Schon als Jugendliche liebte Daniela Neupert es, kurze Videos zu produzieren. Heute ist es ihr Beruf. Für Terra XTikTok und als „Scienceitch“ verpackt sie komplexe wissenschaftliche Inhalte in kurze Videos. Wie sie dabei den Spagat zwischen Aufmerksamkeit erzeugen und wissenschaftlicher Korrektheit schafft, erzählt sie im Jobprofil.
Im Profil: Daniela Neupert
Karriereleiter, Karrieresprungbrett oder Karrierekarussell – Wie war Ihr Weg in die Wissenschaftskommunikation/den Wissenschaftsjournalismus?
Eigentlich wollte ich früher Lehrerin werden – das habe ich aber ziemlich schnell wieder verworfen. Danach kam der Wunsch, Regisseurin zu werden, aber auch das hat sich nicht gehalten. Stattdessen habe ich schließlich Medieninformatik studiert. Heute habe ich das Gefühl, dass ich in der Wissenschaftskommunikation diese drei Interessen vereinen kann.
Videos mache ich schon, seit ich 13 bin, anfangs einfach zum Spaß. Während der Corona-Zeit hatte ich dann wieder Lust, ein Video zu produzieren, und habe eines über Maschinelles Lernen gemacht, ein Thema, das mich als Informatikerin beschäftigt. Irgendwann dachte ich: Warum nicht auf YouTube hochladen? Es folgten weitere Videos – mit eher mäßigem Erfolg, aber es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.
2021 habe ich dann bei FameLab mitgemacht und sogar den Regionalentscheid gewonnen. Da habe ich gemerkt: Wissenschaftskommunikation könnte wirklich gut zu mir passen. 2023 kam dann die Idee, Themen, die mich sowieso interessieren und die ich selbst recherchiere, einfach kurz vor der Kamera zu erklären und als Video zu teilen. So können sich andere die Recherche sparen. Das habe ich dann umgesetzt und es ist tatsächlich auf Anklang gestoßen.
Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job und warum lohnt es sich trotzdem jeden Tag?
Eine der größten Herausforderungen ist definitiv der Content selbst: Themen, die zwar für mich oder Wissenschaftler*innen total spannend sind, auch für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Oft ist etwas in der Wissenschaft eine große Sache, wirkt aber für Menschen, die wenig Berührung damit haben, erstmal gar nicht so interessant. Dazu kommt die Balance: Wie formuliert man Inhalte so, dass sie Aufmerksamkeit erzeugen, ohne zu übertreiben oder wissenschaftlich ungenau zu werden?
Generell ist es auch eine Herausforderung, überhaupt Aufmerksamkeit für Wissenschaft zu bekommen, gerade auf Social Media. Viele Menschen gehen dorthin, um sich abzulenken oder unterhalten zu lassen. Wissenschaftskommunikation kann das zwar auch leisten, aber sie hat es oft schwerer als zum Beispiel Comedy oder klassische Vlogs.
Klar, die wenigsten haben Lust, in ihrer Freizeit wissenschaftliche Paper zu lesen. Gerade deshalb ist Wissenschaftskommunikation so wichtig: Sie kann einen ersten, niedrigschwelligen Zugang schaffen und dazu anregen, sich zumindest oberflächlich mit komplexen Themen – etwa künstlicher Intelligenz – auseinanderzusetzen.
Worin liegt der Mehrwert bei kurzen Videos auf Social Media gegenüber anderen Formaten, was sind eventuell Nachteile?
Ein klarer Nachteil von Shortform Content ist die geringe Aufmerksamkeitsspanne. Wenn ein Video nicht sofort „catcht“, sind die Leute schnell wieder weg und kommen oft nicht zurück. Gleichzeitig ist die inhaltliche Tiefe begrenzt. Zwar können Videos länger als eine Minute sein, aber dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht bis zum Ende geschaut werden.
Der große Vorteil liegt aber darin, dass die Menschen ohnehin auf Social Media unterwegs sind. Man erreicht sie also genau dort, wo sie sich bereits aufhalten – ohne dass sie aktiv nach wissenschaftlichen Inhalten suchen müssen. Bei vielen anderen Formaten ist das anders: Da muss man gezielt hingehen, etwas anklicken oder sich bewusst Zeit dafür nehmen. Deshalb kann schon eine Minute Aufmerksamkeit ein wirkungsvoller Zugang zu Wissenschaft sein.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation?
Ich fände es schön, wenn mehr Menschen, die selbst forschen, auch aktiv ihre eigene Arbeit kommunizieren würden. Natürlich ist nicht jede Person der Typ dafür, aber die Fähigkeit, verständlich über die eigene Forschung zu sprechen, ist auf jeden Fall wertvoll.
Außerdem würde ich mir mehr Förderung für die Wissenschaftskommunikation wünschen. Bei Social Media können Creator*innen mit großer Reichweite Werbe-Kooperationen eingehen und darüber Einnahmen generieren. Im Wissenschaftsbereich ist das deutlich schwieriger.
Deshalb haben es viele, die Wissenschaftskommunikation machen, schwer, sich damit langfristig etwas aufzubauen oder das sogar hauptberuflich zu machen. Es wäre schön, wenn es hier mehr Möglichkeiten gäbe, finanziell unabhängig und nachhaltig in diesem Bereich arbeiten zu können.

Daniela Neupert ist Informatikerin und Wissenschaftskommunikatorin. Interessantes aus allen möglichen Themenbereichen – von Biologie über Informatik bis hin zur Wissenschaft im Alltag – teilt sie auf ihren Social-Media-Kanälen auf TikTok und Instagram unter dem Pseudonym @scienceitch. Sie arbeitet für TerraX TikTok und macht seit Neuestem auch wissenschaftlich fundiert Hoffnung für die Zukunft bei Danitopia von funk.