Bild [KI]: Gesine Born (Versäumte Bilder)

KI-Porträts sorgen für Kritik

Das Wisskomm-Update gibt alle 14 Tage einen Überblick über aktuelle Themen, Debatten und Trends. Außerdem finden Sie hier aktuelle Termine und Forschungsergebnisse zur Wissenschaftskommunikation.

Was gibt’s Neues?

Debatte über „Versäumte Bilder”

Im vergangenen Jahr eröffnete die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär die Ausstellung „Versäumte Bilder“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Nun haben die Bilder einen neuen Platz bekommen. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März veröffentlichte das BMFTR ein Video, das zeigt, wie die Bilder im Ministerium aufgehängt wurden. Zur Standortwahl sagte Dorothee Bär: „Das Entscheidende war für mich, dass jeder, […] der zu mir ins Büro möchte, zu seinem Glück gezwungen wird, an ganz vielen großartigen Frauen vorbeizugehen und hoffentlich auch die Geschichte dahinter zu erfahren.“ 

Die künstlich generierten Bilder, die teilweise nicht vorhandene Bilder ersetzen und in anderen Fällen verpasste Gelegenheiten sichtbar machen sollen, werden derzeit kritisch auf diversen Social-Media-Plattformen rezipiert. 

Ann-Kathrin Büüsker kommentierte bei Bluesky in einem Post, der viele erreichte: „Die Forschungsministerin freut sich auf Insta darüber, dass jetzt ‘Porträts’ von Frauen der Geschichte in ihrem Haus hängen. Nur: Die sind mit KI erstellt. Und schleifen die Gesichter der Frauen gemäß moderner westlicher Schönheitsideale glatt.“

Ann-Kathrin Büüsker kommentierte bei Bluesky. Bild: Ann-Kathrin Büüsker

Wir stellten Gesine Born, der Künstlerin hinter den Bildern, 2025 in einem Interview die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Auf die Frage, wie sie mit der Kritik umgehe, das Aussehen sei zu stark verändert worden, sagte Born damals: „Auch wenn dieses Bild nicht ganz das Aussehen von Emmi Dorn getroffen hat, haben es viele Menschen gesehen und ihre Geschichte gehört. Dieses Sichtbarmachung ist das wichtige bei diesem Projekt.“

Dass es kritische Töne gebe, begrüße sie, denn es sei wichtig, genau diese Fragen zu diskutieren. Zudem sehe sie sich in der Verantwortung, künftig noch stärker mit Angehörigen, Instituten und Gleichstellungsbeauftragten in den Austausch zu treten. Auf die aktuell wieder entfachte Debatte spielte Bär ebenfalls in ihrer Rede im Rahmen der Ausstellungseröffnung der „Versäumten Bilder“ an und sagte: “Ihre Bilder sind eine schöne Provokation.“

Zu den Kritikpunkten bei Social Media zählte auch die Gefahr einer historischen Verzerrung der Gegebenheiten. Gesine Born wird mit der Aussage zitiert: „Die Frage ist: Wie schlimm wäre es, wenn die Leute glauben würden, das Bild sei echt?“. Ein Bluesky-Nutzer kommentierte: „[Der] Geschichtslehrer in mir mit entsprechenden Staatsexamen schaudert es bei jedem Lesen erneut […].“ Eine weitere kritische Stimme findet sich übrigens auch in unserem Portal – hier schrieb die Historikerin Sabrina Alber über künstlich generierte Bilder in Dokumentarfilmen.

Das BMFTR reagierte auf Instagram auf die kritischen Kommentare und schrieb: „Es geht bei der Aktion viel mehr um die Symbolik: Viele bedeutende[…] Wissenschaftlerinnen haben in der Wissenschaftsgeschichte nie solche prägenden Porträts bekommen. Die Bilder stehen deshalb für diese sichtbare Lücke.“

Obwohl die negativen Reaktionen überwogen, gab es auch einige Kommentator*innen, die die Bilder lobten. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung: „Frau Born, was Sie hier zeigen, ist auch ein positives Beispiel, wie künstliche Intelligenz verwendet werden kann.“ Bei LinkedIn schrieb die Redakteurin Vanessa Krohn-Trinius: „KI und ein kreativer weiblicher Kopf bringen nun all die starken Frauen ins Blickfeld, die wir eigentlich alle kennen sollten.“

Effektive Kommunikationsstrategien für den Umgang mit Rechtspopulist*innen

Klima- und Nachhaltigkeitsthemen werden immer stärker in den Hintergrund gedrängt durch die lauteren rechtspopulistischen Themen, schreibt Matthias Tang im Blog des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit. Um nicht ausschließlich defensiv agieren zu müssen, seien neue Strukturen gegen künftige Angriffe sowie effektivere kommunikative Strategien notwendig.

Klimaschutz werde zunehmend von rechtspopulistischen Akteur*innen als Ideologie diffamiert. Die Kommunikation versuche, mit positiven Narrativen, wie gesundheitsfördernden Klimaschutzmaßnahmen, dagegenzuhalten. Dies trägt jedoch unbewusst zur Diskursverschiebung bei, konstatiert Tang: „Wenn die Bedrohung der menschlichen Lebensgrundlagen durch den Klimawandel aus dem Diskurs verschwindet, kann Klimaschutz in der Folge leichter als Ideologie und als Teil eines ‚woken‘ Lebensstils abgelehnt werden.“

Die Algorithmen der populären Social-Media-Plattformen verschaffen den „einfachen Antworten auf komplexe Fragen“ zusätzliche Reichweite. Dennoch dürfe man Diskursräume bei X und damit die Kommunikationsräume des Rechtspopulismus nicht grundsätzlich meiden, mahnt Tang.

Auch die Medien stecken in einer Zwickmühle: Wenn sie bei rechtspopulistischen Politiker*innen besonders hart und kritisch nachfragen, laufen sie Gefahr, das populistische Narrativ einer „links-grünen Lügenpresse“ zu bedienen. Eine unkritische Gesprächsführung würde hingegen zur fortschreitenden Normalisierung rechtspopulistischer Positionen beitragen.

Hier sieht Tang die Wissenschaft im Vorteil: Sie kann freier entscheiden und sollte rechtspopulistischen Funktionär*innen keine Bühne bei Konferenzen bieten. Auf etwaige Auseinandersetzungen, beispielsweise bei Bürger*innendialogen, sollte man sich gut vorbereiten, etwa im Austausch mit Kolleg*innen über Erfahrungen und Best-Practice-Beispiele oder durch Schulungen.

Es sei auch eine andere Art der Politikberatung notwendig. Das Kommunikationsklima im Bundestag habe sich verschlechtert, sodass jeder Versuch, als „Honest Broker“ aufzutreten, zum Scheitern verurteilt sei. Wertentscheidungen würden unvermeidlich zum festen Bestandteil der wissenschaftlichen Politikberatung. Laut Tang ist es entscheidend, die Folgen des Rechtspopulismus zu antizipieren und entsprechende Strategien zu entwickeln. 

Mangelnde Unterstützung für Geistes- und Sozialwissenschaften?

Das Rhine Ruhr Research Center (RRC) kommentiert bei LinkedIn: „In der Schweiz wird gerade darüber diskutiert, warum keiner der sechs neu geförderten Nationalen Forschungsschwerpunkte in den Sozial- und Geisteswissenschaft angesiedelt ist.“

Das Format ‚Wissverständnis‘ des Das Rhine Ruhr Research Center (RRC) macht auf öffentliche Diskurse über Wissenschaft aufmerksam. Bild: RRC

Und sonst?

Eine goldene Himbeere für die Wisskomm? Sollte es einen Negativ-Preis für schlecht gemachte Wissenschaftskommunikation geben? „Ein Zertifikat für garantiert uninformative Arbeit? Ein Badge für halluzinierte Fakten?“, das fragte die Recruiterin Christina Bergmann bei Bluesky. Was meinen Sie? Schreiben Sie uns Ihre Einschätzung!

Die Universität Tübingen zeichnet drei Forschende für herausragende Wissenschaftskommunikation aus. Die Preise erhielten der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, der Rechtsextremismusforscher Rolf Frankenberger und die Ökologin Rachel L. Gunn. 

Die Klaus Tschira Stiftung* ist diesjährige Trägerin des PreisesWissenschaftsstiftung des Jahres“, der von der Deutschen Universitätsstiftung (DUS) und dem Stifterverband* vergeben wird. In der Begründung heißt es: „Die Klaus Tschira Stiftung beschreitet mit ihrem die Wirkung in den Blick nehmendem Fördermanagement neue und innovative Wege.“

Und die Forschung?

Studierende werden von Forschenden bei der Herstellung ihrer Objekte angeleitet. Bild: .Eleanor S Armstrong et al. | Journal of Science Communication

Das Patriarchat einfach auf der Erde lassen? Mit der Frage, wie unser Leben im Weltraum aussehen könnte und welche Rolle darin Geschlechterbilder spielen werden, haben sich Schüler*innen im Wiener Museum für Wissenschaft und Technik beschäftigt. In einem Praxisbericht reflektieren Forschende um Eleanor S. Armstrong von der University of Leicester das Projekt. Sie zeigen, wie es Schüler*innen ermöglicht wurde, Männlichkeitsbilder zu hinterfragen und neue Visionen von kosmischem Leben zu entwickeln. 

Wenn Wissenschaftler*innen belästigt werden, kann Solidarität helfen. In einem Co-Creation-Prozess haben Forschende, Praktiker*innen, Influencer*innen und Bürger*innen gemeinsam eine Instagram-Kampagne entwickelt, die Interventionen fördern soll. Jana Laura Egelhofer, Bernhard Goodwin und Magdalena Obermaier von der LMU München ordnen das Projekt ein, bei dem Botschaften mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, rechtlichen Hinweisen und Beispielen für Interventionen verbreitet wurden. 

Wie kommunizieren verschiedene Disziplinen zur Energiewende? Florentina Höhs von der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt in einer Literaturanalyse unter anderem, dass eine gewisse Einseitigkeit in Bezug auf die Kommunikator*innen und analysierten Kanäle besteht und dass die Bedeutung lokaler Akzeptanz oft übersehen wird. 

Termine

📆 17. Mai 2026 | Bewerbungsschluss für den Prix Média Wissenschaftsjournalismus | Mehr

📆 23 .- 25. September 2026 | Tagung „Wissen schaf(f)t Konflikte? Kontroversen und Dilemmata der Wissenschaftskommunikation“ | Mehr

📆 9. – 10. Dezember 2026 | Forum Wissenschaftskommunikation* (Leipzig) | Mehr

Jobs

📢 Volontär*in für Ausstellung und Wissenschaftskommunikation (m/w/d) | Deutsches Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (Bewerbungsfrist: 15. März 2026)

📢 Office- und Teilnehmendenmanagement (m/w/d) | con gressa GmbH (keine Bewerbungsfrist)

Weitere Stellenangebote finden Sie in unserer Jobbörse– exklusiv für Stellen aus der Wissenschaftskommunikation. Hochschulen, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Co können ihre Stellenangebote direkt an Besucher*innen unseres Portals richten.

Fundstück

Die Reporterfabrik erklärt, wie es zu einer „False Balance“ bei der Berichterstattung über Wissenschaftsthemen kommt. Ein lohnenswertes Video über die Vermischung von Fakten und Meinungen: