Wie viel Platz räumen deutsche TV-Sender dem Klimawandel ein? Welches Bild von Wissenschaft vermittelt der Film „Oppenheimer“? Und was könnte Materialwissenschaftler*innen dazu motivieren, mehr zu kommunizieren?
Klima im Fernsehen: eine vertane Chance? Neues aus der Forschung
In unserem monatlichen Forschungsrückblick besprechen wir aktuelle Studien zum Thema Wissenschaftskommunikation. In diesem Monat geht es um folgende Themen:
- Welche Art von Fernsehsendungen beschäftigen sich mit Klimathemen und wer schaut sie sich an? Ein Team von der LMU München hat das Programm von 20 deutschen Sendern analysiert.
- Wie werden Wissenschaft und wissenschaftliche Entwicklungen im Film „Oppenheimer“ dargestellt? Unsere Redakteurin Elena Grunow stellt eine Studie zu Wisskomm aus Hollywood vor.
- Was motiviert Materialwissenschaftler*innen dazu, mit Journalist*innen zu sprechen? Dumitrita D. Voicu von der Ruhr-Universität Bochum hat dazu eine Umfrage durchgeführt.
- In der Rubrik „Mehr Aktuelles aus der Forschung“ geht es unter anderem um darum, dass Nachwuchsforschende und Frauen in den USA überproportional häufig von Kürzungen bei Forschungsstipendien betroffen waren.
Wen erreicht Klimaberichterstattung im Fernsehen?
Fernsehen hätte das Potenzial, dem Klimawandel mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen – denn in vielen europäischen Ländern genießen traditionelle Medien nach wie vor ein hohes Maß an Vertrauen und erreichen verschiedene soziale Gruppen. Außerdem, so argumentieren Forscher*innen um Imke Hoppe von der LMU München mit Verweis auf den „Agenda-Setting-Ansatz“: Wenn Medien Themen auf die Agenda setzen, messe das Publikum ihnen eine größere Bedeutung bei. Wie viel Sendezeit aber bekommt die Klimaberichterstattung im deutschen Fernsehen? Und wie nimmt das Publikum diese wahr? Um das zu untersuchen, hat das Forschungsteam eine Inhaltsanalyse mit einer Umfrage kombiniert.
Methode: Insgesamt untersuchte das Forschungsteam fast 23.500 Stunden Fernsehprogramm von 20 deutschen Sendern (zwölf öffentlich-rechtliche und acht private). Aufgezeichnet wurde das Programm zwischen Anfang September und Anfang November 2022 jeweils zwischen 5:30 und 0:30 Uhr. Die Forscher*innen nutzten einen automatisierten Ansatz, der auf Schlüsselwörter mit Bezug zu Klimawandel, globaler Erwärmung und Temperaturanstieg trainiert war. Zusätzlich nutzten sie manuelle Methoden bei der Bewertung der Darstellung von verschiedenen sozialen Gruppen.
Außerdem führten die Forscher*innen eine repräsentative Umfrage durch, an der 1445 Personen in Deutschland teilnahmen. Dabei ging es darum, wie wichtig ihnen Klimawandelberichterstattung ist, wie sie sich mit Inhalten auseinandersetzen und wie sie die Sichtbarkeit verschiedener sozialer Gruppen bewerten.
Ergebnisse: Im Untersuchungszeitraum fanden keine großen klimabezogenen Ereignisse wie eine Weltklimakonferenz statt, der Klimawandel aber blieb ein mäßig präsentes Thema, was laut der Forscher*innen vor allem an Wetterereignissen und der Energiekrise lag. 2,2 Prozent der untersuchten Sendeinhalte behandelten ausdrücklich klimabezogene Themen. Der Klimawandel belegte den vierten Platz in der Medienberichterstattung und den fünften Platz bei der Wichtigkeit des Themas für das Publikum. Er war also sichtbar, aber wurde nicht priorisiert – weder von den Medien noch vom Publikum. Das am häufigsten behandelte Thema war „soziale Fragen“ (4,5 Prozent der Sendezeit), das zweithäufigste „Krieg“ und das dritte „Wirtschaft“.
77 Prozent der Befragten gaben an, „sehr“ oder „etwas besorgt“ über den Klimawandel zu sein, 63 Prozent wünschten sich eine häufigere Berichterstattung im Fernsehen und 45 Prozent sprachen sich für eine stärkere Präsenz zur Hauptsendezeit aus.
Auffällig war, dass 80 Prozent der Sendezeit, in denen der Klimawandel thematisiert wurde, auf Informationssendungen entfiel. Nur 0,7 Prozent der fiktionalen Inhalte befassten sich mit dem Klimawandel. Die Berichterstattung wurde – ähnlich wie es in Print- und Online-Berichterstattung üblich sei – vor allem durch bestimmte Ereignisse wie den bundesweiten Klimastreik, Proteste der „Letzten Generation“ oder Studien zu Extremwetter ausgelöst. Eine thematische Clusteranalyse zeigt, dass Klimawandel vor allem mit Energiethemen, mit extremen Wetterereignissen und mit zukünftigen Entwicklungen, vor allem im wirtschaftlichen Bereich, verbunden wurde.
Die Umfrage zeigte, dass für fast die Hälfte der Teilnehmenden Fernsehen das bevorzugte Medium ist, um sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen. Die Gruppen, die am weitesten entfernt vom Klimathema waren, also desinteressierte oder ablehnende Haltungen zeigten, schauen am meisten fern. Allerdings tendierten sie dabei eher zu Unterhaltungsformaten. Vor allem Skeptiker*innen konsumieren besonders selten Nachrichtenformate, während die „Alarmierten“ sehr viel Nachrichtensendungen schauten und seltener Unterhaltungsformate wie Spielfilme.
Etwa die Hälfte aller Befragten gab an, keine oder nur eine geringe „Themenmüdigkeit“ hinsichtlich des Klimawandel zu verspüren, während sich knapp 30 Prozent mäßig genervt und etwa 15 Prozent ziemlich oder sehr genervt fühlten. Je klimaskeptischer die Gruppe, desto ausgeprägter war die Klimamüdigkeit.
Nur 34 Prozent der Personen in der untersuchten Klimaberichterstattung wurden als weiblich eingeordnet. Die Einschätzung des Publikums wich erheblich ab. Etwa 75 Prozent der Befragten überschätzte den Frauenanteil im Fernsehen. Politiker*innen wurden als deutlich überrepräsentiert wahrgenommen. Als zu wenig repräsentiert wurden Ältere, Menschen mit Behinderungen und Wissenschaftler*innen wahrgenommen. Tatsächlich dominierten politische Akteur*innen in der Klimaberichterstattung.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel für die meisten Menschen in Deutschland ein wichtiges Thema ist, aber etwa der Ukraine-Krieg und wirtschaftliche Fragen höhere Priorität haben. Es zeigte sich auch, dass diese Themen erfolgreich mit dem Klimawandel verknüpft werden, der auf diese Weise langfristig auf der Agenda gehalten wird. Insgesamt aber werde das Potenzial des Fernsehens, Klimathemen in die Öffentlichkeit zu bringen, nur teilweise genutzt, schreiben die Forscher*innen. Es gelinge nicht, das Thema einem breiteren Publikum zugänglich zu machen – vor allem nicht denjenigen, die keine Nachrichten konsumieren.
Es sei zu befürchten, dass der Klimawandel auf der Agenda weiter nach unten rutsche, sollten sich die gesellschaftlichen Krisen verschärfen, vermuten die Autor*innen. Die hohe Klimamüdigkeit unter denjenigen, die wenig Nachrichten schauen, erfordere ein Umdenken in den journalistischen Praktiken. Denn gerade die Klimaskeptischen und Desinteressierten schauten viel fern und könnten deshalb potenziell erreicht werden. Wer sich allerdings keine Nachrichtenformate ansieht, kommt bisher kaum mit Klimawandelthemen in Berührung. Die Forscher*innen schlagen deshalb vor, mehr Unterhaltungsformate zu nutzen und stärker auf Storytelling und die Entwicklung neuer Formate zu setzen.
Einschränkungen: Die Studie konzentriert sich auf einen bestimmten Zeitraum und kann deshalb keine Auskunft über längere zeitliche Entwicklungen und Veränderungen der Einstellungen des Publikums geben. Zukünftige Studien könnten dies in den Blick.
Hoppe, I., Dörpmund, F., Weigel, C. et al. (2026) Climate change on television reaches the engaged but misses distant audiences. Nature Climate Change. 16, 288–296. https://doi.org/10.1038/s41558-026-02575-3
Tipp aus der Forschung: Wisskomm aus Hollywood
In dieser Rubrik stellen Autor*innen Studien vor, die sie interessiert, inspiriert oder schockiert haben. In dieser Ausgabe: Unsere Redakteurin Elena Grunow empfiehlt Forschung zum Hollywood-Film „Oppenheimer“.

Worum geht es?
Die Studie untersucht, wie Wissenschaft und wissenschaftliche Entwicklungen im Film Oppenheimer (2023) dargestellt werden. Der Historienfilm von Christopher Nolan handelt vom Physiker J. Robert Oppenheimer (1904–1967), dem „Vater der Atombombe“. Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, welche Bilder von Wissenschaft entstehen, wenn ein historisches Großereignis – das Manhattan-Projekt zur Entwicklung der ersten Atombombe – in einem Hollywood-Film erzählt wird.
Dafür führt der Autor eine qualitative Textanalyse des Films durch. Untersucht werden Dialoge, Szenen und narrative Elemente, die sich auf quantenphysikalische Konzepte, technologische Entwicklung und wissenschaftliche Akteur*innen beziehen. Die Studie fragt damit indirekt auch: Welche Vorstellungen von Wissenschaft können Zuschauer*innen aus einem populären Spielfilm mitnehmen?
Was sind die Ergebnisse?
Die Analyse identifiziert drei zentrale Themen, über die der Film Wissenschaft darstellt:
- Der Film führt Quantenphysik als „new physics“ ein – als revolutionäre, noch wenig verstandene Wissenschaft. Sie wird zugleich stark mit Europa, insbesondere Deutschland, verbunden und erscheint zunächst außerhalb der amerikanischen Forschungstradition. Dadurch entsteht das Bild einer exotischen, intellektuell anspruchsvollen Disziplin, die bestehende wissenschaftliche Paradigmen herausfordert.
- Der Film vermittelt zentrale Ideen der Quantenphysik über Dialoge und kurze Erklärungen. Beispiele sind die paradoxe Natur von Licht als Welle und Teilchen zugleich oder die Vorstellung, dass Materie größtenteils aus leerem Raum besteht. Gleichzeitig zeigt der Film, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen – etwa durch theoretische Modelle, mathematische Erkenntnisse und das Zusammenspiel von Theorie und Experiment.
- Im späteren Teil des Films rücken die sozialen und politischen Dimensionen wissenschaftlicher Forschungstärker in den Mittelpunkt. Themen wie Geheimhaltung im Manhattan-Projekt, Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen und Militär sowie die Frage nach Verantwortung für technologische Folgen zeigen, wie eng wissenschaftliche Arbeit mit politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Konsequenzen verbunden ist.
Zusammen zeichnen diese drei Themen ein Bild von Wissenschaft als revolutionäres Forschungsfeld, komplexen Erkenntnisprozess und politisch eingebettete Praxis.
Warum ist die Studie lesenswert?
Besonders spannend ist, dass die Studie Popkultur als Wissenschaftskommunikation ernstnimmt. Blockbuster wie Oppenheimer erreichen ein Millionenpublikum – oft deutlich mehr Menschen als klassische Formate der Wissenschaftskommunikation. Die Studie zeigt, dass solche Filme nicht nur Unterhaltung sind, sondern auch Vorstellungen darüber prägen können, wie Wissenschaft funktioniert, wer sie betreibt und welche gesellschaftlichen Folgen sie hat. Gerade für die Wissenschaftskommunikation ist das spannend: Viele Menschen begegnen wissenschaftlichen Themen zuerst in Serien, Filmen oder auf Social Media – und seltener in wissenschaftlichen Beiträgen.
Welche Einschränkungen gibt es?
Die Studie analysiert ausschließlich den Filminhalt selbst. Sie untersucht also nicht, wie Zuschauer*innen den Film tatsächlich verstehen oder welche Wirkung die Darstellung auf das Publikum hat. Außerdem handelt es sich um eine Einzelfallanalyse eines Films. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nur begrenzt auf andere Filme oder Formen populärer Wissenschaftsdarstellung übertragen.
Gustafson, E. (2026). Salesmen of science: A textual analysis of technological advancement and quantum physics in Oppenheimer (2023). Public Understanding of Science, 0(0). https://doi.org/10.1177/09636625261423845
Relevantes Wissen für Entscheidungen
Was motiviert Materialwissenschaftler*innen dazu, mit Journalist*innen zu sprechen? Das wollte Dumitrita D. Voicu von der Ruhr-Universität Bochum mit einer Online-Umfrage herausfinden. Im Interview spricht sie über die Rolle von sozialen Normen, Vertrauen in Medien und eigenen guten Erfahrungen mit Berichterstattung.
Sie haben 225 Materialwissenschaftler*innen in Deutschland befragt. Was ist Materialwissenschaft überhaupt – und warum könnte es für die Öffentlichkeit interessant sein, was in dem Bereich geforscht wird?
Materialwissenschaft ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit der Erforschung und Entwicklung von Materialien beschäftigt. Es beruft sich auf Disziplinen wie Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften, Mathematik. In vielen Themen steckt Materialwissenschaft, ohne dass es ausdrücklich so genannt wird – beispielsweise, wenn wir an Informationstechnologien, den Gesundheitsbereich oder erneuerbare Energien denken. Gerade in Hinblick auf den Klimawandel sind Materialwissenschaften wichtig, denn sie beschäftigen sich auch mit der Entwicklung neuer Materialien mit gezielten Funktionalitäten, effizienter Energiespeicher oder ressourcenschonender Technologien.
Sie wollten herausfinden, wie groß die Motivation ist, mit Medien über die eigene Forschung zu sprechen – und wovon das abhängt. Was haben Sie herausgefunden?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Motivation im Vergleich zu anderen Disziplinen ziemlich gering ist. Nur neun Prozent der Befragten sagen: „Ich plane in den nächsten sechs Monaten mit Medien zu interagieren.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei soziale Normen – also die wahrgenommenen Erwartungen von Kolleg*innen. Was andere glauben, wie kommuniziert werden sollte, zeigt in der Studie einen starken Zusammenhang mit der Kommunikationsabsicht.
Welche Rolle spielen eigene Erfahrungen mit Medien?
Weniger als ein Viertel der Befragten hatte bereits Erfahrungen mit Medien, die aber waren positiv. Fast die Hälfte sagte, dass Kolleg*innen die Medienauftritte wertschätzten und dass diese ihre Karriere positiv beeinflusst hätten. Diejenigen, die Medienerfahrung hatten, waren auch eher bereit, weiterhin mit Journalist*innen in Kontakt zu treten. Je öfter sie in der Vergangenheit selbst mit Medien zu tun hatten, umso höher waren die Chancen, dass sie dies wieder tun würden.
Trotzdem war das Bild der Materialwissenschaftler*innen von Medien nicht gut. Woran liegt das?

Ja, die meisten hatten einen eher negativen Eindruck, der aber nicht auf eigener Erfahrung beruhte. Wahrscheinlich hat das eher damit zu tun, was die Befragten in den Medien über Materialwissenschaft mitbekommen. Für eine andere Studie habe ich Interviews mit Expert*innen geführt. Abgesehen von einigen positiven Beispielen in Qualitätszeitungen, dominierte unter den interviewten Wissenschaftler*innen die Meinung, dass viele Medienartikel die Materialwissenschaft nicht korrekt darstellen und diese zu oft über wissenschaftliche Durchbrüche berichten, die der Wirklichkeit eigentlich nicht entsprechen.
Welche Rolle spielt Unterstützung seitens der eigenen Institution?
70 Prozent haben gesagt, dass es wichtig oder sehr wichtig ist, dass die eigene Institution Wissenschaftskommunikation als wichtige Säule wahrnimmt. Ich fand es überraschend, dass im Vergleich der Arbeitsaufwand nicht so ein wichtiger Faktor war, gerade weil in vielen Studien der Zeitfaktor als Hindernis für die Kommunikation genannt wird. Eine Erklärung könnte sein, dass die befragten Materialwissenschaftler*innen bisher kaum kommunizieren und diesen Faktor weniger stark wahrnehmen. Entsprechend spielt der Arbeitsaufwand für sie momentan keine große Rolle.
Was könnte die Befragten motivieren, mehr zu kommunizieren?
Ein erster Schritt wäre die Anerkennung von Wissenschaftskommunikation in der eigenen Organisation. Im zweiten Schritt sollte man sie aktiv unterstützen, zum Beispiel durch ein umfassendes Förderprogramm mit verschiedenen Maßnahmen und die Begleitung durch professionelle Kommunikator*innen. In der Studie hat sich gezeigt, dass 35 Prozent der Nachwuchswissenschaftler*innen sagen, sie wären unter bestimmten Umständen bereit, mehr zu kommunizieren. Gerade diese Gruppe von jüngeren Menschen, die kaum Medienerfahrung hatten, sollte man unterstützen und ihre Bedürfnisse genauer erfragen.
Interessant war, dass die Befragten das Selbstvertrauen hatten, die eigene Forschung vermitteln zu können. Aber die Hälfte von ihnen wusste nicht, wer in ihrer Organisation dafür zuständig ist. Sollen sie die PR-Abteilung ansprechen oder ihre Vorgesetzten? Muss dieses abgestimmt werden oder können sie selbst entscheiden, wenn sie kommunizieren wollen? Solche Informationen sollten vorhanden sein.
Als Motivation zur Kommunikation stand an erster Stelle der Wunsch, Wissen zu liefern, damit Menschen fundierte Entscheidungen treffen können. Ich denke, das ist auch eine Folge der Coronapandemie. Vielleicht kann man diesen Aspekt noch verdeutlichen und sagen: Das Wissen, das ihr liefert, ist relevant für Entscheidungsprozesse.
Voicu, D. D. (2025) Predictors of media engagement: factors impacting materials scientists’ intentions to communicate science. Front. Commun. 10:1568771. doi: 10.3389/fcomm.2025.1568771
Mehr Aktuelles aus der Forschung
Das amerikanische Nationale Gesundheitsinstitut kündigte 2025 unerwartet über 2.000 laufende Forschungsstipendien, zog Gelder zurück und brachte damit Tausende von Projekten zum Erliegen. Oliveira und Kolleg*innen haben anhand eines Datensatzes aus öffentlich zugänglichen Aufzeichnungen dokumentiert, wie sich die Streichungen nach Geschlecht und Karrierestufe unterschieden. Obwohl Kürzungen in allen Regionen und bei verschiedensten Einrichtungen gemacht wurden, zeigen die Ergebnisse, dass Nachwuchsforschende und Frauen überproportional betroffen waren. Die Ergebnisse verdeutlichen die Anfälligkeit von Nachwuchskräften und Frauen gegenüber plötzlicher finanzieller Unsicherheit und unterstreichen laut Autor*innen die Bedeutung nachhaltiger Investitionen in den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Wie prägt die Offenlegung des KI-Einsatzes in der wissenschaftlichen Forschung die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit? In einer vorab registrierten Survey-Studie wurden über 800 Befragten nach dem Zufallsprinzip einer von sechs Erklärungen zugewiesen, die unterschiedliche Ausprägungen des Einsatzes generativer KI beschrieben. Die Befragten gaben das höchste Maß an Vertrauen, wahrgenommener Forschungsqualität und Ethik an, wenn die Forschung als vollständig ohne KI durchgeführt beschrieben wurde. Und das niedrigste, wenn KI sowohl für theoretische als auch für methodische Aufgaben eingesetzt wurde. Die Befragten standen dem Einsatz generativer KI positiver gegenüber, wenn sie für methodische Aufgaben verwendet wurde, im Vergleich zu theoretischen Aufgaben wie der Hypothesenbildung. „KI zur sprachlichen Überarbeitung“ wurde als am wenigsten transparent wahrgenommen.
Erinnern Sie sich noch an die Schlagzeile, die um den 8. März digital diskutiert wurde? Gen-Z Männer würden wieder zu stark konservativen Überzeugungen zurückkehren, hieß es. Die Schlagzeile basierte auf einer Umfrage des Unternehmens Ipsos. Verdi analysierte nun, wie es zu einer Fehlinterpretation der Daten kam. Das Institut hatte, so Verdi, in Deutschland lediglich eintausend Menschen online angeschrieben. Die Gewerkschaft kritisiert, dass mit zugespitzten, suggestiv vorgegebenen Aussagen im Fragenkatalog die Institute klare und medientaugliche Botschaften produzieren wollen. Das Thema „Tendieren junge Männer wirklich nach rechts, sind sie rückwärts gewandt?“ würde in der Wissenschaft durchaus seriös bearbeitet werden. Jedoch sei das Bild dort wesentlich weniger klar. Die Männer der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren seien nach der Analyse eines Sozialforschers „äußerst heterogen“.
Auch die Unstatistik des Monats März widmet sich dem Problem von durch PR begünstigter Überinterpretation. Die Autor*innen erinnern an Merkmale von ‘Unstatistiken’, die Orientierung geben können: „Eine eng begrenzte Stichprobe wird verallgemeinert, Selbstauskünfte werden kausal interpretiert, Prozentwerte suggerieren Genauigkeit ohne methodische Transparenz, die Interessen des Auftraggebers bleiben im Hintergrund, mediale Zuspitzung verstärkt die Aussagen weit über die Daten hinaus.“

Das Patriarchat einfach auf der Erde lassen? Mit der Frage, wie unser Leben im Weltraum aussehen könnte und welche Rolle darin Geschlechterbilder spielen werden, haben sich Schüler*innen im Wiener Museum für Wissenschaft und Technik beschäftigt. In einem Praxisbericht reflektieren Forschende um Eleanor S. Armstrong von der University of Leicester das Projekt. Sie zeigen, wie es Schüler*innen ermöglicht wurde, Männlichkeitsbilder zu hinterfragen und neue Visionen von kosmischem Leben zu entwickeln.
Wenn Wissenschaftler*innen belästigt werden, kann Solidarität helfen. In einem Co-Creation-Prozess haben Forschende, Praktiker*innen, Influencer*innen und Bürger*innen gemeinsam eine Instagram-Kampagne entwickelt, die Interventionen fördern soll. Jana Laura Egelhofer, Bernhard Goodwin und Magdalena Obermaier von der LMU München ordnen das Projekt ein, bei dem Botschaften mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, rechtlichen Hinweisen und Beispielen für Interventionen verbreitet wurden.
Wie kommunizieren verschiedene Disziplinen zur Energiewende? Florentina Höhs von der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt in einer Literaturanalyse unter anderem, dass eine gewisse Einseitigkeit in Bezug auf die Kommunikator*innen und analysierten Kanäle besteht und dass die Bedeutung lokaler Akzeptanz oft übersehen wird.