im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die sieben Wahlprüfsteine greifen Debatten auf, die wir regelmäßig auf Wissenschaftskommunikation.de behandeln. Die weiteren Beiträge veröffentlichen wir in den kommenden Wochen und bündeln sie in einem fortlaufend aktualisierten Überblick.
Welche wissenschaftlichen Themen sind aus Ihrer Sicht für die Zukunft Sachsen-Anhalts besonders relevant?
CDU
Sachsen-Anhalt verfügt über hervorragende Voraussetzungen, um zu einem führenden Innovationsstandort zu werden. Besondere Bedeutung messen wir den Lebenswissenschaften, der Gesundheitsforschung, der Chemie- und Materialforschung, der Künstlichen Intelligenz, der Digitalisierung sowie der Energie- und Wasserstoffforschung bei. Ebenso wichtig sind Forschung zur Wasserwirtschaft, nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährungssicherung sowie zu klimaresilienten Infrastrukturen. Mit Einrichtungen wie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, leistungsfähigen Hochschulen und zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen besitzt Sachsen-Anhalt hierfür hervorragende Voraussetzungen. Unser Ziel ist eine technologieoffene Forschungslandschaft, die wissenschaftliche Exzellenz fördert, Innovationen ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes nachhaltig stärkt.
AfD*
An erster Stelle steht das Thema „Klimawandel“, weil hiermit leider viel Schindluder getrieben worden ist. Wir brauchen eine neue Klimaforschung, die auch Faktoren abseits des anthropogenen CO2 in den Blick nimmt. Ein weiteres Thema ist die Krebsforschung, weil immer mehr Menschen davon betroffen sind und sich auf diesem Feld zugleich viel bewegt. Sodann ist die wissenschaftliche Erforschung der Bevölkerungsentwicklung und des Bevölkerungsrückgangs ein hochrelevantes Thema, weil wir noch viel zu wenig darüber wissen, um wirkungsvolle Gegenmaßnahmen zu ergreifen, zugleich aber auch politisch handeln müssen.
Die Linke
Sachsen-Anhalt steht vor zahlreichen Herausforderungen, die wissenschaftlich bearbeitet werden müssen. Insbesondere die Klima- und Biodiversitätsforschung ist notwendig für ein Land, welches beispielsweise stark von Dürren betroffen sein könnte. Auch Forschung zum sozialen Zusammenhalt und zur Frage, wie Transformation beispielsweise in der Wirtschaft gelingen kann, ist für Sachsen-Anhalt vor dem Hintergrund der Energiewende und der Polarisierung in der Bevölkerung besonders wichtig. Dazu gehört die interkulturelle Forschung, die viel beitragen kann, Verständnis füreinander zu entwickeln.
SPD
Wie in anderen Ländern auch hat Wissenschaft eine besonders herausragende Funktion in der Begrenzung des Klimawandels, für die Beherrschung seiner Folgen und bei der Gestaltung der dafür notwendigen Transformationsprozesse. Die Wissenschaftslandschaft in Sachsen-Anhalt ist zudem „Humus“ für die Ansiedlung von Zukunftstechnologien und für die Stärkung und Vernetzung unserer Industrielandschaft. Für die Stärkung von demokratischer Kultur, Vielfalt und Rechtsstaatlichkeit in Sachsen-Anhalt spielen zudem Disziplinen wie Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft und Gender Studies eine wichtige Rolle.
FDP
Sachsen-Anhalt hat eine breite Forschungslandschaft. Unser Ziel ist es, diese enger mit Wirtschaft und weiteren gesellschaftlichen Akteuren zu vernetzen, um mehr Transfer und Verwertung der Forschung sowie einem wirtschaftlichen Aufschwung zu erreichen. Aufgrund sich ändernder Rahmenbedingungen sehen wir hierin eine zentrale Aufgabe der nächsten 5 Jahre.
Bündnis 90/Die Grünen
Für die nachhaltige Transformation wollen wir Grünen die Forschung in Zukunftsfeldern wie grüne Wasserstofftechnologien, Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft fördern. Wir investieren in hochleistungsfähige Forschungsrechenzentren in Sachsen-Anhalt, welche die digitale Grundlage für exzellente Forschung in Bereichen wie Materialforschung, Klimamodellierung und KI sind. Wir treiben Innovation durch Kooperation voran und setzen auf Reallabore und Testfelder, in denen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Lösungen für den Strukturwandel entwickeln.
Die aktuelle politische Lage zeigt zudem, dass wir auf die Forschung zu politischen Einstellungen, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zu Rechtsextremismus, gesellschaftlicher Teilhabe, und deren Hürden und vielen weiteren sozialwissenschaftlichen Themenfeldern angewiesen sein werden. Diese sind unerlässlich, um die Probleme unseres Landes und die Problemwahrnehmung der hier lebenden Menschen zu verstehen und Lösungen zu entwickeln, damit alle Menschen hier gut und sicher leben können und wollen.
FREIE WÄHLER
Sachsen-Anhalt verfügt über hervorragende wissenschaftliche Kompetenzen, die gezielt weiterentwickelt werden sollten. Besonders große Zukunftschancen sehen wir in der Gesundheitsforschung, der Digitalisierung, der Künstlichen Intelligenz, der Chemie- und Werkstoffforschung, der Landwirtschaft sowie bei Energie-, Wasserstoff- und Speichertechnologien. Ebenso wichtig sind Forschung zur Kreislaufwirtschaft, zur Ressourceneffizienz sowie zur Anpassung an den demografischen Wandel. Gerade als Flächenland braucht Sachsen-Anhalt innovative Lösungen für medizinische Versorgung, Mobilität, öffentliche Verwaltung und Fachkräftesicherung. Wir setzen dabei bewusst auf Technologieoffenheit. Wissenschaft muss frei forschen können und darf nicht durch politische Vorfestlegungen auf bestimmte Technologien oder gewünschte Ergebnisse eingeschränkt werden. Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Lösungsansätze ergebnisoffen untersucht werden können. Forschung soll den Menschen dienen und konkrete Beiträge zur Verbesserung ihrer Lebenswirklichkeit leisten.
Weitere Wahlprüfsteine
- Wahlprüfstein 1: Viele Parteien betonen in ihren Wahlprogrammen den Transfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Welche Bedeutung messen Sie Wissenschaftskommunikation jenseits der reinen wirtschaftlichen Verwertbarkeit bei?
- Wahlprüfstein 2: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Wissenschaftskommunikation in Sachsen-Anhalt?
- Wahlprüfstein 3: Welche Bedeutung hat Wissenschaftskommunikation aus Ihrer Sicht für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
- Wahlprüfstein 4: Wie möchten Sie die Wissenschaftskommunikation langfristig und verlässlich fördern?
- Wahlprüfstein 6: Wie sollte über sicherheitsrelevante oder militärisch nutzbare Forschung kommuniziert werden?
- Überblick über die Wahlprüfsteine
* Der Verfassungsschutz stuft den Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein.