Foto: Science March, CC0 1.0

Science March Deutschland – ich bin dabei! (6)

Der Science March ist eine Demonstration für den Wert von Forschung und Wissenschaft in der Gesellschaft. Wissenschaftskommunikation.de hat Unterstützer von Märschen in Deutschland nach ihren Beweggründen befragt.

Wer unterstützt den Marsch für die Wissenschaft und was sind ihre Beweggründe? Wir haben Stimmen eingefangen.


Foto: Beatrice Lugger ©NaWik/Tim Wegner

Beatrice Lugger, Wissenschaftliche Direktorin, Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik), Rednerin in Heidelberg

Seit 5 Jahren widmen wir uns als Institut dem Thema „Verständliche Wissenschaftskommunikation“, weil sie notwendig ist für eine feste Verankerung von Wissenschaft in der Gesellschaft. Wir suchen beständig nach weiteren Möglichkeiten und Methoden in dieser hochkomplexen Welt Wissenschaft so zu vermitteln, dass möglichst viele Menschen deren Wert und Wichtigkeit erkennen und mitdiskutieren können.

Denn es fällt uns allen zunehmend schwer, die jeweilige Faktenlage zu durchdringen und uns eine qualifizierte Meinung zu wichtigen Fragen zu bilden. Zudem gibt es heute erstaunlich viele Menschen, die Fakten nicht mehr als Grundlage für Entscheidungen heranziehen. Wir müssen dies ernst nehmen und an den entscheidenden Stellen etwas ändern. So brauchen wir mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die aus ihren Büros und Laboren herausgehen und sich für einen Dialog auf Augenhöhe bereit zeigen – und diesen Dialog auch führen können.

Nun gehen erstmals weltweit Menschen auf die Straßen, um für Wissenschaft als essenziellen Bestandteil ihrer jeweiligen Gesellschaft einzutreten. Ich werde in Heidelberg dabei sein. Ich hoffe, dass der March for Science einen starken Impuls gibt für mehr direkten Austausch über wissenschaftliche Fragestellungen.


Foto:
Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, ©Silvia Wolf

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg

Am 22. April 2017 werden Menschen weltweit durch ihre Teilnahme am March for Science deutlich machen, dass die Wertschätzung von Expertentum und wissenschaftlich gesicherter Erkenntnis eine entscheidende Voraussetzung bildet für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Dialogfähigkeit. Wissenschaft ermöglicht Vertrauen in eigene Standpunkte und die eigene Zukunft und ist damit wesentlicher Faktor für individuelle Zuversicht.

Die Unterstützerinnen und Unterstützer des March for Science bringen ihre Sorge angesichts einer international feststellbaren Zunahme wissenschaftsfeindlicher Entwicklungen zum Ausdruck: tendenziöse und lautstarke Leugnung oder Relativierung von Forschungsergebnissen, Repressionen gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, massive Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit. In vielen Fällen bricht sich in diesen Entwicklungen eine Intoleranz gegenüber den produktiven Zumutungen Bahn, die mit Wissenschaft seit jeher auch verbunden sind: Forschungsergebnisse können unbequem sein und sind es – zum Wohle der Menschheit – in Jahrhunderten oftmals gewesen. Sie können alltägliche Gewissheiten und Gewohnheiten in Frage stellen und das Selbstbild von Einzelpersonen und Gesellschaften destabilisieren. Die Wissenschaft braucht eine gleichermaßen gelassene wie aufgeschlossene Haltung gegenüber diesen Zumutungen, um sich optimal zu entfalten, Vertrauen in die Zukunft zu schaffen, und einen Fortschritt zu realisieren, der im 21. Jahrhundert notwendiger ist denn je. Auch dafür treten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des March for Science ein – am 22. April, in Freiburg und weltweit.


Foto: Florian Alexander Dehmelt

Florian Alexander Dehmelt, Physiker und Neurobiologe, Unterstützer des Science March in Tübingen

Ich mache mit beim Science March, weil wir Unterstützung und Vertrauen nicht einfach so einfordern können: Wir müssen sie uns stets aufs Neue verdienen.

Klar – wenn jahrhundertelang niemand Wissenschaft betrieben hätte, dann ginge es heute allen Menschen schlechter. Schön und gut. Aber heißt das denn, dass auch jede aktuelle Forschung sinnvoll ist?
Wissenschaft machen nur wenige. Stellvertretend für uns alle suchen, zweifeln und scheitern sie, und stoßen doch immer wieder auf kleine und große Erkenntnisse, die unser Leben verändern. Kann man ihnen diese Verantwortung wirklich anvertrauen? Was für Menschen sind das überhaupt? Was treibt sie an? Und welche Werte bestimmen ihr Handeln? Muss ich blind vertrauen, wenn ich nicht selbst „vom Fach“ bin?
Das sind verdammt gute Fragen, und sie alle verdienen eine ehrliche Antwort. Niemand kann dazu besser Rede und Antwort stehen als wir selbst: Forscher und Tierpfleger, Studierende und Professorinnen! Wir alle können selbstbewusst unsere Gesichter zeigen, klar und deutlich Position beziehen – und gemeinsam für eine freie und ergebnisoffene Wissenschaft eintreten.


Foto: Marie Schmidt

Marie Schmidt, Pro-Test Deutschland e.V., Studentin in Tübingen die am Science mach in Tübingen teilnimmt

Menschliche Errungenschaften wie die Stromversorgung, barrierefreies Internet und eine gute Verkehrsinfrastruktur sind nicht selbstverständlich. Sie sind das Produkt von Neugier, Fragen und Mühen von Wissenschaftlern, die den Mut und die Möglichkeiten hatten, Neues auszuprobieren.

Dank des Internets ist es heute einfacher, Ideen auszutauschen: Aus aller Welt arbeiten Wissenschaftler gemeinsam an Lösungen von morgen, damit Bestehendes besser und Neues geschaffen wird – und unser Planet dabei für alle erhalten bleibt. Wissenschaftler müssen dabei neugierig sein dürfen. Auch unangenehme Fragen führen zu Erkenntnissen, die allen helfen, sei es in Ökologie, Medizin oder Politik. Deshalb darf die öffentliche Finanzierung transparenter Forschung nicht auf Grund von Interessen einzelner Personen und Lobbyisten eingeschränkt werden. Forschung und frühe Wissenschaftsbildung liegen in humaner Verantwortung und sollten damit weit über staatliche Interessen hinausgehen.

Konkret bedeutet das: faire Finanzierung, ehrlichen Datenaustausch und freies Reisen für Forscher aller Nationen. Um an diese Voraussetzung freier Wissenschaft zu erinnern, nehme ich am Science March teil.


Hintergrundartikel zum March for Science

Science March Deutschland- Ich bin dabei! (1)

Science March Deutschland- Ich bin dabei! (2)

Science March Deutschland- Ich bin dabei! (3)

Science March Deutschland- Ich bin dabei! (4)

Science March Deutschland- Ich bin dabei! (5)

 

Stimmen im Netz:

Weitere Stimmen von Unterstützer finden sich beispielsweise vom Team des Informationsdienst Wissenschaft idw-online.de und von Experten des Science Media Center Germany.

Foto: ScienceMarch Frankfurt am Main

Auf der Facebook Seite des ScienceMarch Frankfurt am Main haben Unterstützer ihr Statement zur Frage “why I march” als Bild abgegeben, genauso wie auf der Instagram-Seite des ScienceMarch Berlin

 

Die Eckdaten des Science March Germany:  22.04.2017

Offizieller Internetauftritt des Science March Germany:

Hier findet sich die Liste der Unterstützer, die Standorte an denen eine Demonstration abgehalten wird. Der Sloganfinder bietet eine Auswahl verschiedener Slogans für Plakate in einem Klickspiel und am Ende zum Download mit klarem Design. Und natürlich kann hier auch für die Sache gespendet und T-Shirts gekauft werden.

Twitter: ScienceMarchGER 

Facebook: ScienceMarchGER

Für diejenigen, die sich noch unsicher sind ob sie demonstrieren wollen, findet sich eine Entscheidungshilfe bei PhD Comics.

Sind Sie auch dabei? Schicken Sie uns Ihr Statement, schreiben Sie uns an welchem Ort Sie teilnehmen. Redaktion@wissenschaftskommunikation.de